Das Manifest gegen die Arbeit zwanzig Jahre später. Nachwort zur vierten Auflage

Seit wir vor fast 20 Jahren das Manifest gegen die Arbeit veröffentlichten hat sich die fundamentale Krise des Kapitalismus nicht nur in ökonomischer Hinsicht rasant verschärft, sondern stellt zunehmend den Bestand der Warengesellschaft insgesamt in Frage. Die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen schreitet ungebremst voran, die soziale Zerklüftung der Welt hat dramatische Ausmaße angenommen und auf politischer Ebene erleben wir eine unheimliche Wiederkehr kollektiver Identitäten, die mit dem Aufschwung nationalistischer, rechtsextremer und linkspopulistischer Parteien und Bewegungen einhergehen. Dass die quasi-religiöse Überhöhung der Arbeit darunter nicht gelitten hat, kann nicht verwundern, stellt sie doch ein konstitutives Element der modernen Subjektivität dar und verweist darin auf die zentrale Stellung der Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft. Allerdings hat sich die arbeitsideologische Ausrichtung seit den 1990er Jahren in mancher Hinsicht verändert. Stand damals das Abfeiern der individuellen Leistungsbereitschaft im Mittelpunkt, gemäß dem neoliberalen Motto, wonach jeder und jede für das eigene Glück selbst verantwortlich zu sein habe, so ist mittlerweile die Anrufung der Arbeit wieder verstärkt in das Zentrum kollektiver Identitätskonstruktionen gerückt und flankiert ideologisch die nationalistische Abgrenzung und den rassistischen Ausschluss. Hinzu kommt die altbekannte, antisemitisch konnotierte Entgegensetzung von „ehrlicher Arbeit“ und „parasitärem Finanzkapital“, die im Zuge des anhaltenden Krisenprozess eine Renaissance erfahren hat. Neu ist das nicht. Schon in den 1990er Jahren mengten sich diese ideologischen und identitären Momente in den neoliberal dominierten Arbeitsfetischismus; wir haben das auch bereits im Manifest thematisiert. Allerdings prägen sie nun den Arbeitsdiskurs in zunehmender Weise

Die Kritik der Arbeit bleibt daher so aktuell wie eh und je. Jedoch hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht nur die gesellschaftliche Krise weiter zugespitzt; auch die Wertkritik ist in ihrer theoretischen Entwicklung nicht stehen geblieben. Mit einem geschärften begrifflichen Instrumentarium sind wir heute in der Lage, den Krisenprozess nicht nur in seinen ökonomischen und politischen, sondern auch in seinen subjektiven und ideologischen Dimensionen in vieler Hinsicht präziser zu analysieren. Es ist unmöglich, das hier ausführlich darzustellen, doch sollen einige wichtige Aspekte zumindest kurz skizziert werden. Wer diese weiterverfolgen möchte, sei auf die Texte verwiesen, die sich in den Endnoten finden.[1]

***

Beginnen wir zunächst mit einigen Bemerkungen zur ökonomischen Entwicklung im engeren Sinne. Es könnte vielleicht mit Blick auf die blanken empirischen Daten so scheinen, als hätten wir uns im Manifest mit dem Satz, wonach der „Verkauf der Ware Arbeitskraft … im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein (wird), wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen“ [2], etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Dennoch Weiterlesen Das Manifest gegen die Arbeit zwanzig Jahre später. Nachwort zur vierten Auflage

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Manifest gegen die Arbeit

Vierte Druckauflage erschienen

Auch zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen erfährt das Manifest gegen die Arbeit auf allen Publikationskanälen und in den verschiedensten Sprachen weiterhin ungebrochenen – und in letzter Zeit sogar wieder wachsenden – Zuspruch. Und da es trotz seiner freien Zugänglichkeit im Internet immer noch eine rege Nachfrage nach der gedruckten Fassung gibt, haben wir uns zur Veröffentlichung einer vierten Auflage entschlossen. Weil sich jedoch seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1999 nicht nur die gesellschaftliche Situation verändert hat, sondern auch wir, die Gruppe Krisis, unser theoretisches Instrumentarium geschärft haben, ist diese Ausgabe mit einem ausführlichen Nachwort ergänzt worden, in dem wir einige Punkte aus dem Manifest in gewisser Weise aktualisieren und präzisieren.

Link zum Nachwort

Link zum Manifest gegen die Arbeit

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jeweils plus Versandpauschale von 1,50 € pro Sendung

Die Krisis-Redaktion

Über sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen

Donnerstag, 10. Januar 2019
18 – 20 Uhr
FH Bielefeld, Hörsaal C1

Das Marxsche Kapital beginnt nicht zufällig mit der Analyse der Ware. Die Ware ist nicht nur die „Elementarform des kapitalistischen Reichtums“, sondern steht für eine ganz bestimmte Form gesellschaftlicher Beziehung. Eine Beziehung, in der die Menschen von ihren eigenen Produkten beherrscht werden, wie von einer Naturgewalt.
Die viel beschworenen „Sachzwänge“ wie Wirtschaftswachstum, Konkurrenz, Rentabilität etc. sind allesamt Ausdruck dieser verrückten Form von Gesellschaftlichkeit. Dieser wohnt aber auch eine entfesselte historische Dynamik inne, die sie selbst an ihre absoluten historischen Grenzen führt. Doch das ist keine gute Nachricht, denn die fundamentale Krise des Kapitalismus, die wir derzeit durchleben, hat katastrophischen Charakter.
Einen Ausweg innerhalb der warengesellschaftlichen Ordnung gibt es nicht, es bedarf vielmehr einer neuen Perspektive gesellschaftlicher Emanzipation. Dafür ist aber die konsequente Kritik der Warengesellschaft eine wesentliche Voraussetzung. Der Vortrag bietet eine kurze Einführung in die Grundlagen der wertkritischen Theorie um die Zeitschrift Krisis, die sich seit über dreißig Jahren dieser Aufgabe verschrieben hat.

via https://www.lilabi.net/events/ueber-sachliche-verhaeltnisse-der-personen-und-gesellschaftliche-verhaeltnisse-der-sachen-einfuehrung-in-die-kritik-der-warengesellschaft-alias-kapitalismus/

„Der ganz normale Betriebsunfall. Viermal Marx zur globalen Finanzkrise“

Im Dietz Verlag ist eine Kontroverse zur Krisenanalyse erschienen. Es diskutieren Ernst Lohoff, Maria Kader, Ralf Krämer und Günther Sandleben

Sabine Nuss (Hrsg.): Der ganz normale Betriebsunfall. Viermal Marx zur globalen Finanzkrise

144 Seiten, Broschur.
ISBN 978-3-320-02350-8
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2018

Am 15 . September 2008 meldete die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an. Sie löste damit eine der schwersten Finanzkrisen des 20. Jahrhunderts aus. Noch immer ist nicht ausgemacht, ob die Krise überwunden ist oder die Wirtschaft stagniert. Die herrschende Ökonomie seinerzeit war ratlos, vermehrt wurde wieder Marx zitiert. Hatte er doch recht gehabt?

Nun ist zwar für Marxisten eine Krise keine Überraschung, sondern Teil des Systems, jedoch wird bis heute über die Ursachen gestritten. Das »Aufblähen« des Finanzmarktsektors, steigende Verschuldung des Staates und der privaten Haushalte, realwirtschaftliche Prozesse, wie zunehmende Ungleichheit und über Jahrzehnte gesunkene Löhne – das sind einige der in der Debatte gehandelten potenziellen Krisenursachen. Der vorliegende Band bringt vier Ansätze miteinander ins Gespräch. Ergeben die vier Ansätze am Ende trotz aller Widersprüche eine kohärente Krisenerklärung? Wie weit kommt man dabei mit Marx und wo befinden wir uns heute, zehn Jahre später?

Es diskutieren: Maria Kader, Ralf Krämer, Günther Sandleben und Ernst Lohoff.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung: Stephan Kaufmann: Die Krise 2007 – 2009

II. Vier Standpunkte: Die Krisen des Kapitalismus – Ursachen und Auslöser

  1. Maria Kader: Money for nothing … Kapitalistische Wachstumsversprechen als Illusion
  2. Ralf Krämer: Wie die Finanzblase an der Realwirtschaft platzt. Kapitalistische Produktion und ihre Krisenhaftigkeit
  3. Guenther Sandleben: Wenn die Wirtschaft aus den Fugen springt. Ursachen, Verlauf und Bedeutung
    der großen Krise von 2008
  4. Ernst Lohoff: Der inverse Kapitalismus. Das Zeitalter des fiktiven Kapitals

III. Vier Entgegnungen: Die Realsphäre und die Finanzsphäre – ein schwieriges Verhältnis

VI. Ein Streitgespräch

Es bedarf einer neuen Perspektive gesellschaftlicher Emanzipation

versão portugesa

Ein Gespräch über die Entstehung und Entwicklung der Wertkritik, die fundamentale Krise des Kapitalismus und den fortschreitenden gesellschaftliche Irrationalismus

Interview mit Ernst Lohoff und Norbert Trenkle (Gruppe Krisis)
von Marcos Barreira und Javier Blank (Rio de Janeiro)[1]

Zu Beginn würden wir gerne ein wenig über die Anfänge des theoretischen Projekts der Zeitschrift Krisis, die seit über 30 Jahren existiert, und den Kontext der deutschen Linken in den 1980er-Jahren, sprechen. Wie kam es zur Entstehung der Zeitschrift und welche waren die anfänglichen Ziele? 

Ernst Lohoff: Anfang der 1980er-Jahre war die neomarxistische Welle, die im Gefolge der 1968er-Bewegung alle westlichen Länder erfasst hatte, auch in der BRD am Abflauen. Vor allem die akademische Linke geriet damals zunehmend in den Sog postmodernistischer Ansätze. Und auch die Protestlandschaft hatte sich gegenüber der ersten Hälfte der 1970er-Jahre grundlegend verändert. Gruppen mit einem allgemeinen antikapitalistischen Anspruch zerfielen oder wurden marginalisiert. Stattdessen beherrschten Ein-Punkt-Bewegungen die Szene – in der BRD waren das vor allem die Ökologie- und die Friedensbewegung.

Die Initiatoren des Projekts Krisis sahen in diesen Entwicklungen Symptome einer fundamentalen Krise radikaler Kapitalismuskritik, an der die Neue Linke ein gehöriges Maß an Mitschuld trug. Vor allem ein entscheidendes Versäumnis trieb uns um: Die Neue Linke hatte Weiterlesen Es bedarf einer neuen Perspektive gesellschaftlicher Emanzipation

Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde

http://www.krisis.org/2018/krisis-seminar-die-geschlossene-gesellschaft-und-ihre-freunde-21-9-23-9-2018/

Krisis-Seminar: (21.9. – 23.9.2018)

Identitätspolitik, Neue Rechte und der Niedergang der liberalen Ordnung

Fr. 21.9. – So. 23.9.2018

Tagungshaus Mühlrain (Niederbeisheim)

Identitäre Abschottung liegt im regressiven Trend der Zeit. Wo die Neue Rechte die „Volksgemeinschaft“ gegen die Globalisierung und das Finanzkapital in Stellung bringen will, fordert der Linkstraditionalismus á la Wagenknecht eine Rückkehr zum Nationalstaat – vorgeblich um auf diesem Weg die Demokratie zu retten. Und wo rassistisch-antisemitische Verschwörungsideologen hinter der Flüchtlingspolitik das Projekt eines „großen Austauschs“ der Bevölkerung wähnen, malen liberale PublizistInnen eine angebliche Islamisierung der Gesellschaft an die Wand und wenden sich im Namen der „westlichen Werte“ gegen die Einwanderung.

Die neue Frontlinie, so ist zu hören, verläuft nicht mehr zwischen Rechts und Links, sondern zwischen Offenheit und Abschottung, zwischen denen, die die liberale Demokratie verteidigen, und jenen, die sie abschaffen wollen. Tatsächlich jedoch ist der Liberalismus selbst Teil des Problems und nicht seine Lösung. In der Ideologie von der „offenen Gesellschaft“ hat er immer schon seine eigenen Ab- und Ausschlussmechanismen, die im Zuge des kapitalistischen Krisenprozesses immer unhaltbarer geworden sind, systematisch unsichtbar gemacht. Deshalb steht er dem Aufstieg der Neuen Rechten, die diese Leerstelle ideologisch und identitär besetzt, ratlos gegenüber.

In dem Seminar wollen wir über diese Entwicklung diskutieren und zugleich die Frage nach einer emanzipativen Orientierung (Antipolitik, Commonismus …?) jenseits von identitätspolitischer Abschließung, rechts-linkem Autoritarismus und den falschen Versprechungen des Liberalismus stellen.

Freitag 21.9.

16.45 Uhr: Begrüßung und Weiterlesen Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde

DIE ROBOTER KOMMEN, DIE ARBEIT GEHT?

http://www.zeitschrift-luxemburg.de/die-roboter-kommen-die-arbeit-geht/
Auswirkungen auf Beschäftigung

Seit einiger Zeit häufen sich Publikationen, die eine umfassende Verdrängung menschlicher Arbeit aus den gesellschaftlichen Produktions- und Dienstleistungsprozessen in Folge eines neuen Schubs der Digitalisierung und Automatisierung vorhersagen. Genannt seien Brynjolfsson und McAfee (2014), Frey und Osborne (2013) und die darauf beruhenden Studien von Bowles (2014) sowie von Brzeski und Burk (2015).
Ähnliche Prognosen gibt es bereits seit den 1990er Jahren. Die »digitale Revolution« würde zu tief greifenden Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt führen. Ein Ende der Arbeit (Rifkin 1995) oder ein Kapitalismus ohne Arbeit (Beck 1996) wurden beschworen. Gemeint war, dass die Erwerbsarbeit, insbesondere die in der materiellen Warenproduktion, auf einen Bruchteil zurückgehen und dies Massenerwerbslosigkeit und Prekarisierung in bisher ungekannten Dimensionen nach sich ziehen würde. Einige philosophierten gar über das vermeintliche Ende der Arbeitsgesellschaft, damit der Wertproduktion und des Kapitalismus insgesamt (Gruppe Krisis 1999). Die Realität blamiert diese Spekulationen. Grundsätzlich ist die Diskussion über die Beschäftigung vernichtende Wirkung neuer Techniken so alt wie die Industrie und der Kapitalismus selbst. In der Regel wird dabei aber nicht nur die Wachstumsdynamik kapitalistischer Produktion unterschätzt, sondern auch der Umstand, dass Erwerbsarbeit zunehmend außerhalb der im engeren Sinne materiellen Produktion stattfindet, dort aber ebenso produktive, Wert schaffende Arbeit ist.
Tatsächlich ist die Zahl der Erwerbstätigen und der Lohnarbeitenden in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen, und in den meisten Ländern gilt dies auch für die Zahl der geleisteten Erwerbsarbeitsstunden. Die Zunahme von Erwerbslosigkeit war Ergebnis ökonomischer Krisenprozesse. In der EU speziell hing sie mit Folgen der globalen Finanzkrise und der Eurokrise und nicht mit Technologiesprüngen zusammen. Auch die Ausweitung prekärer Beschäftigung und die Umverteilung zugunsten von Kapitaleinkommen und höher bezahlten Gruppen der Beschäftigten sind mit ökonomischen, sozialen und politischen Entwicklungen wie der anhaltenden Massenerwerbslosigkeit, der fortschreitenden Globalisierung und Entwicklung des Finanzkapitalismus, der Durchsetzung des Neoliberalismus und einer Politik der Liberalisierung der Arbeitsmärkte, der Schwächung der Gewerkschaften und des Abbaus des Sozialstaats zu erklären. Informations- und Kommunikationstechniken spielen dabei zwar eine Rolle, sind aber nicht die unmittelbaren Ursachen.
Die eingangs genannten Studien beschreiben nun eindrucksvoll die neue Dimension und Wucht der digitalen Revolution des 21. Jahrhunderts. Vor allem durch lernende Maschinen, künstliche Intelligenz und Roboter entwickeln sich Möglichkeiten der Automatisierung menschlicher Tätigkeiten, die bis vor Kurzem noch als rationalisierungsresistent gelten konnten. Sind diese Prognosen also wirklich von neuer Qualität und die drastischen Befürchtungen entsprechend berechtigt?
Beschäftigungsfolgen des neuen Digitalisierungsschubs
»Roboter gefährden 59 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland« (Focus Online, 2.5.2015) oder: »Maschinen könnten 18 Millionen Arbeitnehmer verdrängen« (Die Welt, 2.5.2015). So lauten spektakuläre Überschriften in deutschen Medien. Die Autoren entsprechender Studien argumentieren deutlich vorsichtiger. Aufgrund eines komplexen theoretischen Modells ermitteln beispielsweise Frey und Osborne unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten, nach denen heutige Tätigkeiten oder Berufe in einer nicht näher bestimmten Zukunft durch Automatisierung wegfallen könnten. Gleiches gilt für die Studien von Bowles zum europäischen und von Brzeski und Burk zum deutschen Arbeitsmarkt, die methodisch daran anschließen. Wie viele Arbeitsplätze in welchen Zeiträumen tatsächlich wegfallen werden und wie sich die Zahl der Beschäftigten folglich entwickeln wird, kann auf dieser Grundlage nicht ermittelt werden.
Dabei ist unbestritten, dass große Umbrüche bevorstehen oder bereits im Gang sind. Allein die Verbreitung von PersonalComputern seit den 1980er Jahren und die massenweise Nutzung von Internet, Handys und Smartphones haben Arbeit und Leben enorm verändert. Die Automatisierung wird immer weitere Bereiche und Tätigkeiten erfassen, und dies wird gravierende Auswirkungen für die betroffenen Beschäftigten haben. Millionen Jobs werden wegfallen oder entwertet werden. Mit vielen neuen Arbeitsverhältnissen in der digitalisierten Wirtschaft sind große Probleme und Anforderungen sozialer Gestaltung und Absicherung verbunden. Aber: Diese Prozesse laufen schrittweise ab, sie brauchen Zeit und betreffen immer nur einen Teil der Arbeitsplätze.
Die genannten Studien sind aus verschiedenen Gründen mit Vorsicht zu betrachten. Zunächst beruhen sie auf allgemeinen Beschreibungen, nicht auf der Betrachtung konkreter Tätigkeiten von Personen in ihren betrieblichen und ökonomischen Zusammenhängen und mit deren Schnittstellen zu anderen Beschäftigten, Tätigkeiten und ökonomischen Prozessen. So sind Zweifel angebracht, wenn etwa für Berufe in der Buchhaltung eine Automatisierungswahrscheinlichkeit von 98 Prozent ausgewiesen wird, von 97 Prozent für Kaufleute im Kurier-, Express- und Postbereich, von 93 Prozent für Lager-, Post- und Zustelltätigkeiten (vor allem durch Drohnen) und von 92 Prozent für VerkäuferInnen (Brzeski/Burk 2015, 4).
Es ist davon auszugehen, dass viele dieser Arbeitsplätze erhalten bleiben werden, weil die volle Automatisierung sich doch schwieriger darstellt. So erfordert die Einführung neuer Techniken große Investitionen. Selbst wenn sich neue Computertechnik und Software, Roboter und andere automatische Maschinen ständig weiter verbilligen, sind die Anschaffung von vielen Millionen dieser Geräte, die Umstellung der Produktionsabläufe und Anlagen sowie der Aufbau der Netzinfrastrukturen mit großem Arbeitsaufwand verbunden. Die damit einhergehenden Schwierigkeiten und Kosten werden dazu beitragen, dass die neuen Techniken erst nach und nach die verschiedenen Betriebe und Wirtschaftsbereiche durchdringen.
Auch in der Produktion der neuen Automaten wird die Automatisierung fortschreiten, und per Saldo wird gesamtwirtschaftlich für die gleiche Produktion deutlich weniger Arbeit benötigt werden als heute. Aber auch hier wird die Einsparung geringer ausfallen, als wenn nur die Automatisierbarkeit der gegenwärtig bestehenden Produktionen betrachtet wird. Es muss davon ausgegangen werden, dass Weiterlesen DIE ROBOTER KOMMEN, DIE ARBEIT GEHT?