Chinas geopolitischer Aufstieg

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Im Schatten der Ukraine-Krise entwickelt sich die Volksrepublik zum weltpolitischen Akteur ersten Ranges

19.03.2022

US-Präsident Joe Biden spricht mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping über den Ukraine-Krieg.

AFP/Mandel Ngan

Rom war im Laufe der Jahrtausende Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse. Die italienische Hauptstadt steht auch als Symbol für den Aufstieg und Fall großer Imperien. Welches Imperium sich aktuell im Aufstieg oder Fall befindet, war am Montag dieser Woche nicht Gesprächsgegenstand, als sich am Tiber Vertreter Chinas und der USA zu Unterredungen trafen. Das rasante Erstarken der Volksrepublik – nicht nur als wirtschaftliche, sondern auch als geopolitische Supermacht – war schon daran ersichtlich, dass an dem Treffen zu Beginn der Woche der ranghöchste Außenpolitiker der Kommunistischen Partei Chinas, Yang Jiechi, und der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jacob Sullivan, teilnahmen. Ursprünglich geplant war eine Unterredung, um die angespannten Beziehungen zwischen den beiden Supermächten neu zu organisieren. Doch durch den Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurden die Gespräche natürlich von diesem Konflikt überschattet. Zum ersten Mal steht dabei Peking im Zentrum der Bemühungen westlicher Staaten, einen weltpolitischen Konflikt zu lösen. Dies war weder im Irak oder Syrien noch in Afghanistan der Fall.

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Wer aber in Washington, London oder Brüssel davon ausging, China würde nach der Pfeife des Westens tanzen, wurde schnell von den Realitäten eingeholt. Die außenpolitische Denkschule Pekings basiert zunehmend auf den Theorien von Fang Ning, einem der führenden politischen Theoretiker Chinas. Er analysierte bereits im Jahr 1999, dass bei genauer Betrachtung auffällt, dass seit dem Triumph der Alliierten über Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg kein einziger Krieg mehr von den USA nachhaltig gewonnen wurde. Ganz von den konventionellen Großeinsätzen in Korea und Vietnam abgesehen, so gab es nirgendwo einen Sieg zu vermelden, nicht einmal bei den Scharmützeln von Somalia, beim Einsatz der Contras in Nicaragua, vom Debakel John F. Kennedys in der Schweinebucht ganz abgesehen. Im Südlibanon, im Irak, in Afghanistan hat sich längst bestätigt, dass die konventionelle Kriegsführung der Nato-Stäbe, aber auch Russlands und Israels, mit der Abnutzungsstrategie, die den Kern des asymmetrischen Krieges bildet, nicht zurechtkommt, so der Politologe und außenpolitischer Vordenker Pekings. Fang Ning reflektierte in seinen außenpolitischen Analysen einen Wesenskern des chinesischen Blickes auf die Welt.

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Zu Gesprächen bereit

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Explosive Lage: In der Ukraine kam es am Freitag in zahlreichen Städten zu Gefechten (Charkiw, 25.2.2022)

Russland hat sich zu Verhandlungen mit der Ukraine auf hoher Ebene bereit erklärt. Die amtliche Nachrichtenagentur RIA zitierte am Freitag Kremlsprecher Dmitri Peskow mit der Aussage, sein Land schlage Minsk als Schauplatz der Gespräche vor. Zuvor hatte Chinas Präsident Xi Jinping mit Wladimir Putin telefoniert und erklärt, China unterstütze Russland und die Ukraine dabei, den Konflikt durch Verhandlungen zu lösen. Xis bei dieser Gelegenheit wiederholte Aussage, es sei nötig, die Mentalität des Kalten Krieges hinter sich zu lassen und die Sicherheitsinteressen aller Länder zu berücksichtigen, ist durchaus auch als verschleierte Kritik an Russland und der letzten Rede von Wladimir Putin vor Eröffnung der Kampfhandlungen interpretierbar. China hatte von Anfang an eine deeskalierende Position im russisch-ukrainischen Konflikt vertreten. Das Land ist auch als größter ausländischer Investor eng mit der Ukraine verbunden.

Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij in der Nacht in einer Videobotschaft erklärt, er sei bereit, mit Russland auch über einen neutralen Status seines Landes zu verhandeln. Selenskij garnierte diese Aussage mit Vorwürfen gegen die westlichen Verbündeten der ­Ukraine. Sie hätten dem Land außer warmen Worten nichts zu bieten und »fürchteten sich«, der Ukraine militärisch beizustehen.

Selenskijs Aussage sorgte in Moskau kurzzeitig offenbar für politischen Abstimmungsbedarf. Während Kremlsprecher Dmitri Peskow relativ schnell die Aussagen des ukrainischen Präsidenten als »Schritt in die richtige Richtung« begrüßte und auf Nachfrage eines Korrespondenten betonte, »selbstverständlich« sehe Russland Selenskij als Präsidenten der Ukraine an, äußerte sich Außenminister Lawrow gleichzeitig noch in wesentlich härterem Ton. Verhandlungen mit Kiew seien erst möglich, wenn dort eine »demokratisch legitimierte« Regierung amtiere. Am Freitag nachmittag berichtete die russische Agentur RBK, Putin habe das ukrainische Militär aufgefordert, die Macht zu übernehmen. »Mit ihnen«, so wurde er zitiert, könne Russland einfacher verhandeln als mit der »Bande von Drogenabhängigen und Nazis«, die sich in Kiew festgesetzt habe.

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Es liegt nahe zu vermuten, dass die russische Verhandlungsbereitschaft nicht nur dem diplomatischen Druck von seiten des chinesischen Bündnispartners zu verdanken ist, sondern auch dem Umstand, dass der Vormarsch der russischen Truppen in der Ukraine allem Anschein nach ins Stocken geraten ist. Zwar rückten russische Soldaten von Norden und Nordosten her auf Kiew vor, aber die Eroberung des Flughafens Gostomel nordwestlich von Kiew gelang offenbar erst mit eintägiger Verspätung und um den Preis so schwerer Beschädigungen der Anlage, dass die ursprünglich wohl geplante Nutzung des Flugplatzes als Basis für die Landung russischer Truppen nicht möglich war. So mussten sich russische Truppen dem Anschein nach zu Lande von Belarus aus durch bewaldetes Gelände und behindert durch ukrainische Brückensprengungen in Richtung Kiew bewegen. Auf jeden Fall stockt der russische Vormarsch bei Charkiw und im Süden des Landes. Aus der Gebietshauptstadt Cherson wurden Kämpfe insbesondere um eine wichtige Brücke über den Dnipro gemeldet. Straßenkämpfe wurden auch aus der Stadt Melitopol weiter östlich in Richtung Donbass gemeldet. Dort hielten ukrainische Truppen offenbar im wesentlichen ihre Stellungen.

In der Nacht zum Freitag übernahmen russische Truppen auch die Kontrolle über das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Tschernobyl. Die russische Agentur RBK meldete, russische und ukrainische Militärs hätten sich darauf geeinigt, die Anlage und die dortigen Atommülllager von Kampfhandlungen auszunehmen. Das ukrainische Verteidigungsministerium erklärte das leicht erhöhte Strahlungsniveau damit, dass die russischen Fahrzeuge große Mengen kontaminierten Staubs aufwirbelten. Es trat damit vorherigen Meldungen in sozialen Netzwerken entgegen, wonach die notorisch rechtsradikale ­ukrainische Nationalgarde gedroht habe, das Lager für abgebrannte Brennelemente in Tschernobyl zu sprengen.

In der Sanktionsdebatte auf westlicher Seite bekräftigte der deutsche Regierungssprecher Steffen Hebestreit, dass die BRD sich dem Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT widersetzt. Hebestreit sagte in Berlin, auch Frankreich und Italien hätten sich auf EU-Ebene gegen einen solchen Schritt ausgesprochen. Derweil sagten verschiedene Sportverbände anstehende Meisterschaften in Russland ab, darunter die UEFA. Das Endspiel der Champions League soll nun nicht in St. Petersburg, sondern in Paris stattfinden. Im Europarat begann ein Ausschlussverfahren gegen Russland.

Im übrigen strich das Bundeswirtschaftsministerium alle laufenden Hermes-Bürgschaften für deutsche Exporte nach Russland und kündigte an, bis auf weiteres auch keine neuen zu gewähren. Die USA verhängten Sanktionen gegen die größten russischen Banken und Exportverbote für eine Reihe von Hochtechnologieprodukten. Polen sperrte seinen Luftraum für russische Fluglinien und warf russische Sender aus den Kabelnetzen.

Kuba und die Ukrainekrise

https://das-blaettchen.de/2022/02/kuba-und-die-ukrainekrise-60518.html

von Klaus Joachim Herrmann

Wann Russland und die USA eine neue Deklaration über die Beendigung des Kalten Krieges unterzeichnen, lässt sich nur träumen“, vertraute der Pressesekretär des russischen Präsidenten Wladimir Putin der Komsomolskaja Prawda an. Deren Korrespondent hatte an den 1. Februar vor 30 Jahren erinnert, als die Präsidenten Georg Bush und Boris Jelzin in Camp David genau das taten. Sie verkündeten eine Ära der „Freundschaft und Partnerschaft“. Zum fast vergessenen Jubiläum beschied Dmitri Peskow den Fragesteller: „Träume sind nicht das, wofür man uns unser Gehalt zahlt.“ Geschichte wiederholt sich doch. Der für beendet erklärte Kalte Krieg ist nicht nur umdüsterte Vergangenheit, sondern bittere Gegenwart als Kalter Krieg II. Abschied von den Illusionen.

Geschichte wiederholt sich doch. Was als Kubakrise die Welt am Abgrund balancieren ließ, ist beispielhaft für die Ukrainekrise. Die USA stationierten ab 1959 in Italien und der Türkei auf die UdSSR gerichtete nuklear bestückte Mittelstreckenraketen. Diese antwortete 1962 mit atomaren Mittelstreckenraketen auf Kuba. Eine Supermacht versuchte im Kampf um Macht und Einfluss der anderen so nah und gefährlich wie nur irgend möglich auf den Leib zu rücken. Sowjetische Raketen auf Kuba damals, die Ukraine und immer mehr NATO-Verbündete mit US-Raketen an der Grenze zu Russland heute. Kaum noch Vorwarnzeiten, weniger Sicherheit. Die Kubakrise endete mit einem Abzug auf beiden Seiten – und der Versicherung der USA, Kuba nicht militärisch anzugreifen. Ein Erfolg für beide Kontrahenten und die Welt. Ein Muster?

„Es gibt keine Sicherheit für die Europäer, wenn es keine Sicherheit für Russland gibt“, wagt der französische Präsident einzugestehen. Für seinen Dialog mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin watscht ihn Zeit Online jedoch ab: „Emmanuel Macron denkt eine Nummer zu groß.“ Zur Abdankung genötigt wurde der deutsche Marine-Chef, Vize-Admiral Kay-Achim Schönbach. Der wagte die Erkenntnis, es sei „Nonsens“, dass Russland „Interesse an einem kleinen Stück ukrainischen Bodens“ habe. Putin wünsche Respekt, und den habe er „wahrscheinlich auch verdient“. Die russischen Forderungen nach einem rechtsverbindlichen Ende der NATO-Osterweiterung und deren Rückzug auf die Positionen von 1997 titelte der russische Kommersant mit der Losung „Vorwärts in die Vergangenheit“. Das Angebot, keine Seite sollte der Sicherheit der anderen schaden, könnte ebenfalls als Lehre aus der Kubakrise gelten.

Die Lager sind befestigt. Die USA rufen und die Transatlantiker treten bereitwillig an. Auf der Gegenseite rücken mit Russland, der VR China und Kuba drei alte Freunde wieder zusammen – eher eine ungewollte Nebenwirkung von geostrategischem Ausmaß. Ausgerechnet der kleinste Partner erweist sich in dieser eiskalten Auseinandersetzung als der erfahrenste. Kuba wird von der Supermacht USA mit unerbittlicher Rachsucht seit mehr als einem halben Jahrhundert belagert. Selbst in Zeiten einer mörderischen Pandemie soll es sogar von medizinischen Hilfsmitteln abgeschnitten werden. Die Entwicklung eines eigenen Impfstoffes gegen Covid 19 gelang, der Import von Spritzen blieb verboten. Eine wahrhaft tödliche Strafe.

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Xi stärkt Putin in Ukraine-Frage den Rücken

Veröffentlicht von LZ ⋅ 19. Dezember 2021

von https://de.rt.com

Während eines virtuellen Treffens zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin unterstützte Xi die Forderungen Russlands, dass die NATO nicht in die Ukraine expandieren oder Truppen und Waffen dort stationieren soll.

Bei einem virtuellen Treffen am Mittwoch zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin, unterstützte Xi die Position Putins im Konflikt mit der NATO. Nach Angaben von Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow erörterten die russische und die chinesische Führung „die zunehmende Bedrohung der nationalen Interessen Russlands durch die USA und den NATO-Block, die ihre militärische Infrastruktur immer näher an die russischen Grenzen verlegen.“

Putin habe Xi auf die Notwendigkeit hingewiesen, mit der NATO und den USA über Sicherheitsgarantien zu verhandeln, so Uschakow weiter. Der chinesische Präsident habe erklärt, dass er „die Bedenken Russlands verstehe und unsere Initiative zur Ausarbeitung dieser Sicherheitsgarantien für Russland voll und ganz unterstütze“, so der Berater weiter.

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Neue grüne Außenministerin Baerbock droht Russland und China mit Atomwaffen

Veröffentlicht von LZ ⋅ 8. Dezember 2021

von Johannes Stern – http://www.wsws.org

Wenige Tage bevor Annelena Bearbock als neue Außenministerin vereidigt wird, gab die Co-Vorsitzende der Grünen der taz ein vielbeachtetes Interview zu außenpolitischen Fragen. Baerbocks Aussagen machen zwei Dinge deutlich:

Zum einen wird die Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen, die am Mittwoch offiziell die Regierungsgeschäfte übernimmt, den Kriegs- und Aufrüstungskurs der Großen Koalition vor allem auch gegenüber den Nuklearmächten Russland und China weiter verschärfen. Die ehemaligen Pazifisten der Grünen, die als Regierungspartei bereits zwischen 1998 und 2005 die ersten deutschen Kriegseinsätze seit dem Ende des Naziregimes auf den Weg brachten, spielen dabei erneut die zentrale Rolle.

In einer Aggressivität, die man sonst vor allem aus extrem rechten und militaristischen Kreisen kennt, verknüpft Baerbock die Fähigkeit Deutschlands zu einer aggressiven Außen- und Großmachtpolitik mit der nuklearen Bewaffnung. „Genau diese Frage der Atomwaffen macht deutlich, dass wir in Zukunft wieder eine aktive deutsche Außenpolitik betreiben werden, die sich den Dilemmata der globalen Politik stellt“, erklärt sie. „Wir stehen zu unserer Verantwortung im Rahmen von Nato und EU und auch zur nuklearen Teilhabe.“

Und sie setzt noch einen drauf. Inmitten der Pandemie, die allein in Deutschland bereits mehr als 100.000 Menschenleben gekostet hat und zu deren Bekämpfung angeblich die wirtschaftlichen Ressourcen fehlen, bekräftigt sie die Forderung der Ampel nach der Beschaffung neuer atomwaffenfähiger Kampfflugzeuge. „Wir müssen das Nachfolgesystem für den Tornado beschaffen, weil die konventionellen Fähigkeiten ersetzt werden müssen. Es handelt sich also nicht allein um sogenannte Atombomber. Über die Frage der nuklearen Zertifizierung werden wir dann weiter sprechen müssen.“

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Biden kündigte soeben das Datum für den Dritten Weltkrieg an

Veröffentlicht von LZ ⋅ 30. November 2021

von Finian Cunningham – http://www.antikrieg.com

Die Regierung Biden hat vergangene Woche dreist angekündigt, dass sie Chinas rote Linie in Bezug auf Taiwan überschreiten will. Der Schritt der USA ist eine rücksichtslose Provokation, die eine unvermeidliche militärische Antwort Pekings herausfordert.

Sollte es dazu kommen, ist eine umfassende militärische Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten, ihren Verbündeten und China vorprogrammiert. Es ist keine Panikmache zu sagen, dass ein solcher Zusammenstoß zum Dritten Weltkrieg eskalieren würde.

Australien und Großbritannien haben sich im Rahmen des kürzlich geschlossenen AUKUS-Pakts ausdrücklich zu einem Militärbündnis mit den Vereinigten Staaten im asiatisch-pazifischen Raum verpflichtet. Russland wird verpflichtet sein, China zu verteidigen.

Das fragliche Datum ist der 9. und 10. Dezember, wenn die Regierung Biden Gastgeber eines so genannten „Gipfels der Demokratien“ ist. Diese Woche gab das Außenministerium eine Liste von „Teilnehmern“ bekannt, die 110 Länder umfasst. China und Russland sind nicht eingeladen, und auch andere Länder sind ausgeschlossen.

Besonders provokant ist, dass das separatistische chinesische Territorium Taiwan zur Teilnahme an der Videokonferenz eingeladen ist. Die USA achten darauf, Taiwan als „Teilnehmer“ und nicht als „Nation“ zu bezeichnen. Doch abgesehen von diesem semantischen Kunstgriff stellt die Einladung eine eklatante Verletzung des souveränen Herrschaftsanspruchs Chinas über Taiwan dar.

Der Anspruch Chinas auf Taiwan als Teil seines Territoriums wird von den Vereinten Nationen und, zumindest theoretisch, von den Vereinigten Staaten mit ihrer Ein-China-Politik seit 1979 anerkannt.

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China führt Mietpreisbremse ein

https://www.jungewelt.de/artikel/409585.html

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Besonders für junge Menschen sind die steigenden Mieten in Beijing unbezahlbar

Die chinesische Regierung will mit einer Mietpreisbremse mehr erschwinglichen Wohnraum schaffen. Die Kosten für die Anmietung einer Wohnung in den Städten dürfen künftig um maximal fünf Prozent pro Jahr steigen. »Neue Stadtbewohner und junge Menschen haben erst seit relativ kurzer Zeit gearbeitet und verfügen nur über ein geringes Einkommen, so dass sie kaum in der Lage sind, ein Haus zu kaufen oder Miete zu zahlen«, erklärte der stellvertretende Wohnungsbauminister Ni Hong am Mittwoch. In den Großstädten würden 70 Prozent der Neubürger und jungen Leute eine Wohnung mieten.

Die Initiative ist Teil des Versprechens von Präsident Xi Jinping, das soziale Gefälle in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu verringern und den »gemeinsamen Wohlstand« zu erreichen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen konzentriert sich vor allem auf die größten Städte Chinas, die besser bezahlte Arbeitsplätze und die meisten Beschäftigungschancen bieten – insbesondere für Hochschulabsolventen. Mietwohnungen sind bei den sogenannten Millennials beliebt. Sie können sich Wohneigentum selten leisten, da die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren durch Spekulation in die Höhe geschossen sind.

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Die Hauptstadt Beijing und die Wirtschaftsmetropole Shenzhen haben in diesem Jahr bereits damit begonnen, das Angebot an Mietwohnungen zu erhöhen. In den vergangenen Monaten haben mehrere Großstädte auch neue Vorschriften zur Vermietung von Wohnungen geplant. Sie sollen die Rechte der Mieter besser schützen. So soll es Vermietern verboten werden, Kautionen in Höhe von mehr als einer Monatsmiete zu verlangen. Die Behörden gehen zudem gegen Immobilienmakler und Onlineplattformen vor, wenn diese überhöhte Gebühren von Mietern verlangen. (Reuters/jW)

Lässt die Wölfe tanzen

https://www.jungewelt.de/artikel/407433.l%C3%A4sst-die-w%C3%B6lfe-tanzen.html

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Qin Gang

Was im Mittelpunkt seiner Tätigkeit in Washington stehen wird, hat Qin Gang, Chinas neuer Botschafter in den Vereinigten Staaten, in seiner ersten Stellungnahme am Mittwoch offen erklärt. Es gehe darum, die Grundlagen der Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik zu sichern, zudem die Beziehungen selbst wieder auf den richtigen Weg zu bringen – und dazu sei es notwendig, die Voraussetzungen für ein auskömmliches Verhältnis zu schaffen: »gegenseitigen Respekt, Gleichbehandlung, Win-win-Kooperation und friedliche Koexistenz«. Das sind wichtige Ziele, die die chinesische Diplomatie im Kern seit je, gegenüber den USA aber seit Jahresbeginn mit neuem Nachdruck verfolgt, weswegen die üblichen wüsten US-Vorwürfe von Beijing gelegentlich schroff beantwortet werden, etwa beim Außenministertreffen im März in Anchorage, zuletzt beim Treffen der stellvertretenden Außenminister in Tianjin. Die schroffen Antworten aus China sind dabei Mittel zum Zweck, Gleichbehandlung zu erreichen.

Qin wendet diese Taktik schon seit Jahren an. Vielen sind spitze Äußerungen aus seiner Zeit als Sprecher des chinesischen Außenministeriums noch gut in Erinnerung, mit denen er zuweilen auf heftige, allzuoft sachlich unbegründete Attacken aus dem Westen reagierte. In Teilen der chinesischen Öffentlichkeit hat ihm dies manchmal schenkelklopfenden Beifall eingebracht; im Ausland hingegen gilt er nicht wenigen als ein früher Vertreter der scharf, zuweilen aggressiv formulierenden »Wolfskrieger«-Diplomatie. Beides geht am Kern der Sache vorbei. Gegen Vorwürfe aus dem Westen, er habe zuweilen unnötig offensiv formuliert, hat sich Qin im Februar ausdrücklich verwahrt: »Es ist unvernünftig, China zu verleumden und gleichzeitig das Land zu hindern, sich zur Wehr zu setzen.« Wenn man etwas mit Wölfen vergleichen könne, dann die Staaten, die die Volksrepublik gewissen-, grund- und hemmungslos verleumdeten.

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Erzwungene Schizophrenie

von Bernhard Romeike

Schizophrenie wird übersetzt als „Spaltungsirresein, das zum Zerfall der psychischen Persönlichkeit führt“. Der Wähler des Jahres 2021 kann nur hoffen, am eigenen Wählen nicht irre zu werden. Die innenpolitischen und die außenpolitischen Anmutungen klaffen weit auseinander. Am Ende wird er sich gewiss pragmatisch zusammenhalten und der Hoffnung hingeben, alles wird gut.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. April 2021 gegen den Berliner Mietendeckel besagt nicht, dass ein Deckel nicht geht, sondern er muss Bundesgesetz sein. Nach dem Affentheater um die Nominierung des Karnevalsprinzen Laschet zum CDU-Kanzlerkandidaten (Originalton Peter-Michael Diestel) sackten angesichts dieser Personalie die Umfragedaten der CDU/CSU noch am 20. April auf 21 Prozent ab, während die Grünen erstmals auf 28 Prozent aufrückten. Bei anderen Instituten pegelte sich das einige Tage später bei 28 zu 27 oder 23 zu 23 Prozent ein. Die Tendenz aber ist eindeutig. Sie besagt: eine Bundesregierung nach dem September 2021 ohne Christdemokraten wird möglich. Mit ihr könnte ein bundesweiter Mietendeckel – um das derzeit drängendste soziale Problem des Landes anzugehen – durchgesetzt werden. Das ginge aber nur mit einer grün-rot-roten Bundesregierung. Bei Schwarz-Grün würde dies die CDU nicht zulassen, in einer Ampelkoalition (Grüne mit SPD und FDP) letztere. In diesem Sinne titelte die „sozialistische Tageszeitung“ ND nach den Berliner Landesparteitagen Ende April, auf denen die Kandidatenlisten beschlossen wurden: „Die Mieter haben die Wahl“. So ist es. Seit langem wird es wieder eine Richtungswahl: Wenn die vielen Mieter in diesem Lande in ihrem ureigenen Lebens- und Wohninteresse wählen, wählen sie eine dieser drei Parteien. Das gilt für das Land Berlin und erst recht für den Bund.

Und wenn die Grünen es schaffen, eine Sogwirkung zu erzeugen, wie Gerhard Schröder und sein treuer Parteiknappe Franz Müntefering zu den Bundestagswahlen 1998, als sie dem ganzen Land suggerierten, das Abtreten von Helmut Kohl sei so sicher, wie das Amen in der Kirche, dann kommt das auch so. In der derzeitigen Konstellation würde eine solche Bundesregierung aller Voraussicht nach unter einer grünen Kanzlerin stehen, die dann die Richtlinienkompetenz hätte. So gewinnen die Ansichten von Annalena Baerbock und ihrer Partei zur Außenpolitik plötzlich staatspolitische Bedeutung.

Am 25. April wurde in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview mit Baerbock publiziert, in dem es vor allem um Außenpolitik ging. Eine Kernaussage lautete: „Das Wichtigste ist derzeit, den Druck auf Russland zu erhöhen.“ Es erhebt sich die Frage, was die präsumptive Kanzlerin Baerbock damit für die deutsch-russischen Beziehungen bezwecken möchte. Den Satz setzte sie fort mit: „damit das Minsker Abkommen eingehalten wird.“ Die Einhaltung des Minsker Abkommens krankt aber bereits seit Jahren daran, dass die Kiewer Regierung sich notorisch weigert, ihren Teil des Vertrages zu erfüllen, Weiterlesen Erzwungene Schizophrenie

Dritter Systemwettbewerb: It’s all about China!

von Jürgen Leibiger

Trotz Pandemie und Lockdown ist Chinas Wirtschaft im Vorjahr wie keine andere gewachsen. Selbst Japan oder Südkorea, die mit dem Corona-Virus bislang vergleichsweise gut zurechtkamen, rutschten in eine Rezession, während die Volksrepublik ein Wachstum um 2,3 Prozent verzeichnete. Mancherorts führte dies zur Feststellung, damit sei erneut und unabweisbar die Frage nach dem leistungsfähigeren Wirtschaftssystem aufgeworfen. Das beträfe nicht nur die Bewältigung des Infektionsgeschehens, sondern die Wirtschaft überhaupt. Während „der Westen“ abstürze und die Erholung unsicher sei, punkte China in diesem Jahr – so die Prognose – mit einer Wachstumsrate von 7 Prozent.

Werden beim Bruttoinlandsprodukt-Vergleich nicht Währungskurse, sondern Kaufkraftparitäten zugrunde gelegt, hat das Land nach den Berechnungen sowohl des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank als auch der CIA schon seit ein paar Jahren die USA als größte Volkswirtschaft überholt. Auch bei den Direktinvestitionen nimmt China den Spitzenplatz ein. Trotz wachsender Orientierung auf seinen Binnenmarkt gilt das mit großem Abstand auch für die Exporte. Mit über drei Billionen US-Dollar verfügt China über die höchsten Währungsreserven, darunter die meisten im Ausland gehaltenen US-Staatsanleihen. Es verfügt damit weit über doppelt so viel wie das zweitplatzierte Japan. Auch bei internationalen Patentanmeldungen hat China die Vereinigten Staaten überrundet. Weltweit reißt man sich darum, in China zu investieren, und fordert dessen Regierung immer dringlicher auf, seine Märkte mit den 1,4 Milliarden Verbrauchern zu öffnen.

Durch das RCEP-Abkommen (Regional Comprehensive Economic Partnership) ist gerade die größte Freihandelszone der Welt mit China im Zentrum entstanden. Es macht also Ernst mit dem Freihandel, was aber nicht etwa zu weniger, sondern mit Ausnahme beteiligter Staaten wie Japan, Australien oder Südkorea wohl zu mehr Sorgenfalten des „Westens“ führt; so hat man das wohl nicht gemeint. Zwar rangiert China beim Pro-Kopf-Einkommen unter „ferner liefen“, aber leicht lässt sich ausrechnen, dass bei dem vorgelegen Tempo seine Absicht, den Westen auch hierbei in etwa drei Jahrzehnten einzuholen, durchaus möglich ist. Wir Ossis wissen, wie schnell dreißig Jahre um sind, das ist gerade mal die Zeit seit der „Wende“.

Das sind natürlich Erkenntnisse, die nicht erst in der Pandemie gereift sind. Das Münchner ifo-Institut definierte schon vor geraumer Zeit einen neuen Themenkomplex „Globalisierung und Systemwettbewerb“. In diesem Wettbewerb gehe es „um militärische Vorherrschaft, aber auch um wirtschaftliche Konkurrenz: Wird der chinesische Staatskapitalismus die westlichen Marktwirtschaften in Wissenschaft, Technik und letztlich in wirtschaftlicher Dynamik und Effizienz übertreffen? Wird die Rolle Chinas in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Afrika, wachsen und den Einfluss des Westens zurückdrängen? Kommt es so weit, dass sich die globale Wirtschafts- und Handelsordnung zunehmend an chinesischen Interessen orientieren wird? Damit verbunden ist die Frage, ob westliche Werte wie individuelle Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit eine Zukunft haben.“ Und in einem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Positionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum „transatlantischen Band“ wird vom „systemischen Rivalen“ gesprochen, der „die werte- und regelbasierte internationale Ordnung in eine sinozentrische Weltordnung verändern“ wolle und „auch militärisch zunehmend als Herausforderer“ auftrete.

Das ifo-Institut schreibt von einem drittenSystemwettbewerb. Nachdem der Westen den kalten Krieg gegen den kommunistischen Ostblock gewonnen habe, sei der Wettbewerb zwischen den demokratischen Marktwirtschaften um Standorte, Regulierungs-, Sozial- und Steuersysteme, um Investitionen und Innovationen in den Vordergrund getreten. Und nun sei ein dritter Systemwettbewerb Weiterlesen Dritter Systemwettbewerb: It’s all about China!