Faschismus ohne Konturen

von Bernhard Romeike

Der US-amerikanische Professor der Philosophie Jason Stanley gilt als Faschismus-Experte. Als solcher wurde er jüngst von der Berliner Zeitung zum Corona-Ausnahmezustand in den USA befragt. Er meint, Donald Trump benutze die Krise dazu, „seine ultranationalistische Ideologie anzufüttern“. Sodann erklärt Stanley, Trump interessiere nur die Inszenierung. „Bei der ersten Pressekonferenz zum Virus hat er mit 40 Offiziellen auf der Bühne gestanden, die alle nur ihn angeschaut haben. Das war vollkommen faschistisch.“

Wie bitte? Es ist „vollkommen faschistisch“, wenn einer auf der Bühne steht, und alle schauen ihn oder sie an? Dann wären Angela Merkel oder Markus Söder ebenfalls Faschisten, wenn sie vorn stehen und alle schauen sie an? Ist dann jede Hamlet-Aufführung, bei der die Zuschauer auf die Bühne schauen, statt auf ihr Handy oder ihre Fingernägel, eine faschistische Veranstaltung?

Es breitet sich bereits seit geraumer Zeit ein Drang aus, der inzwischen offenbar nicht nur sensationsgierige Publizisten, sondern auch Philosophieprofessoren erfasst hat, alles und jeden, das, die oder den man für reaktionär, autoritär oder politisch nicht korrekt hält, kurzerhand zum Faschisten zu erklären. Dabei wird der real existiert habende Faschismus Weiterlesen Faschismus ohne Konturen