Österreich auf der schiefen Bahn

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Gegenblende

09.05.2019

Österreich auf der schiefen Bahn

In Österreich erleben wir einen Laborversuch. Die rechte Regierung schafft es, allein durch Einschüchterung und Diffamierung eine Stimmung der Angst zu verbreiten, die nicht nur Journalisten vor Kritik zurückschrecken lässt. Doch es gibt noch Hoffnung.

Von Robert Misik

ORF-Moderator Armin Wolf befragt im TV-Studio den FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky zu einer rassistischen Grafik der FPÖ-Jugend, die im Hintergrund zu sehen ist. Darauf großnasig, fremdartig aussehende Menschen.

Anlass für die jüngste Medienschelte der Rechten in Österreich: TV-Moderator Armin Wolf konfrontiert FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky (rechts) mit einem rassistischen Plakat der FPÖ-Jugend. Als der es verteidigt, Weiterlesen Österreich auf der schiefen Bahn

Kritik ja! Aber woran? Eine Debatte über Rassismus, Ressentiment und Islamkritik                              

http://emafrie.de/neu-erschienen-eine-debatte-ueber-rassismus-ressentiment-und-islamkritik/
[neu erschienen]: Eine Debatte über Rassismus, Ressentiment und Islamkritik
mit Birgit Rommelspacher † Professorin (em.) für Psychologie mit dem Schwerpunkt Interkulturalität und Geschlechterstudien an der Alice Salomon Hochschule Berlin, Lothar Galow-Bergemann & Markus Mersault, beide aktiv bei Emanzipation und Frieden und Ismail Küpeli, Politikwissenschaftler und Aktivist (Bundeskongress Internationalismus, Informationsstelle Militarisierung) erschienen in iz3w – informationszentrum 3.welt Nr. 323 März/April 2011 jetzt neu erschienen in Pastinaken Raus! – Ein Handbuch, Herausgeber Matthias Weinzierl, Till Schmidt, Bayerischer Flüchtlingsrat, http://www.hinterland-magazin.de, München 2016, Seite 158 – 171 

„Damit Kritik nicht hilflos ihrem Gegenstand gegenübersteht, bedarf es der Arbeit an und mit Begriffen, die jenem Gegenstand gerecht werden und seine wesentlichen Elemente auch tatsächlich benennen. Wir sprechen daher vom antimuslimischen Ressentiment statt von Rassismus, weil wir glauben dass spezifische Ressentiments gegen Menschen existieren, die als Muslime identifiziert werden. Wer sich die antimuslimische Internetplattform „Politically Incorrect“ oder den Verein „Bürgerbewegung Pax Europa“ anschaut, wird dem zustimmen müssen. Es lassen sich auch traditionell rassistische Elemente ausmachen, etwa die imaginierte Minderwertigkeit von Moslems, die sich auf ein vormaliges oder gegenwärtiges Produktivitätsgefälle beruft. Aber zugleich weisen antimuslimische Ressentiments über rassistische Elemente hinaus, wenn sie – um nur zwei Spezifika zu nennen – in verschwörungsphantasierendem Duktus sich vor der „Gebärmutter als Waffe des Islam“ fürchten und die westliche Gesellschaft vor islamischer Überflutung und Unterjochung retten wollen. Zwar gibt es in der islamischen Welt tatsächlich weltherrschaftliche Ansprüche und Morde an Ungläubigen, doch längst nicht jede islamische Strömung sympathisiert mit ihnen oder agiert gar in ihrem Sinn. Zum anderen manifestiert sich im antimuslimischen Ressentiment, wie es in Deutschland kursiert, die gescheiterte Vergangenheitsbewältigung. Es bietet Entlastung, indem es Deutschen eine moralische Sanierung ermöglicht: Die Benennung des auch in der islamischen Welt virulenten Antisemitismus dient dem Zweck, das absolut Böse woanders auszumachen und so die deutsche Identität zu rehabilitieren. Auch erscheinen die Deutschen nunmehr als moderne Opfer an der Seite der wahren Opfer, nämlich der Juden. Beide Elemente finden sich im Rassismus typischerweise nicht. Der Begriff des antimuslimischen „Rassismus“ erzeugt aber gerade durch seine inflationäre Verwendung das Bild eines raumzeitidentischen Phänomens, das der Dynamik gesellschaftlicher Prozesse nicht gerecht wird.“ Zum vollständigen Text 

Leben wir schon im Postkapitalismus? Zur Kritik der Thesen von Paul Mason

http://jungle-world.com/artikel/2016/16/53881.html
jungle-world.com – Archiv – 16/2016 – Disko – 
Nun also Paul Mason. Nach Antonio Negri und Michael Hardt, Naomi Klein, David Graeber und Thomas Piketty wird sein Buch über den »Postkapitalismus« zum alljährlichen linken Diskurstänzchen im Feuilleton bitten dürfen. Eine erste Vorstellung seiner Thesen lockte immerhin bereits vor Erscheinen des Buches etwa 1 200 Besucherinnen und Besucher ins Berliner Haus der Kulturen der Welt. Die Zeit räumte für ein Interview mit dem Journalisten und ehemaligen Trotzkisten gleich die ersten beiden Seiten ihres Feuilletons frei. Auch der obligatorische Marx-Vergleich darf nicht fehlen.
Hatte Paul Krugman 2014 in der New York Times Pikettys Studie über die globale Vermögensungleichheit in leichter Verkehrung des Originaltitels noch als »Das Kapital des 21. Jahrhunderts« gefeiert, so gilt Mason dem britischen Guardian, für den er lange Zeit gearbeitet hat, als »würdiger Nachfolger von Marx«. Immerhin: Dass er das nicht ist und auch nicht sein will, betont der Sohn einer Grundschullehrerin und eines LKW-Fahrers aus dem nordenglischen Leigh selbst. Als »radikaler Sozialdemokrat«, als der er sich versteht, bietet er vielmehr statt einer Kritik der politischen Ökonomie ein »modulares Projektdesign« an, an dem sich »Menschen, Bewegungen und Parteien auf dem Weg zur postkapitalistischen Gesellschaft orientieren können«, wie es im »Guide to Our Future« – so der Originaluntertitel des Buchs – formuliert wird. Einen Masterplan also.
Marx und die Matrix. Willkomen im Postkapitalismus

Marx und die Matrix. Willkomen im Postkapitalismus (Foto: Jungle World [m])
Darin darf nichts fehlen. Auf knapp 370 Seiten – zieht man Fußnotenapparat und Register ab – hastet Mason durch die vergangenen zwei Jahrhunderte: von den Ursprüngen des Kapitalismus und seinen Zyklen über den Aufstieg und Weiterlesen Leben wir schon im Postkapitalismus? Zur Kritik der Thesen von Paul Mason