Yanis Varoufakis – Jung & Naiv: Folge 309

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Der sehr bescheidene Vorschlag des Yanis Varoufakis

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David Hamacek

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Die sogenannte Euro-Krise ist seit ihrer Entstehung ständig in den Medien, nur leider wird diese Berichterstattung der deutschen Leitmedien sehr stark von einseitigen Schuldzuweisungen in Richtung der Peripherie-Länder, besonders Griechenland, dominiert. In der Bild-Zeitung tauchen Schlagzeilen wie „So geht sparen, Herr Tsipras“ (ergänzt von einem Kind mit 2€ Münze und Sparschwein) oder „Nehmt den Pleite-Griechen den Euro weg!“ am laufenden Band auf, zumindest wenn das Thema grade interessanter ist.

Aber auch Medien, die sich seriöser geben agieren oft nicht viel anders. Das Bild der heroischen Deutschen, die den faulen Griechen, die einfach nicht anders können, wurde in der deutschen Leitpresse Weiterlesen Der sehr bescheidene Vorschlag des Yanis Varoufakis

Yanis Varoufakis: Ein griechischer Kämpfer nimmt die nächste Schlacht ins Visier

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Seitdem er den Kampf um Griechenlands finanzielle Zukunft verloren hat, konzentriert sich Varoufakis auf ein anderes Anliegen: den Erhalt der Europäischen Union.
Die explosive Karriere von Yanis Varoufakis begann im Januar 2015 und endete weniger als sechs Monate später. Er trat als griechischer Finanzminister zurück, nachdem er seinen Chef, Premierminister Alexis Tsipras, des vollständigen Verrats – er nannte es „Kapitulation“ – gegenüber Griechenlands Kreditgebern bezichtigt hatte. Wie ein griechischer Mad Max blieb der damals berühmteste Finanzminister der Welt seinem theatralischen Stil treu, schwang sein Bein über seine leistungsstarke Yamaha und floh vor der Korruption und dem Zerfall in Athen mit einem Aufheulen des Motors.
Sein Abgang bedeutete das Ende des risikoreichen Spiels, das zu einem freiwilligen oder unfreiwilligen Austritt Griechenlands aus der Eurozone und möglicherweise der Europäischen Union hätte führen können. In Berlin und Brüssel feierten die Verhandlungspartner über das „Bailout“-Programm den Abschied des kämpferischen Varoufakis, der das vorgeschlagene dritte Rettungsprogramm und die damit verbundenen erdrückenden Sparmaßnahmen mit einem milderen Versuch der Schuldenrestrukturierung und wirtschaftlichen Reformen ersetzen wollte.
Während Varoufakis, jetzt etwas weniger berühmt, mit großen Schritten in das Restaurant Roof Garden im eleganten Hotel Grande Bretagne am Syntagma-Platz kommt – dem Ground Zero der Ausschreitungen und Proteste gegen das Sparprogramm, die Athen in den Krisenjahren regelmäßig in eine Kampfzone verwandelten – stelle ich mir zwei Fragen: Vermisst er das Drama mit einer Schlagzeile pro Minute, das ihn zu einem Superstar gemacht hat, und glaubt er, dass der Grexit – Griechenlands Austritt aus der Eurozone – noch immer möglich ist?
Die kurzen Antworten sind jeweils „nein“ und „ja“. Ich bin nicht sicher, ob ich seine Antwort auf die erste Frage glaube. Die zweite aber schon – der Grexit, der im letzten Jahr durch den Brexit, die Flüchtlinge und Donald Trump aus den Schlagzeilen gedrängt wurde, ist wieder in den Nachrichten. Aber später beim Mittagessen wird sich herausstellen, dass Griechenlands Schicksal für ihn jetzt nicht an erster Stelle steht – sondern das von Europa.
„Die Europäische Union befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium des Zerfalls,“ sagt er. „Die übergeordnete Erzählung von Europa ist zersplittert. Die Menschen denken nicht mehr in Bezug auf Europa….Jeder hat eine unterschiedliche Geschichte und wenn man sie zusammenfügt, bekommt man ein Bild der Implosion“.
Er unterstreicht seinen Standpunkt, indem er das überschuldete Italien ohne Wirtschaftswachstum anführt, die drittgrößte Wirtschaft der Eurozone, wo die in den Umfragen führende Partei, die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo, ein Referendum über den Euro fordert. „Jetzt steht der ‚Italexit’ zur Diskussion,“ sagt er. „Italien ist in der Eurozone nicht zukunftsfähig“.
Varoufakis kommt etwa Weiterlesen Yanis Varoufakis: Ein griechischer Kämpfer nimmt die nächste Schlacht ins Visier

Yanis Varoufakis: “Es ist an der Zeit, dass Europas Humanisten Europa zurückfordern”

Yanis Varoufakis: “Es ist an der Zeit, dass Europas Humanisten Europa zurückfordern”

Yanis Varoufakis – Fête de l’Humanité 2016

Rede auf der Fête de l’Humanité 2016
(Übersetzt von Andrea Hirschmann)
Letztes Jahr kam ich mit einer Nachricht von Griechenland zum Fest [Fête de l’Humanité]. Der Athener Frühling war gerade von der Troika niedergeschlagen worden, weil Europas Establishment plante, die Troika nach Paris zu bringen.
Und die Troika kam nach Paris. Das Arbeitsrecht wurde per präsidentialer Verordnung geändert. Bürgerrechte wurden eingeschränkt. Und die großartigen Menschen von Paris antworteten mit Nuit Debout.
Ja, es ist wahr, Griechenland war das Versuchslabor der Menschenverachtung. Und Frankreich muss das Schlachtfeld sein, auf dem die Menschenverachtung besiegt wird.
Warum sind wir hier? Wir sind hier, weil wir Humanisten sind, in einem Zeitalter der Menschenverachtung.
Wir sind hier, weil die Menschen in Frankreich ersticken. Die Griechen ersticken. Die Österreicher, die Deutschen, die Spanier, die Portugiesen ersticken. Ganz Europa erstickt.
Wir sind hier, weil unsere Bevölkerung erstickt, in einem Europa, das gerade zerfällt.
Und unsere Bevölkerung wird weiter ersticken, solange Europa zerfällt. Und Europa wird weiter zerfallen, solange unsere Bevölkerung erstickt.
So sind wir nun hier, um das Ersticken unserer Bevölkerung zu beenden, um den Zerfall Europas aufzuhalten. Einen Zerfall, der die Bestie der Großen Deflation unserer Zeit nährt, welche – wie in den 1930ern – Fremdenhass, Rassismus und Nationalismus hervorbringt.
Wir sind hier, um den Preis, den die Menschen aufgrund des idiotischen Umgangs mit der unvermeidlichen Krise dieses Europas zahlen müssen, möglichst gering zu halten. Nur das bringt uns hier zusammen: eine Dringlichkeit. Eine Pflicht: den Preis menschlichen Leidens möglichst gering zu halten. Unsere Aufgabe ist einfach: es ist unsere Pflicht, alles nur Erdenkliche zu tun, um die Sorgenfalten in den Gesichtern der Menschen zu glätten.
Geben wir uns keinen Illusionen hin. Vor uns stehen entschlossene, gutorganisierte Gegner, welche das Wohl der Menschen nicht an erste Stelle setzen. Die nur eines wollen: Business as usual, und eine Welt, die ihnen erlaubt, unendlich viel Geld zu machen, indem sie den Rest der Menschheit als Werkzeug dafür missbrauchen.
Mit rationalen Argumenten sind sie nicht zu überzeugen. Sie pfeifen auf ein ethisches Vorbild. Sie verachten Demokratie. Sie wissen, dass sie eine große Mehrheit der Menschen einschüchtern können. Doch in Ihrer Überheblichkeit zerstören sie mit ihrem Business as usual wie ein dummer Virus den Organismus, von dem sie abhängig sind.
Ihr Business as usual ist verantwortlich für Europas Zerfall.
Ihr Business as usual ist verantwortlich für den langsamen ökologischen Tod des Planeten Erde.
Ihr Business as usual ist verantwortlich für die Furcht und den Hass, der wieder, wie in den 1930ern, zur dominierenden politischen Kraft auf diesem Planeten wird.
Ja, deswegen sind wir hier. DiEM25, die Bewegung, die mit der Zerschlagung des Athener Frühlings ihren Anfang nahm und sich nun in ganz Europa ausbreitet, ist hier. Wir sind hier mit der Entschlossenheit, jeden Preis zu zahlen, alles auf uns zu nehmen, jedem Feind der Hoffnungen auf Mitmenschlichkeit die Stirn zu bieten. Wir sind hier, um die französischen Ideale von Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit zu verteidigen, und sie mit Hoffnung, Vernunft, Vielfalt, Toleranz und natürlich Demokratie zu ergänzen.
Doch hüten wir uns vor Selbstgefälligkeit. Wir dürfen nicht selbstverliebt werden. Wir sind nicht auch nur in der Nähe eines Erfolgs. Wir sind mitten in der schlimmsten Kapitalismuskrise seit 1929. Und doch: die progressiven Kräfte, die Linke, echte Liberale, Grüne – überall verlieren sie.
Die Niederlage unseres Athener Frühlings war von globaler Bedeutung. Podemos hat in Spanien den Schwung verloren. Überall erhebt sich die menschenfeindliche Rechte. Auf dem Kontinent werden neue Elektrozäune gezogen. Das Licht der Hoffnung flackert im kalten Wind des Nationalismus. Wenn kein Wunder geschieht, wird Frankreich 2017 einen noch reaktionäreren Präsidenten haben als den traurigen Herrn Hollande.
Warum ist das so? Warum wandten sich die Europäer in den Zeiten der Krise nicht Weiterlesen Yanis Varoufakis: “Es ist an der Zeit, dass Europas Humanisten Europa zurückfordern”

Yanis Varoufakis, Franco „Bifo“ Berardi, Srećko Horvat und Guillaume Paoli: “Im Zentrum des Übels / Plan B für Europa?” am 6. Oktober

Quelle: http://griechenlandsoli.com/2015/08/01/berlin-yanis-varoufakis-franco-bifo-berardi-srecko-horvat-und-guillaume-paoli-im-zentrum-des-uebels-plan-b-fuer-europa-am-6-oktober/

[Berlin] Yanis Varoufakis, Franco „Bifo“ Berardi, Srećko Horvat und Guillaume Paoli: “Im Zentrum des Übels / Plan B für Europa?” am 6. Oktober

Veröffentlicht am 1. August 2015 von georgbrzoska

Yanis VaroufakisPodium mit Yanis Varoufakis, Franco „Bifo“ Berardi, Srećko Horvat und Guillaume Paoli

Im Zentrum des Übels / Plan B für Europa?

Di 06.10. 21:00 Uhr

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz – Großes Haus

Der von Medien und Politik meist verleumdete Mann des Jahres 2015 kommt zurück nach Berlin, in die Höhle des Zuchtmeisters. Gescheitert an seinem Versuch, sein Land vom Diktat der Gläubiger zu befreien. Und doch erfolgreich: Yanis Varoufakis hat gezeigt, dass Intelligenz, Mut und Integrität zur politischen Praxis gehören können. Genau das wird ihm nicht verziehen.

Die Unnachgiebigkeit der griechischen Bevölkerung war nicht umsonst. Sie offenbart, in welch desolatem Zustand sich das europäische Projekt befindet. Um die Fiktion aufrecht zu erhalten, hochverschuldete Länder werden einmal ihre Schulden zurückzahlen können, werden Ressourcen geplündert und Menschen in die Armut getrieben. Für sie wie zu Breschnews Zeiten im Ostblock gilt nur noch die begrenzte Souveränität. Gegen die von nicht gewählten Institutionen auferlegten “Spielregeln” wird keine demokratische Wahl geduldet.

Weil er sich weigerte, den Staatsstreich der EU gutzuheißen, trat Yanis Varoufakis als Finanzminister zurück. Seitdem tourt er über den Kontinent mit einer Botschaft: Es gibt keine nationale Lösung. Der Ausgang des Dramas kann nur auf der gesamteuropäischen Bühne entschieden werden. Unter Einschluss der Öffentlichkeit. Europa, Demokratie? Das sind gute Ideen, die noch immer darauf warten, verwirklicht zu werden.

Franco „Bifo“ Berardi (*1948) ist ein italienischer Semiologe und Aktivist. Er war in Bologna eine Galionsfigur der Autonomie-Bewegung und ist Autor zahlreicher Bücher, zuletzt auf Deutsch: Der Aufstand – Über Poesie und Finanzwirtschaft (2014)

Srećko Horvat (*1983) ist ein kroatischer Philosoph und war Direktor des Subversive Festival in Zagreb. Von ihm erschien in deutscher Sprache: Nach Ende der Geschichte (2013) sowie mit Slavoj Žižek: Was will Europa? Rettet uns vor den Rettern (2013).

Guillaume Paoli (*1959) ist ein französischer Autor und Kurator der monatlichen Reihe „Im Zentrum des Übels“ in der Volksbühne. Von ihm erschien zuletzt Demotivational Training (2013) und „Mao siegt – Sieg des Narzissmus-Nihilismus“ (2013).

Tickets kosten 10,- Euro bzw. 6,- Euro ermäßigt.

»Europa ist mehr als ein Stück Papier«

http://www.neues-deutschland.de/artikel/985070.europa-ist-mehr-als-ein-stueck-papier.html

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Foto: AFP/Win McNamee
Herr Stiglitz, kennen Sie Yanis Varoufakis persönlich?

Ja, ich habe ihn mehrmals getroffen. Er ist eine sehr dynamische Person und ein sehr guter Ökonom. Ich bin sehr beeindruckt von seiner Einschätzung der Wirtschaftslage.
FLüchtlinge

Joseph E. Stiglitz

Joseph E. Stiglitz beriet den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in Wirtschaftsfragen und wurde 1997 Chefökonom der Weltbank. Weil er deren Politik nicht mittragen wollte, trat er 1999 unter Protest von seinem Posten zurück. Im Jahr 2001 erhielt Stiglitz für sein Forschungswerk den Wirtschaftsnobelpreis. Der 72-jährige Ökonom gilt als dezidierter Kritiker der Globalisierung unter neoliberalem Vorzeichen und der vorherrschenden Krisenpolitik. Mit ihm sprach Simon Poelchau über Griechenland und das demokratische Defizit in Europa.

Und was halten Sie von seiner Zeit als griechischer Finanzminister?

Varoufakis weiß, was gemacht werden müsste. Doch er konnte seine Partner in der Eurozone nicht von seinen Ideen überzeugen. Niemand hätte ein Alternativprogramm durchbringen können.
Der Verhandlungsausgang lag also nicht an Yanis Varoufakis?

Er hat viel Kritik für seinen flamboyanten Stil abbekommen. Ihm wurde vorgeworfen, dass er die anderen Verhandlungspartner vor den Kopf gestoßen habe. Als ob es ansonsten ein anderes Kreditprogramm für Griechenland gegeben hätte. Aber weder Giorgos Papandreou noch Antonis Samaras konnten ein besseres Ergebnis aushandeln. Auch bei einer anderen griechischen Regierung wäre also nichts anderes herausgekommen.
Warum sind sie alle gescheitert?

Nicht die griechischen Regierungen, sondern die Kreditgeber-Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist gescheitert. Die Troika als Ganzes verweigerte sich einer guten Wirtschaftspolitik. Dabei gab es auch innerhalb der Troika unterschiedliche Positionen.
Sie meinen die Forderung des IWF nach einer Umstrukturierung der griechischen Schulden.

Der IWF ist erst vor kurzem damit an die Öffentlichkeit gegangen, doch er spricht sich schon seit längerem dafür aus.
Nun hat der IWF seit kurzem einen neuen Chefökonom – Maurice Obstfeld. Wird sich da etwas an seiner Position ändern?

Ich konnte mit Obstfeld noch nicht über das Thema sprechen. Sein ökonomisches Denken unterscheidet sich aber nicht wesentlich von dem seines Vorgängers Olivier Blanchard. Deswegen wird es höchstwahrscheinlich keine großen Veränderungen bei der Position des IWF geben.
Warum konnte sich der IWF in Bezug auf eine Umstrukturierung der Schulden innerhalb der Troika nicht durchsetzen?

Er konnte Berlin nicht überzeugen. Und ohne Deutschland gibt es keine Schuldenumstrukturierung. Dabei wäre dies eine sehr wichtige Maßnahme. Ohne eine Umstrukturierung ist eine wirtschaftliche Depression garantiert. Das ist ganz einfach.
Was wäre sonst noch notwendig, um Griechenland aus der Krise zu führen?

Europa als Ganzes braucht eine Politik, die Wachstum erzeugt. Griechenland braucht Investitionen. Die Europäische Investitionsbank könnte da kurzfristig einspringen, etwa indem sie Kredite an kleine griechische Unternehmen vergibt, damit diese überleben können. Langfristig wäre ein europaweiter Solidaritätsfonds zur Stabilisierung der Wirtschaft sinnvoll. Aus dem könnten zum Beispiel einige Kosten der Arbeitslosigkeit bezahlt werden, falls ein Land in eine Krise gerät. Auch wenn Griechenland keine weiteren großen Staatsdefizite haben sollte, dürfen von dem Land keine Haushaltsüberschüsse verlangt werden. Diese Maßnahmen würden Griechenland wieder auf den Wachstumspfad bringen und es ihm leichter machen, seine Schulden zu senken. Die Maßnahmen, die Griechenland aufgebürdet wurden, verschlimmern jedoch die Schuldenkrise. Weiterlesen »Europa ist mehr als ein Stück Papier«