Pegida: Kalbitz Auftritt in Dresden ist eine politische Ansage – WELT

Die Demonstration der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) an diesem Montagabend in Dresden beginnt mit etwas, das die meisten Teilnehmer für eine Zumutung halten: mit einer Maskenpflicht. Wegen der Corona-Pandemie hat die Dresdener Versammlungsbehörde kurzfristig das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes angeordnet – für die Pegida-Kundgebung am Altmarkt ebenso wie für die Gegenkundgebung, die durch Polizeigitter getrennt in Sicht- und Hörweite stattfindet.

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Quelle: Deniz Yücel

Allzu genau nehmen es die Demonstranten mit der Maskenpflicht und vor allem mit dem Sicherheitsabstand auf beiden Seiten nicht. Der Unterschied: Die Gegendemonstranten lehnen diese Maßnahmen nicht ab. „Wo, wo, wo sind eure Masken?“, skandieren sie in Richtung der Pegida-Kundgebung. Dort wiederum machen Redner zu Beginn mehrfach auf diese Auflagen aufmerksam. „Im Ernstfall würde die Polizei die Kundgebung auflösen“, sagt ein Sprecher. Dafür gibt es zwar Buhrufe. Aber mit offiziellem Veranstaltungsbeginn ziehen sich die meisten die Masken doch auf oder lassen sie am Kinn baumeln.

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Nun protestieren sie nicht nur, wie seit schon beinahe sechs Jahren, gegen „Islamisierung“ und Ausländer, gegen die Medien und die Merkel, sondern eben auch gegen die „Pseudo-Pandemie“.

Quelle: Deniz Yücel

Die meisten Teilnehmer, Weiterlesen Pegida: Kalbitz Auftritt in Dresden ist eine politische Ansage – WELT

Zielgruppe »Volk« – Das »Compact-Magazin«

von Kilian Behrens
Magazin „der rechte rand“ Ausgabe 172 – Mai / Juni 2018 

#Rassismus

Meist sind es Titelseiten mit düsteren Horrorszenarien, die mit Hilfe wenig origineller Fotomontagen die neueste Ausgabe von »Compact« ankündigen. Mal zeigen sie den damaligen Justizminister Heiko Maas in Nazi-Uniform und fragen »Wollt ihr den totalen Maas?«, mal fordern sie die Verhaftung Angela Merkels. Geflüchtete werden als »Invasion aus Afrika« bezeichnet oder ein »Kalifat BRD« wird beschworen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen vermitteln sie den Eindruck einer ständigen Bedrohung, wahlweise auch Verschwörung, die hier exklusiv aufgedeckt werde.

Magazin der rechte rand Ausgabe 172

Akif Pirinçci gibt Autogramme am Stand von »Compact« © Mark Mühlhaus / attenzione

Anders als viele kleinere extrem rechte Postillen, die nur über ein Abonnement zu beziehen sind, findet sich »Compact« in vielen Zeitungsläden und Supermärkten. Meist liegt das 68-seitige Monatsheft in direkter Nähe zu etablierten Politmagazinen wie »Der Spiegel« oder »Stern«. Laut Eigenangaben beträgt die Auflage bis zu 80.000 Stück, überprüfen lässt sich das nicht.

Eigener Kosmos
Das seit Dezember 2010 erscheinende Magazin ist das Kernangebot der gleichnamigen GmbH mit Sitz im Brandenburgischen Werder (Havel). Als deren Geschäftsführer fungiert Kai Homilius. Nachdem er in seinem Verlag bereits eine gleichnamige Buchreihe veröffentlicht hatte, gründete er das Magazin gemeinsam mit dem heutigen Chefredakteur Jürgen Elsässer. Letzterer hatte jahrelang in linken Medien publiziert, bevor er zunehmend nationalistische und verschwörungsideologische Töne anschlug. Dritter im Bunde war Andreas Abu Bakr Rieger, Gründer und aktuell Herausgeber der »Islamischen Zeitung«, der »Compact« nach internen Streitigkeiten bald wieder verließ.
Von Anfang an betreibt das Magazin eine aggressive Medienstrategie. Das geneigte Publikum kann den lieben langen Tag im »Compact«-Kosmos verbringen, ohne eine abweichende Meinung wahrnehmen zu müssen. Das Printangebot wird ergänzt durch Weiterlesen

Kein Mensch kann auf Dauer ohne Anerkennung leben

https://www.sueddeutsche.de/politik/wachsender-autoritarismus-kein-mensch-kann-auf-dauer-ohne-anerkennung-leben-1.4203226

„Kein Mensch kann auf Dauer ohne Anerkennung leben“

15. November 2018, 09:10 Uhr

Der von der Organisation „Pro Chemnitz“ organisierte Marsch Anfang September in Chemnitz

(Foto: AFP)

Kommt das autoritäre Zeitalter? Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer erklärt, warum er sich große Sorgen um die liberale Demokratie macht.

Interview von Sebastian Gierke

SZ: Am Freitag besucht Angela Merkel Chemnitz, es wird Proteste gegen die Kanzlerin geben. Vor wenigen Wochen sind einige Tausend Menschen zu einem sogenannten Trauerzug in der Stadt zusammengekommen. In den vorderen Reihen waren führende Mitglieder der AfD, Sprecher von Pegida und auch Mitglieder der neonazistischen Kleinstpartei „Dritter Weg“ dabei. Dahinter haben sich Familien eingereiht, Rentner. Was haben Sie gedacht, als Sie diese Bilder gesehen haben?

Wilhelm Heitmeyer: Überrascht hat mich das nicht. Es gibt keine klare Zweiteilung: Hier ist die humane Gesellschaft, dort die rechtsextremen Berserker oder – im Falle des NSU – die Mörderbande. Man muss sich das als Zwiebelmuster vorstellen: Ein Teil der sogenannten Normalbevölkerung zeigt Einstellungsmuster, die ich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nenne. Dann gibt es die kleineren Gruppen des autoritär-nationalradikalen Milieus, wozu ich die AfD zähle. Dann – wieder eine etwas kleinere Gruppe – die systemfeindlichen Weiterlesen Kein Mensch kann auf Dauer ohne Anerkennung leben

Besetzt!

http://www.konicz.info/?p=3527

Besetzt!

Von Tomasz Konicz

Neues Deutschland, 03.03.2018

Deutschland ist nicht frei! Es wird von dunklen, angelsächsischen Mächten geknechtet, ist ferngesteuert von einer hinter den Kulissen agierenden Besatzungsmacht, der die deutsche Regierung in Wahrheit dient. Unter all den wirren Obsessionen, mit denen die Neue Deutsche Rechte im Überfluss gesegnet ist, sticht die populäre Besatzungsfantasie durch ihre vollendete Loslösung von der Realität noch hervor. Hier geht Ideologie in bloße Weltanschauung über. Während die Bundesrepublik im Gefolge der Eurokrise mittels Schäubles Spardiktat zur unumstrittenen Führungsmacht Europas aufstieg, während die deutsche und die französische Regierung gerade über eine eigenständige militärische Strategie, mithin über die europäische Bombe verhandeln, gewinnen in den blühenden politischen Wahnräumen zunehmend Ängste vor – zumeist US-amerikanischer – Fremdherrschaft an Boden.

Link: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1081211.besetzt.html

Bekanntlich waren es die im Wahlkampf publik gewordenen Wahnvorstellungen der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel Weiterlesen Besetzt!

Die Wölfe halten Einzug in Potsdam | Die Wölfe sind zurück

Die Wölfe halten Einzug in Potsdam

Heute morgen um 6.30 Uhr begannen die Aufbauarbeiten für unsere zweite Ausstellung auf dem Alten Markt in Potsdam. Die Wölfe wurden auf insgesamt vier LKWs transportiert und von dort auf den Marktplatz verladen.
Nun müssen noch letzte Vorbereitungen getroffen werden, bevor die Ausstellung morgen um 17.30Uhr eröffnet werden kann. Die Ausstellung wird eröffnet durch den Oberbürgermeister Jann Joakobs, die Landtagspräsidentin Britta Stark und den Künstler Rainer Opolka.

LIVETICKER: SECHSTE POGIDA-DEMO IN POTSDAM Pogida-Chef kündigt tägliche Demos im März an

http://www.pnn.de/potsdam/1051099/

von Christine Fratzke, Alexander Fröhlich und René Garzke

Blockade

Die Sitzblockade hielt trotz mehrerer Aufforderungen der Polizei mehr als 45 Minuten. Foto: dpa/R. Hirschberger
Am heutigen Mittwoch fand der sechste Pogida-Aufmarsch in Potsdam statt, sieben Gegenproteste waren angemeldet. Die Pogida-Route wurde aber blockiert, Pogida musste umkehren. Lesen Sie hier nach, was in Potsdam los war.
Potsdam – Zum sechsten Mal will Pogida in Potsdam demonstrieren, dieses Mal geht es nach Babelsberg. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz in Babelsberg am Mittwoch vor. Sieben Gegenkundgebungen sind angemeldet.
23.40 Uhr: Die Bilanz des Abends
Die 70 Pogida-Teilnehmer um Christian Müller konnten ihre Demonstration nicht wie geplant durchführen. Aufgrund mehrerer Blockaden in der Großbeerenstraße mussten die Rechten nach nicht mal 500 Meter kehrt machen und zurück zum Bahnhof Medienstadt laufen, wo sie etwa eine Stunde zuvor gestartet waren. An den Gegenprotesten beteiligten sich mehr als 800 Personen.
Wie die Polizei am späten Mittwochabend mitteilte, hat Müller die Demonstrationsroute in Absprache mit dem Polizeiführer entsprechend geändert.
Zuvor wurden die Teilnehmer der Blockaden mehrfach von den Einsatzkräften aufgefordert, die Blockaden zu beenden, kamen dem aber nicht nach. Von der Polizei hieß es, dass sie Maßnahmen eingeleitet habe, um die Teilnehmer der Blockaden zu identifizieren – es sollen entsprechende Strafverfahren eingeleitet werden.
Noch vor Beginn des Pogida-Aufzugs warfen nach Polizeiangaben Gegendemonstranten Flaschen und Böller auf die Beamten. Mehrfach wurden die Fahrer von Polizei-Fahrzeugen sowie die Besatzung des Polizeihubschraubers mit Laserpointern geblendet. Eine Polizistin wurde dabei verletzt. Verschiedene Seitenstraßen der Großbeerenstraße wurden nach Angaben der Polizei mit Müllcontainern, Einkaufswagen und Gerümpel blockiert. Teilweise wurden Mülltonnen in Brand gesetzt. Auch hier leitete die Behörde Ermittlungen ein.
Für Aufregung sorgte nach dem Ende der Versammlungen, dass Polizisten die linke Kiezkneipe „Nowawes“ stürmten. Ursächlich war nach Polizeiangaben, dass ein junger Mann zuvor Einsatzkräfte bei einer Personalienfeststellung bespuckt hatte. Er und wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eine weitere Person wurden im Zuge des Polizeieinsatzes beim „Nowawes“ in Gewahrsam genommen. Die Polizei begründete den Einsatz mit Nacheile.
Bei einem Pogida-Ordner stellten die Beamten auf Versammlungen verbotene Quarzhandschuhe fest – diese gelten als Passivbewaffnung. Bei einem Gegendemonstranten fanden Polizisten ein verbotenes Einhandmesser. Gegen beide Personen wurden Strafverfahren eingeleitet.
Insgesamt waren erneut mehr als 1000 Polizisten aus Berlin, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hessen sowie von der Bundespolizei im Einsatz.
21.24 Uhr: Wir verabschieden uns an dieser Stelle vom Live-Ticker und melden uns später mit einer Bilanz noch einmal zurück. Vielen Dank für das Feedback, das uns auf viele Wege erreicht hat.
21.08 Uhr: Die Polizei stürmt die Weiterlesen LIVETICKER: SECHSTE POGIDA-DEMO IN POTSDAM Pogida-Chef kündigt tägliche Demos im März an

Die neuen Rechten, verständlich erklärt

https://krautreporter.de/1276–die-neuen-rechten-verstandlich-erklart
Bin ich ein Nazi, wenn ich gegen mehr Einwanderung bin? Was ist eigentlich „rechts“? Woher haben Pegida und AfD ihre Ideen? Führen die Flüchtlinge zu einem Rechtsruck in Deutschland? Krautreporter gibt Antworten, die jeder versteht.
Dieser Satz beendet jede Debatte: „Du bist ein Nazi.“ Deswegen müssen wir mit dieser Frage beginnen:
Wer oder was ist ein Nazi?
Ein Nazi ist ein Nationalsozialist. Der Nationalsozialismus (NS), angeführt von Adolf Hitler, hörte mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell auf zu existieren. Wer auch nach dem Krieg nationalsozialistischen Ideen treu blieb, war ein Altnazi. Immer weniger Menschen haben heute die NS-Zeit noch selbst erlebt, deswegen gibt es auch immer weniger (Alt-)Nazis. Wenn Sie heute also jemanden hören, der einen anderen als „Nazi“ beschimpft, ist die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr hoch, dass er Unsinn redet. Wenn Sie diese Bezeichnung auf Facebook lesen, beträgt die Unsinns-Wahrscheinlichkeit fast 100 Prozent, denn wie viele 80- bis 90-Jährige kennen Sie, die die Plattform nutzen – und dort auch kommentieren?
Wie soll ich sonst Menschen nennen, die auf Ausländer und die Demokratie schimpfen und immer noch von „Rassen“ reden?
Tatsächlich hat das Wort „Nazi“ einen festen Platz in der Umgangssprache der Deutschen. Das Wort hilft aber nicht weiter, denn es verschleiert mehr als dass es erklärt, weil es alles, was rechts von der CSU ist, in einen Topf wirft. In diesem Text will ich erklären, dass es da Unterschiede gibt – und herausstellen, warum es wichtig ist, diese Unterschiede zu erkennen. Weiterlesen Die neuen Rechten, verständlich erklärt

BEATE KLARSFELD WARNT VOR PEGIDA „Dagegen muss man hart ankämpfen“ Beate Klarsfeld im Gespräch mit Nana Brink

http://www.deutschlandradiokultur.de/beate-klarsfeld-warnt-vor-pegida-dagegen-muss-man-hart.1008.de.mhtml?dram:article_id=336312
BEATE KLARSFELD WARNT VOR PEGIDA „Dagegen muss man hart ankämpfen“ Beate Klarsfeld im Gespräch mit Nana Brink
Beitrag hören Beate Klarsfeld zwischen den Stelen des Holocaust-Mahnmal in Berlin (imago/IPON)Beate Klarsfeld zwischen den Stelen des Holocaust-Mahnmal in Berlin (imago/IPON)

Sie ohrfeigte Bundeskanzler Kiesinger öffentlich wegen dessen NS-Vergangenheit: Beate Klarsfeld hat auf spektakuläre Weise gegen den Rechtsextremismus gekämpft. Gefahren sieht sie immer noch – und fordert mehr Einsatz von den etablierten Parteien.
Die Publizistin und Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld warnt eindringlich vor Pegida und anderen rechten Gruppierungen in Deutschland. Im Deutschlandradio Kultur sagte sie, auch Hitler habe anfangs nur „wenig Leute“ gehabt. Und auch heute noch würden bei Krisen in einem Land die Rechten oder die Linken stark. „Dagegen muss man hart ankämpfen“, sagte Klarsfeld. Dieser Kampf müsse von den etablierten Parteien geführt werden, forderte sie.
Persönlich hat sich Klarsfeld mit Deutschland aber versöhnt. Die Aufstellung als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten und das Bundesverdienstkreuz seien für sie und ihren Mann eine große Befriedigung gewesen. Früher sei sie als „Nestbeschmutzerin“ in Deutschland bezeichnet worden. Heute sei anerkannt, „dass wir Recht hatten“, sagte sie.
Heute erscheint ihr Buch „Erinnerungen“, das sie mit ihrem Mann Serge Klarsfeld geschrieben hat.
Das Interview im Wortlaut: Weiterlesen BEATE KLARSFELD WARNT VOR PEGIDA „Dagegen muss man hart ankämpfen“ Beate Klarsfeld im Gespräch mit Nana Brink

Es reicht! Pegidas Hetze beenden

http://www.katja-kipping.de/de/article/974.es-reicht-pegidas-hetze-beenden.html
Seit einem Jahr überzieht Pegida Dresden mit rassistischer Hetze, Verunglimpfung und Bedrohung Andersdenkender. Unter dem Motto „Herz statt Hetze“ demonstrieren am kommenden Montag, dem 19. Oktober Dresdner BürgerInnen, Initiativen, Gewerkschaften und Parteien gegen Pegida.
Eine Boulevardzeitung titelte jüngst: „Dieses Dresden ist nicht mehr unser Deutschland“. Als Illustration der Galgen, an dem die Namen zweier bundesdeutscher Spitzenpolitiker hingen. Kein Zweifel: Diese Morddrohung ist empörend. Die Aufmerksamkeit für dieses Ereignis und die Wortwahl offenbaren aber zwei Probleme im Umgang mit Pegida.
Seit einem Jahr nun, wird durch Pegida in Dresden gegen Flüchtlinge, Migrantinnen, Andersdenkende gehetzt. Seit einem Jahr müssen sich MigrantInnen und Muslime in Dresden von Anhängern Pegidas bedroht fühlen. Dass den Worten Taten folgen würden, war schnell klar. Zuletzt wurden Kinder, die an einem Schultheaterfestival teilnahmen, auf Grund ihrer vermeintlichen Herkunft von Pegida-Marschierern bedroht und bespuckt. In Freital demonstrierte jüngst Pegida-Anführer Lutz Bachmann gegen Flüchtlinge, wenig später, als er schon auf dem Heimweg gewesen sein will, folgten die Krawallegegen die ankommenden AsylbewerberInnen. Die Saat ist aufgegangen und hat Früchte getragen.
So lange rassistische Äußerungen den Schritt zum offenen Gewaltaufruf nicht vollziehen, so lange sich die gewalttätige Symbolik nur gegen vermeintliche Minderheiten richtete, wurde Pegida hofiert und verharmlost. Funktionäre wie Lutz Bachmann und Kathrin Oertel durften in Räumen der Landeszentrale für politische Bildung eine Pressekonferenz abhalten. Bundes- und Landespolitiker fanden, es handele sich um besorgte Bürger, deren Ängstenentgegenzukommen sei. Geändert hat sich das erst, seit jene, die sich als Mehrheit fühlen,konkret selbst angesprochen werden.Eine gewisse Distanzierung von Pegida geschah erst, als Medienvertreter angegriffen, Politiker mit dem Tod bedroht und beide mit nationalsozialistisch besetzten Begriffenwie Lügenpresse und Volksverräter tituliert wurden.
Politische Geographie – Wo liegt „unser Deutschland“?
Der Satz „Dieses Dresden ist nicht mehr unser Deutschland“ exterritorialisiert aber das gesellschaftliche Problem, dessen Symptom Pegida ist. Der antimuslimische Rassismus, mit dem Pegida gestartet ist, bevor die Bewegung andere Themen ins Portfolio genommen hat, hat seine Anhänger auch andernorts. Wäre Thilo Sarrazins Hetzschrift nur in Dresdner Buchhandlungen bestellt worden, er wäre heute kein Millionär. Im rechten Sektor der Parlamente macht sich neben der NPD die AfD breit. Ihre in Umfragen erreichten bundesweit sieben Prozent, wurden nicht allein zwischen Gohlis und Weißig erreicht.
Nimmt man Brandanschläge und Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte als Maßstab, wo wäre denn dann überhaupt noch „unser Deutschland“ für besagte Boulevardzeitung? Allein in diesem Jahr hat es laut BKA mehr als 500 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Von Aue bis Zossen sind alle Buchstaben des Alphabets, alle Himmelsrichtungen und alle Bundesländer vertreten.
Ich sage das nicht aus einem Lokalpatriotismus, der den Ruf meiner Heimatstadt Dresden durch Relativierung und den Verweis auf andere schützen möchte. Es geht mir auch nicht um eine Bagatellsierung der sächsischen Zustände.Ich meine aber sehr wohl, Pegida ist ein deutsches Problem.

Symptom gesamtgesellschaftlicher Brutalisierung
Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat in seiner Langzeitstudie „Deutsche Zustände“, in der er über zehn Jahre hinweg gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als eine Ideologie der Ungleichwertigkeit erforscht, von einer „entsicherten und entkultivierten Bürgerlichkeit“ gesprochen.
Die Entsicherung aller Lebensverhältnisse durch Hartz-IV und Armutsrenten bei gleichzeitiger Beschallung mit der Parole „Jede/r ist seines Glückes Schmied“ hat eine Brutalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse bewirkt. Der Wert eines Menschen hängt in herrschender Logik vom ökonomischen Erfolg ab, Konkurrenz aller — auch der Ausgegrenzten – ist deutsche Leitkultur geworden.
Statt auf Solidarität zu setzen und sich mit den mächtigen Interessen im Lande anzulegen, kanalisieren rassistischen Bewegungen wie Pegida Unzufriedenheiten. Sie werden auf Feindbilder gelenkt, denen die Schuld an sozialen Verwerfungen und individuellen Enttäuschungen zugeschrieben wird. Dieser konformistische Protest mag einigen der Mitläufer als taugliches Mittel der Triebabfuhr dienen. Er besorgt jedoch keine Veränderung, sondern eine Radikalisierung der Verhältnisse.
Gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft
In den vergangenen Monaten war eine ganz andere Form des Protests zu erleben. Die Willkommensbewegung für Flüchtlinge hat zum einen geschafft, was eine oft überforderte Verwaltung versäumte. Sie hat aber auch demonstriert, dass sie mit der geschilderten Brutalisierung der Gesellschaft nicht einverstanden ist. Ich hoffe, dass diese Bewegung stärker sein wird, als die Hassmacher um Lutz Bachmann.
Deswegen bin ich am 19. Oktober beim Sternmarsch dabei.

Ein Jahr Pegida: Das Klima ist vergiftet

http://www.juedische-allgemeine.de/mobile/article-view?id=23566

Wenn die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge und der Brandanschläge auf ihre Unterkünfte in Deutschland steigt, tragen diejenigen Mitverantwortung, die den Wandel hin zu einem fremdenfeindlichen Klima bewusst herbeireden. 
Wenn sich die Bürgerwut darin entlädt, Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks vor einem Übergangswohnheim zu demolieren oder die Autos von Flüchtlingshelfern anzuzünden, hat das damit zu tun, dass Pegida zum »zivilen Ungehorsam« anstiftet. Wenn der Eigentümer einer Flüchtlingsunterkunft in Meißen, auf die ein Brandanschlag verübt wurde, anschließend als »antideutsches Asylantenschwein« beschimpft wird und Morddrohungen erhält, hat das mit Pegida zu tun. 
Wenn am selben Ort der Redner bei einer Demonstration der »Initiative Heimatschutz« Bundeskanzlerin Angela Merkel empfiehlt, nach Israel auszuwandern oder bei Familie Rothschild Unterschlupf zu suchen, hat das mit Pegida zu tun. Wenn bei einer Pegida-Demonstration in Dresden Menschen einen Galgen bauen, der für Merkel bestimmt ist, hat das damit zu tun, dass die sächsische Landesregierung das rassistische und staatsfeindliche Treiben zehntausender Menschen auf gefährliche Weise verharmlost und den Hetzern keine klaren Grenzen zeigt. 
zäsur Wenn Journalisten gesagt wird, sie würden bald mit »Knüppeln getrieben durch den Zuchthaushof kriechen«, oder sie mit »Verschwinde, du Jude!« bedroht werden, dann ist die Pressefreiheit in Gefahr. Wenn den Medien im Land grundsätzlich Wahrhaftigkeit abgesprochen wird, dann hat Pegida in Allianz mit anderen der Demokratie bereits einen nachhaltigen Schaden zugefügt. 
Und wenn die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) von diesem Klimawandel in Wahlumfragen profitiert, hat das auch damit zu tun, dass die Partei die Pegida-Anhänger als »natürliche Verbündete« bezeichnet.
Das ist die Bilanz nach einem Jahr Pegida. Mit der AfD ist eine Partei angetreten, die sich bereits aus dem konservativen Lager verabschiedet und für eine Position rechts von der Demokratie entschieden hat. An manchen Orten in Deutschland werden derzeit rechtspopulistische Positionen mehrheitsfähig, und Rechtsextremismus wird nicht mehr als Problem angesehen. Das ist eine Zäsur. Der gefährliche Bruch mit Regeln, die sich Menschen vor knapp 70 Jahren selbst gegeben haben.
Der Verfasser ist Koautor der Fernsehdokumentation »Dunkles Deutschland« (ARD).