Kriminalbiologe Mark Benecke über das Artensterben: „Wir sind mitten im Armageddon“

geo.de

von Peter Carstens 22.12.2021, 15:58 Uhr 9-11 Minuten


Mark Benecke ist nicht nur Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe. Er ist auch Politiker, Wissenschaftsvermittler und Schauspieler. Im GEO.de-Interview erzählt er, warum er Fauchschaben gut findet, warum Tiere Rechte brauchen – und wie die vegane Lebensweise das Artensterben stoppen kann

Herr Benecke, als Kriminalbiologe haben Sie von Berufs wegen viel mit dem Tod zu tun. Und Sie leben vegan. Gibt es da irgendeine Verbindung?

Mark Benecke: Ich glaube nicht. Die Kollegen und Kolleginnen, die ich weltweit kenne, interessieren sich nicht für Tierrechte. Ich frage mich allerdings, wie Menschen überhaupt damit leben können, dass Tiere getötet werden: Die einen streicheln sie und die anderen essen sie.

Über die Beziehung zwischen Menschen und anderen Tieren haben sich Philosophen und Rechtsgelehrte den Kopf zerbrochen. Sie fordern nun ganz schlicht, dass wir „Tiere einfach mal in Ruhe lassen“. Was heißt das konkret?

Satt oder platt ? – Die Konsequenzen von TTIP für die europäische Landwirtschaft

Satt oder platt ? – Die Konsequenzen von TTIP für die europäische Landwirtschaft

Bei der „Wir haben es satt!“-Demonstration gegen die aktuelle Agrarpolitik, die im Januar zum sechsten Mal zeitgleich mit der Internationalen Grünen Woche in Berlin stattfand, trugen die laut Polizei-Angaben 13.500 Demonstranten auch ihre Ablehnung der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zur Schau.
Der US-amerikanisch-deutsche Handel im Agrarbereich ist im Vergleich zu anderen Sektoren recht schwach ausgeprägt. Doch Kritiker fürchten eine Absenkung der europäischen Lebensmittel- und Landwirtschaftsstandards durch das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. TTIP soll verschiedene Handelsbarrieren zwischen beiden Partnern im Landwirtschaftssektor, wie Zölle, Zollkontingente und sogenannte nicht-tarifäre Maßnahmen (NTM) verringern, um Produkten aus der Partnerregion den Zugang zum jeweils anderen Markt zu erleichtern.
Agrar1Nach Schätzungen des Amerikanischen Landwirtschaftsministeriums belaufen sich die Zoll-Äquivalente in diesen Bereichen auf 120 Prozent. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstreicht, dass zum Beispiel doppelte Zulassungs- und Testverfahren für die mittelständisch geprägte deutsche Ernährungswirtschaft einen hohen Aufwand bedeuten, der unter TTIP wegfallen würde. Gleichzeitig soll auch ein hohes Umwelt-, Arbeits- und Verbraucherschutzniveau im Einklang mit dem Besitzstand der EU und den Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten durch das Abkommen gefördert werden. Das BMEL fordert auch eine Zusammenarbeit beim Tierschutz. Das BMEL hat auch einen Frage-und-Antwort-Katalog zu Verbraucherschutz und TTIP zusammengestellt.
Neben der weit verbreiteten Sorge um die Standards muss in den Verhandlungen auch die Frage nach wirtschaftlichen Vor- oder Nachteilen behandelt werden. Eine Studie des Europäischen Parlaments zu den durch TTIP entstehenden Chancen und Risiken kommt zu dem Schluss, dass die landwirtschaftliche Wertschöpfung in der EU durch TTIP um 0,5 Prozent sinken wird, während sie in den USA um 0,4 Prozent steigen sollte. In die gleiche Richtung gehen auch Ergebnisse einer Studie des US-Landwirtschaftsministeriums zu TTIP.
Dr. Katarina Reuter, Vertreterin von UnternehmensGrün, eines Verbands für grüne Wirtschaft, der ebenfalls gerade eine Studie zum Thema veröffentlicht hat, erklärt:
„Landwirte und Lebensmittelverarbeiter exportieren kaum in die USA, die überwältigende Mehrheit der Unternehmen in Europa hat von einem Freihandelsabkommen mit den USA darum vor allem zusätzliche Konkurrenz zu erwarten (…) Wenn Export Unternehmensziel ist, wird dieser auch bereits umgesetzt. (…) Die starke Orientierung auf heimische Märkte durch kleine und mittlere Betriebe der Agrar- und Ernährungswirtschaft wird aber fatalerweise völlig außer Acht gelassen, wenn Handel als Allheilmittel gepredigt wird.“
Die Studie fügt hinzu, Weiterlesen Satt oder platt ? – Die Konsequenzen von TTIP für die europäische Landwirtschaft

Landwirte warnen: TTIP ist unser „Niedergang“. Kleine und mittlere Bauernbetriebe schlagen in einer neuen Studie Alarm: Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP bedeute für Europa mehr Gentechnik, mehr Hormonfleisch – aber vor allem das Ende einer Landwirtschaft wie wir sie bisher kennen.

EXKLUSIV: Kleine und mittlere Bauernbetriebe schlagen in einer neuen Studie Alarm: Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP bedeute für Europa mehr Gentechnik, mehr Hormonfleisch – aber vor allem das Ende einer Landwirtschaft wie wir sie bisher kennen. Europas Bauern stecken in der…

Landwirte warnen: TTIP ist unser „Niedergang“
EXKLUSIV: Kleine und mittlere Bauernbetriebe schlagen in einer neuen Studie Alarm: Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP bedeute für Europa mehr Gentechnik, mehr Hormonfleisch – aber vor allem das Ende einer Landwirtschaft wie wir sie bisher kennen. 
Europas Bauern stecken in der Krise: Milchpreise im Keller, EU-Sanktionen gegen Russland, Höfesterben kleinerer Betriebe. Doch der Hammer soll erst noch kommen: das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, kurz TTIP. Sollten – wie von den Unterhändlern auf beiden Seiten des Atlantiks beabsichtigt – Standards in der Agrar- und Ernährungsbranche angeglichen und die derzeit hohen Zölle fallen, würden ganze Sektoren der europäischen Landwirtschaft das Aus drohen.
„Produkte wie Getreide kann niemand so billig produzieren wie die USA“, heißt es in einer TTIP-Studie von UnternehemensGrün, einem Verband der grünen Wirtschaft, die EurActiv vor Veröffentlichung vorliegt. Gründe seien etwa der dortige Einsatz von Gentechnik, schwächere Grenzwerte, und größere Produktionsflächen. „Europas Landwirte sind nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten unterlegen (…) für Teile der Landwirtschaft bedeutet das fast automatisch der Niedergang.“
Der Handel mit Agrarprodukten und Nahrungsmitteln spielt mit Exporten im Wert von etwa 15 Milliarden Euro in die USA und Importen aus den USA im Wert von rund acht Milliarden Euro bisher eine relativ geringe Rolle. Doch das könnte sich laut der Studie ändern – und zwar dann, wenn durch TTIP Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse fallen und die US-Firmen unbegrenzten Zugang zum europäischen Markt erhalten.
Die Untersuchung beruft sich auf eigenen Analysen sowie Befragungen von kleinen und mittleren Betrieben. Das Fazit: „TTIP in der vorgeschlagenen Form stärkt – wenn überhaupt – die Position weniger sehr großer Agrar- und Lebensmittel-Unternehmen – die allerdings ohnehin durch Produktionsstätten in allen Erdteilen bereits die (…) Handelsbarrieren für sich überwunden haben.“ Die existenziellen Risiken für die über 99 Prozent der kleinen und mittleren Wettbewerbsteilnehmer ignoriere die EU-Kommission in ihren Annahmen jedoch komplett, kritisieren die Autorinnen der Studie.
US-Agrarunternehmen haben Wettbewerbsvorteil Weiterlesen Landwirte warnen: TTIP ist unser „Niedergang“. Kleine und mittlere Bauernbetriebe schlagen in einer neuen Studie Alarm: Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP bedeute für Europa mehr Gentechnik, mehr Hormonfleisch – aber vor allem das Ende einer Landwirtschaft wie wir sie bisher kennen.