Audio: „Besser es sterben Menschen als die Wirtschaft bricht ein“ Die Coronakrise als Offenbarungseid des Kapitalismus

von Lothar Galow-Bergemann

Was ist aus der Coronakrise zu lernen? Immer lauter werden die Stimmen aus Wirtschaft und Politik, die letztendlich darauf hinauslaufen, lieber mögen viele Menschen sterben als die Wirtschaft einbrechen. Wollen wir dieser barbarischen Logik wirklich folgen? Oder müssen wir nicht im Gegenteil aus einem Wirtschaftssystem aussteigen, das ins Wanken gerät, wenn seine hehren Prinzipien ewiges Wachstum und Maximalprofit nicht mehr funktionieren? Es ist mit Händen zu greifen, dass wir keine Wirtschaft brauchen, die sich um den Daxkurs dreht.  Wir brauchen eine, die den Stofflichen Reichtum zum Mittelpunkt hat, den wir wirklich zum Leben brauchen, um unsere Lebens-Mittel im weitesten Sinne. Den Abstrakten Reichtum der Kapitalverwertung müssen wir jetzt dringend hinter uns lassen. Es wird und muss harte gesellschaftliche Auseinandersetzungen um diese existentielle Frage geben. Denn außer in den Geschichtsbüchern darf der Kapitalismus keinen Platz mehr haben. 

Link https://archive.org/details/200327lgbbesseressterbenmenschen

Geld oder Leben

Das Coronavirus breitet sich rasant aus, die Zahl der Toten steigt täglich, doch schon wird gefordert, bald wieder zur Normalität zurückzukehren. Die Begründung: Der Wirtschaft seien die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung nicht länger zuzumuten. »Die Heilung darf nicht schlimmer sein als die Krankheit«, so US-Präsident Donald Trump. Dan Patrick, Vizegouverneur des Bundesstaates Texas, bietet an, für eine Wiederaufnahme der Produktion sein Leben und das anderer zu riskieren, denn er sei »nicht bereit, das gesamte Land zu opfern«. Auch in Deutschland wird gewarnt, dass geschlossene Geschäfte und Produktionsstopp die Wirtschaft ruinieren: »Länger als bis zum Sommer kann der Stillstand nicht dauern«, sagt VW-Vorstand Jürgen Stackmann, »das halten Gesellschaft und Wirtschaft nicht aus.«

Die Forderung, zum Wohle von Wirtschaft und Börse die Schutzmaßnahmen aufzuheben oder abzuschwächen, wird vielfach als menschenverachtend kritisiert. Doch liegt ihr ein realer Gegensatz zu Grunde: »Wir wollen es vielleicht nicht wahrhaben, aber es gibt eine Abwägung zwischen dem Kampf gegen das Virus und der Zerstörung der Wirtschaft«, so formuliert ihn der US-Finanzjournalist Clive Crook. Diese Abwägung wird nun vollzogen, das Für und Wider diskutiert. Aber niemand stellt die Frage, wieso die Entscheidung zwischen Überleben der Menschen und Überleben der Wirtschaft so drängt? Selbstverständlich ist das nicht.

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Opfer: Dass das herrschende Wirtschaftssystem Menschenleben fordert, ist im Prinzip nichts neues. Dass Armut das Leben verkürzt, ist statistisch gut belegt. Die meisten Opfer allerdings Weiterlesen Geld oder Leben

Leben auf Kredit – und wer zahlt?

Sieben Tage, sieben Nächte

dpa/Sebastian Kahnert

Geschlossene Geschäfte, leere Fabriken, Ausgangssperren – die Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus werden die Wirtschaft hart treffen. Härter als die große Finanzkrise ab 2008, sagen Experten, und vermutlich haben sie recht. Worin besteht derzeit das Problem der Wirtschaft und vor allem einer kapitalistischen Wirtschaft? Das kann man anhand eines Beispiels verdeutlichen, das vereinfacht ist, aber auch in komplizierteren Varianten seine Logik nicht verändert.

Nehmen wir an, eine Wirtschaft besteht aus drei Berufsgruppen. Gruppe 1 backt das Brot, Gruppe 2 frisiert die Menschen, Gruppe 4 baut Autos. Nun kommt das Virus. Die Personen aus Gruppe 2 und 3 können zu Hause bleiben, sie werden vorübergehend nicht benötigt. Gruppe 1 muss weiterarbeiten zur Versorgung der Menschen mit Brot. Die Produktionsmittel sind nicht das Problem, denn Öfen und Teigrührmaschinen stehen ja schon bereit. Sollte es krankheitsbedingt zu Bäckerknappheit kommen, müsste überlegt werden, wie Personen aus Gruppe 2 und 3 aushelfen können. So weit das materiell-technische Problem der Versorgung.

Nun zum kapitalistischen Problem: Das herrschende Wirtschaftssystem basiert auf Tausch und damit auf Geld. Folge: Bleiben Gruppe 2 und 3 wegen des Virus zu Hause, haben sie keine Einnahmen. Daher können sie auch kein Brot mehr kaufen. Daraufhin gehen die Bäcker pleite und produzieren nicht mehr. Das absurd anmutende Ergebnis ist, dass alle ruiniert sind, obwohl gesamtgesellschaftlich alles da ist: die Maschinen zur Produktion, die Arbeitskräfte, und sogar das Geld ist irgendwo, was allerdings nichts hilft, da die Kette der Zahlungsvorgänge unterbrochen ist. Geld, so heißt es immer, eröffnet den Zugang zu allen Waren. Das bedeutet aber umgekehrt: Fließt es nicht, sind alle von den Gütern des Lebens ausgeschlossen.

Nun kommt der Staat ins Spiel: Er borgt sich das brachliegende Geld oder schafft es selbst, indem er seine Zentralbank Geld drucken lässt. Dieses Geld gibt der Staat weiter als Kredit oder als Geschenk (»Helikoptergeld«) an Friseure, Autobauer und Bäcker. Oder er leiht es den Banken, die es ihrerseits weiterverleihen an die Wirtschaftssubjekte. Mit dieser Zahlungsfähigkeit ausgestattet, können sie weiter kaufen, produzieren und konsumieren. Der Staat umgeht damit vorübergehend den kapitalistischen Zwang, dass man etwas verkaufen muss, um an Geld zu kommen, mit dem man dann einkaufen kann und dem Verkäufer dadurch einen Profit einspielt. Das macht der Staat so lange, bis die Wirtschaft wieder »läuft«. Dann allerdings haben sich die Schulden der Gesellschaft vervielfältigt – alle haben Kredite aufgenommen, die zurückgezahlt werden müssen. Und dann liegt irgendwann die heiße Frage auf dem Tisch: Wer zahlt?

Fragiles System

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Die »Coronakrise« ist ein Lehrstück über die beeindruckende Fähigkeit des Kapitalismus, sich anzupassen und aus jeder Situation das Beste für sich rauszuholen

Wer die öffentliche Debatte um Corona verfolgt, stellt fest, dass sich die Sorgen mehr um die Gesundheit der Wirtschaft als um die der Menschen drehen. Einerseits zynisch, andererseits nicht unberechtigt, zeigt sich doch das kapitalistische Wirtschaftssystem bislang gegenüber COVID-19 weitaus anfälliger als der menschliche Organismus. Zumindest nach heutigem Wissensstand scheint den Menschen nicht viel mehr zu blühen als eine üppige Grippewelle. Der Wirtschaft hingegen droht ein tiefer Absturz.

Der globalisierte Kapitalismus offenbart einmal mehr seine Krisenanfälligkeit. Kaum eine Wertschöpfungskette geht an China vorbei. Doch dort tobt das Virus besonders heftig und hat den Außenhandel einbrechen lassen. Schockwellen gehen durch die gesamte, eng vernetzte Weltwirtschaft. Kaum ein Industriekonzern, der auf Vorprodukte aus der Volksrepublik Weiterlesen Fragiles System

Mit der Orientierung auf Profite brechen

»Mit der Orientierung auf Profite brechen«

Globalisierungskritisches Netzwerk ATTAC besteht seit zwei Jahrzehnten – ein Grund zur Reflexion und zum Feiern. Ein Gespräch mit Werner Rätz

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ATTAC in Aktion vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (24.9.2009)

Werner Rätz ist Mitbegründer von ATTAC Deutschland und im Koordinierungskreis des globalisierungskritischen Netzwerks aktiv

Am Wochenende feierte ATTAC in der Paulskirche in Frankfurt am Main sein 20jähriges Bestehen. Motto: »Zivilgesellschaft unter Druck: Die Bedeutung von kritischem Engagement für die Demokratie«. Was waren die wichtigsten Etappen des globalisierungskritischen Netzwerkes in den zwei Jahrzehnten?

Als ATTAC vor zwanzig Jahren gegründet wurde, gab es innerhalb der Linken die Befürchtung, dass die bürgerliche Ansage, es gäbe keine Alternative, lähmende Wirkung haben würde. Unsere Grundaussage damals: »Es gibt eine Alternative. Wir können etwas verändern.« Angefangen hatte alles mit dem Widerstand gegen Neoliberalismus und Konzernherrschaft, als sich die Regierungschefs der G-8-Industrienationen 2001 in Genua trafen. ATTAC war dabei, dieses Thema in der Öffentlichkeit zu plazieren.

2007 waren wir gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm aktiv. Seit 2003 waren wir zudem Teil eines sozialpolitischen Bündnisses, das gegen die »Agenda 2010« der SPD-Grünen-Regierung und Hartz IV protestierte. Entsprechende sozialpolitische Auseinandersetzungen prägt ATTAC immer noch entscheidend mit.

Wir wendeten uns auch gegen die Ökonomisierung des Gesundheitssystems, sprachen uns gegen sogenannte Fallpauschalen aus. Wir fanden es absurd, die stationäre Krankenbehandlung im psychiatrischen und psychosomatischen Bereich mit einer Pauschale abzurechnen und zu definieren: So und so viele Stunden Behandlung erfordere es angeblich, einen schizophrenen Patienten von seiner Krankheit zu heilen. Leidtragende sind die Patientinnen und Patienten – und nicht zu vergessen: das Krankenhauspersonal. Schade, dass es für all die Auseinandersetzungen, die wir in der Sozialpolitik führen, kaum ein Echo gibt.

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Weshalb gab es im Vorfeld gegen die Feier von ATTAC am vergangenen Wochenende in der Paulskirche mit etwa 550 Gästen so erbitterten Widerspruch der Frankfurter CDU?

Zunächst: Angestiftet hatte diese Kampagne gegen uns wenige Tage zuvor der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker (CDU). Im wesentlichen Weiterlesen Mit der Orientierung auf Profite brechen

Angst und Macht in kapitalistischen Demokratien

weltnetz.tv im Gespräch mit Rainer Mausfeld über sein neues Buch „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“

„Macht hat für den, der sie hat, viele Vorteile und für diejenigen, die ihr unterworfen sind, viele Nachteile, denn Macht erzeugt bei den ihr Unterworfenen Angst. Angsterzeugung wiederum ist ein Herrschaftsinstrument, und Techniken zum Erzeugen von gesellschaftlicher Angst gehören zum Handwerkzeug der Macht.“*
Pascal Luig sprach für weltnetz.tv mit Rainer Mausfeld über sein neues Buch „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“. Unter anderem wurden folgende Fragen diskutiert: Wie wird Angst in kapitalistischen Demokratien erzeugt? Wie werden wir dadurch manipuliert? Wie können wir uns davon befreien und welche Alternativen gibt es?

* Aus dem Klappentext des Buches: Rainer Mausfeld, Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien, Westend Verlag.

Rainer Mausfeld

Problem der Krankenhäusern: die Überlastung im Normalbetrieb.

ZDF heute-show (@heuteshow)
Bei der ganzen Corona-Hysterie geht das eigentliche Problem in Krankenhäusern unter: die Überlastung im Normalbetrieb. 
Die ganze #heuteshow in der Mediathek: kurz.zdf.de/hs2001tw/pic.twitter.com/eztHHUu9BU

s. auch http://der-marktgerechte-patient.org/index.php/de/