Digitalisierung als Distributivkraft Über das Neue am digitalen Kapitalismus

Über das Neue am digitalen Kapitalismus

Buchcover: Buch: Digitalisierung als Distributivkraft.

Mein neues Buch „Digitalisierung als Distributivkraft. Über das Neue am digitalen Kapitalismus“ ist am 19.04.2021 in Open Access erschienen.

Gesellschaft und gesellschaftlicher Wandel sind und waren noch nie ohne ihre technischen Grundlagen, technologischen Realitäten und ihren Technikeinsatz zu verstehen, ebenso wenig wie Gesellschaft und Technik – vor allem in ihrem Wandel – ohne die ökonomischen Zusammenhänge, mit denen und durch die sie sich entwickeln. Wie Arbeit, Produktion und Leben sich gestalten, was sie uns ermöglichen und wie sich das individuell und kollektiv anfühlt – das ist ohne das alles verbindende Netz von Wirtschaft und Markt nicht zu durchschauen. Ob sich all dies – möglicherweise fundamental – ändert und wir uns am Anfang oder mitten in einem Prozess der Transformation oder Disruption befinden, diskutieren wir seit Jahren. Dieses Buch versucht – theoretisch startend bei Polanyi und Marx – eine etwas andere Analyse des digitalen Kapitalismus.

Dieses Buch folgt nicht dem üblichen Dreischritt – Technikentwicklung entfacht Wirtschaftsdynamik mit wiederum gesellschaftlichen Folgen. Dieses Buch schlägt keine weitere, an technischen Artefakten festgemachte Phaseneinteilung – von der Agrarwirtschaft bis zur Datenökonomie, von der Dampfmaschine zum Internet der Dinge, vom Buchdruck zu Social Media – vor. Und dieses Buch will auch keine von der Technik inspirierte Metapher – sei es das Netzwerk oder der Algorithmus – zum neuen Gesellschaftsbegriff erheben. All das gibt es, all das sind wichtige und wertvolle Debattenbeiträge.

Das Buch wagt einen Blick hinter die Phänomene der Digitalisierung (ohne dabei die Realitäten der Technik zu vernachlässigen) und entwickelt eine analytische Perspektive, die Technikentwicklung, ökonomische Logik und gesellschaftliche Dynamik gemeinsam statt als sequenzielle Abfolge betrachtet.
Der zentrale Begriff der Analyse des digitalen Kapitalismus bildet dabei die Distributivkraft als Analogie zum Marx’schen Begriff der Produktivkraft.

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Damit das Interesse am Buch nur abhängt vom Inhalt und nicht vom individuellen oder institutionellen Geldbeutel ist es in Open Accesskomplett frei zugänglich. Wer gerne das Buch noch haptisch erlebt und auch einmal in etwas anderes blicken will als in Bildschirme, kann natürlich auch eine Printausgabe für 29 EUR erwerben.

E-Book (PDF, Open Access)

Pfeiffer, Sabine: 
Digitalisierung als Distributivkraft. Über das Neue am digitalen Kapitalismus 
Erscheinungsdatum: 19.04.2021. 
Verlag: transcript Verlag. 
E-Book (PDF), 322 Seiten. 
PDF ISBN-13: 978-3-8394-5422-0
Open Access.

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E-Book (EPUB, Open Access)

Pfeiffer, Sabine: 
Digitalisierung als Distributivkraft. Über das Neue am digitalen Kapitalismus 
Erscheinungsdatum: 19.04.2021. 
Verlag: transcript Verlag. 
E-Book (PDF), 322 Seiten. 
EPUB ISBN-13: 978-3-7328-5422-6
Open Access.

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Printausgabe

Pfeiffer, Sabine: 
Digitalisierung als Distributivkraft. Über das Neue am digitalen Kapitalismus 
Erscheinungsdatum: 19.04.2021. 
Verlag: transcript Verlag. 
Taschenbuch, 322 Seiten. 
Print-ISBN-13: 978-3-8376-5422-6
Preis: 29 Euro.

Printausgabe erwerben.

Nehmen uns Roboter die Arbeit weg? Wer diese Frage stellt, missversteht die Digitalisierung – sie ist keine industrielle Revolution mit anderen Mitteln. Sabine Pfeiffer sucht nach dem wirklich Neuen hinter der Digitalisierung und dem digitalen Kapitalismus. Sie stellt in ihrer Analyse dem Marx‘schen Begriff der Produktivkraft die Idee der Distributivkraft zur Seite. Von der Plattformökonomie bis zur künstlichen Intelligenz wird damit verstehbar: Es geht immer weniger um die effiziente Produktion von Werten, sondern vielmehr um deren schnelle, risikolose und auf Dauer gesicherte Realisierung auf den Märkten. Neben der Untersuchung dieser Dynamik und ihrer Folgen wird auch diskutiert, warum die Digitalisierung als Distributivkraft zu einer ökologischen Destruktivkraft zu werden droht.

(Klappentext)

CC BY 4.0

Dieses Werk ist lizenziert unter Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0).
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

Digitale Verwaltung Kontrolle unmöglich

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/digitale-verwaltung-kontrolle-unmoeglich-1.3038572

In der Offline-Welt füllt der Steuerzahler die Formulare mit dem Stift aus und bekommt den Bescheid per Post.
(Foto: Thomas Lehmann/dpa)

Das Finanzamt wird modern, soweit so gut. Allerdings scheint die Behörde von der Digitalisierung überfordert zu sein: Sie kann nicht nachweisen, dass der Bescheid per E-Mail auch wirklich beim Steuerzahler ankam.
Von Guido Bohsem, Berlin

Es sieht nicht gut aus für die deutsche Verwaltung. In Europa belegt sie in Sachen Digitalisierung lediglich Platz 19, hinter Italien und vor Zypern. Der Normenkontrollrat hat sie gerade eben heftig kritisiert. Grund: Der Unterschied zwischen dem, was Wirtschaft und Bürger im Alltag als digitale Dienstleistung gewohnt seien und dem, was die Ämter und Behörden ihnen böten, sei enorm und werde immer größer.
Im Finanzministerium konnte man gelassen reagieren. Die Finanzverwaltung wähnt sich beim E-Government weiter als andere Behörden. Und überhaupt, mit dem „Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“ hatte man doch gerade die Grundlage für die elektronische Zukunft der Finanzämter gelegt.
Mag sein. Doch gerade dieses Gesetz zeigt nun sehr deutlich, dass auch in der schönen neuen Welt der vernetzten Verwaltung und interaktiven Bürger das ein oder andere nicht richtig funktioniert. So hatten sich die Finanzbeamten überlegt, künftig die Mitteilungen an den Steuerzahler elektronisch zu verbreiten. Zum Beispiel den Einkommensteuerbescheid, in dem das Finanzamt mitteilt, ob man durch seine Steuererklärung Geld zurück-bekommt oder noch was zahlen muss.
Im nicht-digitalen Leben verschickt das Finanzamt seine Briefe mit der Post und geht davon aus, dass sie den Adressaten innerhalb von drei Tagen erreicht hat. Danach, so heißt es in der Fachsprache, gilt der Verwaltungsakt als bekannt gegeben. Der Steuerpflichtige gilt also nach drei Tagen als informiert. Zugangsfiktion, heißt das in der Fachsprache. Im Zweifel hat die Behörde den Zugang der Benachrichtigung nachzuweisen.
Wie soll die Behörde dem Bürger nachweisen, dass die E-Mail auch angekommen ist?
Genau so soll es auch in der digitalen Welt sein: Der Bürger erhält eine E-Mail und kann den Bescheid dann abrufen. So weit, so modern, so einfach. Als Termin gelten entweder der Zeitpunkt, zu dem die Mail gesendet wurde. Ober aber das Datum, an dem Weiterlesen Digitale Verwaltung Kontrolle unmöglich

Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse im digitalen Kapitalismus

http://www.zeitschrift-luxemburg.de/kollektive-kreativitaet/
| KOLLEKTIVE KREATIVITÄT
Die Debatte um Industrie4.0 und das neue Maschinenzeitalter wird meist technizistisch verkürzt geführt. In sozio-technischen Systemen ist nach wie vor menschliche Arbeit die wichtigste Produktivkraft. Ihre Stellung verändert sich jedoch. Marx erahnte in Grundrisse eine Entwicklung, in der der Arbeiter »neben den Produktionsprozess« tritt, »statt sein Hauptagent zu sein« (MEW 42, 601). Er wird zum »Wächter und Regulator« (ebd.).Dies ist ein Prozess der spätestens mit der Entwicklung der Produktivkräfte, veränderter Arbeitsorganisationen und de Transnationalisierung der Produktion seit den 1970er Jahren begann. Er führte zu einer Umwälzung von Arbeitsformen und Tätigkeiten, der Entwicklung neuer Berufe und Branchen, sowie zur Bildung neuer Gruppen von Beschäftigten. Zentral dabei ist: Die Restrukturierung des Verhältnisses von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen im informationellen Kapitalismus macht der fordistischen Zurichtung zum ›dressierten Gorilla‹ (Gramsci, Gef.7, 1499f) als Anhängsel der Maschine ein Ende, setzt stärker auf die Produktionsintelligenz, das informelle Erfahrungswissen, die Kreativität und selbst die Emotionalität der unmittelbaren Produzenten: „Der Arbeiter rückt auf strategischen Posten«(PAQ 1980, 87).
Mit der Debatte um Industrie4.0 und das neue Maschinenzeitalter rückt dieser zentrale Aspekt – die Entwicklung menschlicher Arbeitskraft – aus dem Blick. Produktivkraftentwicklung wird auf die Maschine reduziert und der (Alb-)Traum einer automatischen Fabrik wieder aktualisiert. Tatsächlich verlagern sich die Kosten der Produktion von der Fertigung zur Entwicklung, von der Hardware- zur Software-Produktion, von der industriellen Produktion zu ›Dienstleistungen‹. Die Software, zwischen Maschine und Arbeitenden positioniert, avanciert zum »dominierenden Arbeits- und Produktionsmittel« (Müller 2010, 33). Die Rationalisierung der Arbeit umfasst dabei zunehmen nicht nur Bewegungstätigkeiten, sondern breitet sich in unzählige Bereiche der gesellschaftlichen Produktion aus, erobert v.a. die Büros, bis hin zu intellektuell-kreativer Arbeit. Darin werden allerdings zahlreiche Widersprüche zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen auf neuer, veränderter Basis reproduziert.
Repositionierung des Wissens
Mit der Repositionierung des Wissens und der Subjektivität seit den Anfängen der Automation (vgl. PAQ 1975, 159ff) sowie dem zentralen Produktionsmittel Computer ist eine erweiterte relative Autonomie der Beschäftigten im Arbeitsprozess verbunden. Je höher der Grad an Verwissenschaftlichung der Tätigkeiten, je eher die Tätigkeit auf dem eigenen Computer erbracht wird, desto schwieriger wird es für die Unternehmen eine direkte Kontrolle über den Arbeitsprozess aufrechtzuerhalten. Weiterlesen Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse im digitalen Kapitalismus