Sto Gramm auf die 100!

UZInternationalesBlog | UZ vom 23. Dezember 2022  21. Dezember 2022

Druschba 4c - Sto Gramm auf die 100! - Geschichte der Arbeiterbewegung, Grußwort, Sowjetunion - Internationales, Blog

Am 30. Dezember 1922 gründete sich die Sowjetunion. Wir erinnern an dieses hoffnungsfrohe Datum vor 100 Jahren mit einer Reihe von Glückwünschen und vier Sonderseiten.

Hartmut König, 
Mitbegründer des ­Oktoberklubs und UZ-Kolumnist

Die von der Landkarte radierte Sowjetunion hat in unzähligen materiellen Zeugnissen überdauert. Und Menschen vieler Nationalitäten, die in ihr eine Heimat hatten, erinnern sich an den brüderlichen Zusammenhalt in Perioden von Erfolgen und Not. Wie hätten sie denken sollen, dass chauvinistischer Eifer Ehrenhaine für Helden des Vaterländischen Krieges schleifen und Bücher in russischer Sprache, die sie verband, zu Scheiterhaufen stapeln würde? Vielen von ihnen mag es beim Einholen der Sowjet-Flagge so gegangen sein wie mir beim Niedergang der DDR. Man steht vor keinem Grab, sondern vor einem Denk-Mal.

In der DDR aufgewachsen, habe ich die Sowjetunion immer als Schutzschild unserer sozialistischen Vaterländer gesehen. Wenn es Misstöne gab, gehörten sie zur Familie. Deutsch-sowjetische Freundschaft war für mich Charaktersache. Weil 27 Millionen Tote des Zweiten Weltkrieges Bürger der UdSSR, weil alle Kräfte in der Welt, die nach Frieden und Fortschritt strebten, von Moskau Hilfe erhofften und bekamen. Im relativen Wohlstand der DDR fragte ich mich manchmal, auf wieviel Lebensstandard die Sowjetmenschen in ihrer Solidarität verzichteten.

Vor beinahe einem halben Jahrhundert fuhr ich zu einem Freundschaftstreffen des Komsomol und der FDJ nach Wolgograd. Am Flussufer, wo Abchasier, Georgier, Kasachen, Russen, Tadschiken, Tataren, Ukrainer und Usbeken ihr Stalingrad verteidigten, trat ich auf leere Patronenhülsen und hob eine auf. Für immer. Sie soll mich an den roten Stern erinnern, unter dem wir, vom Faschismus befreit, die neue Gesellschaft bauten und noch immer träumen. Sto Gramm auf die 100!

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Rückkehr des sozialistischen Modells

https://www.jungewelt.de/artikel/441508.100-jahre-sowjetunion-r%C3%BCckkehr-des-sozialistischen-modells.html

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Victor Berezkin/ZUMA Wire/IMAGO

100. Geburtstag der »Pionierorganisation Wladimir Iljitsch Lenin« am 22. Mai 2022 in Moskau

Der erste Stellvertreter des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) und Dumaabgeordnete Juri Afonin sprach am 9. Dezember in Nischni Nowgorod auf einer wissenschaftlichen Konferenz, die dem 100. Jahrestag der Bildung der UdSSR gewidmet war. Die Konferenz wurde von der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Bezirksregierung des Gebietes Nischni Nowgorod, der Russischen Politologengesellschaft, der Russischen Assoziation der Europa­forscher sowie der Nowgoroder Abteilung der Versammlung der Völker Russlands organisiert. Ihr Titel lautete: »Die UdSSR: eine vergangene Zukunft?«. Wir veröffentlichen die Rede Afonins in Auszügen, der komplette Redetext ist auf http://www.jungewelt.de dokumentiert.

Unser Parteiplenum, das Mitte November stattfand, hat die wichtigsten Merkmale und Aufgaben unserer Zeit eingehend analysiert und nachgewiesen: den Bankrott des neoliberalen globalistischen Entwicklungsmodells; den Wunsch seiner Anhänger, das gescheiterte räuberische Modell der kapitalistischen Weltregierung mit allen Mitteln – auch militärischen – aufrechtzuerhalten; die Relevanz des sozialistischen Erbes und die dringende Notwendigkeit, unter den heutigen schwierigen Bedingungen zu ihm zurückzukehren.

Die einzigartige Erfahrung der Sowjetunion, deren hundertsten Jahrestag wir am 30. Dezember begehen, ist in diesen schwierigen Zeiten wichtiger und aktueller denn je. Einer der überzeugendsten Beweise dafür ist die in soziologischen Umfragen ermittelte Massenstimmung. Es zeigt sich, dass sie von Jahr zu Jahr immer prosowjetischer wird.

Nach jüngsten, großangelegten Meinungsumfragen über die Einstellung unserer Gesellschaft zur Sowjetära halten drei Viertel der Bevölkerung sie für die beste in der russischen Geschichte. Nur 18 Prozent sind mit dieser Einschätzung überhaupt nicht einverstanden. 65 Prozent der Befragten bedauern den Zusammenbruch der UdSSR vorbehaltlos. Genauso viele sind davon überzeugt, dass die Katastrophe hätte vermieden werden können.

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