Corona-Politiker Karl Lauterbach im Porträt: Viel Pfeffer, kein Salz

taz.de

 

Simone Schmollack 17-21 Minuten


Karl Lauterbach

Foto: Anja Weber

Dieser Sozialdemokrat ist omnipräsent. Karl Lauterbach spricht auf allen Kanälen und kennt derzeit nur ein Thema: die Pandemie. Soll man auf ihn hören?

Karl Lauterbach ist sauer. Um das zu zeigen, muss der Mann nicht schimpfen und schäumen. Dafür reichen zwei Wörter: „verlorene Gelegenheit“. Gelegenheiten sollten nicht verloren gehen, findet der SPD-Politiker. So etwas darf schon gar nicht während einer Pandemie, wie wir sie gerade erleben, passieren.

Die „verlorene Gelegenheit“ ist für den 56-jährigen sozialdemokratischen Bundestagsabgeordneten das Ergebnis des Coronagipfels von Bund und Ländern in der vergangenen Woche. Scharfer Lockdown, stärkere Einschränkungen im Privaten, Schulschließungen so wie im Frühjahr? Fehlanzeige. Dafür Appelle, Kontakte noch weiter zu reduzieren, ansonsten bleibt alles beim Alten.

Lauterbach sitzt in einem kargen Konferenzraum im nahezu menschenleeren Bundestag. Vor ihm auf dem Tisch eine Flasche Wasser, in seinem Gesicht eine Viren inaktivierende ­Livinguard-Maske, draußen die Dunkelheit eines Berliner Novemberabends. Es ist nicht so einfach, diesen Mann, den Twitter-User schon mal „Vollidiot“ nennen, in diesen Tagen zu treffen. Tagsüber der Job im Bundestag, Besprechungen mit der Kanzlerin, mit WissenschaftlerInnen. Nachts Studien lesen, auswerten, weitergeben. Nach dem Gespräch mit der taz wird er sich mit Christian Drosten treffen, dem – dank Corona – bekanntesten Virologen der Republik. „Ich habe es nicht eilig“, sagt Lauterbach. Doch je weiter der Abend voranschreitet, desto öfter gleitet sein Blick zur Wand auf eine Uhr.

Lauterbach spricht wie aufgezogen

Bevor er das mit der „verlorenen Gelegenheit“ noch mal genauer erklärt, holt er tief Luft und ruckelt an seiner Maske. Dann legt er los: hoher Inzidenzwert – jene Zahl, die besagt, wie viele Ansteckungen es in einer bestimmten Zeit gibt –, enorme Infektionsdunkelziffer, die Notwendigkeit, die Schulen am besten sofort wieder dicht zu machen. „Ansonsten brauchen wir, auch wenn wir so weitermachen wie bisher, noch einmal sechs bis sieben Wochen, bis sich etwas ändert.“ Das wäre dann im Januar. Und selbst danach könnten Bars, Restaurants, Hotels, Museen noch nicht wieder öffnen – weil es „dann wieder losgeht“.

Lauterbach spricht wie aufgezogen, die Sätze fallen förmlich aus seinem Mund, so, als hätte man ihn aus dem Tiefschlaf gerissen und die Infektionszahlen der vergangenen Wochen abgefragt. Corona – das ist Lauterbachs Thema, seit Monaten schon. Der Mann ist nicht nur Politiker, sondern auch Mediziner. Um genau zu sein: Epidemiologe, also jemand, der sich mit den Ursachen, der Verbreitung und den Folgen von Krankheiten beschäftigt. Wenn jemand – neben Sandra Ciesek, Christian Drosten, Hendrik Streeck und Weiterlesen Corona-Politiker Karl Lauterbach im Porträt: Viel Pfeffer, kein Salz

Kuba trotzt dem Virus!

Von Reinhard Renneberg, Merseburg

E-Mail aus Havanna! Ursprünglich wollte ich gerade jetzt auf Kuba unseren Herzinfarkt-Schnelltest landesweit ausprobieren helfen. Das Virus zwang mich leider zum Daheimbleiben …

Mein Kollege und Freund Gerardo Guillen Nieto, Chef des kubanischen Instituts für Biotechnologie und Gentechnik (CIGB) in Havanna, schickt mir deshalb fast täglich aktuelle Nachrichten. Zu Wochenbeginn betrug die Zahl der aktiven Fälle auf Kuba insgesamt 496, zwei davon kritisch krank, zwei schwer. Und von den gerade mal 52 neuen Fällen des Tages waren zwei eingeschleppt worden. Alle konzentrieren sich auf die vier Provinzen Pinar del Río, Ciego de Ávila, Sancti Spíritus und Havanna. 7349 Kubaner wurden seit dem 11. März 2010 infiziert, 130 davon verstarben. Und das bei einer Bevölkerung von über 13 Millionen Kubanern.

Die Kubaner sind sehr stolz auf ihr erfolgreiches Behandlungsschema und ihr beispielhaftes Gesundheitswesen: Sie benutzen eine Mischung aus den gentechnisch produzierten Interferonen alpha und gamma (siehe Biolumne vom 28./29. März 2020) für eine frühzeitige Behandlung. Weniger als vier Prozent der positiv Getesteten entwickelten daraufhin eine echte Erkrankung.

Das geheimnisvolle Peptid des Biotech-Instituts CIGB-258, genannt »Jusinza«, setzt man in den Intensivstationen gegen den tödlichen »Cytokin-Sturm« ein. Die hohe Todesrate bei der Grippe-Pandemie nach dem Ersten Weltkrieg unter jüngeren Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren unterschied sie fundamental von der saisonalen Grippe, die in erster Linie Säuglinge und alte Menschen gefährdet. Eine Erklärung dieses überraschenden Phänomens bei der Spanischen Grippe ist eben dieser Cytokin-Sturm.

Während einer Immunreaktion werden nämlich Cytokine gebildet, Botenstoffe, die weitere Immunzellen an den Ort der Entzündung locken und sie aktivieren. Darauf bilden diese ebenfalls Cytokine, um die Immunreaktion weiter zu verstärken. Normalerweise geht diese Immunreaktion wieder zurück, sobald das Virus (also das Antigen) nicht mehr vorhanden ist. Bei einem Cytokin-Sturm werden die Leukozyten so stark aktiviert, dass sich die Immunreaktion nicht wieder von selbst beruhigt. Es werden verschiedene Cytokine, Radikale und Gerinnungsfaktoren gebildet und Immunzellen sammeln sich am Ort der Entzündung. Das beeinträchtigt die Funktion des Lungengewebes, bis hin zum Organversagen. So auch bei den schweren Covid-19-Erkrankungen. In Kuba überlebten mehr als 85 Prozent der 200 behandelten Patienten dank der neuen Biotech-Therapien.

Zusätzliche Hoffnung gibt den Kubanern trotz der Krise auch, dass der benachbarte »Embargo-Präsident« nun bald das Weiße Haus räumen muss.

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Bisheriger Höchstwert Berlin meldet 22 Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden

ThemaCORONA-BLOG

Symbolbild: Ein Sarg wird aus einem Krankenhaus geschoben. (Quelle: dpa/L. Pavlicek)
Audio: rbb 88.8 | 17.11.2020 | Michael Ernst | Bild: dpa/L. Pavlicek

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie sind in Berlin mehr als zwanzig Menschen innerhalb eines Tages an oder mit Covid-19-Erkrankungen verstorben. Besonders viele der insgesamt 400 mit dem Virus infizierten Verstorbenen wohnten in Pflegeheimen.

In Berlin sind innerhalb von 24 Stunden 22 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet worden. Das ist der höchste Wert und Anstieg an einem Tag bei den Todesfällen seit Beginn der Pandemie.

Insgesamt meldeten die Berliner Gesundheitsämter am Dienstag 1.572 neue Corona-Fälle. Damit stieg die Gesamtzahl der Corona-Infizierten seit Beginn der Pandemie auf 50.606, wobei 30.940 als genesen gelten. Die Zahl der Corona-Toten erhöhte sich um die 22 auf 393, wie aus dem Lagebericht der Gesundheitsverwaltung hervorgeht.

Ein Drittel der Corona-Toten in Pflegeheimen

Rund ein Drittel aller Berliner Corona-Toten wurden von Pflegeheimen gemeldet. Das teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung am Dienstag dem rbb auf Anfrage mit. Insgesamt sind demnach 132 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen an Covid-19-Erkrankungen verstorben. In der ambulanten Pflege zählt die Senatsverwaltung bislang 19 Pflegebedürftige, die an oder mit Corona gestorben sind.

Von den insgesamt knapp 300 Pflegeheimen Berlins hatten seit Ausbruch der Pandemie knapp zwei Drittel bestätigte Corona-Fälle. Berlin hat gut 31.000 Plätze in Pflegeheimen. 1021 Bewohnerinnen und Bewohner dieser Heime haben sich in Berlin seit Ausbruch der Pandemie nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Fast die Hälfte davon sind aktuell an Corona erkrankt.

15 Corona-Tote in Lichtenberger Pflegeheim

Im Fall des aktuell von einem massiven Corona-Ausbruch betroffenen Pflegeheims in Berlin-Lichtenberg rechnet Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) für Mittwoch mit einem Bericht des zuständigen Amtsarztes. Es sei entscheidend zu schauen, warum es trotz Hygienevorgaben und Schutzkleidung zu einem Ausbruch dieses Ausmaßes gekommen sei, sagte Kalayci am Dienstag nach der Senatssitzung in Berlin. Ein, zwei Infektionen seien nie hundertprozentig zu verhindern. „Aber wie konnten sich solche Infektionen ausbreiten in dieser Form? Das ist ganz klar, dass da irgendwas schiefgelaufen ist.“ Bislang sind 15 Heimbewohner durch Covid-19-Erkrankungen verstorben.

Als „No-Go“ bezeichnete es die SPD-Politikerin, wenn Beschäftigte im Pflegeheim zum Arbeiten trotz Symptomen angehalten worden sein sollten – wovon sie gehört habe. „Wenn das stimmt, dass das der Fall war, dann muss ich sagen, ist es wirklich fahrlässig.“ Der Betreiber streite dies aber ab. Kalayci sagte, nach ihrer Einschätzung könnten menschliches Versagen und Betreiber, die das Thema Hygiene nicht so richtig ernst nähmen, zu solchen Ausbrüchen führen.

Die Senatorin kündigte an, dass in dieser Woche noch einmal FFP2-Schutzmasken an Pflegeheime verteilt würden – die Ausstattung damit sei aber eigentlich Aufgabe der Betreiber. Bund und Länder hatten sich am Montag darauf verständigt, Risikogruppen zeitnah mit FFP2-Masken auszustatten.

288 Patienten auf Intensivstationen

Derweil steht weiterhin eine der drei Berliner Corona-Ampeln auf Rot, nämlich die der sogenannten 7-Tage-Inzidenz. Sie liegt nunmehr bei 227 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen – und damit um 18 Prozent höher als vor einer Woche. Zum Vergleich: Der kritische Schwellenwert bei der 7-Tage-Inzidenz beträgt 50. Am höchsten ist der Wert in Berlin aktuell im Bezirk Mitte (379,5) gefolgt von Neukölln (328,5).

288 Covid-19-Patienten werden laut Lagebericht derzeit auf Intensivstationen versorgt. Das entspricht einer Auslastung der dortigen Betten mit dieser Art von Erkrankten von 23,2 Prozent. Bei Überschreiten der kritischen Marke von 25 Prozent würde diese Ampel von Gelb auf Rot wechseln.

Die dritte Ampel mit dem sogenannten R-Wert steht mit 1,02 auf Grün. Damit wird angezeigt, wie viele Menschen durchschnittlich von einem Erkrankten mit dem Virus angesteckt werden.

Sendung: Abendschau, 17.11.2020, 19:30 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Patienten müssen im Schockraum behandelt werden: Sittener Krankenhaus am Anschlag

In Sion (VS) zeigt sich, was es heisst, wenn ein Spital an seine Grenzen stösst. Erste Intensivpatienten müssen abgewiesen werden. Ärzte berichten von einem «ethischen Dilemma».

Anästhesieärztin Natalie Urwyler: «Alles, was wir hier machen, ist Symptombekämpfung.» (Sion, 23. Oktober 2020)

Anästhesieärztin Natalie Urwyler: «Alles, was wir hier machen, ist Symptombekämpfung.» (Sion, 23. Oktober 2020) 

Arnaud Péllissier / Spital Wallis Sion

Es sind die Augen, die Natalie Urwyler nie vergessen wird. Die Augen der Corona-Patienten, aus denen die Angst vor dem Tod spricht, wenn sie nach Luft ringen. Im Gegensatz zur ersten Welle werden die Kranken heute im Spital erst später beatmet. Man geht inzwischen davon aus, dass dieses Zuwarten die Heilungschancen fördert. So genau weiss es aber niemand.

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Lagebild des Krisenstabs: Auf diesen Daten basieren die Corona-Entscheidungen

Wir veröffentlichen das aktuelle Corona-Lagebild des Krisenstabs von Innen- und Gesundheitsministerium. Es zeigt kompakt, wie ernst die Lage ist.

Gegendemonstrant:innen bei einem „Querdenken“-Protest in Dortmund – 

Einer der häufigsten Vorwürfe an die Bundes- und Landesregierungen im Zuge der Corona-Krise derzeit ist die fehlende Transparenz in Bezug auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. So geben die Regierungen von Bund und Ländern zwar regelmäßig bekannt, welche neuen Regelungen es gibt – die genauen Grundlagen ihrer Entscheidungen bleiben aber oft verborgen.

Damit erweisen sich die Regierungen einen Bärendienst. Das Lagebild des Corona-Krisenstabs der Bundesregierung etwa, das zweimal wöchentlich erstellt wird und kompakt die aktuellen Zahlen in Bezug auf die Pandemie zusammenstellt, ist als „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Dabei ist es sehr sinnvoll, die Informationen der gesamten Öffentlichkeit bereitzustellen. Wir veröffentlichen an dieser Stelle das aktuelle Lagebild.

Die Lage ist ernst

Aus dem Lagebild, das das Innen- und das Gesundheitsministerium mit Unterstützung aus anderen Bundesressorts zusammenstellen, wird deutlich, wie ernst die Corona-Lage ist. Waren Lagebilder im Frühjahr in der Regel 13 Seiten lang, ist das aktuelle Lagebild mit 43 Seiten Weiterlesen Lagebild des Krisenstabs: Auf diesen Daten basieren die Corona-Entscheidungen

Pandemie-Vorsorge Weltbiodiversitätsrat fordert Strategiewechsel im Kampf gegen Viren

Junge Orang-Utans, die in die Fänge von Wilderern geraten sind

Junge Orang-Utans, die in die Fänge von Wilderern geraten sind

Foto: Wahyudi / AFP

Auf erschreckende Weise zeigt die Ausbreitung des Coronavirus, was passiert, wenn die Natur außer Kontrolle gerät. Als im vergangenen Dezember im chinesischen Wuhan die ersten Fälle einer rätselhaften Lungenkrankheit auftraten, ahnte noch niemand, das daraus eine weltweite Pandemie werden würde. Nach offiziellen Angaben ist das Virus auf einem Tiermarkt auf den Menschen übergegangen – aber noch immer fahnden Wissenschaftler nach den genauen Umständen. Corona hat die Welt kalt erwischt.

Manche Biologen und Virologen waren allerdings kaum überrascht. Seit Jahren hatten sie vor Krankheiten gewarnt, die von Tieren auf den Menschen übergehen und erhebliches Gefahrenpotenzial bergen. Im Kampf gegen solche sogenannten Zoonosen hat der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) nun ein Umdenken gefordert. Denn das Auftreten von Zoonosen ist kein Zufall. Die Ausbreitung werde vollständig durch menschliche Aktivitäten angetrieben, heißt es in einem nun veröffentlichten Bericht, an dem 22 führende Experten aus aller Welt beteiligt waren.

Das Coronovirus ist seit der Spanischen Grippe von 1918mindestens die sechste globale Gesundheitspandemie, die ihren Ursprung in der Tierwelt hat. Ungefähr 70 Prozent aller neu auftretenden Krankheiten sind Zoonosen – bekannte Beispiele sind Ebola, Zika oder das Nipah-Virus. Aber auch Influenza Weiterlesen Pandemie-Vorsorge Weltbiodiversitätsrat fordert Strategiewechsel im Kampf gegen Viren

Rechte Grundstimmung

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Teilnehmer einer rechten Kundgebung am Sonnabend auf den Stufen des Reichstagsgebäudes in Berlin

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats haben am Sonnabend in Berlin Zehntausende aus dem ganzen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland angereiste Menschen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie protestiert. Am Sonnabend nachmittag gelang es dabei Hunderten Faschisten, die zuvor eine vom »Reichsbürger« Rüdiger Hoffmann angemeldete Kundgebung vor dem Reichstag abgehalten hatten, die Absperrgitter zu überspringen und die nur schwach gesicherte Freitreppe des Parlamentsgebäudes mit ihren Fahnen zu besetzen. Zwar wurden sie schnell von der dann auch Pfefferspray einsetzenden Polizei vertrieben. Doch in rechten »sozialen Netzwerken« wurde der schon Tage zuvor angekündigte »Sturm auf den Reichstag« als Erfolg gefeiert.

Sonnabend mittag hatte die Polizei die Zahl der Demonstrierenden zunächst mit »mindestens 18.000« angegeben – nach allen Eindrücken vor Ort eine deutlich zu niedrig angesetzte Schätzung. Am Nachmittag sprach Polizeisprecher Thilo Cablitz schließlich von »mehreren zehntausend« Menschen auf der Straße des 17. Juni, wo die von der Stuttgarter Gruppe »Querdenken 711« angemeldete Kundgebung stattfand. Nach Polizeiangaben kam es am Nachmittag nach Stein- und Flaschenwürfen zu mindestens zwei Festnahmen. Zuletzt sprach die Polizei von bis zu 38.000 Teilnehmenden.

Kurz nach 14 Uhr war am Brandenburger Tor zu beobachten, wie in der Mitte des Pariser Platzes evangelikale Christen Lieder sangen. Auf T-Shirts stand »Christen im Widerstand« und »Jesus Christus Gottes Sohn Erretter«. Zwei, drei israelische Flaggen wurden geschwenkt. Wenige Meter weiter liefen einige NPD-Leute Richtung Unter den Linden. Sie trugen Schilder, auf denen mit »Unsere Freiheit ist unverhandelbar« für das Parteiblatt Deutsche Stimme geworben wurde. Am nördlichen Rand des Platzes hatte sich die Falun-Gong-Sekte mit einem Infostand plaziert und verkündete auf einem Plakat: »Das bösartigste Virus auf der Welt ist die Kommunistische Partei Chinas.« Auf der anderen Seite des Platzes, vor der US-Botschaft, wurde mit Sprechchören ein »Friedensvertrag« gefordert. Hier hatten sich ein paar hundert »Reichsbürger« versammelt, die schwarz-weiß-rote Fahnen und US-Flaggen mit sich führten. Eine ähnliche Kundgebung fand auch vor der russischen Botschaft statt, wo sich bis zu rund 3.000 »Reichsbürger« und Neonazis versammelten.

Am frühen Nachmittag strömten Menschen in Richtung der bereits gut gefüllten Straße des 17. Juni. Eben noch hatte die Polizei die Auflösung der Demonstration gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie auf der gesamten »Antretestrecke« – dem westlichen Teil der Straße Unter den Linden und der Friedrichstraße – angeordnet. Begründung: Die nach der Infektionsschutzverordnung vorgesehenen Mindestabstände wurden von den Teilnehmern »flächendeckend trotz wiederholter Aufforderung nicht eingehalten«.

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Da vom Brandenburger Tor her ständig Menschen Weiterlesen Rechte Grundstimmung

»Damit der Kapitalismus für alle Amerikaner funktioniert«

9. August 2020 Joachim Bischoff: Trump macht Wahlkampf mit Dekreten

Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben in den USA weiter fest im Griff. Seit Beginn der Pandemie sind mehr als 4,88 Mio. Infektionsfälle bestätigt worden und mehr als 160.000 Menschen ums Leben gekommen. Zuletzt starben mehr als 2.000 Menschen binnen 24 Stunden an den Folgen von Covid-19.

Das Infektionsgeschehen war in den USA zeitweilig zurückgegangen, dann aber wieder deutlich angestiegen. Expert*innen machen dafür eine vorschnelle Lockerung der Corona-Beschränkungen verantwortlich. US-Präsident Donald Trump drängt im Wahljahr 2020 auf eine rasche Rückkehr zur Normalität, um die Wirtschaft wieder zu beleben.

Trotz der leichten wirtschaftlichen Erholung in den USA ist die Lage am Arbeitsmarkt weiterhin sehr düster. In der Woche bis einschließlich 1. August etwa stellten rund 1,2 Mio. Menschen einen Neuantrag auf Arbeitslosenhilfe. Auch in den Vorwochen lag die Zahl der Neuanträge deutlich über einer Million.

Trotzdem waren landesweit immer noch 16,3 Mio. Menschen arbeitslos. »Die Verbesserungen am Arbeitsmarkt spiegeln die Wiederaufnahme der Wirtschaftsaktivität wider, die durch die Coronavirus-Pandemie – Covid-19 – und die Bemühungen zu ihrer Eindämmung begrenzt war«, erklärte die Behörde für Arbeitsmarktstatistik. Neueinstellungen gab es demnach unter anderem im Gastgewerbe, im Freizeitsektor, im Einzelhandel und im öffentlichen Dienst.

Der US-Arbeitsmarkt hat sich im Juli leicht erholt. Es wurden 1,763 Mio. Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie die Regierung mitteilte. Die ermittelte Arbeitslosenquote fiel auf 10,2% nach 11,1% im Juni. Damit wurde auf dem Arbeitsmarkt wieder Boden gut gemacht nach den Entlassungswellen, die in der Corona-Krise im Frühjahr Vollbeschäftigung in Massenarbeitslosigkeit umschlagen ließen.

Doch es geht aktuell langsamer  Weiterlesen »Damit der Kapitalismus für alle Amerikaner funktioniert«

Stirbt man AN oder MIT Corona? Molekularbiologe zerlegt Verharmloser

Stirbt man AN oder MIT Corona?

Der Molekularbiologe und Science Buster Martin Moder hat in einem sehenswerten Video einen komplizierten Sachverhalt einfach erklärt: Und die Frage beantwortet, ob die Menschen an oder mit Corona sterben. Denn die meisten Statistiken geben die Anzahl der Covid-19-Toten als diejenigen an, die verstorben sind und zuvor eine bestätigte Corona-Infektion hatten. Heißt das, die meisten sind nur MIT Corona gestorben? Nein, sonst könnte man auch behaupten, dass kaum ein Menschen jemals an HIV gestorben sei. Das ganze Video:

Hier liegt nämlich der Denkfehler begraben: Es geht nicht darum, ob ein Patient auch ohne Vorerkrankung an dem Virus gestorben wäre, sondern ob er ohne Vorerkrankung das Virus überlebt hätte. Moder, der das Video für den EU-Mythbusters-Wettbewerbgedreht hat, räumt mit einigen Fake News auf und Weiterlesen Stirbt man AN oder MIT Corona? Molekularbiologe zerlegt Verharmloser

Mit einem Experiment widerlegt diese Ärztin alle Masken-Verweigerer


Ärztin macht Experiment

Die Argumente der Masken-Verweigerer sind so mannigfaltig wie ihre Fantasie. Häufigste – und auf den ersten Blick plausibelste – Behauptung ist, dass man durch eine handelsübliche Atemmaske schlechter atmen könnte. Und sogar, dass das CO2 sich anstauen würde und es dadurch gesundheitsgefährdend werden könnte. Das ist natürlich Quatsch. Einen Fake in einem Kettenbrief dazu haben wir bereits hier widerlegt:

Und eine Ärztin hat uns hier bereits die wichtigsten Fakten und Mythen rund um Atemmasken aufgeschrieben:

Insbesondere in den USA verbreiten Masken-Verweigerer aber unbeirrt den Mythos, sie können mit Maske „nicht atmen“. Verknüpft wird diese Behauptung meistens auch noch mit der ebenso falschen Behauptung, dass Masken gar nicht dabei helfen würden, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Eine US-Ärztin hat in einem viralen Facebook-Post jetzt mit beiden Mythen aufgeräumt und ein kleines Experiment gestartet

Viraler Post der Ärztin*

„Hallo Freunde! Ich habe zahlreiche Beiträge gesehen und gehört, wie sich die Leute beschwerten, dass sie „mit einer Maske nicht atmen können“ oder dass sie keine Maske tragen wollen, weil „der Sauerstoffgehalt beim Tragen einer Maske dramatisch abnimmt“. Auch „eine Maske schützt nicht davor, das Virus einzuatmen“, aber im gleichen Satz argumentieren sie, dass sie keine Maske tragen werden, weil sie „ihr ausgeatmetes Kohlendioxid wieder einatmen“.

Ich bin mir nicht sicher, wie diese Theorie überhaupt einen Sinn ergeben kann; wenn Sie wirklich glauben, dass das Virus in die Maske eindringt und Sie es einatmen, wie glauben Sie dann auch, dass Ihr ausgeatmetes CO2 „hängen bleibt“? Viren brauchen einen Vektor, um sich auszubreiten, der Vektor von COVID-19 sind Atemtröpfchen, die nicht ohne weiteres durch eine richtig getragene Maske gelangen. Als Reaktion zu meinem vorherigen Beitrag über das Tragen von Gesichtsmasken habe ich ein kleines Experiment durchgeführt.

Unten seht ihr mich in 4 Situationen. Ich trug jede Maske 5 Minuten lang und überprüfte meine Sauerstoffsättigung (als Prozentsatz unten angegeben) zusammen mit meiner Herzfrequenz (HR, in Schlägen pro Minute) mittels nicht-invasiver Pulsoxymetrie. Denken Sie daran, dass ich unmittelbar davor die chirurgische Maske 5 Stunden lang getragen hatte!

Ergebnisse:

Keine Maske: 98%, HERZFREQUENZ 64
Chirurgische Maske: 98%, HR 68
N95-Maske: 99%, HR 69
N95 plus chirurgische Maske (so tragen die meisten Gesundheitsdienstleister Masken): 99%, HR 69.

Es gibt in keinem Szenario eine signifikante Veränderung meiner Sauerstoffsättigung (oder Herzfrequenz). Auch wenn es für einige unangenehm sein mag, können Sie immer noch atmen. Als Ärztin fordere ich Sie dringend auf und bitte Sie, eine Maske zu tragen, um sich selbst und diejenigen zu schützen, die nicht sicher eine Maske tragen können (viele meiner Patient*innen, weil sie unter 2 Jahre alt sind).“ (*Übersetzung der Redaktion)

Masken funktionieren

Wenn CO2 die Masken nicht durchdringen, wäre erstens jedes medizinische Personal nach nur einem Tag im OP schon erstickt. Und zweitens könnte dann das Corona-Virus die Maske erst Recht nicht durchdringen, liebe Masken-Verweigerer. Wie Atemmasken die Tröpfcheninfektion behindern und dich demnach vor Corona schützt, haben wir ausführlich erklärt und belegt:

Masken mögen unangenehm sein, klar. Aber sie sind eine Maßnahme, die nachweislich die Verbreitung des Virus verlangsamt. Und als Ausgleich für das Aufheben von Ausgangsbeschränkungen ist es doch ein kleiner Preis, um Freiheiten zurück zu gewinnen, oder? Dazu müssen sie aber auch getragen werden. Denn wisst ihr, liebe Masken-Verweigerer, was wirklich gesundheitsschädlich ist? Eine Pandemie mit einem Virus, das viel tödlicher ist als die saisonale Grippe.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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