Was kollabiert noch alles nach Corona?

Elektroauto, Diesel oder Wasserstoff – Womit stoppen wir die Klimakrise?

Am 28.02.2020 veröffentlicht

Ausstieg aus fossilen Energien Kohlekompromiss hätte 134 Millionen Tonnen CO2 gespart

Die Bundesregierung hat den Vorschlag der Kohlekommission zum Kohleausstieg nicht komplett umgesetzt. Damit nahm sie laut einer Studie des BUND den Ausstoß von Millionen zusätzlichen Tonnen CO2 in Kauf.

INA FASSBENDER/ AFP

Nachdem sich Bund und Kohleländer Mitte Januar auf einen Plan für den Kohleausstieg geeinigt hatten, war der Frust in der Kohlekommission groß. Wesentliche Punkte, die die Mitglieder der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (KWSB) ausgehandelt hatten, seien nicht berücksichtigt worden, schrieben diese in einer Stellungnahme (mehr dazu lesen Sie hier).

Nun hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ausrechnen lassen, wie viel Kohlenstoffdioxid (CO2) zwischen 2020 und 2040 hätte eingespart werden können, wenn die Regierung dem Vorschlag der Kohlekommission wie angekündigt gefolgt wäre. Ergebnis: 134 Millionen Tonnen CO2 gelangen zusätzlich in die Atmosphäre, weil Berlin vom ausgearbeiteten Vorschlag abweicht.

Braunkohlekraftwerke würden laut den neuen Plänen zu spät abgeschaltet, heißt es in der Studie. Die ehemaligen Mitglieder der Kohlekommission kritisieren unter anderem, dass zwischen 2023 und 2028 zu wenige Anlagen vom Netz gingen. Damit werde die Verantwortung auf das Ende des Jahrzehnts verschoben. Auch die Inbetriebnahme von Datteln VI sieht die BUND-Studie kritisch (mehr zu den Protesten dazu lesen Sie hier).

Presseerklärung vom 2.2.2020; 11.03 Uhr

Update Kraftwerksbesetzung Datteln 4 + 150 Menschen halten Infrastruktur besetzt + Erinnerung Pressekonferenz 12 Uhr am Kraftwerk

DATTELN. Seit heute morgen ca halb acht blockieren 150 Aktivist*innen von Ende Gelände und DeCOALonize das Kraftwerk Datteln 4. Sie halten unter anderem zwei Kräne besetzt, mit denen Kohle auf die Förderbänder geladen wird („Portalkratzer“). Mit dieser Aktion protestieren sie gegen das Kohlegesetz der Bundesregierung und die Menschenrechtsverletzungen in den Kohle-Abbaugebieten in Kolumbien und Russland.

Heute um 12 Uhr findet an der Mahnwache vor dem Kraftwerk eine Pressekonferenz statt (Im Löhringhof, 45711 Datteln).

Neben einer Sprecherin des Aktionsbündnis „Ende Gelände“ wird dort auch eine Vertreterin der russischen Umweltorganisation „Ecodefense“ über die verheerenden Abbaubedingungen der Importkohle aus Russland sprechen.

Kathrin Henneberger, Weiterlesen Presseerklärung vom 2.2.2020; 11.03 Uhr

#Klimaklage: Schluss mit Pseudo-Klimaschutz! Wir klagen für unsere Zukunft!

http://chng.it/nSKCsN7xHG

Wir sind Miriam (15) und Jonathan (17) aus Stuttgart und organisieren seit knapp einem Jahr jeden Freitag Streiks für mehr Klimaschutz und opfern dafür einen großen Teil unserer Freizeit. Obwohl wir über 1,4 Millionen Menschen bewegt haben und die gesamte Wissenschaft uns den Rücken stärkt, passiert in Deutschland für den Klimaschutz faktisch nichts. Die Bundesregierung hat ein Klimapaket verabschiedet, das den Namen nicht verdient hat. Weil die Bundesregierung nichts tut,  zwingen wir sie jetzt gerichtlich zum Handeln! Gemeinsam mit weiteren jungen Menschen aus Deutschland, Bangladesch und Nepal verklagen wir die deutsche Bundesregierung. Unterstützt werden wir dabei durch die Deutsche Umwelthilfe. 

Stellt euch hinter uns und unterstützt unsere Klimaklage, indem ihr diese Petition unterschreibt! Zeigt der Bundesregierung, dass sie uns nicht ignorieren kann. Wir fordern sofort wirksame Klimaschutzmaßnahmen zur Einhaltung des 1,5 Grad Ziels. Wir lassen uns unsere Zukunft nicht länger nehmen!  

Dürre, Hitze und Stürme haben laut Klima-Risiko-Index 2018 so massive Schäden in Deutschland verursacht, wie in kaum einem anderen Land. Lange haben wir die Auswirkungen des Klimawandels bei uns nicht zu spüren bekommen. Doch das ändert sich gerade in erschreckendem Tempo und unsere Generation ist davon besonders betroffen. Wir müssen täglich mit der Angst leben, dass wir die Welt so wie wir sie kennen, nicht an unsere Kinder übergeben können. Wir wissen nicht, wie unsere Zukunft aussehen wird. Das macht uns Angst!

Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich Verantwortung für den eigenen Beitrag zu dieser Katastrophe zu übernehmen. Und zwar bevor es zu spät ist. Noch können wir die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise verhindern. Aber wir haben keine Zeit! Wir müssen JETZTanfangen. Und Maßnahmen, die sofort wirksam sind gibt es mehr als genug. Hier nur drei Beispiele:  

  • Ein Tempolimit 120 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts spart 30 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 – ohne Kosten für den Steuerzahler
  • Ein Ende der Plastikflut durch Mehrweg- statt Einwegverpackungen 
  • Die sofortige Abschaltung der Kohlekraftwerke Jänschwalde und Niederaußem 

Die Zeit für Symbolpolitik, große Pläne für eine ferne Zukunft und breit angelegte Studien ist abgelaufen. Die Bundesregierung muss handeln – sofort. Die Niederlande wurden gerade erst höchstrichterlich zu mehr Klimaschutz verurteilt. Gemeinsam schaffen wir das jetzt auch hier in Deutschland! Aber wir müssen selbst aktiv werden: Unterstützt unsere Klage und stellt euch hinter uns: Wir fordern mehr Klimaschutz! Und zwar sofort!

Wir zählen auf eure Unterstützung

Miriam, Jonathan und die Deutsche Umwelthilfe e.V.

PS: Weitere Informationen zu unserer Klage, allen Kläger*innen und zu unseren Forderungen findet ihr hier.

Grünes Wachstum ist eine Illusion

Grünes Wachstum ist eine Illusion

Foto: David McNew/Getty Images

This is not fine

Den größten Teil meines Erwachsenendaseins habe ich gegen den „Kapitalismus der Konzerne“, den „Konsumkapitalismus“ und die „kapitalistische Vetternwirtschaft“ gewettert. Ich habe lange gebraucht, bis mir klar wurde, dass nicht das Adjektiv das Problem darstellt, sondern das Nomen. Während andere den Kapitalismus gern und schnell abgelehnt haben, ging dies bei mir äußerst langsam und widerwillig vonstatten. Zum Teil lag das daran, dass ich keine klare Alternative erkennen konnte. Anders als manche Antikapitalisten konnte ich mich nie für den Staatskommunismus begeistern, mich hemmte sein quasi-religiöser Charakter. Im 21. Jahrhundert zu sagen „Der Kapitalismus versagt“ ist wie im 19. Jahrhundert zu sagen „Gott ist tot“. Das ist säkulare Blasphemie und erfordert ein Maß an Selbstvertrauen, das ich nicht hatte.

Doch mit zunehmendem Alter habe ich zwei Dinge erkannt. Erstens, dass es das System selbst ist und eben nicht nur eine bestimmte Ausprägung des Systems, das uns unaufhaltsam in eine Katastrophe taumeln lässt. Zweitens, dass man keine definitive Alternative parat haben muss, um sagen zu können, dass der Kapitalismus scheitert. Die Aussage steht für sich.

Das Scheitern des Kapitalismus erwächst aus zwei seiner bestimmenden Elemente. Das erste besteht in permanentem Wachstum. Wirtschaftswachstum ergibt sich zwangsweise aus dem Streben nach Kapitalakkumulation und Extraprofit. Ohne Wachstum bricht der Kapitalismus zusammen, auf einem endlichen Planeten führt permanentes Wachstum aber zwangsläufig in die ökologische Katastrophe.

Wir können nicht unendlich weiter wachsen

Diejenigen, die den Kapitalismus verteidigen, Weiterlesen Grünes Wachstum ist eine Illusion