#4 Sea Rescue is a Duty for Everyone

Seenotrettung ist eine Pflicht für alle – dass wir mit dieser Überzeugung nicht alleine dastehen, ist uns heute auf ganz besondere Weise bestätigt worden. Mitten auf dem Mittelmeer ist uns heute ein Kriegsschiff der britischen Marine begegnet. Der Kapitän und die Besatzung haben uns einen Besuch abgestattet – Seeleute also, die sich dem internationalen Seerecht verpflichtet haben und die ganz genau wissen, dass vielleicht auch ihre Leben eines Tages von der Seenotrettung abhängen. Um dies zu würdigen, hat uns die Besatzung der HMS Duncan eine Ehrenmedaille überreicht und uns, falls wir einmal Hilfe brauchen, ihre Unterstützung angeboten. Es hat uns sehr bewegt, dass neben all der Unmenschlichkeit, die uns von Seiten der Politik begegnet, jeder und jede Einzelne auf diesem Schiff ihre und seine Humanität bewahrt hat.

Das sollte der EU ein Zeichen sein – Weiterlesen #4 Sea Rescue is a Duty for Everyone

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Die Mission der Lifeline

Ein Film von Markus Weinberg, Luise Baumgarten

Sie wurden verklagt, beschossen und blockiert. Wie eine Gruppe Dresdner, gegen viele Widerstände, ein Schiff ins Mittelemeer brachte, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Dafür haben Axel Steier und das Team des Dresdner Seenotrettungsvereins „Mission Lifeline“ erfolgreich Spenden gesammelt. 

Mit einem eigenen Schiff sollte es ins Mittelmeer gehen. In seiner Heimatstadt Dresden schlägt Axel Steier für die Idee nicht nur Liebe entgegen. Neben öffentlichem Hass muss er Angriffe, Ermittlungen und Prozesse aushalten. Und dann die Realität auf dem Meer: Boote voller Schutzsuchender, die vor aller Augen zu sinken beginnen, Ölverlust, Beschuss durch libysche Milizen. Über zwei Jahre lang hat Filmemacher Markus Weinberg Axel und sein Team mit seiner Kamera begleitet – bis auf das Schiff vor der libyschen Küste, wo sich der Versuch Leben zu retten zunehmend auch zu einem Kampf um die europäische Idee entwickelt. 

Internationale Bekanntheit erlangte Mission Lifeline als das Schiff des Vereins im Juni 2018 mit 234 geretteten Schutzsuchenden an Bord tagelang einen Hafen suchte, weil sich kein Mittelmeeranrainerstaat dazu durchringen konnte der Crew das Anlegen zu erlauben.

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Kleinmütige Kriminalisierung

Wenn Leben retten jetzt ein Verbrechen ist, wäre Fabian Hillebrand gern Komplize

Die Seenotretter haben es erst aus den Medien erfahren: Die italienische Küstenwache hat das Rettungsschiff der Organisation Sea-Watch am Freitag festgesetzt und lässt es nicht auslaufen. Die Blockade des letzten noch verbliebenen Rettungsschiffes im Mittelmeer erfolgte wenige Tage, nachdem die Vereinten Nationen die Kriminalisierung der Seerettung als Ursache für eine Rekord-Sterberate benannt haben. Im vergangenen Jahr sind täglich sechs Menschen auf der Fluchtroute ums Leben gekommen.

Trotzdem fährt Europa fort, die private Seenotrettung zu kriminalisieren. Verfahren werden gegen Schiffe und Organisationen eingeleitet; Ermittlungen bleiben zwar oft ergebnislos, führen aber trotzdem dazu, dass Schiffe über Monate und Jahre festgesetzt sind. Pia Klemp beispielsweise hat als Kapitänin der Rettungsschiffe »Sea-Watch 3« und »Iuventa« über 1000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Seit deshalb gegen sie ermittelt wird, hat sie kein Schiff mehr betreten dürfen, wie sie im Interview erzählt.

Die Frage dabei: Wenn das Bergen von aus Seenot Geretteter als Verbrechen geahndet wird, wer würde da nicht gerne zum Komplizen solcher Straftaten? Die Menschen, die sich für die Unversehrtheit der Flüchtlinge einsetzen, werden sich nicht einfach kaltstellen lassen, das haben sie schon mehrfach bewiesen. Außerdem: Wer versucht, seine »europäischen Werte« dadurch zu verteidigen, Seenotretter wegzusperren und zu blockieren, der hat sie längst verspielt.

Feilschen um Schiffbrüchige beendet

Sieben Länder einigten sich über 47 Flüchtlinge

Möglichst wenig wollte jedes der beteiligten Länder von der »Fracht« abhaben. Es ging um 47 Menschen an Bord der »Sea-Watch 3«, die seit über zehn Tagen vor Sizilien ausharrten, weil ihnen die Regierung in Rom verbot, an Land zu gehen. Menschen, die die Mannschaft als Schiffbrüchige an Bord genommen hatte. Die Seenotretter werden kriminalisiert, weil sie Flüchtlinge, die aus Libyen nach Europa zu gelangen versuchen, an Bord nehmen. Es sind nur noch wenige Schiffe im Mittelmeer unterwegs, nachdem mehrere in Häfen festgesetzt und Kapitäne vor Gericht gestellt wurden.

Mit ihrer sinkenden Zahl steigt die Todesrate unter den Menschen, die sich trotzdem immer wieder auf den Weg über die gefährliche Mittelmeerroute machen. Das folgert jedenfalls das Flüchtlingshilfswerk der UNO. Der UNHCR gab am Mittwoch bekannt, die Todesrate sei 2018 fast auf das Dreifache gestiegen. Während 2017 statistisch ein ertrunkener Migrant auf 38 Flüchtlinge kam, die die Überreise schafften, fiel im vergangenen Jahr ein Toter auf 14 Ankömmlinge. Durchschnittlich sechs Tote pro Tag, 2275 Migranten und Flüchtlinge, die 2018 im Mittelmeer ums Leben kamen – so lauten die unbarmherzigen Angaben.

Für die 47 Menschen an Bord der »Sea-Watch 3« ist die Sache gut ausgegangen – vorerst. In einem ähnlichen Fall im letzten Jahr hatte eine Anfrage der LINKEN im Bundestag ergeben, dass die Zusage zur Aufnahme von 50 Flüchtlingen, die ebenfalls zunächst nicht in Italien hatten an Land gehen dürfen, auch nach sechs Wochen noch nicht eingelöst war. 

Auch die Organisation Sea-Watch als Eigner des Schiffes äußerte sich am Mittwoch nur mäßig erleichtert über die Regelung zwischen den beteiligten Ländern Italien, Deutschland, Frankreich, Portugal, Rumänien, Malta und Luxemburg. »Wir freuen uns für unsere Gäste, dass die Tortur nun zu Ende geht, aber es bleibt ein beschämender Tag für Europa«, sagte Vorstand Johannes Bayer. »Menschenrechte sind nicht verhandelbar und über Menschen sollte nicht gefeilscht werden.«

Am Tag zuvor erst hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verfügt, dass Italien den Migranten an Bord so schnell wie möglich medizinische Unterstützung, Essen und Getränke zukommen lassen müsse. Maltas Premier Joseph Muscat kritisierte Italiens Innenminister Matteo Salvini, der die Aufnahmebereitschaft der anderen EU-Länder als Ergebnis der Hafenblockade seines Landes interpretiert hatte. Die »harte Linie ist kontraproduktiv«, sagte Muscat. Bei der Aufnahme von aus Seenot geretteten Flüchtlingen handele es sich um eine auf dem Völkerrecht basierende Verantwortung, »zu der man nicht sagen kann, ich will nicht«. Mit Agenturen

Mission Lifeline – Souraya Leila Issaka

Souraya Leila Issaka – gesprochen von Iris Berben [1/4]

Kompletter Kurzfilm im Thread!

Download: https://vimeo.com/ondemand/souraya

Spenden: lifeline.betterplace.org

Danke für Unterstützung!

Dauer: 8 Minuten 21 Sekunden
Verfügbarkeit: Weltweit

Souraya wurde am 21.6.2018 durch die Crew des Rettungsschiffs LIFELINE gerettet. Anschließend durfte das Schiff mehrere Tage nicht in einen sicheren Hafen einfahren bis es schließlich am 27.6.2018 in Malta anlandete.
Der Film wechselt die Perspektive und läßt Souraya sprechen. 
Welche Gründe hatte sie für ihre Flucht? Was hat sie auf der Flucht erlebt? Wie hat sie die Situation in Libyen überstanden? Wie hat sie ihre Rettung durch die LIFELINE und die Verzögerung der Anlandung erlebt? Wie ist ihr Leben jetzt?
Neben Antworten auf diese Fragen, zeigt der Film bisher unveröffentlichte Aufnahmen der Rettungsmission.

Souraya Leila Issaka wird von Iris Berben gesprochen.

Seenotrettung: „Im Moment ist es furchtbar im Mittelmeer“

Refugees on a boat crossing the Mediterranean sea, heading from Turkish coast to the northeastern Greek island of Lesbos, 29 January 2016.

Seit dem 22. Dezember fährt die Sea-Watch 3 mit 32 aus Seenot geretteten Flüchtlingen vor der Küste von Malta hin und her (hier). Das Schiff darf ebenso wie die Professor Albrecht Penck nicht in Malta anlegen, bevor der Verbleib von weiteren 249 Schriffbrüchigen von den europäischen Staaten geklärt wurde. Die Nahrung auf den beiden Schiffen wird mittlerweile rationiert. Die Situation der Menschen an Bord wird als medizinischer Notfall betrachtet (hier).

Pia Klemp (35) ist seit September 2017 in der Seenotrettung aktiv und Kapitänin der Sea-Watch 3. Sie ist eine von zehn Crewmitgliedern gegen die wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung in die EU ermittelt wird. Das folgende Interview erschien in der Positionen 2/2018, einer Zeitschrift des Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN), an deren letzter Ausgabe ich mitarbeiten durfte. Es wurde im Dezember 2018 von Nina Gawol, Fachpromotorin für Öffentlichkeitsarbeit und Internationales beim VEN, geführt.

Gawol: Wie viele Menschen habt Ihr bei Euren Einsätzen aus dem Mittelmeer gerettet?

Klemp: Sea-Watch war bis heute an der Rettung von über 37.000 Menschen beteiligt. Vielen Menschen bleibt nichts anderes als die gefährliche Route über das zentrale Mittelmeer zu wählen, um ihr Menschenrecht auf Asyl wahrnehmen zu können. Es gibt skandalöserweise Weiterlesen Seenotrettung: „Im Moment ist es furchtbar im Mittelmeer“

Wir müssen jetzt handeln!Für die Aquarius und zivile Seenotrettung!

Text der Petition

Wir, die Zivilgesellschaft, schließen uns der Besatzung der Aquarius an und fordern alle europäischen Staaten mit Nachdruck dazu auf, der Pflicht Menschen aus Seenot zu retten, nachzukommen. Die Aquarius ist das einzig verbliebene Rettungsschiff im Mittelmeer. 

Wir fordern die Einhaltung internationalen Rechts und die Entkriminalisierung ziviler Seenotrettung. 

Wir rufen die Staaten Europas dazu auf:

  • Alle Maßnahmen zu ergreifen, die es der Aquarius sowie allen anderen zivilen Seenotrettungsschiffen erlauben, ihren lebensrettenden Einsatz so schnell wie möglich fortzusetzen,
  • der Pflicht nachzukommen, Menschen in Seenot zu retten, 
  • sowie durch den Aufbau eines europäischen Rettungssystems im Mittelmeer Verantwortung zu übernehmen.

Die Aquarius ist seit 31 Monaten im zentralen Mittelmeer im Einsatz und hat in mehr als 230 Rettungseinsätzen 29.523 Menschen gerettet. 

In den letzten Monaten wurde mit allen politischen Mitteln gezielt versucht, die Rettungseinsätze der Aquarius zu stoppen. Dem Schiff wurde innerhalb eines Monats zweimal die Flagge aberkannt; zuerst von Gibraltar, dann von Panama. 

Wenn die zivilen Rettungsschiffe ihre Einsätze nicht fortsetzen dürfen, sterben mehr Menschen vor den Toren Europas. Sie sterben ungehört und ungesehen, weil Europa beschlossen hat, die Augen vor der humanitären Katastrophe im Mittelmeer zu verschließen. 

Wir rufen alle europäischen Staaten dazu auf, alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu ergreifen, damit die Aquarius weiter Menschen vor dem Ertrinken retten kann. 

Wir fordern die unverzügliche Bereitstellung einer neuen Flagge für die Aquarius. 

In den letzten Monaten wurden Seefahrer*innen und die Rettungsteams der zivilen Rettungsschiffe Zeug*innen todbringender politischer Entwicklungen im zentralen Mittelmeer. Diese Entwicklungen sind sowohl mit internationalem Recht, als auch mit dem Seerecht unvereinbar. Zivile Rettungsschiffe werden daran gehindert, Leben zu retten. Die Pflicht, Menschen aus Seenot zu retten, wird ignoriert; Solidarität und Menschlichkeit wird kriminalisiert. 

Wir verurteilen zugleich den politischen Willen, Retter*innen und humanitäre Helfer*innen zu kriminalisieren.

Gemeinsam mit anderen zivilen Rettungsschiffen hat die Aquarius ihren Einsatz als Antwort auf das Versagen der europäischen Staaten begonnen. Diese haben bis heute keine angemessene Reaktion auf die humanitäre Tragödie im zentralen Mittelmeer gefunden. Das Mittelmeer ist damit zur tödlichsten Migrationsroute der Welt geworden. 

Menschen, die vor den Menschenrechtsverletzungen in Libyen fliehen, müssen gerettet werden. Darüber hinaus ist es seit Juni 2018 keine Selbstverständlichkeit mehr, dass für gerettete Menschen ein sicherer Hafen bereitgestellt wird. 

Voraussehbare und verlässliche Mechanismen auf See gerettete Menschen in einen sicheren Hafen zu bringen, müssen vorhanden sein. 

Menschen sterben weiterhin. Wenn wir jetzt nicht handeln, sterben sie ungesehen. Unterschreibe unsere Petition und unterstütze zivile Seenotrettungsorganisationen, gemeinsam humanitäre Werte und Menschlichkeit auf See aufrechtzuerhalten.