Riester-Rente auf Kosten des Südens

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Jürgen Kaiser über die Verschärfung der Schuldenkrise durch das wechselnde Zinsniveau im Norden

Seit der Finanzkrise 2008 steuern die Notenbankern der USA und der Eurozone mit Niedrigzinsen dagegen, um die globale Konjunktur zu stützen. In Deutschland wird über die Folgen des Niedrigzinsniveaus für Kleinsparer geklagt, die Folgen für den Globalen Süden bleiben hingegen ausgespart. Ein blinder Fleck in der Wahrnehmung?

Definitiv. Die Folge der Niedrigzinspolitik unmittelbar nach Beginn der Finanzkrise 2008 war, dass es in großen Stil anlagesuchendes Kapital gegeben hat, das aus dem Globalen Norden in den Globalen Süden geflossen ist, weil die Finanzinstitutionen aus dem Norden dort die Zinsen erzielen konnten, die Anleger brauchen, um beispielsweise in Deutschland die Riester-Renten auszahlen zu können. In Deutschland war es damals für institutionelle Anlager wie Versicherungen legal kaum noch möglich, die Rendite zu erzielen, die sie ihren Kunden vertraglich zugesichert hatten. Es war attraktiv, auf Staatsanleihen im Globalen Süden zuzugreifen, die Renditen von vier bis über zehn Prozent, je nach Risiko der Anleihen, abwarfen. Das anlagesuchende Kapital aus dem Norden traf auf Bedürfnisse des Südens, etwa mit Krediten Haushaltsdefizite auszugleichen, vor allem aber, den hohen Finanzierungsbedarf für Infrastruktur in vielen ärmeren Ländern zu decken, um global wettbewerbsfähig zu werden.

Wie hat sich die Schuldensituation im Globalen Süden entwickelt? Im Schuldenreport war schon 2018 von einer Schuldenkrise zu lesen. Gibt es Zeichen für Entspannung?

Im Gegenteil. Wir haben Weiterlesen Riester-Rente auf Kosten des Südens

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Ausstellung „Geschichten der Schuldenkrise“ in Aalen

Die Ausstellung „Geschichten der Schuldenkrise“ im Torhaus neigt sich dem Ende zu. Kommenden Donnerstag werden wir sie abbauen.
Die bisherige Resonnanz hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben etwa zehn Führungen durchgeführt, darunter für fünf Schulklassen. Bei den Führungen haben wir besonderen Wert darauf gelegt, das Thema „Schuldenkrise“ von einigen Grundverständnisfragen her einzukreisen, anstatt nur von Säule zu Säule zu gehen und zu referieren, was dort ohnehin geschrieben steht. Das hat nach allen Erfahrungen sehr gut funktioniert.
Und auch die beiden Veranstaltungen waren sehr interessant und informativ. Wir hätten wohl in ganz Aalen keinen besseren Ausstellungsort finden können – im Foyer der Volkshochschule und damit im Blickfeld auch jedes Besuchers der Stadtbücherei. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Herrn Wasella und das freundliche Team der VHS!
Nun haben wir uns überlegt, am Dienstag Abend, 22. 3., 19 Uhr, noch eine letzte Führung anzubieten für all diejenigen, die es bisher nicht geschafft haben – sozusagen „ins Blaue hinein“. Dazu möchten wir Sie / Euch herzlich einladen! Gerne können Sie / könnt Ihr diese Einladung auch an Freunde und Bekannte weiterleiten.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Sie können / Ihr könnt aber auch einfach spontan dazustoßen.
Jedenfalls: Es wäre die letzte Gelegenheit!
Wir freuen uns auf Ihr / Euer Kommen!

Allgemeine Kapitaltheorie und „Schuldenkrise“ am Beispiel Griechenlands

http://www.scharf-links.de/133.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=52368&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=f02ecbf9e0
 

Von Robert Schlosser
Es scheint ja mittlerweile so, als seien die Schulden Griechenlands und das Beharren der Gläubiger auf Tilgung und Zinszahlung die Ursache des ökonomischen Niedergangs und des sich breit machenden sozialen Elends. Schulden werden jedoch im Kapitalismus erst dann ein Problem, wenn die Schuldner zahlungsunfähig sind. Da die primäre (Geld-)Einkommensquelle in allgemeiner Warenproduktion eben der erfolgreiche Verkauf von Waren ist und nicht der Kredit, tritt Zahlungsunfähigkeit dann ein, wenn kapitalistische und kleine WarenproduzentInnen sowie LohnarbeiterInnen ihre Waren nicht oder in zu geringem Umfang verkaufen können.
Was den Staat anbetrifft, so ist auch seine primäre Einkommensquelle nicht der Kredit, den er sich auf den Finanzmärkten besorgt, sondern es sind die Steuern, die er bei WarenproduzentInnen und Lohnarbeitern eintreibt. Sinken deren Einkommen, so sinken auch die Steuereinnahmen des Staates; werden sie zahlungsunfähig, so droht auch dem Staat der Bankrott.
Die „Schuldenkrise – ob privat oder öffentlich – verweist jedenfalls auf Ursachen, die nicht auf den Finanzmärkten und beim Finanzkapital zu finden sind“. Die „Schuldenkrise“ verschärft nur die Widersprüche der kapitalistischen Warenproduktion, die zum Eklat drängen.
I.
Folgt man der allgemeinen Kapitaltheorie von Marx, der durch ihn entwickelten Kritik der Politischen Ökonomie, dann sind die Krisen des Kapitals jeweils auch Ausgangspunkte für neues Wirtschaftswachstum. Was die Krise bewirkt, wie sie überwunden wird, verweist zugleich auf deren Ursachen:
Der Weg aus einer allgemeinen Wirtschaftskrise des Kapitals vollzieht sich nur auf der Basis von Kapitalentwertung und Kapitalvernichtung einerseits sowie Steigerung des Ausbeutungsgrades der Lohnarbeit anderseits.
• Das bedeutet einerseits, dass der Tauschwert des akkumulierten Kapitals sinkt (ob akkumuliert in sogenannten „Sachanlagen“ oder in „Wertpapieren“ – also in Formen des fiktiven Kapitals) und das Produktionsanlagen stillgelegt werden.
• Das bedeutet andererseits, dass der Tauschwert der Ware Arbeitskraft – die Lohn – sinkt, dass der Arbeitstag der reduziert beschäftigten LohnarbeiterInnen verlängert, die Arbeit selbst verdichtet und die Produktivität der Arbeit gesteigert wird.
Die Preise aller Waren oder doch wenigstens der meisten Waren sinken in der Krise. Also sinkt der Tauschwert der Waren. In diesem Prozess setzt sich das Gesetz des Wertes durch; zeigt sich, dass die Arbeitszeit das Maß des Tauschwertes ist.[1] Weiterlesen Allgemeine Kapitaltheorie und „Schuldenkrise“ am Beispiel Griechenlands