Nullnummer

AFP
Ran an die Moneten!

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Wenn unsere Kinder und Enkelkinder in 30 Jahren auf den heutigen Tag zurückblicken, werden sie sich wahrscheinlich fragen, weshalb ein so zivilisiertes Land wie das Vereinigte Königreich erwägen konnte, die Europäische Union zu verlassen und sich so seiner wirtschaftlichen und politischen Perspektiven zu berauben. Mit Blick auf Deutschland dürften sie sich die Frage stellen, warum das Land der Dichter und Denker auf die Idee kam, der Ideologie der „schwarzen Null“ blindlings zu folgen: Wie konnte es sein, dass Deutschland ganz bewusst auf Investitionen in die Zukunft verzichtete – und sogar glaubte, zukünftigen Generationen damit einen Gefallen zu tun?

Die SPD ist gerade dabei, Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Das gilt insbesondere für die Arbeitsmarktreformen des Jahres 2005 unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, die eine Kommission unter dem Vorsitz von Peter Hartz, dem damaligen Personalchef von Volkswagen, vorgeschlagen hatte. Die Hartz-Reformen wurden viele Jahre als große Errungenschaft gefeiert. Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass sie dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ ähneln.

Denn die Erfolge Weiterlesen Nullnummer

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Mit Eistorte gegen Schlagzeilen

Haben Sie eigentlich das Gefühl, immer gegen den Strom zu schwimmen?

Welchen Strom meinen Sie?

Peter Bofinger

Peter Bofinger ist seit 2004 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Anfang nächsten Jahres scheidet der Würzburger Ökonom aus diesem auch »Wirtschaftsweise« genannten fünfköpfigen Gremium aus, in dem er häufig eine Gegenposition zur Mehrheitsmeinung einnahm. Mit ihm sprach Simon Poelchau.

Den Mainstream in der Ökonomie.

Auf die Mainstream-Ökonomie trifft das in der Tat zu.

Wie fühlt sich das an?

Ich fühle mich damit eigentlich ganz gut.

Warum?

Weil ich das Gefühl habe, in der Politik zunehmend mit dem Strom zu schwimmen. Viele Sachen, für die ich mich lange eingesetzt habe, wurden mittlerweile umgesetzt und funktionieren ganz gut. Ein Beispiel dafür ist der Mindestlohn, für dessen Einführung ich schon lange war: Da bin ich in der Ökonomie gegen den Strom geschwommen. Vor vier Jahren ist der Mindestlohn endlich eingeführt worden. Nun stellt man fest: Eigentlich ist alles prima gelaufen.

Sie gelten als ausgewiesener Keynesianer. Schwimmt man damit automatisch gegen den neoliberalen Mainstream?

Unter deutschen Ökonomen ist das so. Aber mittlerweile hat sich auch in Europa der Keynesianismus wieder etwas mehr durchgesetzt. Zumindest wurde die extreme Sparpolitik gestoppt, die bis 2012 betrieben wurde. Wenn es nach den meisten deutschen Ökonomen gegangen wäre, hätte man im Euroraum die letzten vier, fünf Jahre noch massiv weiter gespart, und ich würde mal vermuten, der Euroraum würde sehr viel schlechter dastehen.

Auch bezüglich der Anleihenkäufe und historisch niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) vertreten Sie eine andere Meinung als die meisten Ihrer Kollegen.

Das Thema diskutieren auch meine Kollegen im Sachverständigenrat seit Jahren kritisch. Da sind alle möglichen Risiken an die Wand gemalt worden. Doch bisher war die Politik der EZB genau richtig. Und Weiterlesen Mit Eistorte gegen Schlagzeilen

Peter Bofinger, Eine andere Meinung. Sondervotum innerhalb desJahresgutachten 2016/17 des Sachverständigenrat

– Peter Bofinger, Eine andere Meinung. Sondervotum innerhalb desJahresgutachten 2016/17 des Sachverständigenrat: Wirtschaftspolitik – Zeit für Reformen http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/gutachten/jg201617/kap01_jg16_17.pdf

Die Riester-Rente muss weg

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/peter-bofinger-die-riester-rente-muss-weg-kommentar-a-1087736-druck.html
18. April 2016, 17:40 Uhr
Falsche Altersvorsorge
Ein Gastkommentar von Peter Bofinger
Der Staat verteilt großzügig Zuschüsse an Riester-Sparer. Das ist Geldverschwendung. Er sollte lieber das Niveau der gesetzlichen Altersvorsorge anheben.
Horst Seehofer hat vorgeschlagen, das Rentenniveau weniger stark abzusenken als geplant und gleichzeitig die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge einzuschränken. Damit hat er sich heftige Kritik eingefangen. Sie kam unter anderem vom Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) , Marcel Fratzscher, und vom Präsidenten des Ifo-Instituts, Clemens Fuest .
Die Kritik überrascht nicht, weil Seehofer mit seinem Vorschlag einen Kurswechsel zu mehr Staat und weniger Finanzmarkt bei der Altersvorsorge fordert. Für die meisten Ökonomen ist das auch nach der Finanzkrise nur schwer zu schlucken.
Doch die Erfahrung der letzten fünfzehn Jahre gibt Seehofer Recht. Das Konzept, die geringere staatliche Rente durch die Riester-Rente auszugleichen, ist gescheitert. Die Kosten haben einen großen Teil der Rendite aufgezehrt. Und in der Nullzins-Welt hat sich die Hoffnung, eine höhere Rendite als bei der gesetzlichen Rente zu erzielen, dann völlig zerschlagen.
Auch die Zielgenauigkeit der Riester-Rente lässt zu wünschen übrig. Die Bezieher niedriger Einkommen haben sich bisher kaum Weiterlesen Die Riester-Rente muss weg