Antifaschisten in Deutschland Warum es „die“ Antifa nicht gibt

Während Trump von einem Verbot der Antifa als vermeintliche Terrororganisation fantasiert, schwanken deutsche Politiker*innen zwischen solidarisieren und distanzieren. Aber wer oder was ist „die“ Antifa überhaupt? Unsere Autorin hat sich auf eine Spurensuche begeben.

Mitglieder der Antifa protestieren gegen Corona-Leugner | Bild: picture alliance/Christoph Gateau

Zwei Fahnen, eine rote, eine schwarze. Sie wehen nach links. Dazu ein Molotow-Cocktail, aus Tinte auf dem Oberschenkel. Wenn ich an die Antifa denke, dann als Erstes an den kleinen Bruder einer Freundin und seine Tattoos. Antifaschismus bis unter die Haut. Er: groß, blond, sozialisiert in einem autonomen Jugendzentrum in der Provinz und: harmlos. Er hat zwar immer von „Bullen“ und „Nazis klatschen“ geredet, aber seine Methoden waren ganz friedlich: demonstrieren, blockieren, musizieren.

Gegen Faschismus: Ja. Für die Antifa: Nein?

Trotzdem ist er wohl einer der Typen, von denen sich Unionspolitiker*innen distanzieren, wenn sie auf Twitter schreiben, sie seien zwar gegen Faschismus, aber für die Antifa, nein, das nicht. Anders als zum Beispiel die SPD-Vorsitzende Saskia Esken, die im Juni in einem Tweet schrieb, sie sei „Antifa. Selbstverständlich“. Ihre Reaktion auf Donald Trumps Idee, die Antifa in den USA als Terrororganisation zu verbieten.

Aber was genau soll das sein: „die“ Antifa? Und wie konnte aus einem der Gründungsbausteine der Bundesrepublik, dem Antifaschismus, ein Feindbild werden? 

Die Antifa wurde 1947 gegründet: Von Widerstandskämpfern und Holocaustüberlebenden

Friedbert Mühldorfer ist pensionierter Lehrer und lange Jahre Landessprecher der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“, kurz VVN-BdA. Allein in Bayern hat er nach eigenen Angaben über 900 Mitglieder. Er sagt: „Es war für mich schon auch immer wieder eine Belastung zu wissen, dass ich eigentlich laut Verfassungsschutz als linksextremistisch verschrien bin.“ Dass der Bayerische Verfassungsschutz die VVN-BdA für extremistisch hält, dafür hat Mühldorfer wenig Verständnis. Er verweist auf 1947, als ehemalige Widerstandskämpfer, Holocaustüberlebende und KZ-Häftlinge die Vereinigung gründeten: „Es war vollkommen klar, dass sich nach der Befreiung alle Verfolgten als Antifaschisten verstanden haben. Es waren sehr viele in der VVN auch tätig bei der Beratung der Bayerischen Verfassung und haben sich später entsprechend auch in Kommunen und den Parlamenten engagiert.“

Nur in Bayern taucht der Verband im Verfassungsschutz auf

Bis heute engagiert sich der Verband in der Erinnerungsarbeit und stellt sich Aufmärschen von Neonazis entgegen – gewaltfrei: „Es ist völlig undenkbar gewesen, dass die ehemaligen Nazi-Verfolgten, wenn die eine Kundgebung gemacht haben gegen die NPD, dass die irgendetwas mit Gewalt zu tun gehabt hätten. Die VVN ist eine Organisation, die von manchen Teilen der Antifa als zu brav und zu bürgerlich gesehen wird.“

Brav und bürgerlich – da ist das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz anderer Meinung. In anderen Bundesländern und im Bund taucht der Verband nicht in den Verfassungsschutzberichten auf, in Bayern schon. Denn, so Verfassungsschutz-Pressesprecher René Rieger, die VVN-BdA arbeite mit der Deutschen Kommunistischen Partei zusammen und strebe ein marxistisches System an: „Die Gewaltanwendung liegt hier nicht vor oder die Gewaltaffinität, wie es beispielsweise bei autonomen Gruppierungen ist, allerdings ist es dennoch extremistisch, weil es die Grundfesten unseres Verfassungsstaates ablehnt und aktiv bekämpft.“

Die Bedeutung von Antifa hat sich über die Jahre gewandelt

Friedbert Mühldorfer, der Weiterlesen Antifaschisten in Deutschland Warum es „die“ Antifa nicht gibt

Mikis Theodorakis wird 95 : Dennoch lieben wir ihn

Als das Militär in Griechenland putschte, brachten Lieder von Mikis Theodorakis Kampfgeist in jeden Winkel. Am 29. Juli wird er 95 Jahre alt.

Schwarzweißes Foto, dunkler Hintergrund, ein Mann mit vollen Locken singt ins Mikro.

Mikis Theodorakis bei einem Konzert 1977 in Göttingen Foto: Imago Stock&people

Griechisches Urgestein, musikalisches Genie, lebende Legende, Volksheld, Opportunist und auch Verräter – Theodorakis hat im Laufe seines langen Lebens zahlreiche Betitelungen verpasst bekommen. Musikalisch gilt er unangefochten als Genie – doch sein politisches Engagement hat ihn immer wieder in die Kritik gebracht. Am Mittwoch wird er 95 Jahre alt.

Theodorakis wird am 29. Juli 1925 auf der Insel Chios geboren. Seine Mutter Aspasia stammt aus Cesme in Kleinasien, der heutigen Türkei. Sie floh im Jahr 1922 im Zuge der kleinasiatischen Katastrophe nach Chios. Dort lernte sie Giorgos Theodorakis kennen. Er kommt aus Galatas bei Chania auf Kreta und arbeitet im Staatsdienst als Präfekt.

Die Familie muss in ganz Griechenland herumziehen, weil der Vater immer wieder woanders stationiert wird. Das macht es schwer für den kleinen Mikis. Immer wieder muss er sich umgewöhnen, sich neue Freunde suchen. Er findet Trost in der Musik – bereits im Kindesalter zieht er sich oft zurück und komponiert.

Kampf gegen deutsche Besatzer

Mit 18 Jahren geht er nach Athen und schreibt sich zum Kompositionsstudium ein. Um sich zu finanzieren, arbeitet er in Piräus als Transportarbeiter. Er lernt seine spätere Frau Myrto kennen. Griechenland ist zu der Zeit bereits von den Deutschen okkupiert. Theodorakis schließt sich der griechischen Befreiungsarmee an und kämpft nachts gegen die Besatzer. Dennoch schafft er sein Studium in vier Jahren.

Nachdem Griechenland den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte, erschüttert ein Bürgerkrieg das Land. Er wütet über drei Jahre und reißt eine tiefe Schlucht zwischen Linke und Rechte. Theodorakis ist gerade mal 22 Jahre alt und kämpft erneut aufseiten der Linken. 1947 wird er gefangen genommen und in das berüchtigte Lager Makronisos gebracht. Er übersteht psychische und physische Folter. Sein Rettungsanker ist wieder das Komponieren. 1949 schafft es sein Vater, ihn zu befreien. Theodorakis erholt sich für einige Zeit auf Kreta.

Mitte der 50er Jahre ziehen er und Myrto nach Paris. Theodorakis hat ein Stipendium für ein Aufbaustudium am Konservatorium in Paris bekommen. Dort lehren Größen wie der Komponist und Organist Olivier Messiaen. Myrto ist bereits Ärztin und will in Paris ihren Facharzt in Radiologie antreten. Das Paar fühlt sich zum ersten Mal wieder wirklich sicher. Doch trotz aller Freiheit zieht es den Komponisten einige Jahre später in seine Heimat Griechenland zurück. Ihn stört das oft elitäre Gehabe der Pariser Musikszene. Theodorakis will sich – auch musikalisch – wieder auf griechischen Boden begeben.

Kleine Kulturrevolution

1960 kehrt er zurück nach Athen und löst fast eine kleine inländische Kulturrevolution aus. Denn er vertont Texte großer griechischer Lyriker, wie des Kommunisten Jannis Ritsos oder der Nobelpreisträger Odysseas Elytis und Giorgos Seferis, mit einer Bouzouki. Das bauchige Saiteninstrument gilt in Griechenland zu der Zeit noch als vulgär und Weiterlesen Mikis Theodorakis wird 95 : Dennoch lieben wir ihn

bundesweit größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus

 
 
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – BdA
⁦‪@vvn_bda‬⁩
🧐sieht nach 7.000 Followerinnen und Followern bis heute abend aus. Großartig!
Herzlich willkommen nochmal an alle beim Twitter-Kanal der „bundesweit größte[n] linksextremistisch beeinflusste[n] Organisation im Bereich des Antifaschismus.“ (lt. bayr. Verfassungsschutz)
 
25.07.20, 14:59
 
 

Juden kritisieren Gemeinnützigkeits-Aberkennung für Verfolgte

Falsches Signal

Die Vereinigung setzt sich für Verfolgte des Naziregimes und Entschädigung von NS-Opfern ein. Das Finanzamt Berlin hat jetzt den Status der Gemeinnützigkeit aberkannt. Kritik kommt vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat kritisiert, dass das Berliner Finanzamt für Körperschaften der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, kurz: VVN-BdA) die Gemeinnützigkeit aberkannt hat. Die Vereinigung habe sich über Jahrzehnte für die Anerkennung und Entschädigung von NS-Opfern eingesetzt, sagte sein Zentralrat-Präsident Josef Schuster dem „Tagesspiegel“ (Donnerstag, online). „Bis heute ist die VVN-BdA aktiv im Kampf gegen Rechtsextremismus. Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit ist nicht nachzuvollziehen und gerade in diesen Zeiten ein falsches Signal.“

Schuster reagierte damit auf einen „Tagesspiegel“-Bericht, wonach die Bundesregierung das Ende 2019 bekanntgewordene Vorgehen der Berliner Finanzbehörde und auch des Verfassungsschutzes verteidigt. „Eine der Aufgaben des Verfassungsschutzbehörden ist, Weiterlesen Juden kritisieren Gemeinnützigkeits-Aberkennung für Verfolgte

Antifaromantik und Freundinnenschaft

Paula Irmschlers Roman »Superbusen« ist wie selbstverständlich feministisch und antifaschistisch. Das ist gut

Von Bilke Schnibbe

Foto: privat

Paula Irmschlers ersten Roman zu rezensieren ist keine leichte Aufgabe. »Superbusen« handelt von Gisela und ihren Freundinnen, die in Chemnitz leben, sich dort mit der Gesamtscheiße (insbesondere Nazis, Polizei, Männern, Körpernormen und prekären Verhältnissen) herumärgern und eine Band gründen. Viel Stoff also, um pathetische Worte wie »DER Antifaroman« oder »DER Frauenfreundschaftsroman« aus dem Ärmel zu schütteln. Eine Liebeserklärung an Frauen, eine Liebeserklärung an Beton, eine Liebeserklärung an Dings. Kämpferisch, leidenschaftlich, tabulos! Ach so, und an Ostdeutschland natürlich.

Paula Irmschler, 1989 in Dresden geboren und aufgewachsen, ging 2010 zum Studieren nach Chemnitz. Ganz wie ihre Protagonistin Gisela. Mittlerweile ist Irmschler Redakteurin bei der Satirezeitschrift Titanic und freie Journalistin. Auf einer Lesung ihres Buches Anfang März erklärte sie, dass sie kein Interesse habe, darüber zu schreiben, dass es in Sachsen »gar nicht so schlimm« sei mit den Faschos. Das stimme so nicht. Diese Haltung Weiterlesen Antifaromantik und Freundinnenschaft

Aufstand im Warschauer Ghetto Symbol des jüdischen Widerstands

Der Aufstand im Warschauer Ghetto am 19. April 1943 war der größte bewaffnete Widerstandsakt von Juden in Europa gegen die Nationalsozialisten. Doch mit dieser Rebellion verband sich nicht die Hoffnung auf Sieg und Überleben. Der Aufstand jährt sich nun zum 75. Mal.

Von Johanna Herzing

SS-Truppen deportieren am 16.05.1943 Bewohner des Warschauer Ghettos. (imago / United Archives)
SS-Truppen deportieren am 16.05.1943 Bewohner des Warschauer Ghettos. (imago / United Archives)

Es wird kein stilles Gedenken am 19. April in Warschau. Sirenen werden die Stadt und ihre Bewohner für einen Moment zur Aufmerksamkeit zwingen. Manch einer wird an diesem Tag auch zurückdenken.

„Ich habe mir schon vorgestellt, dass ich kämpfe, aber so wie in diesen Rittermärchen, also dass ich auf einem Pferd reite, dass ich schieße und kämpfe – das waren so meine Phantasien.“

Krystyna Budnicka – früher, vor 75 Jahren, noch Hena Kuczer. Im April 1943 ist sie 11 Jahre alt. Sitzt in einem unterirdischen improvisierten Bunker, im sogenannten „Jüdischen Wohnbezirk“ von Warschau. Gemeinsam mit ihren Eltern, einigen Geschwistern und anderen jüdischen Familien, die sich vor den deutschen Besatzern verstecken. Hena weiß, dass oben gekämpft wird.

Bewacht von einem deutschen Soldaten stehen Bewohner des Warschauer Ghettos mit erhobenen Armen in einem Innenhof. (dpa)Bewacht von einem deutschen Soldaten stehen Bewohner des Warschauer Ghettos mit erhobenen Armen in einem Innenhof. (dpa)

„Aber wir waren einfach sehr geschwächt, hauptsächlich haben wir geschlafen. Wahrscheinlich war das eine Überlebensstrategie des Körpers, einfach um nicht unnötig Energie zu verschwenden. Ich kann mich also nicht als Teilnehmerin bezeichnen, denn den Aufstand im Ghetto habe ich unter der Erde überlebt.“

Radikal ungleiches Kräfteverhältnis

Der Aufstand im Warschauer Ghetto am 19. April 1943 – ein Ereignis von enormer Strahlkraft. Der größte bewaffnete jüdische Widerstandsakt während der Nazi-Besatzung Europas. Ein Symbol, war doch das Kräfteverhältnis der beiden Gegner so radikal ungleich.

Es sind vergleichsweise wenige Jüdinnen und Juden, die den Ausbruch des Aufstands überhaupt erleben. 1940 hatten die deutschen Besatzer das Ghetto errichtet, es durch eine Mauer abgeriegelt und dort zeitweise rund 450.000 Menschen zusammengepfercht. Als der Aufstand 1943 ausbricht, Weiterlesen Aufstand im Warschauer Ghetto Symbol des jüdischen Widerstands

Linke Männerfantasien

Diskussion Auf Social Media lassen Antifas ihre Männlichkeit an Nazis raus, Kritiker*innen werden zum Ziel von Belästigung

Von Jeja Klein und Bilke Schnibbe

Seit einigen Jahren haben sich Antifa-Facebookseiten als viel benutzte Informationsquellen in Teilen der Szene durchgesetzt. Sie verbreiten wichtige Recherchen, tagesaktuelle Meldungen zu Nazis, erzeugen mit Memes Stimmung oder veröffentlichen eigene Texte. Seiten wie Antifa Infos & Mobilisierungen, Antifa Ü40 oder Antifa Kampfausbildung bewegen sich im Bereich einiger Tausend bis 30.000 Likes. Ihre Reichweite auf Facebook und damit ihr Einfluss auf die Repräsentation der Antifabewegung in Deutschland sind dadurch groß.

Leider geht mit der hohen Reichweite dieser Seiten nicht die notwendige, feministische Haltung einher, die es bei Community-Management und Kommentarmoderation in sozialen Medien braucht. Daraus folgt, dass sowohl in den Posts der Seiten selber als auch in der Kommentarsektion üble Verhältnisse herrschen: Nazis werden aufgrund vermeintlicher Unmännlichkeit der Lächerlichkeit preisgegeben, über sie werden homophobe Anspielungen gepostet und abgeliked. Dicke Nazis, vor allem Frauen, eignen sich am besten für zehn Sekunden Triumphgefühl. Widerspruch von Frauen respektive Feminist*innen führt zu Anfeindungen, sexualisierten Anspielungen und Bedrohungen seitens der antifaschistischen Online-Community.

Bei Versuchen, kritisch in die auf den Seiten gepflegte giftige Kultur zu intervenieren, haben wir mehrfach Heftiges erlebt. Eine Antifaseite informierte beispielsweise in einem Post mit Foto darüber, dass ein bekannter Nazi aufgrund von Körperverletzungsdelikten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Die Kommentierenden nahmen unter diesem Post hämisch Bezug auf das vermeintlich unmännliche Auftreten und den Körper des Nazis. Mehrere Kommentare zogen »witzig« in Zweifel, dass der Mann körperlich zu Übergriffen in der Lage sei. Dabei war das offensichtlich der Fall. Ein der Antifaszene zuzurechnender Mann mit einem per Profilbild dokumentierten Bodybuilderkörper mit Stiernacken schrieb: »40 Kilo purer Hass« und erntete dafür großen Beifall. Ein anderer schrieb: »Da haben die Kerle im Knast doch mal ein hübsches Nazi-Mädchen zum vernaschen« – eine Vergewaltigungsfantasie.

Auf feministische Kritik reagiert man sensibel

Auf kritische Kommentare durch eine von uns, dass es sich bei solchen Sprüchen unter anderem um Verharmlosung und Legitimation sexueller Gewalt handelt, reagierten Weiterlesen Linke Männerfantasien

Esther Bejarano fordert Feiertag am 8. Mai

Auschwitz-Überlebende schreibt offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Esther Bejarano

dpa/Axel Heimken

Berlin. Die Holocaust-Überlebende und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in Deutschland, Esther Bejarano, hat sich dafür ausgesprochen, in Erinnerung an die Befreiung vom Nationalsozialismus den 8. Mai zu einem Feiertag zu erklären. Dies sei seit sieben Jahrzehnten überfällig, schreibt die 95-Jährige in einem am Sonntag in Berlin verbreiteten offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Mitglieder des Bundestages.

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»Der 8. Mai muss ein Feiertag werden. Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann«, erklärte die 1924 in Saarlouis geborene Jüdin. Dies würde helfen, »endlich zu begreifen, dass der 8. Mai Weiterlesen Esther Bejarano fordert Feiertag am 8. Mai

Pressemitteilung Black Kitchen: Wenn die Küche zum Staatsfeind wird

Jena. Das Aktionsküchenkollektiv Black Kitchen wird offiziell vom Thüringer Verfassungschutz beobachtet. Im kürzlich veröffentlichten Bericht 2018 der Behörde wird die Kochgruppe auf Seite 100 erwähnt. Dort wird ausgeführt: die Gruppe hätte einen Crepês-Stand auf antifaschistischen Protesten in Mattstedt aufbauen wollen. Die Kochgruppe ist dadurch die erste SoKü (auch Volxxküche  genannt), die vom Inlandsnachrichtendienst überwacht wird.

Die Gruppe kritisiert die öffentliche Denunzation durch den Verfassungsschutz in einem schriftlichen Statement: „Wie kommt der Verfassungsschutz dazu die Zubereitung köstlicher Crepês als verfassungsfeindlich einzustufen, wenn er gleichzeitig hilflos agiert, wenn Nazis mordend durchs Land ziehen? „

Politisch ordnet Black Kitchen die Erwähnung als Teil des gesellschaftlichen Rechtsrucks ein: „Aktuell erleben wir einen gesellschaftlichen Backlash gegen alles Linke, Emanzipatorische und Solidarische. Dem Angriff des rechtsterroristischen/rechtsextremen Teils der Gesellschaft mit einigen offenkundig auftretenden Hardlinern giltes entschlossen entgegen zu treten! Wenn sogar Gruppen die nur Essen kochen zur Spionage freigegeben werden, ist kein*e Aktivist*in mehr sicher vor diesem Staat.“

Die Black Kitchen ist ein Kollektiv verschiedener Menschen, welche für große und kleine Demonstrationen kochen und gemeinsam mit den Aktivist*innen die Nahrungsversorgung sicherstellen. So kochte die Gruppe unter anderem auf dem G7 Gipfel in Elmau, auf dem G20 Gipfel in Hamburg, auf Klimacamps und zahlreichen regionalen Protesten. Die Aktivist*innen unterstützten Ende des Monats die Proteste des Bündnisses „Ende Gelände“ in der Lausitz um zu Helfen , „den Kohleausstieg selbst in die Hand zu nehmen“.

Die Köch*innen kündigen eine rechtliche Prüfung der Beobachtung durch den Verfassungsschutz und Erwähnung im Verfassungsschutzbericht an.

Black Kitchen — see us on the streets!

https://www.blackkitchen.space/

Presseanfragen bitte an post@blackkitchen.space

Erwähnung im Bericht:

  „Kurzfristig hatte auch „Black Kitchen“ (39) zur Teilnahme an  den  „vielfältigen  Protesten“  aufgerufen  und  eine  SoKü (40)  mit  „All  Crêpes Are Beautiful (41) Stand“ angekündigt.“

(39)   „Black Kitchen“ beschreibt sich selbst als „Aktionskochkollektiv“ mit dem Ziel, „eine vegane Essensversorgung für  radikale  und  emanzipatorische  Kämpfe  zu  stellen.“  Das  Kollektiv  setze  sich  u.  a.  aus  „radikalen  Linken“  und „AnarchistInnen“ zusammen. Man koche nicht für „reformistische Kackscheiße oder reaktionäre Arschlö-cher“.  In  der  Eigendarstellung  heißt  es  weiter:  „Wir  wollen  kein  Stück  von  eurem  Kuchen  –  wir haben selbst eine  Bäckerei!  See  us  on  the  streets!“  Bei  den  Protesten  gegen  den  G7-Gipfel  2015  in  Elmau  (Bayern)  trat  „Black Kitchen“ erstmals in Erscheinung.

(40)   Übliche Abkürzung für „Solidarische Küche“.

41   Steht für die Abkürzung A.C.A.B (All Cops Are Bastards).

Antifaschismus ist Verfassungsauftrag!

VDJ fordert sofortige Aufhebung der Aberkennung der Gemeinnützigkeit der VVN

VDJ fordert sofortige Aufhebung der Aberkennung der Gemeinnützigkeit der VVN

Gerade in Zeiten, in denen rechte Gesinnung zunehmend „gesellschaftsfähig“ wird und in die Mitte der Gesellschaft vorstößt, ist antirassistisches und antifaschistisches Engagement überlebenswichtig, um den offenen Meinungsdiskurs zu verteidigen und demokratische Räume zu erhalten. Insofern kann auch nicht zwischen sog. „gutem“ und „schlechtem“ Antifaschismus unterschieden werden.

Wenn nunmehr das Berliner Finanzamt für Körperschaften I gerade der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Bundesrepublik Deutschland (VVN-BdA) e.V. die Gemeinnützigkeit im Sinne des Steuerrechts aberkennt, wird dadurch eine Vereinigung, die sich bisher herausragend gegen Rechts engagiert hat, nicht nur in ihrer Existenz bedroht, sondern auch das Wirken der Überlebenden des Holocausts und der Nachgeborenen gegen Faschismus und Krieg diskreditiert.

Soweit das Berliner Finanzamt sich zur Begründung seiner Entscheidung ausgerechnet auf den bayerischen Verfassungsschutzbericht 2016 und ausschließlich auf die dortige Verschlagwortung im Anhang bezieht, in der die VVN-BdA als Organisation des „Linksextremismus“ gelistet ist, widerspricht das auch den Bewertungen im Verfassungsschutzbericht selbst, wonach die VVN-BdA als „linksextremistisch beeinflusste Organisation“ bezeichnet wird. Das ist eine vollkommen unbestimmte Bewertung, die im Bericht selbst keine Grundlage findet und Weiterlesen Antifaschismus ist Verfassungsauftrag!