Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitswelt

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#003 |

Cornelia Jentzsch im Gespräch mit Dr. Markus Helfen

#003 | Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitswelt – Cornelia Jentzsch im Gespräch mit Dr. Markus Helfen

Zur aktuellen und prognostischen Wirtschaftlichen Situation in unserem Land führte die URANIA ein umfangreiches Gespräch mit Dr. Markus Helfen von der FU Berlin. Sind Online-Giganten wie Google und Amazon die großen Gewinner der Krise? Wie sieht unser wirtschaftliches Leben nach der Krise aus? Ist die Arbeitswelt noch dieselbe? Was sind Vor- und Nachteile von Home-Office und führt der Zwang zur Nutzung von digitalen Strukturen am Ende sogar zu einer Modernisierung der Arbeitswelt? Ist Kurzarbeit das ideale Wirtschaftsmodell um auf die Krise zu reagieren oder gibt es auch alternative Lösungswege? Diese und andere Fragen im Interview!

 

Dr. Markus Helfen, Privatdozent an der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt auf globalen Arbeitsstandards, Personal- und Arbeitspolitik in interorganisationalen Netzwerken sowie Nachhaltigkeit und Arbeit.

Cornelia Jentzsch, Programmleitung der Urania Berlin für den Fachbereich Mensch und Natur

Audio: „Besser es sterben Menschen als die Wirtschaft bricht ein“ Die Coronakrise als Offenbarungseid des Kapitalismus

von Lothar Galow-Bergemann

Was ist aus der Coronakrise zu lernen? Immer lauter werden die Stimmen aus Wirtschaft und Politik, die letztendlich darauf hinauslaufen, lieber mögen viele Menschen sterben als die Wirtschaft einbrechen. Wollen wir dieser barbarischen Logik wirklich folgen? Oder müssen wir nicht im Gegenteil aus einem Wirtschaftssystem aussteigen, das ins Wanken gerät, wenn seine hehren Prinzipien ewiges Wachstum und Maximalprofit nicht mehr funktionieren? Es ist mit Händen zu greifen, dass wir keine Wirtschaft brauchen, die sich um den Daxkurs dreht.  Wir brauchen eine, die den Stofflichen Reichtum zum Mittelpunkt hat, den wir wirklich zum Leben brauchen, um unsere Lebens-Mittel im weitesten Sinne. Den Abstrakten Reichtum der Kapitalverwertung müssen wir jetzt dringend hinter uns lassen. Es wird und muss harte gesellschaftliche Auseinandersetzungen um diese existentielle Frage geben. Denn außer in den Geschichtsbüchern darf der Kapitalismus keinen Platz mehr haben. 

Link https://archive.org/details/200327lgbbesseressterbenmenschen

Das regelt der Virus

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Deklarieren von Zuständigkeit beginnt gern mit dem Erklären von Unzuständigkeit. Man schickt den Vorbehalt voraus, damit er im folgenden nicht mehr störe. »Ich bin kein Virologe, aber …« Der Biologieunterricht ist lang her, ein paar populärwissenschaftliche Texte helfen dürftig aus. Bloß, was soll man denn machen? Wenn alle betroffen sind, geht es auch alle an. Die Pandemie hat ihre politische Seite.

Dieser Tage rückt das Land zusammen. Eine EM wird abgesagt, und keinen interessiert es. Von Faschisten im Landtag redet niemand mehr. Angela Merkel tut, was sie kann, nichts. Die B-Prominenz der Linkspartei ist entzückt: »Die Krisenkanzlerin. Merkel hat eine Churchill-Rede gehalten. Und sie hat es gut gemacht«, schreibt einer aus dem Dunstkreis der Fraktion. Der Notstand gestattet die Servilität, die man ohnehin zeigen wollte. Das Wir aber ist Fiktion. Die Pandemie wird in ihrem ökonomischen Impact vor allem die einfachen Lohnarbeiter und zahllose Freiberufler treffen. Die Giganten werden gerettet, zur Not verstaatlicht. (Was, wie Kai Köhler zuletzt an dieser Stelle bemerkte, rein gar nichts zu schaffen hat mit der Art Verstaatlichung, die dem Sozialismus vorausgesetzt ist.) Die sich abzeichnende Krise ist umfassend, denn die Prosperität der Sektoren hängt voneinander ab. Arbeit – einer muss es den wertkritischen Sonntagslinken mal sagen – ist keine Erfindung des Kapitalismus. Sie bedeutet Überleben.

In ihrem biologischen Impact wird die Welle alte Menschen treffen, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Weiterlesen Das regelt der Virus

„Wir müssen die Eigentumsfrage neu stellen“

„Wir müssen die Eigentumsfrage neu stellen“

Foto: Hahn + Hartung für der Freitag

„Arbeitslos? Das ist in der Hartz-IV- Republik eben keine Lappalie“

Naturschützer gehen mit Gewerkschaftern für eine ökologisch-soziale Transformation auf die Straße: Beim Klimastreik war das nicht zum ersten Mal der Fall. Überwindet da etwa die gesellschaftliche Linke gerade ihre tiefen Gräben?

Das wäre ganz im Sinne Hans-Jürgen Urbans, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall seit 2007, beim Gewerkschaftstag im Oktober stellt er sich wieder zur Wahl. Seit Jahren arbeitet er emsig daran, die Linke zu verbinden, statt sie zu trennen – so etwa im Band Neosozialismus, in dem er eine „Mosaiklinke“ skizziert, die trotz all ihrer Konflikte gemeinsam für eine Alternative zum gegenwärtigen Kapitalismus kämpft. Im VSA-Verlag ist nun sein neues Buch Gute Arbeit in der Transformation erschienen.

der Freitag: Herr Urban, sollten SUVs verboten werden?

Hans-Jürgen Urban: Das ist wohl weder realistisch noch die Lösung aller Probleme.

Ich war neulich in Eisenach, bei Opel: Die Belegschaft feierte den Start der Produktion eines neuen SUV-Modells und forderte noch mehr Modelle in noch mehr Schichten.

Produktion bedeutet Beschäftigung! Zugleich ist offensichtlich, dass der gegenwärtige Trend, immer größere und verbrauchsstärkere Fahrzeuge zu bauen, in die Sackgasse führt. Wir brauchen Weiterlesen „Wir müssen die Eigentumsfrage neu stellen“

Kapitalismus und Verantwortung: Wie wollen wir wirtschaften?

Kapitalismus und Verantwortung: Wie wollen wir wirtschaften?

Wie wollen wir als Gesellschaft leben? Jeder für sich gegen alle? Oder mit einem gemeinsamen Ganzen im Blick? Wie sieht das aus? Soll es immer mehr sein – oder immer besser? Welchen Werten folgen wir? 

Von: Nina Landhofer und Jörg Paas 

Stand: 05.08.2019

Heute | 19:05 Uhr

Dossier Politik, 2019, 21.05 Uhr, Bayern 2 
Dossier Politik, 2019, 19:05 Uhr, B5 aktuell

Studiogäste: 

  • Andrea Behm (Gemeinwohl-Ökonomie Bayern e.V.)
  • Prof. Marcel Fratzscher (Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW)
  • ALEXA (Sprach-Assistentin)

Moderation: Nina Landhofer
Redaktion: Nina Landhofer/Jörg Paas

Themen der Beiträge:

  • Persönlicher Konsum und gerechte Wirtschaftsordnung – wie passt das zusammen? (Jean-Marie Magro)
  • Arbeiten im Kollektiv statt Malochen im Kapitalismus: Im Münchner Café Ruffini gibt es weder Chefs noch Untergebene (Franziska Spiecker) 

Das Manifest gegen die Arbeit zwanzig Jahre später. Nachwort zur vierten Auflage

Seit wir vor fast 20 Jahren das Manifest gegen die Arbeit veröffentlichten hat sich die fundamentale Krise des Kapitalismus nicht nur in ökonomischer Hinsicht rasant verschärft, sondern stellt zunehmend den Bestand der Warengesellschaft insgesamt in Frage. Die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen schreitet ungebremst voran, die soziale Zerklüftung der Welt hat dramatische Ausmaße angenommen und auf politischer Ebene erleben wir eine unheimliche Wiederkehr kollektiver Identitäten, die mit dem Aufschwung nationalistischer, rechtsextremer und linkspopulistischer Parteien und Bewegungen einhergehen. Dass die quasi-religiöse Überhöhung der Arbeit darunter nicht gelitten hat, kann nicht verwundern, stellt sie doch ein konstitutives Element der modernen Subjektivität dar und verweist darin auf die zentrale Stellung der Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft. Allerdings hat sich die arbeitsideologische Ausrichtung seit den 1990er Jahren in mancher Hinsicht verändert. Stand damals das Abfeiern der individuellen Leistungsbereitschaft im Mittelpunkt, gemäß dem neoliberalen Motto, wonach jeder und jede für das eigene Glück selbst verantwortlich zu sein habe, so ist mittlerweile die Anrufung der Arbeit wieder verstärkt in das Zentrum kollektiver Identitätskonstruktionen gerückt und flankiert ideologisch die nationalistische Abgrenzung und den rassistischen Ausschluss. Hinzu kommt die altbekannte, antisemitisch konnotierte Entgegensetzung von „ehrlicher Arbeit“ und „parasitärem Finanzkapital“, die im Zuge des anhaltenden Krisenprozess eine Renaissance erfahren hat. Neu ist das nicht. Schon in den 1990er Jahren mengten sich diese ideologischen und identitären Momente in den neoliberal dominierten Arbeitsfetischismus; wir haben das auch bereits im Manifest thematisiert. Allerdings prägen sie nun den Arbeitsdiskurs in zunehmender Weise

Die Kritik der Arbeit bleibt daher so aktuell wie eh und je. Jedoch hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht nur die gesellschaftliche Krise weiter zugespitzt; auch die Wertkritik ist in ihrer theoretischen Entwicklung nicht stehen geblieben. Mit einem geschärften begrifflichen Instrumentarium sind wir heute in der Lage, den Krisenprozess nicht nur in seinen ökonomischen und politischen, sondern auch in seinen subjektiven und ideologischen Dimensionen in vieler Hinsicht präziser zu analysieren. Es ist unmöglich, das hier ausführlich darzustellen, doch sollen einige wichtige Aspekte zumindest kurz skizziert werden. Wer diese weiterverfolgen möchte, sei auf die Texte verwiesen, die sich in den Endnoten finden.[1]

***

Beginnen wir zunächst mit einigen Bemerkungen zur ökonomischen Entwicklung im engeren Sinne. Es könnte vielleicht mit Blick auf die blanken empirischen Daten so scheinen, als hätten wir uns im Manifest mit dem Satz, wonach der „Verkauf der Ware Arbeitskraft … im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein (wird), wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen“ [2], etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Dennoch Weiterlesen Das Manifest gegen die Arbeit zwanzig Jahre später. Nachwort zur vierten Auflage

Manifest gegen die Arbeit

Vierte Druckauflage erschienen

Auch zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen erfährt das Manifest gegen die Arbeit auf allen Publikationskanälen und in den verschiedensten Sprachen weiterhin ungebrochenen – und in letzter Zeit sogar wieder wachsenden – Zuspruch. Und da es trotz seiner freien Zugänglichkeit im Internet immer noch eine rege Nachfrage nach der gedruckten Fassung gibt, haben wir uns zur Veröffentlichung einer vierten Auflage entschlossen. Weil sich jedoch seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1999 nicht nur die gesellschaftliche Situation verändert hat, sondern auch wir, die Gruppe Krisis, unser theoretisches Instrumentarium geschärft haben, ist diese Ausgabe mit einem ausführlichen Nachwort ergänzt worden, in dem wir einige Punkte aus dem Manifest in gewisser Weise aktualisieren und präzisieren.

Link zum Nachwort

Link zum Manifest gegen die Arbeit

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Die Krisis-Redaktion

Druck auf Deutschland steigt: Höhere Löhne und Investitionen gefordert

Frankreich und der Währungsfonds nehmen Berlin wegen hoher Überschüsse in die Pflicht. Aus Österreich kommt Unterstützung

Der Druck auf Deutschland wächst. Wieder einmal. Seit sich die Konjunktur abkühlt, werden wieder stärkere Akzente von Regierungen als probates Gegenmittel gesehen. Am meisten Potenzial für zusätzliche Maßnahmen hätte Deutschland, weil es große Budget- sowie Exportüberschüsse erzielt.

Die Überlegung dahinter: Das Geld für mehr Investitionen wäre vorhanden, und die Staatsausgaben würden wiederum zu mehr Konsum und folglich Importen führen. Das würde dann auch anderen Ländern helfen, so die Devise. Der Währungsfonds hat seinen Appell in diese Richtung erneuert: Eine expansivere Fiskalpolitik wäre hilfreich, sagte IWF-Direktor Vitor Gaspar.

Löhne nicht starkt genug gestiegen

Der Europa-Direktor des Fonds, Poul Thomson, legte am Freitag nach: Die Löhne in Deutschland seien nicht stark genug gestiegen, beklagte er. Diese Zurückhaltung sei der Hauptgrund für den hohen Handelsbilanzüberschuss. Die Diskussion hat durch einen Vorschlag Frankreichs zusätzlich an Fahrt aufgenommen. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire forderte via „Financial Times“ einen „neuen Wachstumspakt für die Eurozone“, der brisante Aspekte enthält: Länder mit Budgetüberschüssen, konkret Finnland, die Niederlande und eben Deutschland, sollen stärker investieren. Weniger wettbewerbsstarke Staaten wie Frankreich sollten sich auf ihre Reformen fokussieren und die Staatsfinanzen stärken.

Deutscher Konter

Das kommt in Deutschland nicht gut an. Bundesbankpräsident Jens Weidmann konterte bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank, die Ausstrahlung zusätzlicher Investitionen auf die Importe sei gering. Und Weidmann etwas grundsätzlicher: Wie sollen Konjunkturprogramme funktionieren, die für andere Staaten gedacht sind? Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz (SPD) kann mit Le Maires Initiative ebenfalls wenig anfangen, antwortet aber diplomatisch: Die deutschen Investitionen befänden sich auf Rekordniveau, zudem werde viel zur Stärkung der Einkommen und damit der Belebung des Konsums unternommen. Scholz betreibt zudem Ursachenforschung: In seinen Augen leidet die Weltwirtschaft unter politischen Konflikten wie dem Handelsstreit oder dem Brexit. Diese Risiken sollten beseitigt werden, lautet seine Devise.

Nowotny für mehr Ausgaben

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny kann den Forderungen an Deutschland zur Konjunkturbelebung einiges abgewinnen. Seiner Meinung nach wäre es gut, wenn das Nachbarland Maßnahmen ergreifen würde, sollte sich die Wirtschaft weiter abkühlen. Laut Nowotny sollte eine Liste mit rasch umsetzbaren Projekten erstellt werden, da Investitionen generell zeitverzögert wirken.

Als Beispiele nennt er im Gespräch mit dem STANDARD Gebäuderenovierungen. Der ökonomische Zusammenhang ist für Nowotny klar: Mehr Investitionen führten zu mehr Konsum und Importen. Der Gouverneur erinnerte zudem daran, dass Deutschland mit seiner Exportausrichtung vom globalen Abschwung besonders stark betroffen sei. (Andreas Schnauder aus Washington, 12.4.2019)

Du musst dein Leben ändern

Du musst dein Leben ändern

Foto [M]: Imago, Getty Images

„Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse.“ (Oscar Wilde)

Früher musste man die Menschen in die Fabriken hineinknüppeln. Heute muss man sie aus den Betrieben und Büros herausprügeln. So sehr haben sie ihre abhängige Erwerbsarbeit als sinnstiftend, unabdingbar und naturnotwendig akzeptiert. Viele Umfragen zeigen: Selbst wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe, würden die meisten einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen. Vordergründig ist also kein Zwang mehr notwendig, damit die Leute große Teile ihrer Lebenszeit einem Unternehmen übereignen.

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war das noch anders. Wer Menschen für sich arbeiten lassen wollte, brauchte rohe Gewalt. Vor ein paar hundert Jahren erfolgte die Trennung von Produzenten und Produktionsmitteln, und es entstand der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital. Karl Marx schuf für diesen, den Kapitalismus begründenden Akt den Begriff der ursprünglichen Akkumulation. Dass wenige reich sind und viele arm, so Marx, sei nicht Weiterlesen Du musst dein Leben ändern