Lenin als Farce. Zur Kritik an Sarah Wagenknechts Buch „Reichtum ohne Gier“

von Julian Bierwirth

Es mag zunächst verwundern, dass gerade Sarah Wagenknecht, die doch lange Zeit als Kopf der Kommunistischen Plattform in der Linkspartei und damit als Linksauslegerin und radikale Kritikerin der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung galt, in ihrem neuesten Buch Reichtum ohne Gier nun nicht nur das Lob auf ebendiese Ordnung anstimmt, sondern dafür auch noch von dem rechten Kampfblatt Deutsche Stimme einiges an Lob einheimsen kann. Bei genauerem Hinsehen können wir jedoch feststellen, dass dies lediglich auf die innere Verwandtschaft des Marxismus-Leninismus mit der real existierenden kapitalistischen Produktionsweise verweist. Mit der Krise der einen, so hat es den Anschein, ist auch jener in die Krise geraten.

Der Ausgangspunkt von Wagenknechts Überlegungen ist der „Historische-Materialismus“: demnach ist der zeitgenössische Kapitalismus dadurch gekennzeichnet, dass Produktivkräfte (Technik und Wissen) sowie die Produktionsverhältnisse (die Eigentumsordnung) in einen Widerspruch zueinander treten, der die gesellschaftliche Entwicklung hemmt. Um diese Blockade aufzulösen, müsse der „Kapitalismus“ (den Wagenknecht als ein System bloßer Bereicherung jenseits von produktiver Leistung definiert) wieder zu einer „gesunden Marktwirtschaft“ (in der das Leistungsprinzip und der allgemeine Wettbewerb die zentralen gesellschaftlichen Prinzipien sind) umfunktioniert werden.

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