„Es wird jetzt mehr als deutlich, dass Krankenhäuser nicht nach Profit funktionieren“ « Zeitschrift LuXemburg

Seit der Coronakrise blicken alle Augen auf die Situation in den Krankenhäusern, die allerdings schon vorher nicht besonders gut aussah. Die jahrelangen Warnungen von Pflegekräften wurden ignoriert, Personalmangel und Zeitdruck hingenommen. Jetzt werden die Krankenhäuser noch dringender gebraucht als zuvor – und obwohl die Beschäftigten ihr Bestes geben, ist die Personalsituation angespannt. Am Universitätsklinikum Jena (UKJ) habt ihr Euch in dieser Situation entschieden, einen offenen Brief an die Klinikleitung und die landespolitisch Verantwortlichen zu verfassen. Warum?

Im Zuge der Coronakrise mussten wir feststellen, dass es in unserem Klinikum eine sehr intransparente Kommunikation mit den Beschäftigten an der Basis gibt. Darüber hinaus gibt es im aktuellen Krisenstab am UKJ keinerlei Beteiligung der Beschäftigten. Das war ein Hauptgrund für die Initiative. Eine zentrale Forderung des Briefes ist daher, dass Pfleger und Schwestern aus verschiedenen Bereichen und auch Ärzt*innen an diesem Krisenstab beteiligt werden: um eine transparente Kommunikation zu schaffen und wichtige Informationen für alle zugänglich zu machen. Und diese wichtigste Forderung wurde bereits erfüllt: Im Krisenstab sitzt seitdem eine Person aus der Pflege und eine Kollegin aus dem Personalrat, die Mitverfasserin des Briefes war.

Eine weitere Forderung des Briefes ist es, alle „elektiven Eingriffe“ bis auf Weiteres zu verschieben. Was bedeutet das?

Elektive Eingriffe sind etwas Planbares, das nicht auf Grund eines Notfalls durchgeführt wird. Zum Beispiel wenn nach einem Knochenbruch im Arm das eingesetzte Metall wieder entfernt wird. Aber auch solche Eingriffe bergen immer das Risiko, dass etwas schief geht und der Patient auf die Intensivstation muss und dort ein Bett belegt. Um genau das zu vermeiden, sollten solche Eingriffe jetzt ausgesetzt werden. Das Metall lässt sich beispielsweise auch ein halbes Jahr später entfernen, ohne dass es lebensbedrohliche Risiken für den Patienten birgt. Wenn Elektiveingriffe ausgesetzt werden, gibt es einerseits mehr Betten auf der Intensivstation und andererseits wird dadurch Personal frei, dass dort eingesetzt werden kann – und dass zudem auch Zeit benötigt, um eingearbeitet zu werden.

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McKinsey regiert durch

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Handschuhe an, Scheine zählen. Krisen sind gute Geschäfte für Klinikkonzerne

Gesundheit ist in Deutschland zu einem Milliardengeschäft geworden. Und die Regierung schützt die Profite der Klinikkonzerne und Aktionäre. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte am Dienstag die von der Bundesregierung tags zuvor erlassenen »Hilfsmaßnahmen«: In den Kliniken müsse das System der Dokumentation und Abrechnung nach diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) ausgesetzt werden, forderte Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Krankenhäuser müssten endlich konsequent alle medizinisch nicht unmittelbar nötigen Operationen verschieben, um Kapazitäten für die zu erwartenden Covid-19-Patienten freizumachen und das Personal auf die neuen Aufgaben vorbereiten zu können. Wenn die Betreiber aus wirtschaftlichen Gründen weiter operieren ließen, sei dies »unverantwortlich«. Wie systemrelevant ein funktionierendes Gesundheitswesen sei, müsse inzwischen jedem klargeworden sein, so Bühler.

Doch in Berlin scheint der Groschen noch nicht gefallen. Das über Jahre kaputtgekürzte Gesundheitssystem steht in der Krise vor dem Kollaps. »Die Versorgung von rund 300.000 alten und kranken Menschen in Deutschland droht aufgrund der Coronakrise zusammenzubrechen«, warnte der Branchenverband für Betreuung in häuslicher Gemeinschaft am Dienstag. Bisher würden diese Menschen durch Betreuungskräfte aus Osteuropa versorgt. Doch aus Angst vor Covid-19 seien Betreuungskräfte nicht mehr bereit, nach Deutschland zu fahren.

Rosa-Luxemburg-Konfernez-Broschüre

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