Erfolg mit Symbolkraft

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Volker Hermsdorf

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Alexandre Meneghini /REUTERS

»Eine medizinische, wissenschaftliche und solidarische Macht«: Kubanische Ärzte auf dem Weg zu einem internationalistischen Einsatz (Havanna, 4.6.2020)

 

Hintergrund:Corona in Kuba

Die kubanischen Behörden haben am Donnerstag abend (Ortszeit) ein drastisches Maßnahmenpaket angekündigt, um einen in Havanna und einigen anderen Städten festgestellten starken Anstieg von Coronaneuinfektionen einzudämmen. Der 11,2 Millionen Einwohnern zählenden Inselrepublik war es bisher weltweit mit am besten gelungen, das Virus in Schach zu halten. Die täglichen Neuinfektionen konnten auf ein Minimum reduziert werden, und die Zahl der Todesopfer liegt mit knapp 0,8 pro 100.000 Einwohner weit unter den Werten anderer Länder der Region. Die Statistik der Johns-Hopkins-Universität bescheinigte Kuba am Freitag mit bisher 3.806 Infizierten, von denen 3.195 als geheilt gelten und 92 verstorben sind, eine noch immer günstige Situation.

Gesundheitsminister José Ángel Portal schlug jedoch Alarm, weil allein auf den vergangenen Monat mehr als 1.200 Neuinfektionen entfallen waren. Francisco Durán García, der Direktor für Epidemiologie des Gesundheitsministeriums, bezeichnete die Situation nach einem Ausbruch in Havanna als besorgniserregend. Ohne energische Maßnahmen werde das Erreichte in Frage gestellt, warnten Experten. Deshalb werde zunächst für die Zeit vom 1. bis zum 15. September eine teilweise Ausgangssperre für die Hauptstadt verhängt, kündigte Havannas Gouverneur Reinaldo García an. Zwischen 19 und fünf Uhr dürfen keine Personen- oder Gütertransporte stattfinden. Fahrten mit privaten Pkw und Motorrädern sind in dieser Zeit verboten.

Ausnahmeregelungen gelten für den Transport von Nahrungsmitteln und für lebensnotwendige Dienstleistungen. Betriebe, die keine unverzichtbare Produktion oder prioritäre Dienste ausführen, werden bis auf eine Mindestzahl von Mitarbeitern geschlossen. Wo möglich, sollen Beschäftigte ihre Tätigkeit in Tele- und Heimarbeit ausüben. Feiern und Veranstaltungen sind untersagt, der Reiseverkehr nach und aus Havanna wird eingeschränkt und an den zwölf Zugangspunkten zur Stadt kontrolliert. (vh)

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Am Montag hatte Kuba als erstes lateinamerikanisches Land mit der klinischen Erprobung eines eigenen Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 an zunächst 20 Freiwilligen zwischen 19 und 59 Jahren begonnen. Da in den ersten 48 Stunden außer einem nicht ungewöhnlichen leichten Schmerz an der Einstichstelle keine unerwünschten Nebenwirkungen aufgetreten seien, werde das im Finlay-Institut für Impf­stofforschung entwickelte Serum mit der Bezeichnung »Soberana 01« am kommenden Montag zusätzlich 20 Probanden im Alter zwischen 60 und 80 Jahren injiziert, kündigte Vicente Vérez, der Direktor der Einrichtung, an. Danach würden die Tests bis zum 30. Oktober in einer zweiten Phase mit Hunderten weiteren Freiwilligen fortgesetzt und die Ergebnisse am 15. Februar 2021 veröffentlicht werden, erklärte Vérez am Mittwoch. Er teilte außerdem mit, das international renommierte Institut hoffe, bereits im Oktober mit den klinischen Studien für einen zweiten Impfstoffkandidaten beginnen zu können. 

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Über die Verwundbarkeit unserer Welt

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Petra Erler:

Petra Erler

Das Covid-19-Virus ritt auf den Wogen der Globalisierung von Wuhan bis in den letzten Winkel der Erde und stürzte auch die EU, die USA und Großbritannien in die Krise. Das geschah nicht nur, weil es Handel und Reisefreiheit gibt, sondern weil sich insbesondere die mächtigsten Zentren der Globalisierung viel zu lange in Sicherheit wiegten. China hat die Welt nicht betrogen. Am 31. Dezember 2019 meldete es der WHO eine unerklärliche neue Lungenerkrankung. An diesem Tag war das Genom des Virus entschlüsselt worden. Die WHO wurde am 2. Januar 2020 aktiv. Seit dem 10. Januar teilen die chinesischen Wissenschaftler ihre Erkenntnisse über ein wissenschaftliches Grippe-Netzwerk der WHO, das in Bonn ansässig ist. Diese globalen Netzwerker machten es möglich, dass ein erster Test bereits im Februar vorlag.

Politische und ökonomische Rivalität, gepaart mit westlicher Arroganz und Überlegenheitsgefühlen, führten allerdings zu verheerenden Fehleinschätzungen. Kaum einer fragte, warum China trotz der bevorstehenden Neujahrsfeier, die dort die wichtigste Familienfeier im Jahr ist, am 23. Januar die Abschottung von 43 Millionen Menschen anordnete, bei gerade mal 444 erkannten Infizierten. Wie bewerteten das die vielen Chinaexperten, wie unsere angeblich allwissenden Geheimdienste?

Tatsächlich betrachtete der Westen die Ereignisse in Wuhan als chinesisches Problem Weiterlesen Über die Verwundbarkeit unserer Welt