Mit einem Experiment widerlegt diese Ärztin alle Masken-Verweigerer


Ärztin macht Experiment

Die Argumente der Masken-Verweigerer sind so mannigfaltig wie ihre Fantasie. Häufigste – und auf den ersten Blick plausibelste – Behauptung ist, dass man durch eine handelsübliche Atemmaske schlechter atmen könnte. Und sogar, dass das CO2 sich anstauen würde und es dadurch gesundheitsgefährdend werden könnte. Das ist natürlich Quatsch. Einen Fake in einem Kettenbrief dazu haben wir bereits hier widerlegt:

Und eine Ärztin hat uns hier bereits die wichtigsten Fakten und Mythen rund um Atemmasken aufgeschrieben:

Insbesondere in den USA verbreiten Masken-Verweigerer aber unbeirrt den Mythos, sie können mit Maske „nicht atmen“. Verknüpft wird diese Behauptung meistens auch noch mit der ebenso falschen Behauptung, dass Masken gar nicht dabei helfen würden, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Eine US-Ärztin hat in einem viralen Facebook-Post jetzt mit beiden Mythen aufgeräumt und ein kleines Experiment gestartet

Viraler Post der Ärztin*

„Hallo Freunde! Ich habe zahlreiche Beiträge gesehen und gehört, wie sich die Leute beschwerten, dass sie „mit einer Maske nicht atmen können“ oder dass sie keine Maske tragen wollen, weil „der Sauerstoffgehalt beim Tragen einer Maske dramatisch abnimmt“. Auch „eine Maske schützt nicht davor, das Virus einzuatmen“, aber im gleichen Satz argumentieren sie, dass sie keine Maske tragen werden, weil sie „ihr ausgeatmetes Kohlendioxid wieder einatmen“.

Ich bin mir nicht sicher, wie diese Theorie überhaupt einen Sinn ergeben kann; wenn Sie wirklich glauben, dass das Virus in die Maske eindringt und Sie es einatmen, wie glauben Sie dann auch, dass Ihr ausgeatmetes CO2 „hängen bleibt“? Viren brauchen einen Vektor, um sich auszubreiten, der Vektor von COVID-19 sind Atemtröpfchen, die nicht ohne weiteres durch eine richtig getragene Maske gelangen. Als Reaktion zu meinem vorherigen Beitrag über das Tragen von Gesichtsmasken habe ich ein kleines Experiment durchgeführt.

Unten seht ihr mich in 4 Situationen. Ich trug jede Maske 5 Minuten lang und überprüfte meine Sauerstoffsättigung (als Prozentsatz unten angegeben) zusammen mit meiner Herzfrequenz (HR, in Schlägen pro Minute) mittels nicht-invasiver Pulsoxymetrie. Denken Sie daran, dass ich unmittelbar davor die chirurgische Maske 5 Stunden lang getragen hatte!

Ergebnisse:

Keine Maske: 98%, HERZFREQUENZ 64
Chirurgische Maske: 98%, HR 68
N95-Maske: 99%, HR 69
N95 plus chirurgische Maske (so tragen die meisten Gesundheitsdienstleister Masken): 99%, HR 69.

Es gibt in keinem Szenario eine signifikante Veränderung meiner Sauerstoffsättigung (oder Herzfrequenz). Auch wenn es für einige unangenehm sein mag, können Sie immer noch atmen. Als Ärztin fordere ich Sie dringend auf und bitte Sie, eine Maske zu tragen, um sich selbst und diejenigen zu schützen, die nicht sicher eine Maske tragen können (viele meiner Patient*innen, weil sie unter 2 Jahre alt sind).“ (*Übersetzung der Redaktion)

Masken funktionieren

Wenn CO2 die Masken nicht durchdringen, wäre erstens jedes medizinische Personal nach nur einem Tag im OP schon erstickt. Und zweitens könnte dann das Corona-Virus die Maske erst Recht nicht durchdringen, liebe Masken-Verweigerer. Wie Atemmasken die Tröpfcheninfektion behindern und dich demnach vor Corona schützt, haben wir ausführlich erklärt und belegt:

Masken mögen unangenehm sein, klar. Aber sie sind eine Maßnahme, die nachweislich die Verbreitung des Virus verlangsamt. Und als Ausgleich für das Aufheben von Ausgangsbeschränkungen ist es doch ein kleiner Preis, um Freiheiten zurück zu gewinnen, oder? Dazu müssen sie aber auch getragen werden. Denn wisst ihr, liebe Masken-Verweigerer, was wirklich gesundheitsschädlich ist? Eine Pandemie mit einem Virus, das viel tödlicher ist als die saisonale Grippe.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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»Infektionen wurden billigend in Kauf genommen«

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Bewohner des unter Quarantäne gestellten Göttinger Hochhauses klatschen während einer Kundgebung (23.6.2020)

In Göttingen sind Hunderte Bewohner eines Hochhauses unter Quarantäne gestellt worden. An den Coronamassentests dort sind Sie als Medizinstudentin beteiligt. Wie laufen die ab?

Wir Studierende der Universitätsmedizin Göttingen sind quasi ausgeliehen, um in dem Hochhaus unter der Regie von Ordnungs- und Gesundheitsamt zu helfen. Vor unserem Einsatz wurden wir eingewiesen, wie die Abstriche durchzuführen sind. Anfangs lief das allerdings noch ziemlich katastrophal. Die Tests wurden in einem Bus, einem sogenannten mobilen Coronatestzentrum, durchgeführt. Aus meiner Sicht war das aber eher ein Vireninkubator. In dem Bus gab es keine Möglichkeit, für Durchzug zu sorgen. Es ließen sich keine Fenster öffnen, damit Tröpfchen mit dem Virus nicht im Raum stehen. Und dennoch sollten gleichzeitig zwei Familien dort hinein und sich gegenüber voneinander sitzend abstreichen lassen. Das war die Arbeitssituation in der ersten Stunde, wurde später allerdings entzerrt.

Wer wohnt in diesem Haus, und wie ist die Lage dort?

In dem Komplex leben mehr als 600 Menschen unter für mich schockierenden Bedingungen. Allein die Anzahl der Menschen, die in einer Wohnung leben müssen, ist unfassbar. Ich bin mir sicher, dass viele sich solche Bedingungen, besonders in so einer Akademikerstadt wie Göttingen, gar nicht vorstellen können. Um sich zurückzuziehen oder Abstand zu halten, ist dort absolut kein Platz. Die Leute sind zusammengepfercht. Beim Testen ist mir etwas aufgefallen, was mich besonders schockiert hat: Viele Bewohner, besonders die Kinder, haben Infektionen im Mund- und Rachenbereich oder ihre Zähne sind in einem extrem schlechten Zustand. Viele Erwachsene haben zudem prekäre Jobverhältnisse und bangen ausgerechnet in dieser Lebenssituation um ihre finanziellen Einkünfte.

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Es wurde kritisiert, dass alle Bewohner des Hochhauses am Donnerstag vergangener Woche unter Quarantäne gestellt wurden, anstatt diejenigen zu separieren, die positiv auf das Virus getestet worden waren. Welche Folgen hatte das?

Durch diese verantwortungslosen Maßnahmen hat man billigend in Kauf genommen, dass sich auch diejenigen mit dem Coronavirus infizieren, die bis dahin noch negativ waren. Es wäre besser gewesen, die positiv Getesteten von den anderen frühzeitig räumlich zu trennen. Ich bin mir sicher, dass es die Situation vor Ort entspannt und den Fokus auf die deutlich wichtigere gesundheitliche Versorgung der Menschen gelegt hätte.

Bei den aktuellen Masseninfektionen mit dem Coronavirus wurde in den Medien mit rassistischen Stereotypen gearbeitet. Stets steht dabei der Vorwurf im Raum, die Betroffenen hätten ihre Situation selbst verschuldet. Wie erleben Sie die Diskussion in Göttingen?

Göttingen ist eine von der Kultur geprägte Stadt mit vielen Studierenden aus den unterschiedlichsten Ländern. Wir dürfen uns aber nichts vormachen: Rassismus gehört auch hier noch zur Tagesordnung, was ich leider an Beispielen gegenüber meiner eigenen Person, als Kind einer persischen Familie, nur bestätigen kann. Einige Medien nutzen rassistische Stereotype und auf die Armut der Leute abzielende Klischees für den Verkauf ihrer Zeitungen. Auch die Berichterstattung in und über Göttingen war voll damit. Dass die Betroffenen selbst die Schuld tragen sollen, ist Bullshit. Menschen, die gezwungen sind, unter solchen Umständen zu leben, sind genausowenig an der Verbreitung des Virus »schuld« wie die Arbeiterinnen und Arbeiter, die bei Tönnies unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften müssen.

Wie haben Sie die Proteste gegen das Einsperren der Bewohner und das Vorgehen der Polizei gegen die Menschen dort erlebt?

Das große Polizeiaufgebot und die Vollausrüstung haben mich eingeschüchtert und mir Angst gemacht. All das signalisierte, dass ein deeskalierender Umgang nicht vorgesehen war. Besonders schockiert war ich davon, dass Polizisten Pfefferspray gegen Kinder eingesetzt haben. Die hatten in den ersten Reihen am Zaun gestanden. Es war offensichtlich, dass das Pfefferspray sie treffen würde. Es wäre für alle besser gewesen, in eine Interaktion miteinander zu treten und den Austausch mit Dolmetschern zu intensivieren, statt Gewalt gegen die Bewohner anzuwenden.

Setare Torkieh ist Medizinstudentin in Göttingen

Systemrelevant – Der Wirtschafts-Podcast des IMK

bisher 13 Folgen unter

 https://www.boeckler.de/de/podcasts-22421.htm

Die Corona-Krise bedeutet auch wirtschaftlich eine nie dagewesene Herausforderung für unsere Gesellschaft. Wir besprechen die neuesten Entwicklungen und Debatten mit Prof. Dr. Sebastian Dullien, dem Direktor unseres Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Drosten blamiert die »Bild« mit nur einem Tweet

https://www.neues-deutschland.de/amp/artikel/1137128.coronavirus-drosten-blamiert-die-bild-mit-nur-einem-tweet.amp.html?pk_campaign=SocialMedia&__twitter_impression=true

Warum die Berichterstattung des Boulevardmediums über eine Corona-Studie schon am journalistischen Handwerk scheitert

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin

dpa/Christophe Gateau

»Wo Bild als Zeitung durchgeht, gelten Frisöre als Hirnforscher. Und führen sich auch so auf«, erklärte der Autor und Sänger Wiglaf Droste 2010 in einen Interview in der »Süddeutschen Zeitung«. Das Zitat ist Teil einer Antwort auf die Frage, wen sich Droste als Chefredakteur der »taz« für einen Tag vorstellen könnte, nachdem der damalige »Bild«-Chef Kai Diekmann diese Position bereits inne hatte. Der Künstler machte sich mit der Äußerung darüber lustig, dass linksliberale Journalisten sich einen Mann der Springer-Presse ins Haus holten und dafür feierten, obwohl es sich bei »Bild« um ein »Organ der Niedertracht« (Max Goldt, Schriftsteller) handelt.

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Wie das Boulevardblatt arbeitet, musste gerade Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, erfahren. Im Gegensatz zu vielen anderen »Opfern« der »Bild«-Methoden machte Weiterlesen Drosten blamiert die »Bild« mit nur einem Tweet

Datenjournalist:innen fordern offene Corona-Daten

https://netzpolitik.org/2020/datenjournalistinnen-fordern-offene-corona-daten/

Brief an das Robert-Koch-Institut

Bisher stellt das Robert-Koch-Institut die Zahlen zum Corona-Virus vor allem als Texte und Grafiken zur Verfügung. Das hindert Datenjournalist:innen an ihrer Arbeit. In einem gemeinsamen Brief an das Robert-Koch-Institut fordern sie tagesaktuelle und maschinenlesbare Daten. Wir veröffentlichen das Schreiben.

Mann steht vor aufragender Wand aus Schiffscontainern und schaut nach oben.
Daten zur aktuellen Covid-19-Situation sind zwar da, aber nicht nutzbar. Das kritisieren Datenjournalist:innen aus ganz Deutschland in einem Brief an das Robert-Koch-Institut. Sie fordern offene Corona-Daten. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Pat Whelen

Eine Initiative von Datenjournalist:innen aus ganz Deutschland kritisiert das Robert-Koch-Insitut für dessen bisherige Datenpolitik. Das Institut veröffentliche Daten bisher zu wenig und vor allem in Formaten, die sich nicht zur weiteren Analyse eignen – etwa in Berichten mit Texten und Bildern.

Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, nämlich den gesellschaftlichen Diskurs über gute Entscheidungen in der Krise angemessen zu begleiten, brauchen die Journalist:innen allerdings maschinenlesbare Daten. Nur so können sie die Arbeit der Gesundheitsbehörden ausführlich darstellen und kritisch hinterfragen, heißt es in dem Schreiben, das die Journalist:innen heute an das Robert-Koch-Institut geschickt haben.

Insgesamt 45 Datenjournalist:innen haben unterzeichnet. Sie arbeiten in Daten-Teams unter anderem bei den öffentlich-rechtlichen Medien von ARD und ZDF, bei der Süddeutschen Zeitung, bei der Funke Mediengruppe oder beim Spiegel.

Zuverlässige Datenquelle

Die Initiative beklagt schlechte Erfahrungen und mangelhafte Informationen aus dem Robert-Koch-Institut: „In den vergangenen Tagen und Wochen haben Sie aus vielen unserer Redaktionen zahlreiche Datenanfragen erhalten, die leider zu oft nur teilweise oder gar nicht beantwortet worden sind.“

Deshalb Weiterlesen Datenjournalist:innen fordern offene Corona-Daten

Risikogruppe Dienstleistungsproletariat

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/risikogruppe-dienstleistungsproletariat

Risikogruppe Dienstleistungsproletariat

Foto: Rupert Oberhäuser/Imago Images

Die Pandemie macht ein paar hässliche Seiten des deutschen Wirtschafts- und Wohlstandsmodells sichtbar

Vom Après-Ski in den Maschinenraum: Die Hotspots der Corona-Pandemie verlagern sich. Fast 1.000 Fälle in Schlachthöfen, 80 in einem Paketzentrum bei Heinsberg, knapp 70 im Amazon-Versandlager bei Hamburg. Während sich die Öffentlichkeit über ihr Freizeitverhalten die Köpfe heißredet, wird langsam klar, dass ein schnell wachsender Teil der Infektionen einen direkten Bezug zu Arbeitsplatz und Wohnsituation hat.

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Seuchenausbreitung ist vor allem eine Frage sozialer Verhältnisse, wusste schon Rudolf Virchow vor 150 Jahren: lange, erschöpfende Arbeitsschichten, beengte Wohnverhältnisse – so war das zu Zeiten der Industrialisierung. Was wir gern vergessen: All das gibt es immer noch, und zwar nicht irgendwo Weiterlesen Risikogruppe Dienstleistungsproletariat

»Mindestens 80.000 Menschen haben sie das Leben gerettet«

https://www.jungewelt.de/artikel/378508.kubas-medizinbrigade-henry-reeve-mindestens-80-000-menschen-haben-sie-das-leben-gerettet.html

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Mediziner der Ärztebrigade »Henry Reeve« während einer Abschiedsfeier in Kuba (Havanna, 10.2.2010)

Sie setzen sich dafür ein, die kubanische Henry-Reeve-Medizinbrigade für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Weshalb hat sie ihn verdient?

52 Ärzte und Krankenpflegerinnen flogen kürzlich in die vom Coronavirus bedrohte Lombardei in Norditalien, um dort im Auftrag des kubanischen Gesundheitsministeriums zu helfen. In Turin im norditalienischen Piemont landeten weitere 38 Mediziner der Brigade. Italienische Regierungsvertreter und die Bevölkerung begrüßten sie dort am Flughafen begeistert, weil sie ein tatsächliches Zeichen der Solidarität setzten. Eine weitere Brigade mit elf Intensivmedizinern, Epidemiologen und Krankenschwestern landete in Togo, um die Ausweitung der Pandemie in Afrika verstärkt zu bekämpfen.

Die Sonderbrigade »Henry Reeve« mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegepersonal wurde 2005 vom kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro für internationale Hilfseinsätze gegründet. In vielen Ländern der Welt hat sie in Fällen von Katastrophen und schweren Epidemien einmalige Leistungen erbracht. Mindestens 80.000 Menschen haben Kubaner mit ihren medizinischen Einsätzen, die schon seit den 1960er Jahren laufen, das Leben gerettet.

Wer war Henry Reeve?

Er kämpfte Weiterlesen »Mindestens 80.000 Menschen haben sie das Leben gerettet«

Reproduktionszahl R : Die Zahl, auf die alle schauen

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/coronavirus-deutschland-reproduktionszahl-infektionen

Reproduktionszahl R: In der politischen Diskussion wird die Reproduktionszahl als Maßzahl der Corona-Epidemie gehandelt. Doch bei ihrer Berechnung gibt es erhebliche Unsicherheiten.
In der politischen Diskussion wird die Reproduktionszahl als Maßzahl der Corona-Epidemie gehandelt. Doch bei ihrer Berechnung gibt es erhebliche Unsicherheiten. © Michele Tantussi/Reuters

Der Wert, über den gerade ganz Deutschland wacht, liegt knapp unter eins: die sogenannte Reproduktionszahl, kurz R. Sie besagt, wie viele Menschen eine mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Und eins heißt: Ein Mensch steckt einen anderen an. 

Die Diskussion und die Verwirrung um die Zahl waren zuletzt groß. Mitte April verkündete das Robert Koch-Institut(RKI), dass sie deutlich gesunken sei. Vielleicht fühlten sich die Menschen gerade durch diese Nachricht wieder sicherer, als ob das Schlimmste jetzt vorbei sei – vergangene Woche jedenfalls meldete das RKI: Die Reproduktionszahl stieg wieder an (Lagebericht hier als PDF). Nur um den Wert einen Tag später wieder nach unten zu korrigieren. Und auch eine Forschungsgruppe des Helmholtz-Instituts berechnet täglich einen Wert – der in der vergangenen Woche etwas tiefer lag als die Schätzung des RKI. In der politischen Diskussion wird die Reproduktionszahl als Maßzahl der Epidemie gehandelt. Doch gleichzeitig gibt es bei ihrer Berechnung erhebliche Unsicherheiten. Aber warum ist die Reproduktionszahl eigentlich so wichtig?

Von ihr hängt ab, wie schnell sich das Virus ausbreitet und wie viele Menschen sich anstecken. Kennt man sie, so lässt sich, zumindest grob, abschätzen, wie sich der Ausbruch weiter entwickeln wird. Das Modell zeigt, wie sich die Zahl der infektiösen Personen, abhängig von der Reproduktionszahl R, über die nächsten Monate entwickeln könnte. Die Darstellung orientiert sich an der zweiten Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) vom 27. April 2020. Als Ausgangspunkt nehmen die DGEpi-Forscher 10.000 infizierte Menschen – diese Zahl entspricht etwa der Zahl der Menschen, die sich in Deutschland in den letzten sieben Tagen bekanntermaßen angesteckt haben und die damit als infektiös gelten (siehe Infokasten).   

Wie R den Verlauf der Epidemie beeinflusst

Entwicklung der Zahl der infektiösen Personen in Deutschland, ausgehend von10.000 infektiösen Personen am 4. Mai 2020.

↑ Infektiöse Personen

020.00040.00060.00080.000100.000 Mai ’20 Jul. Sep. Nov. Jan. ’21 Apr. ’21

Was die Reproduktionszahl aussagt

Liegt die Reproduktionszahl bei eins, steckt also jeder Infizierte genau eine andere Person an, dann bleibt Weiterlesen Reproduktionszahl R : Die Zahl, auf die alle schauen

Auf einmal unsichtbar: Wie die Regierung Geflüchtete gefährdet

Plötzlich spricht die Regierung nicht mehr über Geflüchtete. Zugleich macht sie es ihnen mit gezielter Desinformation und dem Ausschluss von Hilfsleistungen besonders schwer, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Wer eine Gruppe ungeschützt lässt, bedroht uns alle mit Ansteckung, schreibt das Bündnis Flüchtlingsarbeit.

Die Bundesregierung hat auf Geflüchtete komplett vergessen. Waren sie lange Dauerthema und Zielscheibe rassistischer Politik, scheinen sie in der Corona-Krise verschwunden zu sein. Doch die neue Unsichtbarkeit macht sie gleichzeitig auch verletzlich und handlungsunfähig. Abschiebungen finden noch immer statt, die Situation in den Massenquartieren spitzt sich immer weiter zu, vielen Geflüchteten ist die Lebensgrundlage weggebrochen. Der drohenden Wirtschaftskrise sind sie noch viel unmittelbarer ausgeliefert als StaatsbürgerInnen. Zum „Team Österreich“, so scheint es, gehören sie nicht. Sowohl die gesundheitlichen als auch wirtschaftlichen Folgen müssen sie alleine tragen.

Völlig im Stich gelassen

Drei bis vier BewohnerInnen pro Zimmer, gemeinschaftlich genutzte Sanitäranlagen und Küchen – schlechte Hygienebedingungen und Weiterlesen Auf einmal unsichtbar: Wie die Regierung Geflüchtete gefährdet

Der Immunitätsausweis und der Weg zurück in ein freiheitliches Leben

verfassungsblog.de

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16-19 Minuten

 

Das Bundesgesundheitsministerium hat einen umfassenden Entwurf eines Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite als Formulierungshilfe für die Regierungsfraktionen vorgelegt, um einen Gesetzesentwurf aus der Mitte des Deutschen Bundestages einzubringen. Das über 100-Seiten starke Papier hält eine ganze Bandbreite von gesetzlichen Anpassungen von 18 Gesetzen bereit. Im Zentrum medialer Aufmerksamkeit steht die Immunitätsdokumentation nach § 22 E-IfSG und die daran anknüpfenden Rechtsfolgen, die hier näher untersucht werden sollen.

Seit Mitte März gelten in Deutschland infolge der Corona-Pandemie für die Allgemeinheit die einschneidendsten Grundrechtsbeschränkungen seit Bestehen der Bundesrepublik. Während die Schutzmaßnahmen anfangs auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung stießen, bröckelt die gesellschaftliche Zustimmung, je länger die Beschränkungen fortdauern. Die Diskussion um die Angemessenheit der Maßnahmen wird mit jedem Tag kontroverser, obwohl das von COVID-19 ausgehende Risiko gleichbleibend hoch ist. Der Druck auf die politischen Entscheidungsträger wächst. Einerseits sehnen sich viele danach, in die „Normalität“ zurückzukehren. Andererseits gilt es nach wie vor, einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern. Das Gesundheitsministerium versucht mit einem neuen Relationsinstrument, den Spagat zwischen Infektions- und Grundrechtsschutz zu bewältigen. Corona-Schutzmaßnahmen sollen in Zukunft nicht mehr für all jene gelten, die eine Immunität nach § 22 E-IfSG dokumentieren können.

Regelungen, nach denen die Kosten für symptomunabhängige COVID-19-Testungen von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden sollen (§ 20i Abs. 3 E-SGB-V), umrahmen diese Rechtsinnovation. Die Entscheidung, Weiterlesen Der Immunitätsausweis und der Weg zurück in ein freiheitliches Leben