Clickworker aller Länder …

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Sabine Nuss

Wer einmal eine Weile damit zugebracht hat, bei Amazons Mechanical Turk »menschliche Intelligenzaufgaben« zu lösen, reibt sich die Augen: Warum wird so ein Hype um künstliche Intelligenz (KI) und Roboter gemacht? Letztere sollen ja angeblich unsere Jobs übernehmen, uns überflüssig machen. Man hört bereits den metallischen Klang der Schritte neuer Maschinenstürmer; Industriearbeiterinnen, die den Roboter sabotieren, Fachangestellte, die dem Computer den Stecker ziehen. Aber so weit ist es noch nicht.

Der Mechanical Turk gehört zum Reich des Internetgiganten Amazon und ist ein Paradebeispiel für das, was »Gig Economy« genannt wird – vom englischen Wort für den »kurzen Auftritt«. Auf dem virtuellen Marktplatz werden nicht Verkäufer und Käufer von Kleidern, Fahrrädern oder Konzertkarten zusammengebracht, sondern bei MTurk finden sich die Verkäufer und Käufer von Arbeitskraft. Vermittelt werden »Human Intelligence Tasks«, kleine Aufgaben. Ein HIT kann alles Mögliche beinhalten: Kassenzettel abtippen (man weiß nicht, wofür), Umfragen beantworten (über »Upcycling-Lebensmittel«, was immer das ist), die Qualität von Audioaufnahmen beurteilen, Gesten in Webkameras machen und so weiter. Vielen dieser Aufgaben merkt man sofort an: Hier sollen tonnenweise Daten gesammelt werden, damit Algorithmen trainiert werden können. Der Mensch als Lernhilfe für künstliche Intelligenz.

Weltweit existieren über 2.000 Weiterlesen Clickworker aller Länder …

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Die Widersprüche der Digitalisierung und die Frage: Wie wollen wir leben?

Eine Debatte anzetteln

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Tom Strohschneider

Vor ein paar Tagen forderte die Weltbank, »die Arbeitsmarktpolitik, die Besteuerung und die soziale Absicherung« in Europa zu reformieren, »um gefährdete Beschäftigte besser zu schützen und der steigenden Ungleichheit entgegenzuwirken«. Die EU-Staaten seien »unzureichend auf den digitalen Wandel« vorbereitet, hieß es in Berichten über eine entsprechende Studie, die nicht allzu viele Schlagzeilen machte – weil es von ihrer Art inzwischen Aberdutzende gibt.

Wie ist die Lage? Die immer tiefere Durchdringung von Produktion, Alltag und Kommunikation durch digitale Anwendungen reißt neue gesellschaftliche Gräben auf, betrifft bisher einigermaßen »sichere« soziale Milieus, entwertet Lebens- und Berufserfahrungen, sägt an den politischen Hebeln nationalstaatlicher Markteinbettung, schaffte neue Verteilungsprobleme und Ungleichheiten. Wo in Weltregionen, die sich bisher an der Spitze der ökonomischen Entwicklung sahen, das Aufstiegsversprechen für einen wachsenden Teil der Bevölkerung nicht mehr gilt, erodiert auch die Legitimation der real existierenden ökonomischen und politischen Verhältnisse. Helfen die Vorschläge der Weltbank dagegen? Man kann das positiv sehen: Auf dem mühsamen Weg der Erkenntnis muss schon ein Stück geschafft worden sein, wenn eine solche Institution eine universelle Grundsicherung für alle Beschäftigungsverhältnisse, mehr Chancengleichheit durch verbesserten Zugang zur (Aus-)Bildung in digitalen Fertigkeiten sowie Weiterlesen Die Widersprüche der Digitalisierung und die Frage: Wie wollen wir leben?

Anke Domscheit-Berg (MdB für Die Linke) – Jung & Naiv: Folge 347 #34c3

Der Bundestag hat jede Menge neue Mitglieder. Eine neue Abgeordnete ist Anke Domscheit-Berg. Sie ist zwar nicht Parteimitglied, aber sitzt für Die Linke im Parlament. Wie das geht, erklärt sie im Interview. Wir treffen Anke auf dem 34. Chaos Communication Congress: Tilo will wissen, warum sie da ist und wofür sie sich interessiert. Was haben die neuen digitalen Gesellschaftsentwicklungen in China auf sich? Droht uns das auch bald in Deutschland? Warum fühlt sich Anke mehr und mehr an ihre Zeit in der DDR erinnert? Wie und warum wollte die Stasi sie als „inoffizielle Mitarbeiterin“ gewinnen? Welche Argumente gibt es gegen staatliche Überwachung? Was findet sie an gesichtserkennenden Kameras so schlimm? Und mit welchen teils absurden Regeln muss sich Anke im Plenarsaal des Bundestags erst noch anfreunden?

Das und vieles, vieles mehr in der 347. Folge – wir haben sie am 29. Dezember 2017 in Leipzig beim 34c3 aufgenommen.

Links:

– Homepage http://ankedomscheitberg.de/

– MdB https://www.bundestag.de/abgeordnete/…

– Twitter https://twitter.com/anked

– Facebook https://www.facebook.com/AnkeDomschei…

Zu kurz gegriffen

http://www.jungewelt.de/m/2015/11-19/043.php
Feuilleton / Tobias Bevc / 19.11.2015
Leiterplatten (o.) sind die materielle Grundlage für den von Fra…

Mike Blake / Reuters
Die Art und Weise der Indienstnahme von Technik hängt von der Gesellschaft ab, in der sie verwendet wird. Der Philosoph Walter Benjamin war der Ansicht, dass ihre emanzipatorische Indienstnahme allein im Kommunismus möglich sei. Der Sammelband »Technologischer Totalitarismus« bündelt die Beiträge der Debatte über die Digitalisierung aller Lebensbereiche im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
In der von dem verstorbenen Mitherausgeber Frank Schirrmacher angestoßenen Diskussion geht es um die Zukunft der Freiheit und Autonomie des Menschen unter den radikal veränderten Kommunikationsbedingungen eines digitalen Kapitalismus. Während einige Beiträge nur um Google und dessen marktbeherrschende Position kreisen, diskutieren andere die gesellschaftlichen Folgen der neuen Kommunikationstechnologien. Leider überwiegen liberale Positionen, die glauben, die Probleme rund um Überwachung, Monopolmacht, prekäre Beschäftigung und der damit verbundenen Gefährdung der Demokratie ließen sich mit Hilfe der Selbstregulierungskräfte des freien Marktes lösen. Weiterlesen Zu kurz gegriffen

Der 6-Stunden-Tag passt in die digitale Arbeitswelt

http://www.linksfraktion.de/kolumne/6-stunden-tag-passt-digitale-arbeitswelt/

Von Dietmar Bartsch, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Die Digitalisierung ist die Zukunft. Sie ist nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken, bietet viele Chancen und birgt doch einige Risiken in sich. Selbstverständlich wird die Digitalisierung auch die Erwerbsarbeitswelt verändern. Sie tut es bereits. Wir LINKEN betonen gern die Chancen von gesellschaftlichem Fortschritt. Digitalisierung richtig gemacht bietet viele Vorteile: Die Produktion könnte ökologisch und dezentralisiert gestaltet werden, Erwerbsarbeit weniger entfremdet sein. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wäre zu verbessern, Wissen und Information viel mehr Menschen unzensiert zur Verfügung zu stellen. Besitzen könnte weniger wichtig werden als Teilen.
Doch derzeit geht die Entwicklung zunehmend in eine andere Richtung. Der Kapitalismus nutzt die Digitalisierung für seine Interessen. Fast alles wird unter dem Gesichtspunkt der Effizienzsteigerung von Unternehmen und Profit betrachtet. Daten werden gesammelt, um möglichst großen Profit daraus zu ziehen. Algorithmen bestimmen zunehmend unser Leben, ohne dass wir nachvollziehen können, wie sie konkret funktionieren. Für viele Menschen verschwindet die Grenze zwischen Erwerbsarbeit und Freizeit, weil sie ständig online sind und auch am Wochenende und am Abend Mails beantworten. Sie haben keinen 8-Stunden-Tag.
Die Forderung nach einem 8-Stunden-Tag ist eine der ältesten Forderungen der Arbeiterbewegung. Robert Owen stand für die 3 in 1 Perspektive: 8 Stunden arbeiten, 8 Stunden schlafen und 8 Stunden Freizeit und Erholung. Die Forderung nach einem 8-Stunden-Tag stand im Eisenacher Programm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Gesetzlich festgeschrieben wurde der 8-Stunden-Tag in Deutschland 1918. Und im Jahr 2015 kommen die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, daher und denken laut über eine Ausdehnung der Arbeitszeit auf 10 Stunden nach. Zur Begründung führt Schweitzer die Digitalisierung der Arbeitswelt an.
Wie absurd ist das denn? Da scheint jemand schnurstracks in die Vergangenheit zu wollen. Die Digitalisierung verlangt nicht nach einer Ausweitung der Erwerbsarbeitszeit, sie verlangt das Gegenteil. DIE LINKE versperrt sich nicht einer flexibleren Gestaltung der Erwerbsarbeitszeit zum Beispiel über Konten zur Lebensarbeitszeit, zur Monats- oder Wochenarbeitszeit. Während Bundesarbeitsministerin Nahles einen Diskussionsprozess „Arbeiten 4.0“ anschiebt, versucht der Präsident des DIHK, anachronistische Forderungen hoffähig zu machen. Es sind dies Forderungen zu Gunsten der Unternehmen und zu Lasten der Erwerbsarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer. Es sind Klassenkampfforderungen.
Natürlich verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt. Auf eine Kleine Anfrage der Grünen hat die Bundesregierung mitgeteilt, dass in den 91.000 Unternehmen der digitalen Wirtschaft mehr als 1 Millionen Beschäftigte arbeiten. Der Anteil der digitalen Wirtschaft an der gewerblichen Wertschöpfung beträgt 4,7 Prozent – das liegt gleichauf mit dem Automobilbau. In der Antwort der Bundesregierung heißt es weiter, dass die digitalen Technologien neue Arbeitsplätze schaffen, auf der anderen Seite aber durch Rationalisierung und Automatisierung eben solche wegfallen. Die Bundesregierung meint: „Der Saldo aus neu entstehenden und wegfallenden Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung ist wegen der Vielzahl von Einflussfaktoren und aufgrund der Schwierigkeiten der Konstruktion einer kontrafaktischen Entwicklung nur unter bestimmten Bedingungen abschätzbar.“ In der Wissenschaft ist ein Streit entbrannt, in welchem Umfang Erwerbsarbeitsplätze wegfallen werden. Auf der einen Seite stehen Osborne/Frey mit ihrer Studie, nach der bis zu 47 Prozent der derzeitigen Erwerbsarbeitsplätze wegfallen könnten 1). Auch Brynjolfsson/McAffee teilen weitgehend diese These 2). Andere sehen eher die Option, dass Erwerbsarbeitsplätze geschaffen werden 3). Politik muss auf die neuen Entwicklungen antworten, aber die Antwort kann eben nicht ein 10-Stunden-Arbeitstag sein, sondern muss eher in Richtung 6-Stunden-Arbeitstag gehen.
DIE LINKE streitet aber nicht nur für eine Verringerung der täglichen Arbeitszeit. Natürlich würde es uns freuen, wenn im Jahr 2018 der 8-Stunden-Arbeitstag keinen hundertsten Geburtstag feiert, aber der 6-Stunden-Arbeitstag eingeführt wird. DIE LINKE setzt sich für Erwerbsarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer ein, hat aber auch die so genannten Crowdworker, die sich auf diversen Plattformen um meist schlecht bezahlte Aufträge “prügeln”, im Blick. Für sie gibt es keinen 8-Stunden-Tag, und sie fallen nicht unter den schon zu gering ausfallenden Mindestlohn. Aber auch sie sollen Mindeststandards für ihre Erwerbstätigkeit haben. Warum denken wir nicht mal über ein Mindesthonorar nach?
1) http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf

2) http://blogs.faz.net/fazit/2014/02/10/nimmt-die-uns-die-arbeit-weg-3511/

3) http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/industrie-4-0-digitalisierung-schafft-390-000-neue-jobs/11611810.html