Ehrenamt: mit Vorsicht zu genießen

Juli 31, 2021

Zu: Silke van Dyk, Tine Haubner, Community-Kapitalismus, Hamburg (Hamburger Edition) 2021
WiC-Blogpost Nummer 48

Ich bin gern ehrenamtlich tätig. Als Freiwillige muss ich keine Befehle ausführen, sondern kann nach Lust und Laune Neues in die Welt bringen: konspirative Treffpunkte für die Frauen aus zahllosen Ländern zum Beispiel, die alle in meinem Dorf zuhause sind. 

Das Ehrenamt kann aber auch zum Ärgernis werden, zum Beispiel wenn es sich plötzlich anfühlt, als hätte ich mit großem zeitlichem Einsatz ein Menü für zwanzig hungrige Leute gekocht, nur um dann festzustellen, dass mein Engagement untergeht in einem allgemeinen Lobgesang auf „Gemeinschaft“. Ob solcher Verschleierung unbezahlter, aber durchaus messbarer Care-Leistungen wird eine am besten „unbequem und laut“ (161). Denn schließlich haben wir engagierten Rentnerinnen und Rentner keineswegs die Absicht, für ein paar Dankesworte und eine herablassende „Aufwandsentschädigung“ die notorischen Kostenminimierungen des Sozialamts zu unterstützen, wenn wir zusätzlich zu den erkämpften Rechten von Migrant*innen unsere und ihre politische Wachsamkeit stärken, indem wir zum Beispiel interkulturelle Gesprächsrunden organisieren.

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