Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus

Ein Vortrag von Theodor W. Adorno, gehalten an der Universität Wien am 4. Juni 1967.

Quelle (Audiodatei): https://archive.org/details/AdornoAsp…

Foto: Manfred Rehm, dpa (Adorno am 28. Mai 1968)

Quelle (Foto): https://www.franceculture.fr/emission…

Absurde Apokalypse

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Ideengeschichte Erst heute erweist sich, wie recht die Denker der Frankfurter Schule hatten. Warum wir Adorno et al. lesen sollten
Absurde Apokalypse

Foto: Philippe Roy/Image Source/dpa (links), Picture Tank/Agentur Focus (rechts)

„Die Dominanz des Kapitalismus im Weltmaßstab hängt heute von der Existenz einer kommunistischen Partei in China ab“, sagt Jacques Rancière

In Jonathan Franzens Roman Die Korrekturen von 2001 löst der Protagonist Chip Lambert seine Bibliothek auf und verkauft seine Werke der Kritischen Theorie, ebenso wie „seine Feministen, seine Formalisten, seine Strukturalisten, seine Poststrukturalisten, seine Freudianer und seine Schwulen“. Mit dem Geld will er seine Freundin beeindrucken. Von den Werken der Frankfurter Schule fällt ihm der Abschied allerdings nicht leicht: „Er wandte sich von ihren vorwurfsvollen Rücken ab und erinnerte sich, wie jedes Einzelne von ihnen damals, in den Buchhandlungen, eine radikale Kritik der spätkapitalistischen Gesellschaft verheißen hatte (…) Aber Jürgen Habermas hatte nicht Julias lange, kühle Birnbaumbeine, Theodor Adorno nicht Julias traubigen Duft lüsterner Geschmeidigkeit, Fred Jameson nicht Julias geschickte Zunge.“
Die Autoren der Frankfurter Schule, die während der Weimarer Republik, der Zeit des Hitler-Faschismus und des Kalten Krieges dachten und schrieben, haben für Franzens Helden keine Bedeutung mehr, die Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft, die Benjamin, Horkheimer, Adorno, Marcuse, Fromm entwickelt haben, erscheint ihm als alter Hut. Und so verkauft der Dozent für Phallusängste seine Bibliothek im Wert von 4.000 Dollar für gerade mal 65 Dollar und investiert den Erlös in einen „handgeangelten norwegischen Wildlachs“ den er für 78,40 Dollar in einem Feinkostladen namens „Albtraum des Konsums“ ersteht. Ja, die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren von einem so schamlosen Materialismus geprägt, dass es für Luxusspezialitätenläden sogar verkaufsfördernd schien, sich ironisch nach der Rhetorik der Kapitalismuskritik zu benennen.
In den 90ern wurde noch ein anderer Albtraum der Frankfurter Schule Wirklichkeit: Es gab, in den Worten von Margaret Thatcher, keine Alternative – nicht zum Kapitalismus, nicht zur liberalen Demokratie und nicht zu dem, was Herbert Marcuse als eindimensionale Gesellschaft beschrieben hatte. In seinem Essay Das Ende der Geschichte erklärte der neokonservative US-Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1992, dass es Weiterlesen Absurde Apokalypse