Zugezogen Maskulin: 10 Jahre Abfuck

musikexpress.de

Thomas Winkler

Yo, das hat sich dann wohl noch keiner getraut im deutschen Rap. An sich selbst zweifeln, den Sinn des Rappens, ja das Business grundsätzlich hinterfragen, über den Ausstieg aus der ganzen Scheiße nachdenken, und die Grundsatzfrage stellen: „Macht fame wirklich glücklich?“ Sicherlich, punktuell findet sich der Zweifel am eigenen Tun bei vielen Kollegen, aber ein ganzes Album lang?

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Zugezogen Maskulin haben es gewagt, pünktlich zu ihrem zehnjährigen Bestehen. Klar, ganz kann das Berliner Duo nicht aus seiner Haut. Wörter wie „Fotzen“ oder „Titten“ fallen trotz aller Kontemplation, und es wird immer noch fleißig gedisst. DJ Ötzi, Sido, Fler oder Staiger kriegen ihr Fett ab, aber eben auch „echte Männer“, „König Alkohol“ und „Der Erfolg“. Aber die Punk-Attitüde, die Testo und grim104 sonst in hasserfüllte Reime verwandelt haben, ist stark zurückgefahren.


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Stattdessen werden Selbstmordgedanken, Depressionen, dunkle Kindheitserinnerungen, Sexsucht, Zukunftsangst und sogar der Klimawandel in aufgeweckten, aber durchaus auch tückischen Reimen verarbeitet. Schlussendlich ist es der Sinn des Lebens, dem ZM auf die Spur zu kommen versuchen, aus den Sturm-und-Drang-Pöblern sind Erwachsene geworden, die immer noch sehr gern pöbeln, aber nicht mehr nur von anderen angepisst sind, sondern auch von sich selbst. „Ach du Scheiße, so wollte ich niemals werden“, rappt Testo in „Exit“. Ja Scheiße, man kann es sich nicht immer aussuchen.

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Zugezogen Maskulin: Die Verrohung und Verblödung der Menschheit

zeit.de

Eine Rezension von Daniel Gerhardt

Zehn Jahre Deutschrap, Rechtsruck und sonstiger Abfuck: Das Berliner Rapduo Zugezogen Maskulin reflektiert auf seinem neuen Album die erste Dekade seiner Karriere.

Zugezogen Maskulin: Die journalistische Perspektive haben sie nie ganz abgelegt: Hendrik "Testo" Bolz und Moritz "Grim104" Wilken sind Zugezogen Maskulin.
Die journalistische Perspektive haben sie nie ganz abgelegt: Hendrik „Testo“ Bolz und Moritz „Grim104“ Wilken sind Zugezogen Maskulin.© Rob Kulisek

Das neue Album von Zugezogen Maskulin heißt 10 Jahre Abfuck, und natürlich ist das kein Grund zum Feiern. Zeitgleich mit Thilo Sarrazins Zweitkarriere ging das Berliner Rap-Duo an den Start. Auf zwei Alben und einigen weiteren Kleinveröffentlichungen haben Hendrik „Testo“ Bolz und Moritz „Grim104“ Wilken seitdem beschrieben, wie alles den Bach runtergeht. Deutschrap, den sie als weitgehend unrettbare Reproduktionsmaschine von ebenso spätrömischen wie -kapitalistischen Zuständen erleben, das Land drum herum, das sein rechtes Gesicht immer offener zeigt, und natürlich auch die eigenen Lungenfunktions- und Leberwerte. Es war scheiße, es war dumm, und jetzt müssen wir da noch einmal durch.

Ganz am Anfang waren Zugezogen Maskulin Rapjournalisten, zumindest fast. Praktikum beim Szenemagazin, erste Begegnungen, Offenbarungen und Enttäuschungen. Den Journalistenblick haben Bolz und Wilken danach nie wieder aus ihrer Musik herausbekommen. Einerseits beherrschen sie den Abriss- und Abfuck-Rap, der in Deutschland momentan die besten Karriereaussichten bereitstellt, andererseits kommt bei ihnen zum Infight immer auch die Vogelperspektive hinzu. Zugezogen Maskulin sind so etwas wie die liebenswürdigen Bruchpiloten des Deutschrap, aber auch dessen strenger Blick. Sie beobachten, klagen an, überzeichnen und parodieren. Sie sind ein eigenes Genre innerhalb des Genres.

Schon mit ihrem zweiten Album Alle gegen alle kamen Zugezogen Maskulin im Jahr Weiterlesen Zugezogen Maskulin: Die Verrohung und Verblödung der Menschheit