Genosse Roboter

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1069703.kapitalismuskritik-genosse-roboter.html
Die Triebkräfte, die den Kapitalismus in Agonie überführen, tragen auch die Keimformen einer Systemalternative in sich: einer Art Hightech-Kommunismus. 

Von Tomasz Konicz http://www.konicz.info/

11.11.2017

Kommunismus bitte
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Kommunismus bitte
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Foto: fotolia/Sashkin

So nah und doch so fern. Der gegenwärtige weltgeschichtliche Moment erinnert an die Verzweiflung vieler pauperisierter Menschen, die sich – oftmals wieder mit knurrendem Magen – in Innenstädten voll ausstaffierte Schaufensterauslagen ausschauen können. Die Bedürfnisbefriedigung ist zum Greifen nah, sie ist ja nur durch eine dünne Glaswand versperrt – und sie scheint dennoch unerreichbar. Dieses massenhafte Elend vieler ökonomisch überflüssiger Menschen spiegelt die globale, systemische Widerspruchsentfaltung im Spätkapitalmus. Die Mittel, die Grundbedürfnisse aller Menschen zu befriedigen, sind längst gegeben, doch zugleich scheint dieser Zustand angesichts eskalierender ökonomischer und ökologischer Verwerfungen unerreichbar.
Nicht nur die industriellen Produktivkräfte sind längst hinreichend ausgebildet, um die Grundbedürfnisse aller Menschen zu befriedigen (dies eigentlich schon seit dem Fordismus), auch die Informationstechnologie hat inzwischen ein Niveau erreicht, das die bewusste Planung und/oder Koordination einer globalen postkapitalistischen Wirtschaft ermöglichen würde, wie es selbst die »Financial Times« bemerkte (»The Big Data revolution can revive the planned economy«). Ein zentraler Nachteil der autoritären osteuropäischen Planwirtschaften, die Unfähigkeit adäquater Datenerfassung und -verarbeitung, ist nicht mehr gegeben, da das globale Netz vermittels der Milliarden angeschlossener Geräte regelrechte »Datenozeane« über die Aktivitäten der User produziert, die schon jetzt von »Big Data« dank nahezu unerschöpflicher Rechenkapazitäten und Systeme Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden. Eine postkapitalistische Echtzeitökonomie, in der anonymisierte Daten den bewussten, weitgehend automatisierten Aufbau und die Koordination ganzer Produktionsketten (von der Ressourcengewinnung bis zur Konsumtion) erledigen können, ist längst möglich.
Dabei ist es gerade das konkurrenzvermittelt immer weiter hochgeschraubte technologisch-wissenschaftliche Niveau der Warenproduktion, es sind die immer weiter perfektionierten Produktionsmittel, die innerhalb der kapitalistischen Produktionsverhältnisse als zentrale Krisenbeschleuniger fungieren. Gerade weil immer mehr Waren in immer kürzerer Zeit von immer weniger Arbeitskräften produziert werden können, befindet sich das globale System der Wertverwertung in einer strukturellen Überproduktionskrise. Somit ist die objektive Absurdität der Krise evident: Das Kapitalverhältnis erstickt an der Warenfülle, die es nicht mehr ohne schuldenfinanzierte Nachfrage verwerten kann. Die Produktivkräfte sprengen die Fesseln der Produktionsverhältnisse, wie es schon Marx prognostizierte, ohne dass sich ein Weg in den Kommunismus abzeichnen würde. Technologischer Fortschritt wandelt sich somit innerhalb der Sphäre der kapitalistischen Ökonomie zu einer Geißel der Menschheit, die zunehmend ökonomisch überflüssig wird. Die aktuelle bürgerliche Debatte um KI, Automatisierung und Robotik, bei der die Krise der Arbeitsgesellschaft endlich diskutiert wird (wohl deswegen, weil sie nun auch Mittelschichtenjobs bedroht), greift ja einen bereits voll sich entfaltenden Krisenprozess auf, der in weiten Teilen der Peripherie des Weltsystems längst eine ökonomisch überflüssige Menschheit geschaffen hat.
Zumeist wird in der Debatte die Technik als solche problematisiert, ohne zu reflektieren, dass deren »Verselbstständigung« nur Widerschein der fetischistischen Eigendynamik der Wertverwertung ist. Es war der Nobelpreisträger Stephen Hawking, der die in der bürgerlichen Presse umhergeisternden Gruselbilder von verselbstständigten Robotern und KI-Systemen, die den Menschen Weiterlesen Genosse Roboter

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Magazinierte Transformationslust

Tod und Zerstörung

Artikel Tod und Zerstörung

19 Sep 2016 

Der »Krisenimperialismus« ist kaum mehr auf Beherrschung aus. Ziel ist, die »Überflüssigen« von den kapitalistischen Zentren fernzuhalten
von Tomasz Konicz
Der Kapitalismus ist kein Naturding. Er ist nicht die ewige Voraussetzung menschlicher Entwicklung, wie es die herrschende Ideologie mit ihrer Naturalisierung kapitalistischer Verhältnisse propagiert. Beim kapitalistischen Weltsystem handelt es sich um eine historisch kurze, instabile und autodestruktive Gesellschaftsformation, die – ausgehend von ersten Ansätzen vor rund 500 Jahren – ihren gesamtgesellschaftlichen Durchbruch im Rahmen der berüchtigten ursprünglichen Akkumulation erst vor gut 300 Jahren erlebte. Die Zivilisationsgeschichte spielte sich somit überwiegend außerhalb der kapitalistischen Vergesellschaftungsformen ab, die heutzutage als selbstverständlich angesehen werden.
Was den Kapitalismus von all den vorherigen Gesellschaftsformationen unterscheidet, ist die ungeheure, mehrdimensionale Expansionsdynamik dieses Weltsystems, die Folge eines tendenziell grenzenlosen Akkumulationsprozesses des Kapitals ist, der auf der Verwertung von Lohnarbeit in der Warenproduktion basiert. Der Verwertungszwang des Kapitalverhältnisses – die konkurrenzvermittelte Notwendigkeit, aus Geld mehr Geld zu machen – ist in sich selbst widersprüchlich. Die entscheidende, das kapitalistische Weltsystem tendenziell in den Kollaps führende Schranke ist das Kapital selbst.
Die Lohnarbeit bildet die Substanz des Kapitals, doch zugleich ist das Kapital bemüht, durch konkurrenzbedingte Rationalisierungsmaßnahmen die Lohnarbeit aus dem Produktionsprozess zu verdrängen. Derjenige Kapitalist, der als erster solche Maßnahmen erfolgreich einführt, kann auf Extraprofite hoffen. Diese Extraprofite, die daraus resultieren, dass der »innovative« Kapitalist – etwa durch neue Maschinen – in kürzerer Zeit mit weniger Arbeitskräften mehr Waren produzieren lassen kann, schmelzen allerdings ab, sobald seine übriggebliebenen Mitbewerber diese Innovationen übernehmen. Im Endeffekt sinkt die Gesamtmasse des im betroffenen Industriezweig generierten Werts, während der Ausstoß an Gebrauchswerten zunimmt.
Permanente Expansion
Das Kapital muss vor diesem inneren Widerspruch sozusagen »fliehen«. Jedwede Flucht in neue Märkte, neue Technologien oder neue Militärabenteuer führt nach einer gewissen Zeit jedoch dazu, dass dieser Widerspruch auf einer höheren Stufe zurückkehrt. Der Kapitalismus stellt somit eine autodestruktive historische Gesellschaftsformation dar, deren Expansionsdynamik gerade durch zunehmende innere Widerspruchsentfaltung angetrieben wird. Das Kapital muss expandieren – oder es kollabiert.
Kapitalistische Warenproduktion, bei der das Kapital mit der Lohnarbeit seine eigene Substanz durch Rationalisierungsschübe minimiert, kann somit nur im »Prozessieren«, in einer permanenten Expansionsbewegung, aufrechterhalten werden, was in drei Dimensionen vonstatten geht.
Zu nennen ist hier zunächst die »innere Expansion«, bei der neue Gesellschaftsfelder der Kapitalverwertung erschlossen werden (einige Schlagwörter wären: Kulturindustrie, Tourismus, Massenkonsum, Landwirtschaft, Subkultur, etc.). Dieser Prozess ist nahezu abgeschlossen. Innovationen führen aber auch zur Herausbildung neuer Märkte und Verwertungsfelder, selbst wenn alte Industriebranchen absterben, was ja den »industriellen Strukturwandel« zur Folge hatte und hat. Eine zentrale Rolle spielt dabei somit die zweite Dimension der Expansionsbewegung, die »technologische Expansion«, die eine »qualitative« Flucht des Kapitals vor seinen eigenen Widersprüchen ermöglicht.
Der sich auf Marx berufende Ansatz der Wertkritik sieht hierin die manifeste innere Schranke des globalen Kapitalismus bereits erreicht: Spätestens mit dem Durchbruch der IT-Revolution ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ist die Lohnarbeit dermaßen stark aus der Warenproduktion verdrängt worden, dass seither das Weltsystem vermittels finanzmarktgenerierter Blasen- und Schuldenexzesse nur noch eine Art Zombieleben führt. Es läuft auf Pump, da in den wuchernden Finanzmärkten letztendlich die kreditfinanzierte Nachfrage (staatlich oder privat) generiert wird, die eine hyperproduktive Warenproduktion vor dem Kollaps bewahrt – das aber um den Preis zunehmender Instabilität und des sozioökonomischen Zusammenbruchs immer größerer Teile der Peripherie des Weltsystems.
Auch im Falle der Weltkrise des Kapitals bricht die Kette an der Stelle, an der sich ihr schwächstes Glied befindet: Es sind zuerst diejenigen peripheren Weltregionen, die es nicht mehr vermögen, beim Wettlauf zum Aufbau einer immer kapitalintensiveren Warenproduktion mitzuhalten. Die Systemkrise ist somit keine Zukunftsprognose: Seit den 80er Jahren, seit der Schuldenkrise der »dritten Welt«, fräst sie sich nach und nach von der Peripherie in die Zentren des kapitalistischen Weltsystems. Das Kapital »produziert« somit buchstäblich ökonomisch überflüssige Menschen, die sich nun in einem kollektiven Verzweiflungsakt mittels der Flucht in die erodierenden Zentren zu retten versuchen.
Die dritte Dimension des Kapitals als »prozessierender Widerspruch« (Marx) bildet schließlich die »äußere Expansion« der Zentren des Weltsystems, die in der Weiterlesen Magazinierte Transformationslust

Rassistischer Sozialprotest?

http://m.heise.de/tp/artikel/47/47766/1.html

heute Tomasz Konicz
Wird die rechte Welle, die derzeit die Bundesrepublik heimsucht, tatsächlich von fehlgeleiteten sozialen Anliegen angetrieben, wie Teile der deutschen Sozialdemokratie behaupten?
Soziale Wohltaten zuerst für Deutsche. Das war die Lehre, die Sigmar Gabriel Ende Februar aus vielen Gesprächen mit besorgten Bürgern gezogen hat, die sich über finanzielle Aufwendungen für Flüchtlinge empörten: „Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts!“ Es sei dieser an die Regierung gerichtete Vorwurf gewesen, der ihn dazu bewog, mehr Sozialausgaben „für unsere eigene Bevölkerung“ zu fordern, erklärte der Bundeswirtschaftsminister bei einer Talkshow. Ein „neues Solidaritätsprojekt“ sei notwendig, damit die Menschen fühlten, „dass ihre Bedürfnisse nicht weiter unter die Räder geraten.“
Rückendeckung erhielt Gabriel für seine umstrittenen Aussagen Anfang März vom Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske, der die Flüchtlingskrise „als Katalysator für lange vorhandene Probleme“ bezeichnete, die nun aufbrechen würden.
Diese Argumentationslinie wurde zuletzt auch von sozialdemokratischen Politikern der Linken aufgegriffen. Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, pflichtete in einem jüngst publizierten Interview mit der Welt am Sonntag Gabriel bei – und sah einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der gegenwärtigen rassistischen Mobilisierung und der beständigen sozialen Erosion in Deutschland:
Es ist doch so, dass viele Menschen in Deutschland in den letzten Jahren Wohlstand verloren haben, dass sie in schlechte Jobs abgedrängt wurden oder ihre Renten gesunken sind. Und immer hieß es, es sei kein Geld da. Da existiert längst ein großes Potenzial an Frust und Wut.
Damit übernehmen Teile der Sozialdemokratie eindeutig ein ideologisches Kernkonstrukt der neuen deutschen Rechten, die die soziale Misere in der BRD Weiterlesen Rassistischer Sozialprotest?

Aufstieg und Zerfall des Deutschen Europa / Tomasz Konicz

http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=55136&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=01471909d3
 

Von Max Brym

Eine Rezension
Der Unrast Verlag aus Münster hat ein bemerkenswertes Buch des Autors Tomasz Konicz, unter dem oben genannten Titel herausgebracht. Das erste was einem beim lesen des Buches auffällt ist wie sehr sich die Debatte über den deutschen Imperialismus, seit 1990 von links her ins Negative verschoben hat. Im Jahr 1990 gab es noch breite Debatten innerhalb der deutschen Linken, bezüglich der kommenden hegemonialen Rolle des deutschen Imperialismus in Europa. Dieser positive Diskurs ist weitgehend verschwunden.
Der Autor des Buches beginnt mit dem Jahr 1990 und bestätigt die These der reaktionären Machtpolitikerin Maggie Thatcher, die sich vehement gegen die deutsche Einheit aussprach, weil sie die Dominanz Deutschlands innerhalb Europas zu Recht befürchtete. Die damalige französische Politik wird ebenfalls nachgezeichnet. Die französische Bourgeoisie setzt letztendlich auf den Euro, um den „Riesen Deutschland“ einzubinden und vor Alleingängen (Stichwort Kerneuropa) abzuhalten. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass dieser Ansatz der französischen Bourgeoisie gescheitert ist. Der Euro ermöglichte es den herrschenden Kreisen Deutschlands mittels seiner Exportwalze, alle anderen Ökonomie in Europa, an den Rand zu drängen. Deutlich machte Autor wie es dem deutschen Kapital gelungen ist in Osteuropa über 11.000 Direktinvestitionen zu tätigen und die dortige Arbeitskraft extrem auszubeuten.
Klar wird in dem Buch, wie in diesem Kontext, die wesentlichen Teile der deutschen Bourgeoisie den Umsturz in der Ukraine unterstützten und förderten. Andererseits geht es dem deutschen Bürgertum, den deutschen Funktionseliten darum, den Gegensatz zu Russland nicht allzu groß werden zu lassen. Denn auch in Russland gibt es 6000 deutsche Direktinvestitionen. Das erklärt den gegenwärtigen Fraktionsstreit innerhalb der deutschen Bourgeoisie, sowie ihren Gegensatz zur Zuspitzung des Konfliktes mit Russland, durch den US Imperialismus. Der Autor zeichnet mittels umfangreicher Statistiken, Untersuchungen und Tabellen im Buch, die deutsche Exportwalze nach. Vor der Einführung des Euros hatte beispielsweise Griechenland eine ausgeglichene Handelsbilanz mit Deutschland. Mittlerweile wurde die dortige Ökonomie faktisch vernichtet. Aber nicht nur Griechenland, sondern auch Spanien, Portugal und andere Ländern wurden kaputt exportiert. Dies ging einher mit einem gnadenlosen deutschen Schuldendiktat gegenüber den verarmten Ländern. Die französische und italienische Bourgeoisie bekommt zunehmend Probleme mit der Vorherrschaft der deutschen Ökonomie und ihre Funktionseliten in Europa. Im Jahr 1990 produzierte die italienische Automobilindustrie noch knapp 2 Millionen Autos in Italien. Im Jahr 2015 erreicht diese Produktion nicht einmal mehr 400.000 Automobile. Der Abstand zwischen der deutschen, französischen und italienischen Ökonomie wird immer größer. Es ist daher kein Wunder, wenn im Rahmen der Griechenland Debatte, der italienische Premierminister den deutschen Sparsadisten Schäuble mit dem Ruf“ Basta“ anfuhr.
Mit ungeheuer viel Faktenmaterial belegt der Autor wie besonders die Agenda 2010, den Konkurrenzvorteil der deutschen Ökonomie gegenüber den anderen Ländern ausbaute. Die Politik der deutschen Funktionseliten besteht nach dem Autor darin, aus Europa, ein Hartz IV Europa zu machen. Sehr detailliert wird in dem Buch nachgezeichnet, wie sich nach dem kaputt konkurrierten alten Kontinent, das deutsche Kapital anschickt, den wegbrechen Export in Europa, durch Exportüberschüsse in andere Kontinente auszugleichen. Interessant und wichtig ist die Feststellung des Autors, dass es zwar den deutschen Funktionseliten gelang in Europa – auch ohne Waffen SS – ihre weit gehende Dominanz herzustellen. Dennoch wird in dem Buch darauf hingewiesen, wie sich gerade in der letzten Zeit der Widerstand gegen das deutsch dominierte Europa formiert. Ausdruck dafür war besonders der Umgang mit Griechenland. An der Seite Deutschlands standen fast alle Staaten in Europa welche bereits grausamste Spardiktate akzeptierten. Die eher keynesianisch geprägte französische Politik konnte sich gegen das deutsche Spardiktat in Richtung- „Milderung“- nicht durchsetzen.
Wolfgang Schäuble begab sich im letzten Jahr in einen ziemlichen Konflikt in dieser Frage mit dem US Imperialismus. Der US Imperialismus plädierte für einen anderen Umgang mit Griechenland. In vielen US Leitmedien wurde massiv ein Schuldenerlass für Griechenland gefordert. Dies Tat der US Imperialismus nicht aufgrund irgendwelcher humaner Gedanken, die Konkurrenz zu dem deutsch dominierten Europa wird einfach zunehmend intensiver. Der Autor zitiert Aussagen von führenden US Politikern, welche deutliche Lohnsteigerungen in Deutschland einforderten. Letzteres hat auch seinen Grund in der zunehmend negativen Handelsbilanz der USA gegenüber Deutschland. Interessant ist der Aspekt, wie der Autor mit dem Projekt TTIP umgeht. Messerscharf wird analysiert, dass dieses Projekt nicht ein rein amerikanisches Projekt ist, sondern ebenso ein bundesdeutsches Projekt. Deutsche Großkonzernen unterstützen maßgeblich TTIP. Dies vor allen Dingen deswegen weil sich die bundesdeutsche Industrie einen größer werdenden Markt in Abschottung zu den „gescheiterten Staaten“ durchaus vorstellen kann. Dieser Gedanke schien mir beim lesen des Buches sehr sehr wichtig. Denn immer wieder gibt es bei Protesten gegen TTIP doch die Mär, TTIP sei ein „rein amerikanischen Projekt“.
Diese Herangehensweise geht weg von der alten Feststellung Karl-Liebknechts, wonach „der Hauptfeind im eigenen Land steht“. Probleme hatte ich mit einigen Andeutungen des Autors gegen Ende seines Buches. Er warnte davor sich auf die alte Rezeptur des Klassenkampfes zu fixieren. Stattdessen bezogen er sich positiv auf Initiative „deutsche Produkte in Europa zu boykottieren“. Nichtsdestotrotz hat der Autor ein fundiertes politökonomisches Buch vorgelegt, welches sich positiv abhebt von vielen Veröffentlichungen auf dem linken Buchmarkt. Der Autor analysiert die Rolle Deutschlands, welches für Europa zu groß und für die Welt zu klein ist. Das Buch ist ein wichtiges Mittel, um zu begreifen wie sehr die Welt von kapitalistischen Widersprüchen, Konkurrenzschlachten und Ausbeutung dominiert wird. Dabei stellt der Autor auch immer wieder zwischenimperiale Widersprüche in Rechnung. Der Unrast Verlag hat ein Buch herausgegeben welches unbedingt gelesen werden sollte und in den linken Diskurs gehört.

Türkische Regierung instrumentalisiert den Terroranschlag von Ankara, um die Eskalationsstrategie in Syrien zu forcieren

Erdogans Sender Gleiwitz

Magazinierte Transformationslust
Artikel Erdogans Sender Gleiwitz
23 Feb 2016 
Tomasz Konicz
Die türkischen Sicherheitskräfte haben sich mal wieder selbst übertroffen. Nur wenige Stunden nach dem Terroranschlag von Ankara konnten sie der Weltöffentlichkeit den Täter präsentieren und dessen Hintermänner eindeutig benennen. Der Selbstmordanschlag soll von einem Mitglied der syrisch-kurdischen Miliz YPG in Kooperation mit der türkischen PKK begangen worden sein. Der türkische Premier Ahmet Davutoglu erklärte, dass die PKK und die YPG für den Anschlag eindeutig verantwortlich seien und der türkische Staat gegen diese Organisationen „alle notwendigen Maßnahmen unter allen Umständen“ ergreifen werde (Davutoglu: „Das Recht, alle Maßnahmen gegen das syrische Regime zu ergreifen, ist uns vorbehalten“).
Letztendlich sei aber das syrische Regime für diesen Terrorakt, dem 28 Menschen zum Opfer fielen, „direkt verantwortlich“, da es sich bei der YPG um dessen „Schachfigur“ handele. Deswegen reservierte sich Davutoglu auch im Fall Syriens das Recht vor, „alle notwendigen Maßnahmen“ zu ergreifen. Schließlich ging der türkische Ministerpräsident zu Weiterlesen Türkische Regierung instrumentalisiert den Terroranschlag von Ankara, um die Eskalationsstrategie in Syrien zu forcieren

Kurzer Überblick über die wichtigsten Charakteristika der gegenwärtigen globalen Finanzmarktexzesse

http://www.streifzuege.org/2015/anatomie-einer-liquiditaetsblase
Magazinierte Transformationslust
Artikel Anatomie einer Liquiditätsblase
10 Sep 2015 

von Tomasz Konicz 
Der jüngste Krisenschub scheint auch die hartnäckigsten Gesundbeter der kapitalistischen Marktwirtschaft, die „Wirtschaftsexperten“ in Deutschlands Pressestuben, ratlos und desorientiert zurückzulassen. Der Kapitalismus „enttäuscht seine Jünger“, gestand der ehemalige Kapitalismusanhänger und Chefredakteur des Manager Magazins, Henrik Müller, in seiner Kolumne.
Die kapitalistische „Geldumwälzpumpe“ habe sich „im Leerlauf überhitzt“, klagte der „Wirtschaftsexperte“, der vor rund einem Jahr den Kapitalismus noch auf dem Wege der Genesung sah. Man habe es mit einer „grundlegenden Vertrauenskrise zu tun“, so Müller, da die Wirtschaft „immer weniger in neue Anlagen und Produkte“ investierte, während zugleich die stattlichen Gewinne der Unternehmen dazu genutzt würden, „um gigantische Summen an die Aktionäre auszuschütten – in Form von Dividenden und durch den Rückkauf eigener Aktien“.
Der Weltwirtschaft gehen die „Konjunkturlokomotiven“ aus
Auch Wolfgang Münchau, ehemaliger Chefredakteur der dahingeschiedenen Financial Times Deutschland, musste in seiner SPON-Kolumne konstatieren, dass „etwas grundfalsch im globalen Kapitalismus“ laufe. Die krisenbedingten lokalen „Einschläge“ folgten immer schneller aufeinander, so Münchau, der den jüngsten Krisenschub in China als „das Ende der dritten Großblase unserer globalen Finanzkrise“ bezeichnete.
Zuvor wurde das Weltfinanzsystem durch die Immobilien- und Kreditkrise in den USA, sowie die Folgen der Eurokrise erschüttert. Deswegen setzten sich zunehmend stagnative Tendenzen durch, da kaum noch eine Region in der Lage sei, nennenswerte konjunkturelle Impulse auf globaler Ebene zu generieren:
Da alle großen Wirtschaftsregionen der Welt – USA, Euroraum, Russland, China, Japan und Südostasien – ihre Mega-Krisen in den letzten zwei Jahrzehnten hatten, gibt es auch keinen Unversehrten mehr, der die Rolle einer weltwirtschaftlichen Lokomotive übernehmen könnte. Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich somit stetig.
Immerhin scheint dieser „Wirtschaftsexperte“ schon mal zu ahnen, dass die genannten lokalen Finanzkrisen nur Momente eines globalen Krisenprozesses darstellen. Denn selbstverständlich handelte es sich bei den „Mega-Krisen“ der vergangenen zwei Dekaden, die nahezu alle wichtigen Wirtschaftsräume heimgesucht haben, letztendlich um Schuldenkrisen, die zumeist mit wilden Spekulationsexzessen, mit einer finanzmarktgetriebenen Blasenbildung, einhergingen.
Die Rolle einer „weltwirtschaftlichen Lokomotive“ konnten somit in den vergangenen zwei Dekaden nur diejenigen Wirtschaftsräume einnehmen, die solche Blasenbildung samt Verschuldungsexzessen ausbildeten oder von ihr – vermittels Handelsüberschüssen – profitierten. Da sich alle größeren Wirtschaftsräume über die Maßen verschuldeten, sind nun der Weltwirtschaft nun die „Konjunkturlokomotiven“ ausgegangen.
Die Abfolge der Spekulationsblasen
Im Endeffekt kann die Wirtschaftsgeschichte der vergangenen zwei Dekaden als eine Abfolge einander ablösender, an Umfang und Dynamik gewinnender Spekulationsblasen begriffen werden. Den lokalen Krisen am Ende des 20. Jahrhunderts – der Asienkrise 1997 und dem Finanzkrach in Russland 1998 – folgte die große Spekulationsblase mit Hightechaktien in den USA und Europa, die sogenannte Dotcom-Blase, die im März 2000 platzte.
Die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank, mit der die negativen wirtschaftlichen Folgen dieser kollabierenden Spekulationsdynamik an den Aktienmärkten abgefedert wurden, schuf beste Voraussetzungen für das Aufkommen der nächsten, noch größeren Blasenbildung: Der 2007/2008 platzenden Immobilienblasen, die große Teile Europas und der USA wirtschaftlich verheerten.
Ähnliches gilt auch für die jüngsten Verwerfungen an den Finanzmärkten, die China, viele Schwellenländer, wie auch die Märkte in den westlichen Zentren erfassten. Diese scheinbar disparaten und „lokalen“ Krisen lassen sich sehr wohl auf einen globalen Nenner, auf einen gemeinsamen Begriff bringen: auf den der Liquiditätsblase.
Letztendlich stellen auch die jüngsten Verwerfungen die systemische Konsequenz all der Maßnahmen dar, mit denen die kapitalistische Krisenpolitik den Fallout der Finanz- und Weltwirtschaftskrise von 2007/2008 einzudämmen versuchte. Als die Immobilienblasen in den USA und Europa zu platzen begannen, die Weltwirtschaft in den Sturzflug überging und die Finanzmärkte nach der Pleite von Lehman Brothers in Schockstarre übergingen, tat die Politik das – systemimmanent – einzig Richtige.
Die Regierungen der meisten kapitalistischen Kernländer legten massive Konjunkturprogramme auf, die 2009 laut dem Kieler Institut 4,7 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung umfassten, und die Notenbanken gingen zu einer historisch einmaligen expansiven Geldpolitik über, bei der Nullzinspolitik mit massiver Gelddruckerei („Quantitative Lockerung“) gekoppelt wurde.
Finanzblasentransfer in die Schwellenländer
Verfangen in dieser globalen Liquiditätsblase, gleicht das spätkapitalistische Weltsystem einem monetären Junkie, der regelrecht abhängig ist von immer neuen Geldspritzen der Notenbanken, mit denen die Blasenbildung in der Finanzsphäre befeuert wird (Süchtig nach regelmäßigen Liquiditätsspritzen). Weiterlesen Kurzer Überblick über die wichtigsten Charakteristika der gegenwärtigen globalen Finanzmarktexzesse

Magazinierte Transformationslust

 Flucht nach vorn 

22 Apr 2015

TTIP und die Folgen: Was treibt die Eliten auf beiden Seiten des Atlantik zum Abschluss neuer Freihandelsabkommen?

von Tomasz Konicz

Es hat sich inzwischen bis zur »New York Times« (»NYT«) herumgesprochen, dass irgendetwas mit den von Washington forcierten Freihandelsabkommen nicht stimmt. Er sei im Allgemeinen ein Anhänger des Freihandels, beichtete der bekannte US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman Ende Januar in einem Blogbeitrag für die »NYT«, doch mache ihn die gegenwärtige Rhetorik der Befürworter einer Handelsliberalisierung argwöhnisch; sie sorge dafür, dass sich ihm mitunter »die Nackenhaare sträuben«. Die US Chamber of Commerce – der weltgrößte Unternehmenszusammenschluss – habe den Abschluss der transatlantischen und pazifischen Handelsabkommen zu ihrer obersten Priorität erklärt; mit ihrer Umsetzung solle das Wirtschaftswachstum in den betroffenen Wirtschaftsräumen maßgeblich und nachhaltig angekurbelt werden. Weiterlesen Magazinierte Transformationslust