Umkämpfte Erinnerung

Eine Demo von „Pro Chemnitz“ 2018. Die Ausdrucksformen solcher rechtspopulistischer Bewegungen lassen sich an Weimar gut studieren. Foto: picture alliance/dpa
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Hajo Funke

Wer heute die Neue Rechte entlarven will, muss die antidemokratische Dynamik der Weimarer Republik kennen. Ein Gastbeitrag. 

Mit ihren anhaltenden Angriffen auf die Erinnerung an den Nationalsozialismus und seine Verbrechen versucht die extreme Rechte, diese Erinnerung zu verbannen. Björn Höcke (AfD), der das Holocaust-Mahnmal als „Mahnmal der Schande“ bezeichnete, wurde von seinem Parteikollegen Alexander Gauland überboten, als der sich für „stolz auf die Leistung deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“ erklärte und den Nationalsozialismus als einen „Vogelschiss“ in einer tausendjährigen Geschichte verharmloste.

Ideologische Stichwortgeber der extremen Rechten um Götz Kubitschek und den Identitären Martin Sellner berufen sich inhaltlich aber auch auf radikale Nationalisten aus der Weimarer Republik wie Ernst Jünger und Carl Schmitt. Die „neuen“ Rechten folgen darin einer zentralen Vermittlungsfigur der historischen Radikalnationalisten, nämlich Armin Mohler. Der hatte schon wenige Jahre nach 1945 Personen wie Jünger oder Schmitt zur sogenannten „Konservativen Revolution“ erklärt, um sie – abgesetzt vom Nationalsozialismus – für die extreme Rechte nach 1945 als ideologische Figuren neu präsentieren zu können. In den 1980er Jahren empfahl Mohler der extremen Rechten, sie solle „die Leute in den Eingeweiden bewegen“, wie dies vorbildlich die Nationalsozialisten getan hätten. Er hat damit zugleich gezeigt, dass die extreme „neue“ Rechte so neu nicht ist.

Wie die Ideologie des Nationalsozialismus „Format“ erhielt

Das sind genügend Anlässe, sich der nationalistischen Ideologien aus der Zeit der Weimarer Republik und des Aufstiegs des NS an die Macht historisch-politisch zu erinnern: Eine genaue Kenntnis der antidemokratischen Dynamik in der Weimarer Republik erscheint angesichts der Wiederkehr nationalistischer Ideologien und Bewegungen in unseren multiethnisch geprägten Gesellschaften aktueller denn je. Denn der Nationalismus der Antidemokraten Jünger oder Schmitt war der „produktive“ Kern des antidemokratischen Denkens der Weimarer Republik. Mit ihm erhielt die völkische Ideologie des Nationalsozialismus „Format“.

Es ist Ernst Jüngers „Leitidee“ vom „Sonderrecht des Nationalismus“, die Weiterlesen Umkämpfte Erinnerung

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