Das Fanal von Halle: Der neue, alte Antisemitismus

von Christian Bangel

Mit den Morden von Halle hat der Judenhass in Deutschland ein neues Fanal gesetzt. Nun kann man hoffen, dass die Tat Wirkung zeigt, dass sie so etwas wie eine Selbstüberprüfung der gesellschaftlichen Mitte auslöst. Doch bisher deutet wenig darauf hin. Stattdessen machte nach den Verbrechen erneut das sedierende Wort vom Einzeltäter die Runde, suchte der Innenminister nach Gründen für die Taten in der Gamingszene.

Doch so viel ist sicher: Stephan B. ist ein Rechtsextremer, und dass er wahrscheinlich allein handelte, darf nicht verschleiern, dass er Erzählungen benutzte, die auch von Rechtspopulisten in Talkshows vorgetragen werden.

Kurz bevor der Mörder sich aufmachte, seine widerwärtigen Phantasien in die Tat umzusetzen, wandte er sich in einem Video an eine globale Blase von Neonazis, Rechtsextremisten und Antisemiten und sagte etwas, das so dumm und hasserfüllt wie bedeutend ist. Er leugnete in dem kurzen Video erst den Holocaust, dann sprach er vom Feminismus, der der Grund für niedrige Geburtenraten im Westen sei, was wiederum zu Massenimmigration führe. Und erklärte, dass „der Jude“ der Grund für all das sei.

Zu wem genau sprach er da? Das Video zeigt, dass B., der zum Teil auf Englisch spricht, offenbar einerseits einer weltweiten, in Foren organisierten Community von Rechtsextremen imponieren wollte. Leuten, die sich in einem Kampf gegen den Islam und die Juden sehen und deren Helden rassistische Mörder wie Breivik und die Täter von Charlottesville und Christchurch sind. Beunruhigend genug. Doch da ist noch mehr. B. Weiterlesen Das Fanal von Halle: Der neue, alte Antisemitismus

Warum ist der Faschist Höcke die „Mitte der AfD“?

Tilo wollte heute von AfD-Chef Gauland wissen, ob es sein Ernst ist, dass der Faschist Björn Höcke „die Mitte der Partei“ sei. Gauland tut die Bezeichnung als „Unsinn“ ab. Ihm gehe die Meinungsfreiheit zu weit. Tilo fragte Höcke, ob er gg das „Faschist“-Urteil vorgehen werde. Tja. Hintergrund: Das Verwaltungsgericht Meiningen entschied, dass Höcke als „Faschist“ bezeichnet werden darf https://www.spiegel.de/politik/deutsc… Ausschnitt aus der BPK vom 28. Oktober 2019 – Komplett hier: wird nachgereicht

Andreas Kemper»… DIE NEUROTISCHEPHASE ÜBERWINDEN,IN DER WIR UNS SEIT SIEBZIG JAHREN BEFINDEN«

Download: Andreas Kemper»… DIE NEUROTISCHEPHASE ÜBERWINDEN,IN DER WIR UNS SEIT SIEBZIG JAHREN BEFINDEN«

ZUR DIFFERENZ VON KONSERVATIVISMUS UND FASCHISMUS AM BEISPIEL DER »HISTORISCHEN MISSION« BJÖRN HÖCKES (AFD)

Sarrazins Correctness

Ideologie und Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen

Thilo Sarrazins Buch Vom neuen Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschlanderschien Ende Februar 2014. Darin vermarket er gewinnbringend seine bereits in Vorträgen dargelegten Thesen zur Meinungsfreiheit in einem Rundumschlag gegen Political Correctness.
Politisch absolut ›unkorrekt‹ steht Sarrazin dabei in der ideologischen Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen. Wer von Gutmenschen und Tugendterror spricht, will die Primärtugenden der Menschlichkeit durch angebliche Tugenden der Korrektheit ersetzen. Sarrazin stellt sich gleichermaßen als Rebell gegen Political Correctness wie als Opfer von Zensur dar. Er lenkt damit ab von der Tradition der Korrektions-Anstalten und der eugenischen Bevölkerungskorrekturen, deren Ideologie er vertritt.

»Thilo Sarrazin kann gegen seine Kritiker inhaltlich kaum bestehen – er hat keine Argumente, er kennt nur Populismus. Doch genau das macht ihn so gefährlich. Andreas Kemper zeigt deutlich auf, in welcher Tradition er und seine Thesen stehen, er scheut sich auch nicht aufzuzeigen, wer aus der deutschen Medien- und Wissenschaftsgemeinde sich in den letzten Jahren mit Sarrazin gemein gemacht hat. Sein Buch ist eine höchst analytische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Sarrazin und seinen gruseligen Wurzeln.«  Mira Sigel, Die Freiheitsliebe, 18. März 2014

Thilo Sarrazin zeigt, dass sich noch immer die Ideologie des Forderns und Förderns mit Fragen der qualitativen Bevölkerungspolitik verbindet. Die modernisierte Variante dieser Ideologie besetzt in den Auseinandersetzungen um emanzipatorische Kämpfe das Schlagwort Political Correctness. Mit diesem Trick wendet er den antiquierten Mief der Korrektheit gegen emanzipatorische Meinungen und Gruppen. Er dreht den Spieß des Bürgertums um und lässt ihn gegen sich gerichtet erscheinen.

»[…] eine zeitnahe und fundierte Kritik Sarrazins neuester Publikation […] Kemper [deckt] eindringlich und gut recherchiert die Widersprüche in den Thesen Sarrazins und dessen Befürworter_innen auf und stellt diese in Zusammenhang mit einer langen Tradition der ›Korrektionsanstalten‹.« – Alexander Struwe, pw-portal, 3. Juli 2014

Dieser Titel ist auch als erhältlich.

Was Björn Höcke in einer NPD-Zeitschrift schrieb, als er noch nicht im Rampenlicht stand

Was Björn Höcke in einer NPD-Zeitschrift schrieb, als er noch nicht im Rampenlicht stand

Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist für den Verfassungsschutz nun ein „Prüffal“l – das ist seit Mitte Januar offiziell. In einem ersten Gutachten taucht der Thüringer Landesfraktionschef Björn Höcke 608-mal auf (hier könnt ihr das Gutachten herunterladen). Ebenfalls erwähnt wird ein unbekannter Autor namens Landolf Ladig

Über ihn sagt der Verfassungsschutz: „Die analysierten ‚Ladig‘-Texte bringen eine zweifelsfrei verfassungsfeindliche Haltung zum Ausdruck.“ Der Journalist Andreas Kemper recherchiert seit vielen Jahren zur AfD und hat zu Björn Höcke schon Gutachten verfasst. Er ist sich sicher: Landolf Ladig ist nur ein Pseudonym. Björn Höcke steckt in Wahrheit dahinter. Der Verfassungsschutz nennt Kempers Analyse „nahezu unbestreitbar“. Am Telefon hat er mir erzählt, wie er auf die Verbindung Höcke-Ladig gekommen ist, und was Höcke unter Pseudonym schrieb, als er noch ein unbekannter Geschichtslehrer aus Hessen war.

Warum das wichtig ist? Landolf Ladig ist Björn Höcke ohne Maske, ohne Kalkül. Die unverblümte politische Version eines Politikers, der am parlamentarischen Betrieb offenbar nur teilnimmt, um ihn abzuschaffen. Welche politischen Ziele und heimlichen Verbündete er tatsächlich hat, lässt sich durch den Blick auf Landolf Ladig besser verstehen.


Deine These ist, dass Björn Höcke unter dem Pseudonym Landolf Ladig in einer NPD-Zeitschrift und in einer nationalvölkischen Zeitung Artikel veröffentlicht hat.

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Peinlich! Weidel rastet aus – und wirft versehentlich AfD-Sympathisant raus

Wilde Szenen bei Weidel-Veranstaltung

Bei einer AfD-Veranstaltung in Weingarten in Baden-Württemberg am Sonntag ereigneten sich einige erschreckende Szenen. Sie offenbaren die Totalitärität der AfD und wie leicht sich ihre Anhänger*innen aufhetzen lassen. Schlimmer noch: Wegen eines Missverständnisses. Während Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Alice Weidel über das “Demokratieverständnis” einiger Parteien redet, unterbricht sie sich und zeigt auf einen Menschen im Plenum. Sie wirft ihm wütend vor, die “Kopf-Ab-Geste” gemacht zu haben. “Hauen Sie ab!” ruft sie, dann schickt sie ihr Sicherheitspersonal los, um den Mann gewaltsam von der Veranstaltung zu entfernen.

Sofort sind ihre Anhänger*innen aufgehetzt und skandieren ein demütigendes “Hau ab! Hau ab!”. Weidel tritt nach und ruft hinterher: „Sie verlassen sofort mit Ihrer Entourage diesen Saal” und noch einmal: “Hauen Sie ab!“ Danach poltert sie gegen das vermeintlich fehlende “Demokratieverständnis ihrer politischen Gegner” und wiederholt noch einmal wütend: “Hauen Sie einfach ab, mich kotzt das an!“ Auch in Social Media hagelt es in der rechten Blase Applaus für den Rauswurf – und weil der Mann einen Pferdeschwanz hatte, auch viele Beleidigungen dazu, sowie diskriminierende Unterstellungen über dessen Sexualität.

via DieInsider

Problem nur: Der Mann ist AfD-Sympathisant

Das Problem bei der Sache: Die Weiterlesen Peinlich! Weidel rastet aus – und wirft versehentlich AfD-Sympathisant raus

Neutralitätsgebot an Schulen : „Ich sehe die AfD als Möglichkeit, meinen Unterricht zu bereichern“

Die AfD ruft dazu auf, Lehrkräfte zu melden, die die Partei im Unterricht kritisieren. Verunsichert das? Die Lehrerinnen und Lehrer in unserer Community bleiben gelassen.

Neutralitätsgebot an Schulen: Wir wollten von Lehrerinnen und Lehrern wissen: Sind Sie nun vorsichtiger?
Wir wollten von Lehrerinnen und Lehrern wissen: Sind Sie nun vorsichtiger?

In Hamburg startete die AfD-Fraktion im Oktober ein Portal, auf dem sich Eltern und Schülerinnen über ihren Lehrer beschweren konnten, falls der sich im Unterricht kritisch über die AfD äußerte. Die Aktion stieß auf viel Aufmerksamkeit – und sehr viel Kritik. Zum Beispiel von Justizministerin Katarina Barley, die das Portal „gezielte Denunziation“ und „ein Mittel von Diktaturen“ nannte. Weitere Landesverbände der AfD kündigten an, die Aktion zu übernehmen, was sie teilweise auch umsetzte. (Hier der Link zur Umfrage).

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Ich informiere mich nun genauer über meine Rechte und Pflichten als Lehrer.

User/in Sascha H.

„Ich halte das Vorhaben der AfD, Meldeplattformen für Äußerungen von AfD-kritischen Lehrerinnen und Lehrern zu installieren, für eine Strategie der Einschüchterung. Es stellt eine Bedrohung für unsere offene Gesellschaft dar. Für mich persönlich hat das Konsequenzen: Ich informiere mich nun genauer über meine Rechte und Pflichten als Lehrer. Ich mache klar, wenn ich meine persönliche Meinung äußere und ermutige die Schülerinnen und Schüler dazu, sich umfassend zu informieren, um sich selbst ein klares Meinungsbild machen zu können. Zukünftig werde ich deutlich häufiger über Positionen der AfD mit Schülern diskutieren – vor allem wenn diese den Werten der Verfassung widersprechen.

Schülerinnen und Schüler sollten vermehrt Reden, Zitate oder Inhalte des AfD-Wahlprogramms analysieren. Als Biologielehrer der Oberstufe habe ich beispielsweise kürzlich das Thema Klimawandel anhand unterschiedlicher wissenschaftlicher Quellen behandelt. Aufgabe ist nun, dass die Schülerinnen und Schüler Aussagen des AfD-Wahlprogramms zum Klimawandel analysieren und persönlich Stellung beziehen.

Insgesamt führt das Vorhaben der AfD dazu, dass ich mich stärker verpflichtet fühle, dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen nachzukommen. Wenn Aussagen von Politikern dem Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und Freiheit widersprechen, kann und darf ich das als Lehrer nicht stillschweigend hinnehmen.“

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User/in Sascha H. (Gesamtschule, Nordrhein-Westfalen)

Ich muss als politisch interessierte, authentische Person auftreten.

User/in Donk Bars

„Ich habe als Lehrer die Verpflichtung, die Schüler zu mündigen, selbstständigen Individuen zu erziehen, die ihr politisches Mitbestimmungsrecht im Rahmen der Demokratie ernst nehmen und wahrnehmen. Das gelingt mir nicht, wenn ich nicht als Vorbild agiere und so tue, als ließe mich Politik kalt, als hätte ich keine Meinung. Ich muss als politisch interessierte, authentische Person auftreten. Dazu gehört es, meine Meinung sagen zu dürfen, geradezu: zu müssen. Ich lade jeden Schüler genauso dazu ein, die eigene Meinung zu äußern und zur Diskussion zu stellen. Das ist der Kerngedanke des Beutelsbacher Konsenses – nicht, dass Lehrer als politisches Neutrum auftreten.“

User/in Donk Bars (Gymnasium, Niedersachsen)

Ich werde nun unsere Demokratie noch leidenschaftlicher verteidigen.

User/in David Nickel

„Ich werde mich nach dem Einrichten dieser Plattformen genauso wie zuvor an das Grundgesetz sowie den Beutelsbacher Konsens halten. Wenn es Parteien, Gruppen, Personen oder Positionen gibt, die unserem Grundgesetz widersprechen und unsere Demokratie gefährden, werde ich immer Stellung dagegen beziehen. Und wenn es zurzeit Parteien oder Personen gibt, die durch die Radikalisierung des politischen Diskurses, durch antipluralistische Parolen oder durch Schüren von Fremdenhass unsere Demokratie gefährden, werde ich diese auch als solche Gefahr benennen. Statt zu Vorsicht neige ich nun eher dazu, unsere Demokratie noch leidenschaftlicher als vorher zu verteidigen.

Ab und an begegnen mir Schüler*innen, die offen zugeben, mit der AfD zu sympathisieren. Zwar lässt sich vieles auf Unwissen zurückführen, aber mich erschreckt, wie viele sich nicht mehr von Fakten überzeugen lassen und stattdessen weiter ihre Vorurteile verbreiten.“

User/in David Nickel (Gymnasium, Landkreis Lörrach)

Ich habe meine Schüler dazu aufgefordert, mich zu ›denunzieren‹.

User/in UNo

Ich habe meine Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, mich doch bitte zu „denunzieren“, sobald diese Plattform in meinem Bundesland an den Start geht. Für mich wäre es eine Ehre, als einer der Ersten dort zu stehen. Interessant wäre dann, wie meine Dienstbehörde damit umgehen würde. Ich versuche gerade, mein Kollegium davon zu überzeugen, bei dieser Aktion mitzumachen. Umso mehr dort aufgenommen werden, desto absurder wird das Ganze!

User/in UNo (ohne Ortsangabe)

Ich sehe die AfD als Möglichkeit, meinen Unterricht zu bereichern.

User/in Thomas

„Bisher sehe ich die AfD eher als eine Möglichkeit an, meinen Unterricht zu bereichern. Als Alexander Gauland beispielsweise davon sprach, dass man auf die Soldaten der Wehrmacht wieder stolz sein solle, habe ich ihn beim Thema ‚Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht‘ in der Vertiefungsphase zitiert. Die Schüler konnten anhand von den erarbeiteten Unterrichtsinhalten eine fundierte Einschätzung abgeben, ohne dass ich meine Meinung eingebracht habe. Ich bin weder vorsichtiger geworden noch habe ich das Gefühl, es sein zu müssen.

Vereinzelt unterrichte ich Schüler, die beim Thema ‚Deutsche Identität‘ im Geschichtsunterricht etwas naive und problematische Ansätze einbringen. Aber da gibt es nichts, was wir nicht im Unterricht besprechen könnten – zumal voneinander abweichende Meinungen zu der Frage, was denn nun die deutsche Identität ausmache, natürlich sehr förderlich für eine Diskussion sind.“

User/in Thomas (Gymnasium, Niedersachsen)

Wenn ich mich beuge, fällt wieder ein Wall.

User/in Steffen Friedrichs

„Verunsichert bin ich nicht. Aber ich habe überlegt, ob ich bei Kommentaren meinerseits besser aufpassen soll. Gleichzeitig denke ich, wenn ich mich dem beuge, dann fällt wieder ein Wall, durch den die rechte Ideologie einmarschiert.“

User/in Steffen Friedrichs (Berufsbildende Schule, Niedersachsen)

Die AfD möchte eine Opferrolle einnehmen.

„Die AfD scheint das Neutralitätsgebot entweder nicht zu kennen oder sie hat – was mir wahrscheinlicher erscheint – vor, es populistisch zu instrumentalisieren: Sie möchte eine Opferrolle einnehmen, provozieren, im Gespräch bleiben. Ich wünsche mir einen gelasseneren Umgang mit dem Thema, damit dieses Kalkül nicht aufgeht.

Meine Schüler schmunzeln bislang eher über dieses Portal oder witzeln: „Wollen Sie da auch mal gemeldet werden?“ Ich habe nicht den Eindruck, dass es Schüler gibt, die dort ‚Hetze‘ von Kollegen melden würden. Dennoch sage ich den Schülern offen, aus welchen Gründen ich meinen Unterricht kontrovers gestalte und ihre Noten nicht davon abhängig mache, ob sie meiner Meinung sind. Das habe ich aber auch schon getan, bevor es dieses Portal gab.“

Anonym (Gymnasium, Baden-Württemberg)

Ich fühle mich verpflichtet, meine Meinung darzulegen.

User/in Immanuela

„Ich richte meinen Unterricht sowieso nach dem Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsenses aus, sodass die Schülerinnen und Schüler möglichst eigenständig zu einem Urteil gelangen. Wenn etwas aber gegen Demokratie und Menschenwürde geht, fühle ich mich verpflichtet, meine Meinung darzulegen. Da muss man nicht vorsichtig sein. Ich mache jedoch transparent, was meine persönliche Meinung ist und nach welchen Kriterien ich mein Urteil bilde.“

User/in Immanuela (ohne Ortsangabe)

Ich werde die AfD seltener erwähnen.

User/in Mike

„Ob ich will oder nicht, unbewusst oder bewusst, ich werde die AfD seltener erwähnen und meine Ablehnung gegen die Ansichten der Partei auch weniger oder gar nicht mehr zeigen. Allein um im ohnehin schon stressigen Alltag nicht noch zusätzlichen Aufwand mit Elterndiskussionen zu bekommen. Lehrer arbeiten am Limit, wir müssen immer mehr Erziehungsarbeit leisten. Es gibt schon genug rechte und sozialfeindliche Gedanken in der Schülerschaft. Wir können nicht auch noch den Rechtsruck in der Gesellschaft abwenden, der jetzt auch noch von außen auf das Klassenzimmer einzufallen versucht.“

User/in Mike (Baden-Württemberg)

Ich werde meinen Standpunkt noch deutlicher machen.

User/in Herinho

Ich habe nicht das Gefühl, meinen Unterricht nun vorsichtiger gestalten zu müssen. Eher im Gegenteil: Ich fühle mich noch mehr dazu veranlasst, meinen Standpunkt deutlich zu machen, der sich gegen das antidemokratische Gebaren dieser Partei richtet. Ich möchte meine Schüler dazu aufzurufen, eigene Positionen zu beziehen und sich für eine offene Gesellschaft aktiv einzusetzen – ganz im Sinne des Grundgesetzes und des Beutelsbacher Konsenses.“

User/in Herinho (Gymnasium, Nordrhein-Westfalen)

„Ich frage mich, ob ich ‚denunziationswürdig‘ bin“

Man muss sich ganz bewusst dafür entscheiden, sich nicht einschüchtern zu lassen.

User/in Jetzt-erst-recht-für-Demokratie-und-Menschenrechte

„Natürlich bin ich verunsichert. Und das, obwohl es in zwanzig Jahren Politikunterricht nicht eine einzige Beschwerde über meinen Unterricht gegeben hat, weder bei der Schulleitung noch bei den Schulaufsichtsbehörden. Aber genau das will die AfD erreichen: Einschüchterung. Genauso fingen die Nazis in den Zwanzigerjahren an.

Man muss sich ganz bewusst dafür entscheiden, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiter für Demokratie, Menschenrechte und die Würde jedes einzelnen Menschen klar einzutreten. Denn das ist mein Auftrag. Jetzt thematisiere und problematisiere ich erst recht ausgewählte Zitate von hohen AfD-Politikern mit den Schülerinnen und Schülern, um eindeutig klarzumachen, inwiefern sie gegen die demokratische Grundordnung verstoßen.“

User/in Jetzt-erst-recht-für-Demokratie-und-Menschenrechte (Gymnasium, Nordrhein-Westfalen)

Eine Verteufelung führt nur zu mehr Interesse an dem ›Verbotenen‹.

„Als Politiklehrerin habe ich gelernt, sensibel mit Extremismus-Themen umzugehen. Meine Schülerinnen und Schüler kennen meine persönliche Meinung. Eine allzu starke Verteufelung führt bei Jugendlichen jedoch oftmals nur zu mehr Interesse an dem „Verbotenen“ – im Sinne von Rebellion. Es galt schon immer, die Jugendlichen sanft mit den Konsequenzen extremer und verfassungsfeindlicher Politik vertraut zu machen und sie für die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu gewinnen.“

User/in Jessica (Gemeinschaftsschule, Schleswig-Holstein)

Warum schaltet sich die Politik nicht ein?

Anonym

„Ich habe Angst, dass meine Äußerungen und Standpunkte gemeldet werden. Warum kann dieses Portal nicht verboten werden? Warum schaltet sich die Politik nicht ein?

Auch meine Schüler wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen. Auf der einen Seite sind die meisten von ihnen noch nicht einmal wahlberechtigt. Auf der anderen Seite sollen sie ihre Lehrer ‚verraten‘. Das ist doch bizarr!“

Anonym (Baden-Württemberg)

Die AfD liefert die besten Negativbeispiele.

User/in MsEastwood

„Ich habe die Aufgabe, die Schüler in die Lage zu versetzen, Politik zu verstehen. Die AfD liefert die besten Negativbeispiele dafür, wie man sich verhält, wenn man unser politisches System nicht versteht. Warum sollte sich mein Unterricht wegen solch einer Partei ändern?“

User/in MsEastwood (Magdeburg, Gymnasium)

Ich habe einem Trump-Anhänger extra viel Raum gegeben.

User/in Chris

„Es war mir schon immer wichtig, verschiedene Positionen im Unterricht darzustellen. Dabei muss ich aber auch deutlich zu machen, wann ich meine eigene Meinung zum Ausdruck bringe.

Ich hatte einmal einen Schüler, der großer Trump-Anhänger war. Er kam gerade aus einem Auslandsjahr in den USA zurück und war dort in einer Familie untergebracht, die sich sehr für Trump begeisterte. Ich war erst einmal verwundert, habe ihm aber extra viel Raum gegeben, um seine Positionen zu begründen und zu erläutern. Das war herausfordernd.“

User/in Chris (Gesamtschule, ohne Ortsangabe)

Ich frage mich, ob ich ›denunziationswürdig‹ bin.

User/in ipnna

„Wenn ich gegenwärtige Politik zum Thema mache, frage ich mich manchmal, ob ich mich mit meiner Aussage ‚denunziationswürdig‘ gemacht habe. Und dann frage ich mich selbstverständlich auch, welcher der Schüler mich wohl wegen meiner Aussage melden würde. Aus diesem Grund finde ich schon, dass die Einrichtung der Plattform das Misstrauen im Schulalltag schürt – und damit auch die Spaltung innerhalb des Diskurses vertieft.“

User/in ipnna (Gymnasium, ohne Ortsangabe)

Ich habe meine Schüler dazu aufgefordert, meine Meinung zu widerlegen.

„Ich habe mir erneut Gedanken gemacht, wie ich meinen Schülerinnen und Schülern die Themen Meinungsfreiheit und politische Meinungsbildung beibringe. Dabei habe ich beobachtet, dass viele es positiv bewerten, wenn der Lehrer – wie im Beutelsbacher Konsens ermöglicht – seine Position darlegt und nicht vermeintlich neutral über Politik spricht.

Ich habe meine Schülerinnen und Schüler explizit dazu aufgefordert, meine Meinung argumentativ zu widerlegen und auch ihre eigenen Meinungen durch Argumente zu stützen. Nun wissen wir alle voneinander, wo wir politisch stehen. Es kam zu produktiven Gesprächen weit über die Unterrichtsstunde hinaus, in den Pausen und nach dem Unterricht.

In einer zweiten Runde haben wir diesen Ablauf mit dem Wahl-O-Mat verbunden, dort die Meinungen einzelner mit den Stellungnahmen der Parteien verglichen und nochmals gewählt. Niemand stimmte für die AfD – Grund genug also, mich bei bei der Plattform zu melden. Auch darüber haben wir gesprochen. Klare Aussage aller: ‚Verpetzen geht gar nicht.'“

User/in Camino (Berufsbildende Schule, Bayern)

Ich sehe das Vorgehen der AfD gelassen.

User/in Susanne Gründler

Ich neige nicht dazu, das Klassenzimmer mit dem Stammtisch zu verwechseln – und sehe das Vorgehen der AfD gelassen. Zu Hause rede ich sicher anders über Reaktionäre wie Erdoğan und AfD-Politiker als in der Schule. Dort bin den Schülern gegenüber verpflichtet, rational zu informieren und zu erklären, was unsere Demokratie so wichtig und erhaltenswert macht: freie Wahlen, Menschenrechte, Gewaltenteilung und Pressefreiheit. 

User/in Susanne Gründler (Gesamtschule, Nordrhein-Westfalen)

Ich fühle mich sehr sicher.

User/in Sarah M.

Nachdem ich die Rechtslage noch einmal recherchiert habe, fühle ich mich sehr sicher. Ich lasse in meinem Unterricht verschiedene Meinungen zu Wort kommen, beziehe aber auch persönlich Stellung und zeige problematische Aspekte an verschiedenen Sichtweisen auf. Wer sich auf einen vermeintlich neutralen Bereich reduziert, trägt ja dazu bei, dass populistische Parolen unwiderlegt bleiben.

User/in Sarah M. (Gymnasium, Nordrhein-Westfalen)