Chance vertan

PDF-Dokument: Analysen47

Zehn Jahre Finanzkrise und Regulierung der Finanzmärkte – Eine Bilanz. Analyse von Axel Troost und Rainald Ötsch

Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 markierte den Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise, die im Anschluss vollends auf deutsche Banken übergriff. Nur durch milliardenschwere Bankenrettungsschirme und Konjunkturprogramme konnte ein Absturz der Weltwirtschaft verhindert werden. Während bei öffentlichen Leistungen seit Jahren der Mangel regiert und Zukunftsaufgaben wie Bildung oder Umwelt- und Klimaschutz viel zu kurz kommen, waren plötzlich Unsummen vorhanden, um Banken zu stützen, die von hochbezahlten Manager_innen mit spekulativen Geschäften gegen die Wand gefahren worden waren.

Nachdem sich der Rauch über den Trümmern etwas gelichtet hatte, schworen die Regierenden, eine solche Rettungsaktion dürfe sich nie wiederholen. «Kein Markt, kein Produkt, kein Akteur» sollten künftig unreguliert bleiben, so die Erklärung der G20, deren Regulierungsagenda in den folgenden Jahren den Kern der Neuordnung der Finanzmärkte bildete. Weltweit wurde sich bemüht, das Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen, Systemrelevanz anzugehen, effektive Abwicklungsmechanismen einzurichten, die Aufsicht zu verbessern, die Derivatemärkte zu reformieren und den Schattenbankensektor unter Kontrolle zu bringen.

Letztlich wurden Weiterlesen Chance vertan

Werbeanzeigen

Wieder fällt eine Landesbank

https://www.sozialismus.de/
7. Februar 2019 Joachim Bischoff/Norbert Weber: Die NORD/LB als Sanierungsprojekt

Seit der großen Finanzkrise steht neben anderen Landesbanken auch die Norddeutsche Landesband – Girozentrale – (kurz: NORD/LB) vor einer Sanierungsaufgabe. Die NORD/LB hatte die Finanzkrise ohne Hilfe überstanden, leidet aber seit Jahren unter faulen Schiffskrediten.

Die Probleme verschlimmerten sich durch die vollständige Übernahme der Bremer Landesbank im Jahr 2016, die gleichfalls wegen nicht mehr bedienter Schiffskredite ins Trudeln geraten war. Die Politik scheute die Abwicklung des angeschlagenen Bremer Geldinstitutes und hoffte durch die Fusion mit der damals schon lahmenden NORD/LB auf eine »Überraschung«. Die niedersächsische Landesbank, die zugleich Girozentrale für die Sparkassen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist, übernahm das Bremer Institut zu 100%. Aber auch die NORD/LB kämpft mit einem Berg von Schiffskrediten, die Reeder tendenziell nicht zurückzahlen können. Die Konsequenz dieser schlechten Fusion: jetzt wird für die NORD/LB eine weit größere Rettungsaktion notwendig.

Haupteigner der Bank mit Sitz in Hannover ist das Land Niedersachsen mit rund 60%, daneben ist auch Sachsen-Anhalt mit 6% am Eigenkapital engagiert. Über ihren Verband halten die Sparkassen in Niedersachsen 26%, sie schreiben den Buchwert ihrer Beteiligung an der angeschlagenen NORD/LB auf null ab. Dabei geht es um rund 400 Millionen Euro. Nach Informationen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) nehmen auch ihre Mitglieder komplette Abschreibungen vor. Der OSV vertritt unter anderem gut 20 Sparkassen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Sie halten Weiterlesen Wieder fällt eine Landesbank

Vladimiro Giacché: Die EU hat nichts aus den Fehlern der deutschen Währungsunion gelernt

Vladimiro Giacché: Die EU hat nichts aus den Fehlern der deutschen Währungsunion gelernt

von Daniele Pozzati

RT hat mit Volkswirt Dr. Vladimiro Giacché gesprochen, dem Leiter der italienischen Denkfabrik „Centro Europa Ricerche“ (CER). Dr. Giacché hat zwei Bücher veröffentlicht, „Anschluss“ und „Titanic Europa“, die ins Deutsche übersetzt wurden.

Was halten Sie vom andauernden Haushaltsstreit zwischen Rom und Brüssel? Keine Seite scheint nachgeben zu wollen. Ein gewisser Hochmut ist auf beiden Seiten spürbar. Wer hat eigentlich gute Karten dabei – und wer täuscht sich?

Ich glaube, dass im Fall einer Eskalation keine Seite gute Karten hätte: beide würden Nachteile erleiden. Was die Haltung der Streitenden betrifft, sollte man zwischen den Äußerungen für die Öffentlichkeit und den wirklichen Absichten unterscheiden. Ich glaube, dass von der italienischen Regierung letztlich bereits einige Schritte in Richtung „Deeskalation“ unternommen wurden. Man spricht von einer Veränderung des Haushaltsprojektes, sowohl im qualitativen Sinne (mehr Investitionen, weniger sonstige Kosten), als auch quantitativ (ein geringeres Defizit insgesamt). Dagegen sind die von Dijsselbloem im Interview mit dem Spiegel vorgebrachten Drohungen keine Hilfe. Das ist eigentlich nichts Neues von ihm. Vor einigen Monaten soll er in privaten Gesprächen mit Londoner Hedgefonds-Managern sogar gesagt haben: „We hope in markets.“ (Wir hoffen auf die Märkte.) Solche Spielchen sind gefährlich: Als Landwirt sollte Herr Dijsselbloem genau wissen, dass beim Herbeiführen eines Waldbrandes immer unklar ist, wie weit der Brand gehen wird. Zum Glück hat sich Juncker einmal ganz anders – und zwar sinnvoller – geäußert. Mal sehen…  Weiterlesen Vladimiro Giacché: Die EU hat nichts aus den Fehlern der deutschen Währungsunion gelernt

Vladimiro Giacché verweist auf die Ursprünge der Finanzkrise, die 2007 …

SchulzeVladimiro Giacché verweist auf die Ursprünge der Finanzkrise, die 2007 durch Überspekulation auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt ausbrach. Die Kapitalisten hätten auf sinkende Profitraten seit den 70ern mit der Ausweitung der Kreditvergabe reagiert. Dadurch sei es ihnen gelungen, die Kürzung der Einkommen für die Arbeiterklasse zu übertünchen und die Krise zeitlich rauszuschieben. Die Wachstumsraten in den kapitalistischen Volkswirtschaften wurden durch den Finanzsektor künstlich aufgebläht. Wir erleben das Ende einer Epoche: Das zinstragende Kapital kann nicht mehr für Wachstum sorgen, so Giacché.

Alleine in Europa sei eine Billion Euro für die Rettung von Banken ausgegeben worden. Die Krisenfolgen wurden auf die Bevölkerung abgewälzt. Doch Investoren und Konzerne hätten auf die Krise reagiert, indem sie die Spekulation ausweiteten. Unternehmen führten Aktienrückkäufe durch, um ihren Börsenwert zu steigern, der weltweite Wertpapierhandel habe sich seither verdreifacht, mit dem Resultat, dass die globale Staatsverschuldung das Wirtschaftswachstum deutlich übersteige. Giacché erklärt, es müsse einen Systemwechsel geben, um die Gesellschaft in ein höheres Stadium zu überführen, in dem die Produktionsmittel vergesellschaftet sind. (sz)

https://www.rosa-luxemburg-konferenz.de/de/konferenz-2019/berichte-2019/880-vladimiro-giacche-zeit-fr-den-systemwechsel

Im Reich der Gier

Was im Herbst 2008 an der Wall Street geschah, hatten die allermeisten Menschen bis dahin für unmöglich gehalten, schließlich hatte man ihnen jahrelang weisgemacht, dass etwas Derartiges schlichtweg nicht passieren könnte. Es war, als ob man dabei zuguckt, wie die Sonne, kurz nachdem sie am Horizont aufgeht, komplett aus ihrer Bahn trudelt und abstürzt. Die Menschheit sah fassungslos zu.

Die alten Griechen hatten einen Begriff für Augenblicke wie diesen: aporía – ein Zustand vollständiger Verblüffung und Ratlosigkeit, ein dringendes Bedürfnis nach einem neuen Erklärungsmodell für die Welt, in der wir leben. Der Crash von 2008 war ein solcher Moment. Plötzlich funktionierte die Welt nicht mehr nach den Regeln, die ein paar Wochen zuvor noch als selbstverständlich durchgegangen waren.

Es dauerte nicht lange, bis die Auswirkungen überall zu spüren waren. Gewissheiten, die auf der jahrzehntealten Denke des Establishments basierten, lösten sich in Luft auf, zusammen mit Vermögenswerten in Höhe von rund 40 Billionen US-Dollar weltweit und 14 Billionen US-Dollar an Vermögen privater Haushalte allein in den USA. Dort gingen 700.000 Arbeitsplätze pro Monat verloren, unzählige Hauskäufer mussten ihr Heim wieder aufgeben, weil sie ihren Kredit nicht bezahlen konnten; die Liste ist so lang, wie die Zahlen, die sie enthält, unfassbar sind. Sogar McDonald’s – wie krass ist das denn? – bekam von der Bank of America keinen Dispokredit mehr.

Diese kollektive Aporie wurde durch die Reaktion der Regierungen verstärkt, die beharrlich an neoliberaler Wirtschaftspolitik festgehalten hatten, der vielleicht letzten Ideologie des 20. Jahrhunderts: Billionen von Dollar, Euro oder Yen wurden in ein Finanzsystem gepumpt, das einige Monate zuvor noch wie am Schnürchen gelaufen war, fabelhafte Profite abgeworfen hatte und dessen Protagonisten von sich behauptet hatten, den sprichwörtlichen Topf mit Gold am Ende des Globalisierungs-Regenbogens gefunden zu haben. Als dieses Vorgehen sich als nicht ausreichend erwies, begannen unsere Premierminister und Präsidentinnen – Männer und Frauen mit tadellosen anti-etatistischen Referenzen – eine groß angelegte Verstaatlichung von Banken, Versicherungsunternehmen und Autoherstellern, die sogar Lenins Heldentaten von 1917 in den Schatten stellt.

Ein wanderndes Monster

Zehn Jahre später begleitet uns die Krise, die 2008 in der Wall Street begann, noch immer. Sie nimmt an unterschiedlichen Orten verschiedene Gestalten an, tritt in Ländern wie Griechenland als Große Depression, in Staaten wie Deutschland Weiterlesen Im Reich der Gier

Stehen wir vor einer neuen Finanzkrise?

18. Dezember 2018 Joachim Bischoff

Foto: flickr.com/Rafael Matsunaga (CC BY 2.0)

Die ehemalige amerikanische Notenbankchefin, Janet Yellen, hat Mitte Dezember 2018 vor der Gefahr einer neuen Finanzkrise gewarnt. Grund dafür sei die derzeit vorangetriebene Deregulierung des Finanzsektors.

»Ich denke, die Dinge haben sich gebessert – aber dann denke ich wieder, dass es gigantische Löcher im System gibt«, sagte die ehemalige Fed-Chefin dem Sender CNBC. »Die Werkzeuge, um mit aufkommenden Problemen umzugehen, sind in den Vereinigten Staaten nicht großartig.« Sie sei insbesondere besorgt über die hohen Schulden von Unternehmen. Amerikanische Unternehmen seien zur Zeit mit 9,1 Bio. US-Dollar verschuldet. 2007, ein Jahr vor der Finanzkrise, lag die Unternehmensverschuldung bei lediglich 4,9 Bio. US-Dollar. 

»Die Unternehmensverschuldung ist derzeit ziemlich hoch – und ich denke, die Gefahr besteht, dass wenn etwas anderes einen Abschwung verursacht, diese Schulden den Abschwung verlängern und für viele Unternehmenspleiten außerhalb des Finanzsektors sorgen könnten«, sagte die Ökonomin.

Die Beunruhigung über die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten teilt auch Claudio Borio von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). »Die Marktanspannungen im vergangenen Quartal waren kein isoliertes Ereignis.« Mehr noch: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten – auch an den Wertpapierbörsen der letzten Monate – sind ein deutliches Warnsignal. Die US-Aktienindizes haben ihre Talfahrt der letzten Wochen fortgesetzt und sind auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2017 zurückgefallen.

Was steht hinter der Nervosität?

Zum einen bewegt sich die Kapitalakkumulation in der Spätphase des laufenden Konjunkturzyklus und es herrscht wenig Optimismus, ob der allfällige Periodenwechsel wirtschaftspolitisch moderiert werden kann. Daran, dass der laufende Wirtschafts- oder Konjunkturzyklus in die Endrunde eingebogen ist, gibt es wenig Zweifel. Zum anderen änderte sich die Wahrnehmung des geldpolitischen Kurses der Federal Reserve. Wird die amerikanische Notenbank Weiterlesen Stehen wir vor einer neuen Finanzkrise?

Chance vertan

PUBLIKATIONKapitalismusanalyse – Globalisierung – Europa / EU – EurokriseChance vertan

https://www.rosalux.de/publikation/id/39182/chance-vertan/

Zehn Jahre Finanzkrise und Regulierung der Finanzmärkte – Eine Bilanz. Analyse von Axel Troost und Rainald Ötsch

REIHE

Analysen

AUTOR/INNEN

Axel Troost, Rainald Ötsch

ERSCHIENEN

August 2018

BESTELLHINWEIS

Bestellbar

Zugeordnete Dateien

Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 markierte den Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise, die im Anschluss vollends auf deutsche Banken übergriff. Nur durch milliardenschwere Bankenrettungsschirme und Konjunkturprogramme konnte ein Absturz der Weltwirtschaft verhindert werden. Während bei öffentlichen Leistungen seit Jahren der Mangel regiert und Zukunftsaufgaben wie Bildung oder Umwelt- und Klimaschutz viel zu kurz kommen, waren plötzlich Unsummen vorhanden, um Banken zu stützen, die von hochbezahlten Manager_innen mit spekulativen Geschäften gegen die Wand gefahren worden waren.

Nachdem sich Weiterlesen Chance vertan