Gegenddarstellung: Geburtstagsgrüße

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Grafik: Thomas J. Richter

Der 7. Oktober, war da was? Natürlich! Vor 71 Jahren gelang es, auf deutschem Boden einen sozialistischen Staat zu gründen. Was wäre uns nicht alles erspart geblieben, hätte die DDR nach 1990 weiter existiert: Massenarbeitslosigkeit, Kriegseinsätze, Armut landauf und landab. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was es aber sicher auch nicht gegeben hätte: die Linke Presse Verlags-, Förderungs- und Beteiligungsgenossenschaft junge Welt eG (LPG). Sie wurde am 7. Oktober 1995 aus der Taufe gehoben.

Aus gutem Grund: Nach dem Konkurs des Alteigentümers kämpften Teile der Belegschaft um das weitere Erscheinen der Tageszeitung junge Welt. Letztes Erspartes wurde in den neuen Verlag 8. Mai gesteckt. Viele Leserinnen und Leser halfen bei der Rettung. Sie alle wussten, dass diese Zeitung noch lange gebraucht wird. Stand sie doch schon damals wie kaum eine andere für Frieden, Solidarität und Aufklärung ein. Die ersten Monate des Kampfes bewiesen, dass es eine Chance für eine von Konzernen, Großverlagen, Kirchen und Parteien unabhängige Presse gibt. Doch langfristig brauchte es eine stabile Grundlage. Die 28 Gründerinnen und Gründer der LPG wussten nicht, ob es ihnen gelingen würde, diese zu schaffen. Waren doch die Bedingungen ganz andere als zu der Zeit, in der Lenin den Sozialismus als Gemeinschaft kultivierter Genossenschaftler definierte. Heute können 2.392 Herausgeberinnen und Herausgeber auf eine weiter steigende jW-Reichweite, auf ein Magazin für Gegenkultur, auf Weiterlesen Gegenddarstellung: Geburtstagsgrüße

die unterschätzte Gefahr!

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Jahresauftakt der Linken: Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz 2019 in Berlin-Moabit

Foto: Christian Mang

Am 12. Januar 2019 fand in Berlin die größte regelmäßige, von junge Welt organisierte Konferenz linker Kräfte im deutschsprachigen Raum statt. Gäste von mehreren Kontinenten diskutierten mit 3.000 Besuchern über Kriegsgefahr, Abbau demokratischer und sozialer Rechte und über gesellschaftliche Alternativen. Die Veranstaltung fand internationale Resonanz, so erschienen Medienberichte in der Türkei, Großbritannien, Dänemark, Nicaragua, Kuba, Spanien, Kolumbien, Belgien – um nur einige Länder zu nennen.

In Deutschland gab es so gut wie keine Berichte. Obwohl sich mehr als 80 Journalisten akkreditierten, fand die Konferenz weder bei Die Welt noch beim Neuen Deutschland, weder bei der Frankfurter Allgemeinen noch bei der Taz statt. Besonders erstaunlich: Solange in vergangenen Jahren die Konferenz bis zu 1.000 Besucher zählte, wurde recht eifrig berichtet. Als über 2.000 Besucher begrüßt wurden, reduzierte sich dieser Eifer deutlich. Seitdem aber 3.000 Gäste kommen, wird die Berichterstattung komplett eingestellt – egal wie prominent die Referenten sind. Auch in allen Regionalzeitungen fand man am Montag, den 14. Januar, keinerlei Hinweise auf die Konferenz oder ihren Veranstalter, die Tageszeitung junge Welt.

Mit einer Ausnahme: Die Lausitzer Rundschau brachte auf ihrer Politik-Seite einen großen Beitrag unter dem Titel »Die unterschätzte Gefahr« – und beantwortet damit eine Frage, die sie erst später stellt: »Werden gewalttätige Aktionen linksextremistischer Kräfte verharmlost?«: Viel sei seit den NSU-Morden vom Rechtsextremismus die Rede … Aber wie sieht es auf der anderen Seite des politischen Spektrums aus?« lautet die Einstiegsfrage des Textes. Der Extremismusexperte Eckhard Jesse begründet, warum linksextreme Gewalt weniger ernst genommen werde als rechte: »Viele sind einseitig fixiert auf einen antifaschistischen Konsens, linke Gewalt werde mit Rücksicht auf die historische Schuld des Nationalsozialismus verdrängt.« Auch bei den »Sicherheitsbehörden« beobachte man eine Tendenz der Verharmlosung gegenüber Linksextremen: »Der Kampf gegen rechts wird in der Öffentlichkeit eher als legitim empfunden«, wird wörtlich, aber ohne Quelle zitiert. Nach einer Studie der Freien Universität Berlin verfüge mehr als ein Sechstel der Deutschen über ein linksextremes Weltbild, plädiere jeder fünfte für eine Revolution, und 60 Prozent im Osten, 37 Prozent im Westen halten den Sozialismus für eine gute Idee. Wie harmlos erscheint da rechte Gewalt – etwa die eingangs zitierten NSU-Morde.

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Nun werden Sie sich fragen: Was hat das alles mit der jungen Welt zu tun? Nun, die Lausitzer Rundschau hat das alles, wie sie schreibt, »untersucht«. Und deshalb stellt sie zum Bericht einen Infokasten mit der Überschrift »Linksextremistische Gruppen und Parteien« und nennt da neben der Interventionistischen Linken, der DKP und der MLPD auch die Rote Hilfe, Teile der Partei »Die Linke« – und zum krönenden Abschluss die Zeitung junge Welt.

Auch das hat der Bundesverfassungsschutz der Rundschau-Redaktion in die Tasten diktiert. Manipuliert wird über das, was in den Medien steht und wie es präsentiert wird. Wer den antifaschistischen Konsens über alles stellt, wird deshalb auch mit Geheimdienstmitteln behindert.

Schwarzer Kanal: Auf in den »richtigen« Krieg

https://www.jungewelt.de/2016/02-13/065.php
Aus: Ausgabe vom 13.02.2016, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage
Auf Seite eins der Zeit vom 11. Februar klagt deren Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über »Die sprachlose Mitte« der Gesellschaft: »Wer sich das Grauen im Netz antun möchte, insbesondere auf Facebook, wo zum Beispiel Straftaten von Flüchtlingen angeprangert werden, die nie stattgefunden haben, der bekommt leicht eine Vorstellung davon, wie es im späten Mittelalter zu den Hexenverfolgungen kam. Leider haben sich die Menschen in den vergangenen 500 Jahren wohl doch nicht so grundlegend verändert.«

Woher »die Menschen« den Stoff für Pöbeleien und Aufrufe zu Gewalt beziehen, lässt der Zeit-Mann offen. Er hätte auf Seite drei derselben Ausgabe seines Wochenblattes verweisen können: Die dort zu findende Anhäufung von Lügen, großdeutschem Gedröhne, Dämonisierung Russlands und dessen Regierung, die geistige Mobilmachung, die Bernd Ulrich dort unter dem Titel »Ist er (gemeint ist Wladimir Putin – d. Verf.) so perfide oder sind wir so dumm?« veröffentlicht, lässt sich unter Hexenwahn ohne weiteres einordnen. Der Text besagt: Die bundesdeutsche »Mitte« ist nicht sprachlos, sie hat das Kampfblatt Zeit, und dort tobt sie sich aus, zumal gegen Niedrigstehende aus dem Osten, die sich unbotmäßig verhalten. Die Grundstimmung ist Hysterie, weil »die Russen« bekanntlich alle Jahre wieder und völlig überraschend nach Deutschland kommen wie Anno 1945.
Vor allem, was die Zukunft angeht, werden Delirien da zu Ausgangspunkten: »Nun, die Russen haben Aleppo wie wild bombardiert, sie schießen den Weg frei für die iranischen Milizen und die Soldaten des Assad-Regimes, weswegen sich in den nächsten Wochen auch noch die 300.000 in der zerstörten Stadt verbliebenen Syrer auf den Weg machen dürften.« Die 300.000 Flüchtlinge sind nicht auf dem Weg, aber einen Facebook-Wahn übertrifft der Ulrich spielend. Er darf sein spätes Mittelalter im Gegensatz zu denen, die di Lorenzo rügt, aber drucken, gehört damit zur »Mitte«, und weiß außerdem, wo der Oberhexer sitzt: Im Kreml.
Der Beginn eines Waffenstillstandes in Syrien, für den die Aufständischen einschließlich der Kopfabschneiderbrigaden Vorbedingungen machen, nicht Moskau und Damaskus, ist für einen Ulrich eine Art Vollbremsung, Frieden ohnehin der Super-GAU. Immerhin behauptet er nicht, der Westen und seine »Mitte« seien sprachlos, aber »wir« sind selbstverständlich Opfer: In den »falschen Kriegen der Ära Bush«, klagt er, habe der Westen »seine Entschlossenheit, seine Opferbereitschaft weitgehend aufgebraucht«. Wahrscheinlich beim karitativen Umbringen von einigen Millionen Menschen zwischen Mali und Afghanistan für Erdöl, Erdgas und neue Kolonien. Die nicht mehr so heißen.
Aber trotz aller Sprach- und Entschlusslosigkeit: Der Russe kommt nicht durch. Ulrich fragt: »Europa« könne ohne Russland »in dieser Welt nicht bestehen? Für solches Geschwätz vor allem aus der SPD hat er seine Tonnenideologie und doziert: »Die EU erzeugt jährlich ein Bruttoinlandsprodukt von 16 Billionen Dollar und verfügt über 515 atomare Sprengköpfe. Russland erwirtschaftet ein BIP von 1,2 Billionen Dollar, und das auch fast nur durch Bodenschätze, verfügt aber über 7.500 Nuklearsprengköpfe. (…) Nein, Europa braucht Russland nicht, um in dieser Welt zu bestehen, vielmehr bekämpft niemand auf der Welt Europa so wirkungsvoll wie Russland.« Hurra, der »richtige« Krieg ist gerettet. Wer den mag, ist bei di Lorenzo und Ulrich richtig. Sie wollen nicht eine sogenannte Diskussion vergiften, sondern das Ende aller Debatte zwecks Mobilisierung. Wahnvorstellungen auf Facebook sind harmlos im Vergleich zu dem ins Bestialische gekippten Willen zu Konfrontation, mit der die Propagandabeauftragten der Kriegsfraktion von potentieller Massenvernichtung schreiben oder schreiben lassen. Das heißt bei denen »sprachlos«.

Probeabos gegen Kriege

https://www.jungewelt.de/2016/02-13/060.php

  
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Gegen Krieg und Kapital: Studieren und weiterempfehlen!
Foto: jW-Archiv
Verlag und Redaktion unternehmen gerade besondere Anstrengungen zur deutlichen Erhöhung der Reichweite dieser Zeitung. Das hat auch ökonomische Gründe. Vor allem aber geht es um aktuelle politische Erfordernisse. Die jüngsten Entwicklungen machen die Notwendigkeit kritischer Gegeninformation deutlicher denn je. Die Unverfrorenheit, mit der NATO-Strategen die Einkreisung Russlands forcieren, die offene militärische Konfrontation mit Moskau in Syrien suchen oder den nächsten Krieg in Libyen vorantreiben, sollte eigentlich auch den letzten wachrütteln. Gerade das aber versuchen sogenannte Qualitäts- und Leitmedien aller Art zu verhindern. Und zwar mit einigem Erfolg.
Noch weniger erwünscht ist, dass Wachgerüttelte sich zusammenschließen. Der gegenwärtige Zustand der Friedensbewegung zeigt auch: Hier wird erfolgreich gewühlt und gespalten. Neben Kopflangern des Kapitals gibt es mancherlei Irrlichter, die für Desorientierung sorgen. Die einen fordern Äquidistanz, wo eine klare Benennung der Aggressoren möglich und notwendig ist, wie beispielsweise in den genannten Versuchen, Russland zu bedrängen oder im Zusammenhang mit dem Staatsterror der israelischen Regierung gegen das palästinensische Volk. Andere lenken von den Kriegstreibern im eigenen Land ab, vernachlässigen die Aufklärung über den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Krieg und versuchen, Teile der Friedenskräfte für rechtslastige Zusammenhänge zu gewinnen – in denen sie am Ende ihre Bündnisfähigkeit verlieren. Die junge Welt hält hier konsequent dagegen, sorgt für Klarheit und will zum Wiedererstarken antimilitaristischer Strukturen beitragen.
Ermöglicht wird das nicht zuletzt dadurch, dass diese Zeitung weder von Parteien, Kirchen, großen Unternehmen, Anzeigenkunden oder Gewerkschaften noch von irgendwelchen staatlichen Institutionen abhängig ist. Gleichzeitig gilt: Krieger lassen sich nur stoppen, wenn sich eine kritische Masse gut informierter Menschen in Bewegung setzt. In diesem Sinne ist die aktuelle jW-Probeabokampagne zugleich eine Kampagne gegen imperialistische Kriege – etwa, wenn an diesem Wochenende in München mehr als 1.000 Zeitungen während der Proteste gegen das als »Sicherheitskonferenz« getarnte Kriegstreibertreffen unter die Demonstranten gebracht werden. Erstmalig wollen wir übrigens die zur Verteilung in der bayerischen Metropole bestimmten Zeitungen am neuen Druckstandort bei Frankfurt am Main herstellen und ausliefern. Wir bitten alle Leserinnen und Leser die jW-Kampagnen zu unterstützen – auf dass unser Beitrag im Friedenskampf noch wirkungsvoller werde!
Verlag und Redaktion