Genosse Roboter

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1069703.kapitalismuskritik-genosse-roboter.html
Die Triebkräfte, die den Kapitalismus in Agonie überführen, tragen auch die Keimformen einer Systemalternative in sich: einer Art Hightech-Kommunismus. 

Von Tomasz Konicz http://www.konicz.info/

11.11.2017

Kommunismus bitte
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Foto: fotolia/Sashkin

So nah und doch so fern. Der gegenwärtige weltgeschichtliche Moment erinnert an die Verzweiflung vieler pauperisierter Menschen, die sich – oftmals wieder mit knurrendem Magen – in Innenstädten voll ausstaffierte Schaufensterauslagen ausschauen können. Die Bedürfnisbefriedigung ist zum Greifen nah, sie ist ja nur durch eine dünne Glaswand versperrt – und sie scheint dennoch unerreichbar. Dieses massenhafte Elend vieler ökonomisch überflüssiger Menschen spiegelt die globale, systemische Widerspruchsentfaltung im Spätkapitalmus. Die Mittel, die Grundbedürfnisse aller Menschen zu befriedigen, sind längst gegeben, doch zugleich scheint dieser Zustand angesichts eskalierender ökonomischer und ökologischer Verwerfungen unerreichbar.
Nicht nur die industriellen Produktivkräfte sind längst hinreichend ausgebildet, um die Grundbedürfnisse aller Menschen zu befriedigen (dies eigentlich schon seit dem Fordismus), auch die Informationstechnologie hat inzwischen ein Niveau erreicht, das die bewusste Planung und/oder Koordination einer globalen postkapitalistischen Wirtschaft ermöglichen würde, wie es selbst die »Financial Times« bemerkte (»The Big Data revolution can revive the planned economy«). Ein zentraler Nachteil der autoritären osteuropäischen Planwirtschaften, die Unfähigkeit adäquater Datenerfassung und -verarbeitung, ist nicht mehr gegeben, da das globale Netz vermittels der Milliarden angeschlossener Geräte regelrechte »Datenozeane« über die Aktivitäten der User produziert, die schon jetzt von »Big Data« dank nahezu unerschöpflicher Rechenkapazitäten und Systeme Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden. Eine postkapitalistische Echtzeitökonomie, in der anonymisierte Daten den bewussten, weitgehend automatisierten Aufbau und die Koordination ganzer Produktionsketten (von der Ressourcengewinnung bis zur Konsumtion) erledigen können, ist längst möglich.
Dabei ist es gerade das konkurrenzvermittelt immer weiter hochgeschraubte technologisch-wissenschaftliche Niveau der Warenproduktion, es sind die immer weiter perfektionierten Produktionsmittel, die innerhalb der kapitalistischen Produktionsverhältnisse als zentrale Krisenbeschleuniger fungieren. Gerade weil immer mehr Waren in immer kürzerer Zeit von immer weniger Arbeitskräften produziert werden können, befindet sich das globale System der Wertverwertung in einer strukturellen Überproduktionskrise. Somit ist die objektive Absurdität der Krise evident: Das Kapitalverhältnis erstickt an der Warenfülle, die es nicht mehr ohne schuldenfinanzierte Nachfrage verwerten kann. Die Produktivkräfte sprengen die Fesseln der Produktionsverhältnisse, wie es schon Marx prognostizierte, ohne dass sich ein Weg in den Kommunismus abzeichnen würde. Technologischer Fortschritt wandelt sich somit innerhalb der Sphäre der kapitalistischen Ökonomie zu einer Geißel der Menschheit, die zunehmend ökonomisch überflüssig wird. Die aktuelle bürgerliche Debatte um KI, Automatisierung und Robotik, bei der die Krise der Arbeitsgesellschaft endlich diskutiert wird (wohl deswegen, weil sie nun auch Mittelschichtenjobs bedroht), greift ja einen bereits voll sich entfaltenden Krisenprozess auf, der in weiten Teilen der Peripherie des Weltsystems längst eine ökonomisch überflüssige Menschheit geschaffen hat.
Zumeist wird in der Debatte die Technik als solche problematisiert, ohne zu reflektieren, dass deren »Verselbstständigung« nur Widerschein der fetischistischen Eigendynamik der Wertverwertung ist. Es war der Nobelpreisträger Stephen Hawking, der die in der bürgerlichen Presse umhergeisternden Gruselbilder von verselbstständigten Robotern und KI-Systemen, die den Menschen Weiterlesen Genosse Roboter

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Hört die Hummel

https://www.freitag.de/autoren/sebastianpuschner/hoert-die-hummel/
Hört die Hummel

Foto: DAVID PARKER/SCIENCE PHOTO LIBRARY/Agentur Focus

Statt alle Zeit dem Gelderwerb zu opfern, könnte man mehr lesen oder in der Sonne liegen, findet die Politikerin

Kanzlerin Angela Merkel und Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht haben ja nicht nur das Aufwachsen in Ostdeutschland gemeinsam. An gute alte westdeutsche Zeiten zu erinnern, um für ihre Politik zu werben, das tut die eine wie die andere sehr gern.
Wer als Linker Merkels Rede auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe Ende 2015 lauschte, musste vor Neid erblassen: Sie erzählte ihren Leuten eine anschlussfähige, Zuversicht spendende Geschichte. Land wiederaufgebaut nach 45, die Entscheidung für Freiheit statt Einheit durchgehalten und Letztere mehr oder weniger erfolgreich exekutiert, als sie 89 dann doch kam. Und jetzt soll eine CDU-Kanzlerin von den Flüchtlingen als nächster Herausforderung sagen, dass das nicht zu schaffen ist? So lautete Merkels Geschichte, nach neun Minuten brach sie den tosenden Applaus ab, damit der Parteitag weiterarbeiten konnte. Hätte Sigmar Gabriel solche Sorgen!
Ab in die Zukunft
Merkels Reminiszenzen an die BRD sind so wenig neu, wie es die Wagenknechts sind. Ludwig Erhard und die soziale Marktwirtschaft ließ sie schon 2012 in Freiheit statt Kapitalismus hochleben. In ihrem neuen Buch Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten geht die promovierte Volkswirtin einen erfreulichen Schritt weiter: Die Hälfte der knapp 300 Seiten besteht aus einem so progressiven wie konkreten Blick in die Zukunft. Eben das markiert den Unterschied zu Merkel.
Wagenknecht prangert nicht nur die alltägliche Ungeheuerlichkeit an, dass sich demokratische Staaten privaten Märkten unterwerfen müssen. Sie zeigt unaufgeregt, warum Staatsfinanzierung durch Zentralbanken keineswegs des Teufels sein muss. Ihre zentrale Botschaft: „Geld kostet nichts. Geld ist Kaufkraft, und letztlich kann eine Gesellschaft entscheiden, wofür sie Kaufkraft bereitstellen will und wofür nicht.“
Und wie macht eine Gesellschaft das? Nicht einfach indem sie privaten Banken per Vollgeld-Reform die Möglichkeit zur grenzenlosen Geldschöpfung entreißt. Geld ist ein öffentliches Gut, darum gehöre die Geldversorgung der Wirtschaft „in die Hand gemeinwohlorientierter Institute, die in öffentlichem Auftrag arbeiten und strengen Regeln unterliegen“, nur regional – in Form weniger Filialen auch national – agieren und die Zentralbank als letzten Kreditgeber im Rücken haben, im Unterschied zu Privatbanken, die es in die Weiten des freien Marktes zu entlassen gelte.
Das Überraschendste daran ist nicht, dass Wagenknecht auf unorthodoxe und unparteiische Vordenker wie den Gemeinwohlökonomen Christian Felber zurückgreift. Ausgerechnet von der in linken Kreisen arg verruchten Digitalwirtschaft will sie Leser und Staat lernen lassen: Wenn ein Wagniskapitalgeber in zehn Start-ups investiert und dabei Profit macht, obwohl neun der zehn floppen, warum sollten wir Weiterlesen Hört die Hummel

Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten.

https://www.jungewelt.de/2016/03-10/048.php?sstr=Reichtum%7Cohne%7CGier
Wider den Wirtschaftsfeudalismus

Wagenknecht schreibt: »Der Kern der Macht der oberen Zehntausend ist die heutige Verfassung des Wirtschaftseigentums. In einer veränderten Gestaltung des wirtschaftlichen Eigentums liegt der Schlüssel zu einer neuen Perspektive.« Stephan Quandt, Mitglied der Unternehmerfamilie Quandt, wird davon nicht viel halten (im Museum MMK2 in Frankfurt am Main, 16.10.2014)
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2016, 292 Seiten, 19,95 Euro – auch im jW-Shop erhältlich

Sahra Wagenknecht gehört zu den wenigen bundesdeutschen Politikerinnen und Politikern, die ihr Handeln auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen. Die daraus entwickelten Überlegungen für eine Auflösung der aktuellen Krisenerscheinungen stellt die Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Bundestag nun im Campus-Verlag unter dem Titel »Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten« vor. Es ist ein Vorschlag zur Redemokratisierung EU-Europas durch Rückbesinnung auf den Nationalstaat. »Nicht die Politik muss sich internationalisieren«, so Wagenknecht, »sondern die wirtschaftlichen Strukturen müssen dezentralisiert und verkleinert werden«. jW veröffentlicht aus dem neuen Buch einen Auszug aus der Einleitung. (jW)

Wollen wir wirklich so leben, wie wir leben? Wollen wir eine Gesellschaft, in der immer rücksichtsloser der Ellenbogen zum Einsatz kommt, weil jedem jederzeit die Angst im Nacken sitzt, schlimmstenfalls selbst abzustürzen und sich ins graue Heer der Verlierer einreihen zu müssen? Ein Heer, aus dem es allzuoft keine Rückkehr gibt. Wollen wir, dass Unsicherheit und Zukunftssorgen unseren Alltag bestimmen und uns das auch noch als neue Freiheit verkauft wird? Und wenn wir es nicht wollen, warum wehren wir uns nicht? Warum nehmen wir so vieles hin – so viele Zumutungen, so viele Demütigungen, all die Heuchelei, die wir durchschauen, die vielen Lügen, von denen wir wissen, dass es Lügen sind? Warum akzeptieren wir ein Leben, das deutlich schlechter ist, als es mit den heutigen technologischen Möglichkeiten bei einigermaßen gerechter Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums sein könnte? Wir haben doch nur dieses eine.
Finden wir es wirklich normal, dass die Mehrheit unter wachsendem Druck darum kämpfen muss, ihren Lebensstandard auch nur zu halten, während wenige auf immer mondäneren Jachten durch die Weltmeere schippern? Warum finden wir uns damit ab, dass Weiterlesen Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten.

Wie solidarisch ist Deutschland?

Veröffentlicht am 15.02.201615.02.16
Reiche werden reicher – Arme bleiben arm, während die „Mitte“ gegen den Abstieg kämpft. Ein verblüffender Befund, glaubt man dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung; die Unternehmen boomen, doch die Löhne stagnieren, gleichzeitig wächst die Ungleichheit bei den Vermögen. Die Kluft zwischen denen, die sehr viel haben und jenen, die mit wenig oder sehr wenig auskommen müssen, ist heute besonders groß. Deutschland nimmt bei der Vermögensungleichheit in der Eurozone inzwischen einen enttäuschenden Spitzenplatz ein. Was ist passiert?
Quelle

http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Wie-solidarisch-ist-Deutschland/Das-Erste/Video?documentId=33418612&topRessort&bcastId=799280&mpage=page.info

Studie: Reiche US-Amerikaner bestimmen Entwicklungspolitik

https://www.jungewelt.de/2015/12-21/098.php
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Foto: Handout/Reuters
Nicht nur multinationale Konzerne, auch reiche Philanthropen geben der Politik vor, wohin ihre Entwicklungshilfe fließen soll. Mit Stiftungen beeinflussen sie maßgeblich, wie Armut reduziert, nachhaltige Entwicklung durchgesetzt, der Klimawandel aufgehalten und Menschenrechte geschützt werden, kritisiert eine Studie der kirchlichen Entwicklungsorganisationen Brot für die Welt und Misereor sowie des Global Policy Forums.
Nicht erst seit Mark Zuckerberg einen öffentlichen Brief an seine neugeborene Tochter Max schrieb, sind US-amerikanische Stiftungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit aktiv. »Aber erst in den vergangenen Jahren haben sich mit der wachsenden Anzahl von Stiftungen und vor allem mit der Gründung der ›Bill and Melinda Gates Foundation‹ deren finanzielle Leistungen rapide erhöht«, heißt es in der Studie mit dem Titel »Philanthropic Power and Development: Who Shapes the Agenda« (»Karitative Macht und Entwicklung: Wer setzt die Agenda«, jW). »Stiftungen beeinflussen aktuelle Diskurse und politische Entscheidungen zum gleichen Anteil wie private Akteure oder gehen sogar über deren Einfluss hinaus.«
Es wäre irreführend, so die Autoren der Studie, reiche Individuen wie William Gates, Warren Buffett oder Ted Turner allein dafür kritisieren zu wollen, dass sie einen Teil ihres Vermögens karitativen Zwecken stiften. Weiterlesen Studie: Reiche US-Amerikaner bestimmen Entwicklungspolitik

Das reichste Prozent in Deutschland besitzt ein Drittel des Gesamtvermögens

http://m.heise.de/tp/artikel/45/45883/1.html
heute Florian Rötzer

Die wirklichen Reichen oder Superreichen, wie sie auch genannt werden, lassen sich hierzulande nicht in die Karten schauen. Daher ist es ein Geheimnis geblieben, wie hoch die Vermögenskonzentration in Deutschland wirklich ist, auch wenn klar ist, dass die Ungleichheit hierzulande wie in anderen Ländern ungebremst steigt.
Schon Anfang des Jahres hatte das Deutsche Wirtschaftsinstitut in einer Studie moniert, dass wegen der von Rot-Grün abgeschafften Vermögenssteuer das Vermögen der Reichen nur geschätzt werden könne, was dazu führe, dass das „wahre Ausmaß an Vermögensungleichheit unterschätzt“ werde. Dazu trägt eben bei, dass Daten über Vermögen, bei denen die Konzentration viel höher als bei den Einkommen ist, fehlen oder mangelhaft sind.
Nach der damaligen Schätzung des Deutschen Wirtschaftsinstituts besitzt das reichste Prozent der Deutschen ein Drittel des privaten Gesamtvermögens, die reichsten 10 Prozent haben einen Anteil von 63-74 Prozent, die reichsten 0,1 Prozent der Haushalte einen Anteil von 14 bis 16 Prozent am gesamten Vermögen – dreimal so viel, wie die ärmeren 50 Prozent der Bevölkerung (Armut wächst in Deutschland weiter ungebremst an). Nach den Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) hätte der Anteil der reichsten 10 Prozent „nur“ 60 Porzent betragen. Weiterlesen Das reichste Prozent in Deutschland besitzt ein Drittel des Gesamtvermögens