Der lange Weg zur Drohnenmacht – Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Der Krieg verändert sich, ständig. Die Geschichte des Krieges ist die der fortlaufenden Entwicklung von Kriegswaffentechnologien. Auch die Geschichte des Friedens ist die Geschichte dieser Technologien und ihrer Kontrolle, damit sie nicht – wie in Goethes Zauberlehrling – zu den Geistern werden, die die modernen Gesellschaften riefen und nicht mehr loswerden, und damit ihre Zerstörungskraft nicht gegen die Gesellschaften verwendet wird, die sie als Mittel der Politik und des Profits ersannen.

Fest steht: Waffensysteme werden entwickelt, um besser Krieg führen zu können. Fest steht auch: einmal produzierte Kriegswaffen werden im Krieg zum Einsatz kommen – und werden sie im Inland produziert, werden sie exportiert, denn die Trennung zwischen innen und außen existiert nicht bzw. nur in der Theorie. Zu den neueren Entwicklungen in der Aufrüstung, die ihre Befürworter*innen als «Ausrüstung» verharmlosen, gehören Drohnen, das heißt unbemannte Luftfahrzeuge.

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Autonome Waffensysteme – Ziele, Stand, Perspektiven

http://das-blaettchen.de/2015/07/autonome-waffensysteme-%e2%80%93-ziele-stand-perspektiven-33451.html
Bereits Sun Tzu stellte in seinem Werk „Die Kunst des Krieges“ fest, dass der klügste Krieger der sei, der niemals kämpfen müsse. Gut 2.500 Jahre später sind wir drauf und dran, diese Weisheit Realität werden zu lassen. Nicht, weil wir gelernt hätten, Konflikte und Kriege zu vermeiden, sondern weil heutige Entwicklungen im Bereich der Waffentechnik zu einer kontinuierlichen Dehumanisierung des Schlachtfelds führen. Immer mehr Waffensysteme, ob bereits im Einsatz oder noch in der Entwicklung, weisen einen hohen Grad an Eigenständigkeit auf. In den medialen Fokus gerückt sind vor allem die Vorläufer dieser Waffen, die unbemannten Flugsysteme (unmanned aerial vehicles, UAVs), zumeist besser bekannt als Drohnen. Sicherlich sind auch diese bereits unbemannt in ihrer Natur, unterscheiden sich aber elementar von den kommenden Autonomen Waffensystemen in ihrer Beziehung zum menschlichen Operator und der zugrundeliegenden Entwicklungslogik.

Drohnen und andere ferngesteuerte Systeme sind „Avatarsysteme“ für Soldaten, das heißt, sie bieten die Möglichkeit, auf dem Schlachtfeld per Fernsteuerung zu agieren, ohne physisch präsent sein zu müssen. Die Operatoren sitzen häufig tausende Kilometer vom eigentlichen Einsatzort entfernt und treffen ohne Eigenrisiko Entscheidungen über alle Aspekte des Einsatzes, inklusive Waffeneinsatz. Die Fernsteuerung der Systeme ist jedoch mit diversen Problemen verbunden: denn vor allem die Signalübertragungszeiten (Latenz) für die Aufklärung von Zielobjekten und die Befehlsgebung an die Drohnen selbst samt Verschlüsselung und benötigter Datenbandbreite schränken die Handlungsmöglichkeiten fundamental ein. Autonome Waffensysteme gingen hingegen einen Schritt weiter und wären in der Lage, Missionen eigenständig gemäß einer zuvor programmierten Einsatztaktik zu bearbeiten, auf Umwelteinflüsse und ungeplante Situationen unabhängig von einem Operator antizipativ zu reagieren und so den Menschen auf dem Schlachtfeld vollständig obsolet werden zu lassen. Sie verändern die Beziehung zwischen der Waffe als Wirkungsmittel und dem Menschen als Teilnehmer im Kriegsgeschehen radikal und sind gerade deshalb keine einfache technologische Weiterentwicklung von Distanzwaffen, wie das von Pfeil und Bogen bis hin zu Drohnen der Fall war, sondern der Beginn einer fundamentalen Revolution der Kriegsführung. Diese Waffen sind eben nicht mehr nur Avatar für den im Kriegsgeschehen agierenden Menschen, sondern Surrogat; sie vertreten und ersetzen ihn als Konfliktteilnehmer. Sie sind nicht weniger als die dritte Revolution des Kriegsbildes, nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atombombe. Die Logik hinter ihrer Entwicklung klingt für die Betreiberstaaten vielversprechend: Einerseits bietet das Einsetzen dieser Systeme die Möglichkeit, eigene Verluste zu minimieren oder gar auszuschließen, Verteidigungs- und (Raketen-)Schutzsysteme, beispielsweise für Schiffe, effizienter und kostengünstiger zu betreiben sowie zuverlässiger werden zu lassen. Andererseits kann, so die Auffassung des amerikanischen Verteidigungsministeriums, durch die robotic revolution eigene militärische Überlegenheit auf Jahrzehnte hin konsolidiert werden. Weiterlesen Autonome Waffensysteme – Ziele, Stand, Perspektiven