Arbeit, Kapital und Staat Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft

Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft 4., verbesserte und erweiterte Auflage Broschur, 649 Seiten, 57 Tab. u. 20 Abb.

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Weniger in der Pulle

http://epaper.neues-deutschland.de/eweb/nd/2017/04/12/b/1/1202712/
IWF warnt vor sinkendem Anteil der Arbeitseinkommen am Wirtschaftsprodukt
Berlin. Karl Marx hielt bekanntlich nicht viel von den Maschinenstürmern. Technikfeindlichkeit warf der große Philosoph aus Trier jener Bewegung vor, die den kapitalistischen Fortschritt während der frühen Industrialisierung aufhalten wollte, indem sie die Maschinen zerstörte. Und doch muss man auch 150 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Bandes von das »Kapital« konstatieren, dass der technische Fortschritt im Sinne der Produktion des relativen Mehrwerts – um einen Begriff von Marx selbst zu verwenden – vornehmlich dazu benutzt wird, die arbeitende Bevölkerung alt aussehen zu lassen.
Diese Erleuchtung hatte man jetzt auch in den Büros des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der warnt in seinem aktuellen Weltwirtschaftsbericht davor, dass die Arbeitseinkommen – gemessen an der Wirtschaftsleistung – sinken, während die Wirtschaft wächst. Den Grund für diese Entwicklung macht der IWF darin aus, dass Globalisierung und technischer Fortschritt viele Jobs überflüssig machen. Das Gegenmittel: Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie »längerfristig angelegte Maßnahmen zur Umverteilung«.
Manch ein Angestellter hierzulande wird den Ruf nach mehr Umverteilung vielleicht erst einmal ablehnen. Denn die Abgabenlast für Singles ist mit 49,4 Prozent auf den Durchschnittsverdienst im Vergleich zu anderen Industriestaaten nur in Belgien höher, wie eine Studie der OECD zeigt. Vielleicht wäre da aber auch der Vorschlag des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis etwas: Dieser fordert seit längerem eine Sondersteuer auf Aktienkapital zur Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens.
Und am Ende schenkt der Roboter einem sogar noch das wohlverdiente Feierabendbier ein. So schön könnte also der technische Fortschritt theoretisch sein. spo Seite 16

Die Arbeit hängt am Tropf des fiktiven Kapitals (Krisis 1/2016)

Die Arbeit hängt am Tropf des fiktiven Kapitals (Krisis 1/2016)

henne_titelNorbert Trenkle
Die Arbeit hängt am Tropf des fiktiven Kapitals
Eine Antwort auf Geht dem Kapitalismus die Arbeit aus? von Christian Siefkes
Beitrag 1/2015
Download von Krisis 1/2016 als PDF
Zusammenfassung
Die zentrale krisentheoretische Aussage der Gruppe Krisis, dass es im Gefolge der Dritten industriellen Revolution zu einer absoluten Verdrängung von Arbeitskraft aus den kapitalproduktiven Sektoren und damit zu einem säkularen Abschmelzen der Wertmasse gekommen sei, ist vielfach in Frage gestellt worden. Der vorliegende Text stellt eine Auseinandersetzung mit einer zweiteiligen Artikelfolge von Christian Siefkes dar, welche den Versuch unternimmt, diese Aussage empirisch zu überprüfen. Siefkes wertet darin die Beschäftigungsstatistiken der ILO im Lichte der Fragestellung aus, ob das für die Kapitalverwertung relevante globale Arbeitsvolumen seit den 1980er Jahren gesunken ist oder nicht. Sein Fazit fällt uneindeutig aus: zwar sieht er die These vom Abschmelzen der Wertsubstanz als nicht bestätigt an, glaubt aber eine Tendenz in diese Richtung zu erkennen.
Demgegenüber wird hier gezeigt, dass die von Siefkes vorgelegten Zahlen eine sehr viel deutlichere Sprache sprechen, als er selbst herausliest. Sein vorsichtiges Fazit beruht darauf, dass er erstens einen zentralen Argumentationsstrang der fundamentalen Krisentheorie ausblendet. In seiner Interpretation des Datenmaterials abstrahiert er nämlich von der massiven Akkumulation des fiktiven Kapitals, welche den fundamentalen Krisenprozess überlagert und im großen Stil Wertproduktion induziert, die nicht aus der Eigendynamik der Kapitalverwertung resultiert. Es lässt sich zeigen, dass diese induzierte Wertproduktion seit den 1980er Jahren gewaltige Ausmaße angenommen hat und ein erheblicher Teil des globalen Arbeitsvolumens direkt und indirekt hiervon abhängt. Das aber heißt im Umkehrschluss: Ohne diesen Effekt ist die wertproduktive Beschäftigung im globalen Maßstab deutlich rückläufig. Dieser Trend wird zweitens durch das weltweite Produktivitätsgefälle verstärkt. Denn für den in einer Ware dargestellten Wert ist nun einmal nicht die individuell verausgabte Arbeitszeit entscheidend, sondern die „gesellschaftliche Arbeitsstunde“, also der global gültige Wertmaßstab, der von dem vorherrschenden Produktivitätsstandard definiert wird. Siefkes trägt dem zwar prinzipiell Rechnung, indem er die Produktivitätsunterschiede zwischen den verschiedenen globalen Produktionsstandorten mit Hilfe von Gewichtungsfaktoren berücksichtigt, doch setzt er diese viel zu niedrig an. Legt man hier realistische Zahlen zugrunde, die sich auf Grundlage der vorliegenden Statistiken ermitteln lassen (der Produktivitätsunterschied zwischen China und Deutschland etwa ist mit ungefähr 1:8 oder 1:9 anzusetzen), zeigt sich deutlich, dass der beeindruckenden Zahl an Arbeitskräften in Ländern wie China, Indien oder Brasilien nur eine vergleichsweise geringe Wertmasse entspricht.
Alles in allem lässt sich daher sagen, dass die von Christian Siefkes vorgelegte Untersuchung, bei einer der Krisentheorie angemessenen Interpretation, klare empirische Belege für die These vom Abschmelzen der Wertproduktion liefert.

Vortrag im SWR: Die große Entwertung

Quelle: http://www.krisis.org/2015/vortrag-in-der-swr-teleakademie-die-grosse-entwertung/

Über die fundamentalen Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise

Norbert Trenkle

Sendezeiten:
SWR:  So. 18.10.2015 um 7.30 Uhr
ARD-alpha: So. 25.10.2015, um 14.00 Uhr und Mo. 26.10.2015 um 13.00 Uhr
3Sat:  So. 25.10.2015 um 6.45 Uhr

Außerdem Online ab 19.10.2015 unter www.tele-akademie.de/begleit/ta151018.htm

Auch sieben Jahre nach dem Ausbruch der großen Wirtschafts- und Finanzkrise herrscht über deren Ursachen immer noch Unklarheit. Während zumeist die übertriebene Aufblähung von Kredit und Spekulation dafür verantwortlich gemacht wird, besteht die Politik der Krisenbekämpfung im Kern genau darin, durch eine gigantische Geldzufuhr die Finanzmärkte in noch größerem Ausmaß aufzupumpen. Dieses widersprüchliche Vorgehen entspringt einem Pragmatismus, der durchaus funktional ist. Denn die jahrzehntelange Aufblähung des Finanzüberbaus ist , so Norbert Trenkle, nicht die Ursache der wirtschaftlichen Verwerfungen, sondern stellt einen Mechanismus zur Aufschiebung einer viel grundlegenderen Strukturkrise da, die ihnen Ausgangspunkt bereits in den 1970er Jahren hat. Die Akkumulation von Kapital beruht seitdem auf einem Vorgriff auf zukünftigen Wert. Doch dieser Vorgriff auf die Zukunft stößt zunehmend an seine Grenzen. Der nächste Kriseneinbruch zeichnet sich daher bereits am Horizont ab.

Wenn Reichtum Reichtum vernichtet

http://www.krisis.org/2015/wenn-reichtum-reichtum-vernichtet
Der inverse Kapitalismus und seine Grenzen
von Ernst Lohoff
In der sozialwissenschaftlichen Diskussion hat sich als Bezeichnung für die aktuelle Entwicklungsstufe unseres Wirtschaftssystems der Begriff des Finanzmarktkapitalismus eingebürgert. Bedeutete bis in die 1970er Jahre hinein Kapitalakkumulation vor allem die Vermehrung des in der Güterproduktion eingesetzten Kapitals, so hat diese heute in allererster Linie die beschleunigte Anhäufung von Finanzpapieren zum Inhalt. Bereits Karl Marx unterschied zwischen fiktivem Kapital, das unseren finanziellen Reichtum abstrakt vermehrt, und fungierendem Kapital, das unseren sinnlich-stofflichen Reichtum konkret vergrößert. Mit dem Siegeszug des fiktiven Kapitals ist die Auslöschung des sinnlich-stofflichen Reichtums, mithin unserer Lebensgrundlagen, absehbar.
Eine Analyse des Kapitalismus in seiner heutigen Gestalt muss dem Aufstieg der Finanzindustrie zum eigentlichen Wirtschaftsmotor Rechnung tragen. Aber welche Funktion und welchen Charakter haben Kapitalmarktwaren und warum konnten die Geld- und Kapitalmärkte zum eigentlichen Motor der Wirtschaft aufsteigen?

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Fragen, dürfte kaum jemand an die Marxsche Theorie denken. Dem landläufigen Verständnis führt die Kritik der Politischen Ökonomie alle Kapitalbildung auf die Vernutzung lebendiger Arbeit zurück und betrachtet das Finanzmarkttreiben als Nullsummenspiel, bei dem nur vorhandener Reichtum neu verteilt wird. Diese Auffassung fällt aber weit hinter die Erkenntnisse zurück, die Marx tatsächlich in seinem theoretischen Hauptwerk entwickelt hat. Im Kapital wird keineswegs unterstellt, dass Kapitalbildung immer auf vorgängige Wertproduktion zurückgehen muss. Weil Marx systematisch zwischen sinnlich-stofflichen Reichtum einerseits und abstrakten Reichtum andererseits unterscheidet, kann er begrifflich zwischen zwei Grundtypen von Kapital höchst unterschiedlicher Herkunft differenzieren: Beim „fungierenden Kapital“ (dem industriellen Kapital und dem Kaufmannskapital) setzt dessen Neubildung tatsächlich eine reale Wertproduktion durch die Verausgabung von Arbeitskraft in der Produktion von Gütermarktwaren und Dienstleistungen voraus. In der Gestalt des „fiktiven Kapitals“, das aus Finanzmarktpapieren besteht, also aus handelbaren Eigentumstiteln, verwandelt sich dagegen die Aussicht auf noch zu erzeugenden Wert, auf zukünftigen Wert, der vielleicht nie produziert werden wird, schon vorab in Kapital.
 

Fiktives Kapital

Die Entstehung fiktiven Kapitals und die damit verbundene Inversion (Umkehrung) in der zeitlichen Abfolge von Wert- und Kapitalbildung lässt sich nur verstehen, wenn man einen Blick auf das spezielle Verhältnis wirft, das Käufer und Verkäufer auf den Kapitalmärkten miteinander eingehen. Weiterlesen Wenn Reichtum Reichtum vernichtet