Israel nach Lieberman-Rücktritt

Gastkommentar

Am 12. November im israelischen Verteidigungsministerium in Tel Aviv: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Mitte r.), Verteidigungsminister Avigdor Lieberman (Mitte l.) und Generalstabschef Gadi Eizenkot (2. v. r.). Zwei Tage später trat Lieberman zurück

Foto: Amos Ben Gershom/GPO/dpa

Prof. Moshe Zuckermann ist Soziologe und Historiker. Er lebt in Tel Aviv. Aktuelle Buchveröffentlichung: Der allgegenwärtige Antisemit oder Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit. Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2018

Avigdor Liebermans Rücktritt als Verteidigungsminister Israels entspringt klarem politischen Kalkül. Ob es Neuwahlen zu Beginn des kommenden Jahres geben wird, ist noch nicht ausgemacht; dies hängt davon ab, ob sie im machtpolitischen Interesse Benjamin Netanjahus liegen werden. Vor wenigen Wochen sah es noch ganz danach aus, im Moment ist es wieder ungewiss. Sollte es aber Neuwahlen geben, stünde Lieberman im Hinblick darauf, was sich in den letzten Tagen im militärischen Konflikt mit der Hamas im Gazastreifen zugetragen hat, schlecht da. Denn während Netanjahu sich eher moderat gerierte, was das Ausmaß des Einsatzes des israelischen Militärs bei der neuerlichen Gewalteskalation anbelangt, war Lieberman der Meinung, man müsse viel härter vorgehen, als von Netanjahu zugelassen. Netanjahu konnte sich bei seinem relativ gemäßigten Kurs Weiterlesen Israel nach Lieberman-Rücktritt

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Israel, pardon, Deutschland wird am Brandenburger Tor verteidigt

https://jungle.world/artikel/2018/19/israel-pardon-deutschland-wird-am-brandenburger-tor-verteidigt

09.05.2018

Zur Rede von Alexander Gauland anlässlich der Bundestagsdebatte zum 70. Gründungsjubiläum Israels

Am 26.April fand die Bundestagsdebatte zum 70. Gründungsjubiläum von Israel statt, mit Statements von Vertreterinnen und Vertretern aller Parteien. Für die AFD sprach Alexander Gauland. Im Gegensatz zur Mehrheit der Bundestagsabgeordneten, platziert Gauland wohlüberlegt Begriffe in seinen Vorträgen, die durch die Medien aufgegriffen und in ihren Alltagssprech übernommen werden sollen. Ebenfalls ist er ein Meister der Betonung, durch die er geschickt gewünschte Assoziationen weckt. Seine Worte richten sich nicht an die unreflektierten Dumpfbacken, die einen Teil seiner Wählerschaft ausmachen, sondern an ein durchaus intellektuelleres Publikum, das durch differenzierte Standpunkte noch gewonnen werden kann.

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Einige Stellen seiner Rede zu Israel sind exemplarisch dafür.

Die Rede begann mit diesem Satz: „Es ist wohl ein einmaliger Vorgang, dass die Geburt eines fremden Staates in diesem hohen Hause durch eine Debatte erinnert und ja, auch gefeiert wird“. Gauland sagte nicht „eines befreundeten Staates“, „unsere Freunde in Israel“ oder gar „ein durch viele deutsche Juden mit aufgebauten Staates“. Er setzte gezielt den im xenophoben und rassistischen Kontext zentralen Begriff des „Fremden“ ein, um auszudrücken, dass Menschen eines anderen Staates der deutschen Volksgemeinschaft prinzipiell fremd sind.

Es folgte dieser Satz, in dem Weiterlesen Israel, pardon, Deutschland wird am Brandenburger Tor verteidigt

Israel 2015 – Innergesellschaftliche Spannungslinien und Zukunftsdebatten

Dienstag, 07.04.2015, 19:00 Uhr | Stuttgart | Württembergischer Kunstverein | Schlossplatz 2

Israel 2015 – Innergesellschaftliche Spannungslinien und Zukunftsdebatten
Mit: Dr. Angelika Tim (Tel Aviv / Berlin)

Drei miteinander verbundene bzw. einander wechselseitig beeinflussende Problemkreise prägen primär die gesellschaftliche und politische Entwicklung Israels – der anhaltende israelisch-palästinensische Konflikt, das Wirken ungelöster sozio-ökonomischer Widersprüche und die Gefährdung der inneren Demokratie. Vor diesem Hintergrund vollzieht sich ein tiefgreifender Politik- und Wertewandel mit weit reichenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen auf die Gesellschaft, die sich nicht zuletzt in den Parlamentswahlen vom 17. März 2015 widerspiegeln. Der Vortrag analysiert die aktuelle Situation, gibt einen Überblick über Entwicklungstrends bzw. Zukunftserwartungen und stellt Facetten der Zivilgesellschaft vor.

Angelika Timm war als Hochschuldozentin bis 1998 an der Humboldt Universität und von 1999 – 2002 an der Freien Universität Berlin tätig; sie lehrte von 2002 – 2007 als Gastprofessorin in Israel und war von 2008 bis 2015 Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv.