„Nowitschok“ – politisch folgenlos?

von Petra Erler

In der ZEIT war unter der Überschrift „Deutsch-russiche Beziehung: vergiftet“ zu lesen, dass das Speziallabor der Bundeswehr bei Alexei Nawalny sowie einer Wasserflasche eine „neuartige Weiterentwicklung der Chemiewaffe Nowitschok“ identifiziert habe, „eine Variante, die die Welt bis zu diesem Anschlag nicht kannte“, „bösartiger und tödlicher als alle bekannten Ableger der Nowitschok-Familie“. Weiter stand dort, dass diese „neue Nowitschok-Variante langsamer wirken (soll,) als die bisher bekannten“.

Nehmen wir mal an, diese Meldung würde stimmen. Dann stellt sich die Frage, wie es dem deutschen Speziallabor, einem Referenzlabor innerhalb der Chemiewaffenkonvention (OPCW) gelang, ein bis dato unbekanntes Gift zu entdecken und innerhalb weniger Tage über alle Eigenschaften genau Bescheid zu wissen? Das wäre nur möglich, wenn es (oder seine Partnerlabore) längst im Besitz dieses weiterentwickelten „Nowitschok“-Giftes waren und hinreichend Zeit hatten, alle Eigenschaften gründlich zu erforschen. Denn man kann nur ein Gift identifizieren, dessen Parameter man bereits kennt. Nur dann lässt es sich auch erforschen. Sonst bleibt es die unsichtbare schwarze Katze in einem schwarzen Raum, wie der ehemalige sowjetische Chemiewaffenforscher und Mitentwickler der „Nowitschoks“, Wladimir Uglew, einst das Erkenntnisdilemma beschrieb.

Zur Erinnerung: Diese Frage spielte bereits im Skripal-Fall eine Rolle und damals musste das britische Chemiewaffenlabor Porton Down einräumen, dass es im Besitz von „Nowitschoks“, darunter A 234, der mutmaßlichen Anschlagswaffe war. Dieser Bruch der OPCW-Konvention hat damals niemanden empört, weil sich alle politische Energie auf Russland richtete. Heute ist das etwas anders, denn in der Folge des Skripal-Falls wurden Gifte der Familie „Nowitschok“ im November 2019 ausdrücklich in die OPCW-Liste der verbotenen Substanzen aufgenommen. Es ist deshalb notwendig, dass die Bundesregierung unverzüglich den Verdacht ausräumt, ein „Nowitschok“ verschwiegen zu haben.

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Britische Seltsamkeiten: Das Militär baut wie um einen havarierten Reaktor ein Gerüst, um über vier Monate die Dächer von Haus und Garage auszutauschen, die Kontamination soll an der Türklinke geschehen sein

Blickt man dieser Tage nach Großbritannien, wirkt nicht nur das Getue um den Brexit reichlich seltsam und unüberlegt. Es ist fast schon ein bisschen lästig, das immer wieder zu dokumentieren, aber es scheint notwendig zu sein, weil andere Medien nur das vorgegebene Narrativ wiederholen und, auch welchen Gründen auch immer, eine kritische Berichterstattung eingestellt haben.

Da finanziert eben jene Regierung, die den Brexit umsetzen will, der sich angeblich auch durch russische Beeinflussung beim Referendum knapp durchsetzen konnte, die Integrity Inititiative, die für antirussische Stimmung sorgen soll. Und dann gibt es immer weiter, seltsame Informationseskapaden der britischen Regierung und mancher Medien, wenn es darum geht, die Russen für den seltsamerweise nichttödlichen Nervengiftanschlag mit Nowitschok auf die Skripals just dann verantwortlich zu machen, als die Tochter ihren Vater besuchte.

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