„Erde“ – Natur, „Arbeiter“ – Mensch – Das Blättchen

Die Menschen finden sich in ein verhaßtes
Müssen, weit leichter als in eine schwere Wahl.
Friedrich Schiller, nach Volker Braun

„Adam Smith und andere Denker der so genannten Klassischen Nationalökonomie entdeckten die Existenz des Marktes und der Marktwirtschaft als natürliche Ordnung“, ist im Umfeld des „Ludwig von Mises Institute“ zu lesen. Schon der Nachfolger dieser Denker, Karl Marx, wusste, dass „die kapitalistische Produktion … nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses (entwickelt), indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ Das war scharfsinnig beobachtet. Man muss die Aussage allerdings als Tendenz, nicht als „Gesetz“ lesen. Denn der Kapitalismus ist ein lernfähiges System, das bisher jede Schwächung in Innovation verwandeln konnte. Ob weiterhin?
Was den „Arbeiter“ angeht, so ist – in Industriestaaten – dessen Ruin dank der politisch organisierten Arbeiterbewegung einigermaßen gestoppt, ja ins Gegenteil verkehrt: Institutionen wie Gewerkschaften, Sozialversicherungen, Tarifverträge, Mitbestimmung und eine staatliche Gesetzgebung führten zu steigender Lebenserwartung und höherem Lebensstandard der Menschen; der Anstieg der Massenkaufkraft Weiterlesen „Erde“ – Natur, „Arbeiter“ – Mensch – Das Blättchen

Das ABC de Kapitalismus

Von Vivek Chibber

10 € (statt 15 €) + Versand

Politische Organisierung ist schwer – politische Bildung muss es nicht sein: Alle drei Bände des ABC des Kapitalismus als Set zum Preis von zwei: Jetzt Bestellen

Über den Autor

Vivek Chibber ist Professor für Soziologie an der New York University und Herausgeber der marxistischen Theoriezeitschrift Catalyst. Auf Deutsch erschien neben dem ABC des Kapitalismus von ihm Postkoloniale Theorie und das Gespenst des Kapitals (Dietz Berlin, 2019).

Band I: Kapitalismus verstehen

ISBN: 978-3-948608-01-9
Einzelpreis: 5,00 €

Im ersten Band beschreibt Vivek Chibber, wieso Menschen im Kapitalismus gruppiert in Klassen leben. Kapitalistinnen sind nicht von bloßer Gier angetrieben, sondern durch Marktmechanismen, die einen enormen Reichtum hervorbringen – aber nicht zum Vorteil der Mehrheit der Menschen. Arbeiterinnen können in diesem System ihr Leben nur verbessern, wenn sie gemeinsam handeln. Mit einem Vorwort von Oliver Nachtwey, Professor für Soziologie an der Universität Basel und Autor von Die Abstiegsgesellschaft.

Band II: Kapitalismus und Staat

ISBN: 978-3-948608-02-6
Einzelpreis: 5,00 €

Der zweite Band des ABC des Kapitalismus handelt davon, wie Reichtum und politische Macht zusammenwuchsen und wie sich im Staat das große Geld durchsetzen kann. Vivek Chibber erzählt, wie sich in Demokratien die Interessen des Kapitals gegen die der Bevölkerungsmehrheit durchsetzen können – obwohl sie zahlenmäßig eigentlich im Nachteil sein müssten. Mit einem Vorwort von Nils Kumkar, Soziologe an der Universität Bremen und Übersetzer der drei Bände. 

Band III: Kapitalismus und Klassenkampf

ISBN: 978-3-948608-03-3
Einzelpreis: 5,00 €

Im dritten Band des ABC des Kapitalismus geht es um die Bedeutung von Arbeiterinnenkämpfen für alle anderen Bewegungen. Vivek Chibber beschreibt, wie heute eine klassenbasierte politische Strategie aussehen kann – und wieso es oftmals so schwierig ist, sie zu organisieren und aufrechtzuerhalten. Mit einem Vorwort von Ines Schwerdtner, Chefredakteurin von Jacobin.de.

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Book Launch in Berlin

Am Freitag, den 25. Oktober 2019, stellt Vivek Chibber zusammen mitLoren Balhorn (Jacobin Redakteur) das ABC des Kapitalismus an der Humboldt Universität zu Berlin vor.

Anmelden: Facebook-Event
Ort: HU Berlin Dorotheenstr. 26, Hörsaal 208
Beginn: 18:00 Uhr

Sammelbestellungen für Lesegruppen

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Kein Recht auf Rendite, aber ein Grundrecht auf Wohnen

von Sabine Nuss

Wer im Sommer 2019 in Berlin der mietenpolitischen Auseinandersetzung folgte, wurde Zeuge einer ideologischen Schlammschlacht: Die Berliner Senatorin für Stadtentwicklung, Katrin Lompscher, hatte als Reaktion auf die gestiegenen Mieten in der Stadt einen Entwurf für ein „Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Berlin“ vorgelegt. Er sah unter anderem vor, die Mieten für fünf Jahre einzufrieren, eine Mietobergrenze einzuführen und Mieten möglicherweise sogar abzusenken. Explizit ausgenommen wurden seit 2014 fertiggestellte Immobilien, und weitere Sonderregelungen sollten „unbillige Härten“ für Vermieter vermeiden. Noch bevor jedoch irgendein Gesetz beschlossen war, wusste manch ein Vertreter der Immobilienbranche, dass damit die „linke Baubrigade“[1] die Hauptstadt auf direktem Weg zurück in die DDR führen würde. Diese schrille Polemik übertönt die Debatte, die eigentlich geführt werden müsste: eine Grundsatzdebatte über das Eigentum an Wohnraum.

Als Gründe für steigende Mieten werden meistens das Bevölkerungswachstum in den Städten und zu wenig Neubau genannt. Diese Diagnose ist nicht falsch. Stadtsoziologen haben in den letzten Jahren allerdings rauf und runter analysiert, dass die Gründe tiefer liegen: So wurde etwa Weiterlesen Kein Recht auf Rendite, aber ein Grundrecht auf Wohnen

»Verwertungsdynamik kennt keine Grenzen«

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Symbol des Widerstands: Mieter in der Berliner Karl-Marx-Allee protestieren gegen den Verkauf von rund 800 Eigentumswohnungen an den Konzern »Deutsche Wohnen«

Trinken Sie gerne Freibier, Herr Holm?

Ab und zu trinke ich Bier, es muss aber kein Freibier sein. Mit Sicherheit stimmt beim Biertrinken, was auch fürs Wohnen gilt: Man sollte sich weigern, völlig überhöhte Preise zu bezahlen.

Maren Kern, Chefin des »Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen«, strengte diesen Vergleich jüngst mit Blick auf das Volksbegehren »Deutsche Wohnen und Co enteignen« an: »Bei Freibier sind auch alle dafür. Aber einer muss das Freibier immer bezahlen.« Was fällt Ihnen dazu ein?

Für mich klingt das nach hilfloser Polemik, zumal es ja nicht um Freibier, sondern die Übernahme der Brauerei geht. Aber das Stammtischniveau dieses Vergleichs passt ins Bild: In den Reaktionen aus der Immobilienwirtschaft auf die Enteignungsforderung werden bisher relativ wenige Sachargumente angeführt. Statt dessen gibt es diskreditierende historische Vergleiche, nach dem Motto: »Da kommt die DDR 2.0«. Die Immobilienwirtschaft scheint das Aufbegehren der Mieterinnen und Mieter über Jahre ignoriert zu haben und wirkt jetzt angesichts der Radikalität der Forderungen nicht gut vorbereitet.

Sie beschäftigen sich seit den 1990er Jahren wissenschaftlich mit Stadtpolitik. Konnte man die aktuellen Zuspitzungen damals absehen?

Sowohl die wissenschaftliche Begleitung als auch die politische Mobilisierung orientieren sich ja immer an den aktuellen Konfliktlagen. Es ist nicht so, als hätte es etwa in den 2000er Jahren keine wohnungspolitischen Auseinandersetzungen in Berlin Weiterlesen »Verwertungsdynamik kennt keine Grenzen«

Die Gespräche mit Georg Fülberth: Einführung in den Marxismus (1–8)

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Über sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen

Donnerstag, 10. Januar 2019
18 – 20 Uhr
FH Bielefeld, Hörsaal C1

Das Marxsche Kapital beginnt nicht zufällig mit der Analyse der Ware. Die Ware ist nicht nur die „Elementarform des kapitalistischen Reichtums“, sondern steht für eine ganz bestimmte Form gesellschaftlicher Beziehung. Eine Beziehung, in der die Menschen von ihren eigenen Produkten beherrscht werden, wie von einer Naturgewalt.
Die viel beschworenen „Sachzwänge“ wie Wirtschaftswachstum, Konkurrenz, Rentabilität etc. sind allesamt Ausdruck dieser verrückten Form von Gesellschaftlichkeit. Dieser wohnt aber auch eine entfesselte historische Dynamik inne, die sie selbst an ihre absoluten historischen Grenzen führt. Doch das ist keine gute Nachricht, denn die fundamentale Krise des Kapitalismus, die wir derzeit durchleben, hat katastrophischen Charakter.
Einen Ausweg innerhalb der warengesellschaftlichen Ordnung gibt es nicht, es bedarf vielmehr einer neuen Perspektive gesellschaftlicher Emanzipation. Dafür ist aber die konsequente Kritik der Warengesellschaft eine wesentliche Voraussetzung. Der Vortrag bietet eine kurze Einführung in die Grundlagen der wertkritischen Theorie um die Zeitschrift Krisis, die sich seit über dreißig Jahren dieser Aufgabe verschrieben hat.

via https://www.lilabi.net/events/ueber-sachliche-verhaeltnisse-der-personen-und-gesellschaftliche-verhaeltnisse-der-sachen-einfuehrung-in-die-kritik-der-warengesellschaft-alias-kapitalismus/