Systemrelevant – Der Wirtschafts-Podcast des IMK

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Die Corona-Krise bedeutet auch wirtschaftlich eine nie dagewesene Herausforderung für unsere Gesellschaft. Wir besprechen die neuesten Entwicklungen und Debatten mit Prof. Dr. Sebastian Dullien, dem Direktor unseres Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Geld oder Leben

Das Coronavirus breitet sich rasant aus, die Zahl der Toten steigt täglich, doch schon wird gefordert, bald wieder zur Normalität zurückzukehren. Die Begründung: Der Wirtschaft seien die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung nicht länger zuzumuten. »Die Heilung darf nicht schlimmer sein als die Krankheit«, so US-Präsident Donald Trump. Dan Patrick, Vizegouverneur des Bundesstaates Texas, bietet an, für eine Wiederaufnahme der Produktion sein Leben und das anderer zu riskieren, denn er sei »nicht bereit, das gesamte Land zu opfern«. Auch in Deutschland wird gewarnt, dass geschlossene Geschäfte und Produktionsstopp die Wirtschaft ruinieren: »Länger als bis zum Sommer kann der Stillstand nicht dauern«, sagt VW-Vorstand Jürgen Stackmann, »das halten Gesellschaft und Wirtschaft nicht aus.«

Die Forderung, zum Wohle von Wirtschaft und Börse die Schutzmaßnahmen aufzuheben oder abzuschwächen, wird vielfach als menschenverachtend kritisiert. Doch liegt ihr ein realer Gegensatz zu Grunde: »Wir wollen es vielleicht nicht wahrhaben, aber es gibt eine Abwägung zwischen dem Kampf gegen das Virus und der Zerstörung der Wirtschaft«, so formuliert ihn der US-Finanzjournalist Clive Crook. Diese Abwägung wird nun vollzogen, das Für und Wider diskutiert. Aber niemand stellt die Frage, wieso die Entscheidung zwischen Überleben der Menschen und Überleben der Wirtschaft so drängt? Selbstverständlich ist das nicht.

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Opfer: Dass das herrschende Wirtschaftssystem Menschenleben fordert, ist im Prinzip nichts neues. Dass Armut das Leben verkürzt, ist statistisch gut belegt. Die meisten Opfer allerdings Weiterlesen Geld oder Leben

Konjunktur Wenn der Wirtschaftsmotor stottert

Die Lage wirkt widersprüchlich. Der Beschäftigungsstand in Deutschland ist hoch und doch gibt es viele Armutsphänomene. Die niedrigen Zinsen machen Bauen preiswerter, gleichzeitig gehen die Mieten durch die Decke. Was folgt daraus für die Wirtschaftspolitik, was für die Geldpolitik?

Diskussionsleitung: Sandra Pfister

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Fallende Dax-Kurve im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main. Foto: Frank Rumpenhorst | Verwendung weltweit (dpa Themendienst)

Was passiert, wenn die fetten Jahre wirklich zu Ende gehen? (dpa Themendienst)
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Es gebe Risiken, die insgesamt die Unsicherheit erhöhten, sagte Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums im Kieler Institut für Weltwirtschaft. Man könne aber etwas Entwarnung geben, hinter den Wachstumszahlen stecke immer noch eine stabile, konjunkturelle Dynamik. „Die Tatsache, dass wir auf den Jahresdurchschnitt bezogen eine vergleichsweise magere Zahl haben, sagt noch nichts über die zugrundeliegende Konjunkturdynamik aus.“ Es sei wenig sinnvoll, jetzt zu viel „Moll“ zu intonieren, so Kooths. Die deutsche Wirtschaft sei immer noch überausgelastet.

Für die Partei Die Linke erklärte Fabio De Masi, der Abschwung stehe vor der Tür. Zwar sei es gut, dass die Binnenkonjunktur mittlerweile mehr zum Wachstum beitrage, aber Deutschland habe „für die Größe der Volkswirtschaft einen außerordentlich hohen Exportanteil“. Der Aufschwung sei außerdem ein gespaltener Aufschwung gewesen, er sei bei vielen Menschen der unteren Einkommensskala nicht angekommen. Deshalb sei es dringend nötig, dass Deutschland sich vom Export unabhängiger mache, mehr Geld in öffentliche Investitionen stecke, die Binnenwirtschaft stärker fördere und für mehr Sozialausgleich sorge.

EZB und Geldpolitik

Es gehe darum, dass ein größerer Teil dessen, was Deutschland erwirtschafte, auch investiert werde, unterstrich auch Sven Giegold von den Grünen, Mitglied des Europaparlaments. Viele Kollegen im EP seien der Auffassung, dass er Leistungsüberschuss Deutschlands zu hoch sei. Problematisch sei, so Giegold, dass die Europäische Zentralbank habe einspringen müssen, als es darum gegangen sei, den Krisenländern zu helfen. Ohne die Geldpolitik der EZB wäre der Euro in noch schwieriges Fahrwasser gekommen. Aber nachdem die Politik sich europaweit geweigert habe, eine gemeinsame Lösung für die Schuldenkrise zu finden, habe die Zentralbank in die Bresche springen müssen.

Die Zeit der niedrigen Zinsen, so Stefan Kooths, sei nicht ausreichend für Reformen genutzt worden. „Wir haben die Krise nicht bereinigt“. Und jetzt werde die Geldpolitik Gefangene ihrer eigenen Strategie. Insofern sei die Weltwirtschaft nicht in ruhigem Fahrwasser.

Es sei richtig gewesen, billiges Geld in den Markt zu pumpen, meinte Fabio De Masi, aber die Kürzung von öffentlichen Investitionen habe in Südeuropa dazu geführt, dass die Depression nicht überwunden werden konnte. Im übrigen müsste die Geldpolitik fiskalisch und durch öffentliche Investitionen entlastet werden, es herrsche eine Überforderung der Geldpolitik.

Defizitfragen und Investitionen  

De Masi sagte weiter, Strukturwandel werde nicht durch das Vernachlässigen von  öffentlichen Investitionen befördert. Auch Italien müsse zum Beispiel die Gelegenheit haben, zu investieren.

Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft erinnerte daran, dass die Niedrigzinspolitik nicht zuletzt eine Folge der Überschuldungsprobleme in der Eurozone sei. Ein Land könne nicht dadurch wieder wachstumsstark gemacht werden, dass neue Schulden oben drauf gelegt würden. Höhere Investitionen seien das eine, die müssten aber nicht durch höhere Defizite finanziert werden, sie könnten auch durch Umschichtungen in den Haushalten finanziert werden. Es sei ein Fehlschluss, Investitionen durch Defizite zu finanzieren. Je mehr Staatsschulden in das Wirtschaftssystem gegeben würden, desto größer werde das Ruhekissen für Vermögende.

Klemens Kindermann vom Deutschlandfunk unterstrich, es sei richtig, ein Planungsbeschleunigungsgesetz ins Auge zu fassen und die Forschungsförderung zu erhöhen. Das Problem derzeit seien fehlende Planungskapazitäten in Kommunen, Ländern und Behörden.

Giegold unterstrich, Deutschland investiere zu wenig. Er halte aber wenig davon, alle Investitionen jetzt aus den Schuldenregeln herauszurechnen, wie es unter anderem in Italien gefordert wird. Wichtiger seien intelligente Anreize für Investitionen.

Schwindsucht auf dem Sparbuch 

Was soll der deutsche Sparer machen, fragte Klemens Kindermann vom Deutschlandfunk. Deutschland sei schließlich auch ein Teil des EZB-Systems und die Verluste der Anleger müssten berücksichtigt werden. Fabio De Masi forderte einen strengeren Umgang mit großen Konzernen wie Apple, die zu wenig Steuern zahlten. Die Sparer sollten sich eine Regierung wählen, die die gesetzliche Renten wieder stärke. Sven Giegold plädierte für gemeinsame Unternehmensbesteuerung in Europa, es sei ein schwerer Fehler dies nicht zu nutzen, um dann gemeinsam große Projekte anzuschieben. 

Gefährliche Gewöhnung ans Irre

http://m.spiegel.de/wirtschaft/a-1127642.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=
Der Brexit, die Wahl Donald Trumps, die AfD-Erfolge – auf den Aufschwung der Populisten reagiert die Wirtschaft erstaunlich gelassen. Also alles nur Panikmache? Schön wär’s.
Thomas Fricke

Aufschwung der Populisten
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picture alliance/ ZUMAPRESS
Brexit-Anhängerin in London
Freitag, 30.12.2016 19:12 Uhr
Was für ein Jahr! Die Briten haben für einen EU-Austritt gestimmt, bei dem keiner so richtig weiß, wie er jetzt eigentlich ablaufen soll – nur, dass feststeht, dass die Briten zahlen müssen und nicht gewinnen sollen. Die Amerikaner wählten einen Milliardär, der zwar gut twittern und Leute angreifen kann, bei dem aber keiner so richtig weiß, ob er noch so viel mehr kann.
Und was machen die Börsen? Die Aktienkurse liegen bei Briten wie Amerikanern zum Jahresende über ein Viertel höher als noch zum Tiefpunkt im Februar. Der deutsche Aktienindex Dax schnellte sogar fast ein Drittel hoch.
War alles nur Panikmache, das ganze Gerede vom Absturz, der mit den Populisten droht? War 2016 doch nicht die Vorstufe zu etwas, was die Welt in den Dreißigerjahren ins Verderben geführt hat? Weil die Sonne auch in lonely Britannien und unter Twitter-Trump jeden Morgen wieder aufgehen wird, wie mancher Amateurdeuter schon mutmaßt? Gute Aussichten für 2017? Selbst wenn dann Weiterlesen Gefährliche Gewöhnung ans Irre

Reichtum ohne Gier / Der Entwurf einer neuen Wirtschaftsordnung

http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/gesellschaft-wirtschaft/wirtschaft/reichtum_ohne_gier-10240.html
Über das Buch
„Es ist Zeit, sich vom Kapitalismus abzuwenden“, sagt Sahra Wagenknecht. Wir leben in einem Wirtschaftsfeudalismus, der mit freier oder sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun hat. Und die Innovationen, die uns bei der Lösung wirklich wichtiger Probleme weiterbringen, bleiben aus. Wie kann es sein, dass vom Steuerzahler finanzierte technologische Entwicklung private Unternehmen reich macht, selbst wenn diese gegen das Gemeinwohl arbeiten?
– Die promovierte Volkswirtin, Publizistin und Politikerin Sahra Wagenknecht belässt es in ihrem Buch nicht bei der scharfsinnigen Analyse der bestehenden Wirtschaftsordnung.

– Die Autorin eröffnet mit konkreten Vorschlägen die politische Diskussion über neue Eigentumsformen.

– Wagenknecht plädiert dafür, Talent und echte Leistung zu belohnen und Gründer mit guten Ideen ungeachtet ihrer Herkunft zu fördern.

– Sahra Wagenknecht zeigt, wie eine innovative und gerechte Wirtschaft ganz konkret aussehen kann.
PressematerialienErgänzungen zum Buch

Gespaltene Lohnwelt

Michael Schlecht, MdB, wirtschaftspolitischer Sprecher Fraktion DIE LINKE – 16. September 2015
Die Tariflöhne sind in den letzten Jahren stärker als zuvor gestiegen. Aber die Bilanz von 2000 bis 2015 ist ernüchternd. Um zwölf Prozent stiegen sie preisbereinigt über diesen langen Zeitraum. Die Gewinneinkommen der Unternehmer explodierten um 70 Prozent. Und das eigentliche Drama: Nur noch 50 Prozent der Beschäftigten arbeiten unter dem Schutz eines Flächentarifvertrages. Die andere Hälfte der Beschäftigten ist regelrecht abgestürzt: Sie müssen heute mit einem preisbereinigten Einkommen auskommen, das 17 Prozent niedriger liegt als im Jahr 2000.

Hierzu ist ein neues 12seitiges Papier verfügbar unter 

http://www.michael-schlecht-mdb.de/wp-content/uploads/2015/09/L%C3%B6hne-abgeh%C3%A4ngt-1509_1.pdf

Gegenwärtig steigen die Löhne, auch preisbereinigt. Kein Wunder, denn die Inflationsrate liegt nahe null. Dank Einführung des Mindestlohns gibt es sogar bei den untersten Einkommen ein kleines Plus. Doch das Lohndumping der Agenda 2010 wirkt immer noch.

Der deutsche Sonderweg des Lohndumpings wurde maßgeblich von Schröder und Fischer eingeleitet. Ziel war es, die internationale „Wettbewerbsfähigkeit“ der deutschen Unternehmen zu stärken. Durch den Niedriglohnsektor – auf den Schröder erklärtermaßen stolz ist –, durch Leiharbeit, Befristungen, Scheinselbstständigkeit und Werkverträge sowie Minijobs wurde die gewerkschaftliche Kampfkraft nachhaltig unterhöhlt. Leiharbeiter und Befristete haben kaum die Chance sich an Streiks zu beteiligen; alleine schon aus Angst um den Arbeitsplatz. Und ohne oder ungenügenden Streikdruck gibt es keine oder nur minimale Lohnerhöhungen.

Viel schlimmer ist noch, dass mittlerweile nur noch jeder zweite Beschäftigte unter dem Schutz eines Flächentarifvertrages arbeitet; früher waren es einmal mehr als 70 Prozent. Tarifflucht der Unternehmer wird von den Regierungen seit Langem toleriert.

Anfang der 2000er Jahre betrug die Lohnquote noch 72 Prozent, also der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen. Mit der Agenda-2010-Politik brach die Lohnquote deutlich ein auf 68 Prozent und verharrt dort. Hinter dem Rückgang der Lohnquote um vier Prozentpunkte seit 2000 steckt richtig viel Geld. Rund 100 Milliarden Euro mehr müssten die Beschäftigten 2015 bekommen, wäre die Lohnquote noch so hoch wie im Jahr 2000. Die Beschäftigten werden seit vielen Jahren systematisch enteignet! Weiterlesen Gespaltene Lohnwelt

Das dicke Ende eines lauen Wirtschaftszyklus?

http://www.sozialismus.de/
4. September 2015 Joachim Bischoff: Chinas Ökonomie schwächelt
Aufkommende Zweifel an der Stärke der chinesischen Wirtschaft, die überraschende Abwertung des Yuan und die Sorge, die amerikanische Notenbank Fed werde bald den Leitzins erhöhen, haben Investoren und Anleger in den letzten Wochen aus ihrer Routine aufgeschreckt. Die Wertpapierbörsen sind deutlich abwärts gerauscht. Plötzlich wird der Blick frei für die tiefer liegenden Probleme der Globalökonomie.
Das globale Wirtschaftswachstum ist im Vergleich zum langjährigen Trend eher flau. Zudem ist erneut eine Spaltung zwischen den kapitalistischen Hauptländern und dem Großteil der Ökonomien an der Peripherie des Weltsystems unübersehbar. Die Schwellenländer und Rohstoffe exportierenden Staaten befinden sich schon seit Monaten in einem Sinkflug. Sie müssen mit tiefen Energie- und Rohstoffpreisen fertig werden. Auslösender Faktor der Talfahrt sind die Mindereinnahmen aus dem Exportgeschäft. Das gilt vor allem für Länder wie Brasilien, Südafrika und Russland, neuerdings auch für Australien, Norwegen und Kanada.
Die erste Reaktion: leichte Abwertung der Währungen. Weiterlesen Das dicke Ende eines lauen Wirtschaftszyklus?