Warum Bodo Ramelow die Gottesformel vermied

Bodo Ramelow ist neuer Ministerpräsident von Thüringen

Bodo Ramelow hat oft, zuletzt auch im Wahlkampf, von seiner Verwurzelung im christlichen Glauben gesprochen. Sein Elternhaus war christlich geprägt. Ein Name wie Martin Niemöller galt etwas in der Familie, die in Osterholz lebte und sich in der Nordelbischen Kirche zuhause fühlte. Doch als er am Freitag als Ministerpräsident im Erfurter Landtag vereidigt wurde, hat Ramelow seinen Eid ohne die mögliche Bekräftigung „So wahr mir Gott helfe!“ gesprochen – zur Verwunderung der Anwesenden. Warum? Hatte er es vor Aufregung vergessen, wie manche vermuteten?

Nein, sagt Ramelow. Er habe bewusst die weltliche Formel gewählt. „Das ist mein Respekt vor der Trennung von Kirche und Staat. Zwar soll mir Gott beistehen, aber das kann ich nicht schwören. Für mich ist das eine Bitte, ein Gebet an meinen Gott. In einem Eid für ein Staatsamt hat das für mich nichts zu suchen.“

Ramelow führt noch einen zweiten Grund an. Er habe die Formel auch aus Respekt vor seinen jüdischen und muslimischen Freunden, „meinen abrahamitischen Geschwistern“, nicht benutzt. Zwar sei in der Formel nur von Gott die Rede, aber im christlichen Abendland schwinge doch der christliche Gott mit. Er habe sich das alles schon vor langem überlegt, sagte Ramelow. „Es war keine parteitaktische Finesse.“

Politische Mitte im Osten?

Der Osten begann im Westen: bei den Wahlen zum (West-)Berliner Abgeordnetenhaus am 29. Januar 1989. Die heute längst vergessenen „Republikaner“ zogen ins Parlament ein; in den Umfragen hatten sie noch deutlich unter der Fünf-Prozent-Grenze gelegen. Das Rezept: Die Rechten setzten auf eine Melodie aus dem Italowestern „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und eroberten aus dem Stand 7,5 Prozent der wahlwilligen Westberliner Herzen – ein Fernsehwerbespot gegen Ausländer war mit dieser Musik unterlegt worden. (So etwas wagt sich heute nicht einmal ein Björn Höcke.) Die anfänglichen Schockwellen verebbten allerdings alsbald: in dem großen Strudel, in dem in den nächsten Monaten samt Mauer und Stacheldraht die DDR verschwand.
Nach der Gesamtberliner Wahl vom 2. Dezember 1990 war zudem „alles wieder gut“. Vor allem die neu hinzugekommenen Ostberliner hatten die „Republikaner“ auf 3,1 Prozent gedrückt (minus 4,4 Prozent); und statt ihrer (und der Alternativen Liste – heute Bündnis 90/Die Grünen) saß mit neun Prozent die, fast ausschließlich in Ostberlin gewählte, PDS im Abgeordnetenhaus.
Die Mehrheit der Ostdeutschen Weiterlesen Politische Mitte im Osten?

«Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale»

Ausstellungseröffnung am 20. August 2019, um 10.00 Uhr im Kunsthaus Erfurt, Michaelisstraße 34, 99084 Erfurt. Mit Dagmar Enkelmann, Bodo Ramelow, Gregor Gysi und Zeitzeug*innen.

Wer in diesen Wochen und Monaten an 30 Jahre politische Wende in der DDR und an die Grenzöffnung erinnert, kommt an einem Thema nicht vorbei: die Treuhandanstalt. Heute ist offensichtlich, dass deren marktwirtschaftliche «Schocktherapie» sich massiv bis in die Gegenwart auswirkt – wirtschaftlich-strukturell ebenso wie individuell-biografisch.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung lässt in einer neuen Wanderausstellung Zeitzeug*innen zu Wort kommen, deren Lebensgeschichten durch das Agieren der Treuhandanstalt unmittelbar beeinflusst wurden. Sie waren zur Wendezeit beispielsweise Schlosser auf der Neptunwerft Rostock, Kranführerin im Stahlwerk Riesa, Maurer im Chemiekombinat Buna, Kumpel im Kaliwerk Bischofferode oder Fernsehelektronikerin in Oberschöneweide. Als lebensgroße Weiterlesen «Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale»

Globale Räume für radikale Solidarität

Quelle: http://www.rosalux.de/documentation/53747
Vom 17. bis 20. September 2015 fand in Berlin der Erste Internationale Willi-Münzenberg-Kongress statt. Er zielte auf die Darstellung und Analyse von Akteuren, Formen und Praktiken globaler Solidaritätsnetzwerke vor dem Hintergrund der sozialen, kulturellen und humanitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Berlin, 17.-20.9.2015

Bodo Ramelow: Politischer Realismus in schwierigen Zeiten
Bodo Ramelow sprich über Herausforderungen in der täglichen Arbeit als Ministerpräsident, Bürgerversicherungen und Willi Münzenberg als Vorbild. Einen Schwerpunkt der Rede legt Bodo Ramelow auf das Thema Flucht und ruft dazu auf Fluchtursachen zu bekämpfen, nicht Flüchtlinge.