» Chancengleichheit ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht Umverteilung.« Wirklich? Mythen zur sozialen Lage

, Teil VIII

Sind die »Armen« in Deutschland gar nicht arm? Ist Ungleichheit »leistungsgerecht«? Fehlt es Deutschland bloß an Chancengleichheit? Dass Einkommen und Vermögen hierzulande krass ungleich verteilt sind, ist allgemein bekannt. Aber wie läuft die Debatte? Wir haben uns einige der gängigen Rechtfertigungen für die bestehende Ungleichheit und Lösungsargumente angesehen. Eine »Oxi«-Serie.


»Chancengleichheit ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht Umverteilung.« (»Süddeutsche Zeitung«)

Was wird gesagt?

In Deutschland sind die Möglichkeiten zum beruflichen Aufstieg unterschiedlich verteilt. Die »soziale Mobilität« ist gering, das bedeutet: Wer aus reichem Hause kommt, bleibt meist Teil der Oberschicht. Wer aus armem Hause kommt, bleibt unten. Das ist ungerecht. Um mehr Gerechtigkeit zu schaffen, muss daher die Chancengleichheit erhöht werden. »Die Selbstverpflichtung zu eigenen Leistungen und damit zu mehr Selbstverantwortung ist Grundbedingung der Solidarität. Chancengleichheit hat deshalb Vorrang vor Ergebnis- bzw. Verteilungsgleichheit (…) Das wichtigste Betätigungsfeld des Staates liegt in der Schaffung von Chancengleichheit.«

Was ist dran?

Tatsächlich sind die Chancen in Deutschland ungleich verteilt, und die soziale Mobilität ist gering. Mehr Chancengleichheit würde den Benachteiligten bessere Möglichkeiten zum Aufstieg gewähren. Chancengleichheit wird daher uneingeschränkt positiv bewertet – so wie Freiheit, Gerechtigkeit und Umweltschutz. Aber was kann Chancengleichheit wirklich bewirken?

Erstens geht es bei dem Plädoyer für Chancengleichheit – zuweilen auch »Chancengerechtigkeit« genannt – nie um die Gleichheit des Marktergebnisses, also der Einkommens- oder der Vermögensverteilung, sondern immer nur um die Gleichheit/Gerechtigkeit der Ausgangsbedingungen. Chancengleichheit bedeutet schlicht: Jede und jeder soll die gleiche oder zumindest eine »gerechte« Möglichkeit haben, an der Konkurrenz teilzunehmen.

Zweitens wird zuweilen angenommen Weiterlesen » Chancengleichheit ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht Umverteilung.« Wirklich? Mythen zur sozialen Lage

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