Startpage: Suchmaschine auf Google-Basis schützt persönliche Daten

Startpage
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So bringt Startpage zum bevorstehenden internationale Aktionstag Safer Internet Day, in Deutschland getragen von der Initiative Klicksafe (der Safer Internet Day findet jedes Jahr am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats statt: demnach in diesem Jahr am Dienstag, 9. Februar 2021) die eigene Suchmaschine in Erinnerung. Die Websuche mit Startpage beruht auf dem Suchindex von Google, verspricht aber, keine Cookies oder IP-Adressen weiterzugeben und auch kein Tracking durch Drittanbieter zuzulassen. Um sich Suchergebnisse auch anonym anschauen zu können, gibt es eigens die anonyme Ansicht, mit der man sich eine Webseite ohne Preisgabe der eigenen Daten vorher ansehen kann.

Auf der Webseite selbst findet man viel zum Hintergrund von Startpage, dem Profil und eigenen Anspruch. Besonders interessant ist ein Artikel, der von Dan Arel verfasst ist und drei Datenschutz-Suchmaschinen im Vergleich beurteilt, nämlich Startpage, DuckDuckGo sowie Mojeek und auch jeweils deren Geschäftsmodell beschreibt. Dieses beruht im Grunde darauf, dass man ebenfalls Geld über Anzeigen verdient, auch über das Google-Anzeigennetzwerk, doch diese würden allein aufgrund des Suchbegriffs geschaltet und nicht aufgrund des Profils des Users oder früherer Suchanfragen. Google erhält demnach keine identifizierbaren Informationen über den User.

Entsprechend lässt sich Startpage als Standard-Suchmaschine im Browser einrichten, ohne dass man dabei auf die Google-Ergebnisse verzichten müsste. Bei der Stiftung Warentest konnte sich Startpage im März 2019 als beste Suchmaschine noch vor Google etablieren, berichtet der Anbieter stolz . Einen Versuch ist es ohne Zweifel wert – er ist nur einen kostenlosen Klick  von hier entfernt.

Neue WhatsApp-AGB Shoot the Messenger

Die neuen Geschäftsbedingungen von WhatsApp verärgern viele Menschen. Zu Recht: Facebook kann seine Versprechen bei Datenschutz und Sicherheit einfach nicht halten. Threema und Signal sind gute Alternativen. Wer sie installiert, sollte den alten Messenger im gleichen Zug löschen. Ein Kommentar.

Von WhatsApp auf Signal wechseln?
Endlich Ernst machen mit digitaler Souveränität und WhatsApp deinstallieren.    Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.comDimitri Karastelev

Herzen, Herzen und noch mehr Herzen. Wer die besonders sichere Messenger-App Signal benutzt, hat das Symbol in den vergangenen Tagen oft zu sehen bekommen. Es erscheint immer dann, wenn ein Kontakt aus dem Telefonbuch sich neu bei dem Kommunikationsdienst angemeldet hat, verbunden mit der Benachrichtigung „XYZ ist jetzt bei Signal!“

XYZ, das sind derzeit sehr viele Menschen. Seitdem Facebook den Nutzer:innen von WhatsApp neue Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen diktiert, boomen die Alternativen zum Marktführer. In den App-Stores von Google und Apple ist Signal aktuell die am häufigsten heruntergeladene Anwendung. Auch Threema, der datenschutzfreundliche Messenger aus der Schweiz, berichtet von astronomischen Download-Zahlen und führt die Charts der kostenpflichtigen Apps an.

Dazu hat im Fall von Signal wohl auch Elon Musk beigetragen. Der Tesla-Chef empfahl die App vor einer Woche seinen 42 Millionen Follower:innen auf Twitter (und löste damit ein Börsen-Hoch für ein anderes Unternehmen mit dem gleichen Namenaus). Musk ist auf Signal in guter Gesellschaft, schon vor Jahren tat auch NSA-Whistleblower Edward Snowden kund, sich auf den sicheren und datenschutzfreundlichen Kommunikationsdienst zu verlassen. Viele Journalist:innen und Aktivist:innen tun dies ebenfalls.

Facebooks Datenhunger kennt keine Grenzen

Der eigentliche Grund für die große WhatsApp-Flucht aber sind die kleinen Fenster, die bei den Nutzer:innen der Anwendung seit einiger Zeit aufploppen und die Zustimmung zu neuen Regeln einfordern. Zwei Dinge geben hier Anlass für Ärger: Da ist zum einen die für das Silicon Valley so typische Friss-oder-Stirb-Mentalität, mit der der Messenger seine User behandelt. Wer die neuen Regeln nicht bis zum 8. Februar akzeptiert, soll die App nicht mehr nutzen können. Viele Menschen haben es satt, nicht wenigstens eine Auswahlmöglichkeit zu haben, sondern die Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen.

Zum anderen ist da der Inhalt der neuen Geschäftsbedingungen. Facebooks Datenhunger kennt einfach keine Grenzen. Nun will der Konzern in noch größerem Umfang als bisher schon auf die Daten von WhatsApp-Nutzer:innen zurückgreifen. Künftig sollen sie auch dafür genutzt werden, Werbeanzeigen auf Weiterlesen Neue WhatsApp-AGB Shoot the Messenger

Im Zeitalter des Überwachungskapitalismus

Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff zeigt, wie der Überwachungskapitalismus menschliche Erfahrungen zu Marktgütern macht: In Datenform werden sie zum kostenlosen Rohstoff für Produktion und Verkauf. Das Ziel ist nicht nur die Kontrolle der Informationsflüsse über uns, sondern die Kontrolle unserer Zukunft.

„Wir dürfen uns den Überwachungskapitalismus nicht als etwas irgendwo da draußen, in den Fabriken und Büros einer vergangenen Ära vorstellen. Wir selbst sind seine Ziele und seine Folgen.“Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Josh Riemer

Shoshana Zuboff ist Wirtschaftswissenschaftlerin und Sozialpsychologin sowie emeritierte Professorin an der Harvard Business School in Boston, USA. Dieser Text ist eine Übersetzung der Keynote , die sie am 11. Oktober 2018 auf der Konferenz „Zukunft der Datenökonomie“ des Forum Privatheit hielt. Alle Rechte am Text liegen bei der Autorin. Übersetzung aus dem Amerikanischen: Bernhard Schmid, Nürnberg. Die deutsche Fassung erschien zuerst in „Aus Politik und Zeitgeschichte“, Ausgabe 24– 26/2019, „Datenökonomie“, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung:

Ich wende mich hier und heute nicht nur als Denkerin, Wissenschaftlerin und Autorin an Sie, sondern auch als Staatsbürgerin und – nicht zuletzt – auch als Mutter. Über die vergangenen beiden Jahrzehnte habe ich die Entstehung und Ausbreitung einer beispiellosen Mutation des Kapitalismus beobachtet, die ich als „Überwachungskapitalismus“ bezeichne. Und ich mache kein Hehl aus meiner Besorgnis hinsichtlich seiner Auswirkungen für unsere Ökonomien, für die Aussichten von Marktdemokratie und Privatsphäre, ja hinsichtlich seiner Bedeutung für die Zukunft des Kapitalismus selbst.

In sieben Jahren eingehender Beschäftigung mit dem Phänomen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Folgen des Überwachungskapitalismus weit hinausreichen über die traditionellen Domänen des Kapitalismus und seiner Ökonomien. Die tiefere Wahrheit ist, dass er die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts auf eine ebenso menschen- wie demokratiefeindliche Art und Weise umwälzen wird – und das allein um des finanziellen Gewinns aus der Überwachung willen. So entstehen die größten Gefahren aus den überwachungskapitalistischen Ambitionen denn auch unseren Kindern, die schon jetzt – sozusagen als Vorhut – dieses neue Terrain durchstreifen.

Tobten die Titanenkämpfe des 20. Jahrhunderts zwischen Industriekapital und Arbeiterschaft, steht im 21. Jahrhundert das Überwachungskapital der Gesamtheit unserer Gesellschaft gegenüber, bis hinab zur und zum letzten Einzelnen. Der Wettbewerb um Überwachungserträge zielt auf unsere Körper, unsere Kinder, unsere Zuhause, unsere Städte und fordert so in einer gewaltigen Schlacht um Macht und Profit die menschliche Autonomie und demokratische Souveränität heraus. Wir dürfen uns den Überwachungskapitalismus nicht als etwas „irgendwo da draußen“, in den Fabriken und Büros einer vergangenen Ära vorstellen. Vielmehr sind seine Ziele wie seine Auswirkungen hier – seine Ziele wie seine Folgen sind wir.

Porträt Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff
Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff CC-BY-SA 4.0 Michael D. Wilson

Die Zukunft, die der Überwachungskapitalismus für uns bereithält, Weiterlesen Im Zeitalter des Überwachungskapitalismus

wechange Wir machen Wandel möglich. Gemeinsam. Mit dir. 

Genossenschaft

Wir sind kein Einhorn und wollen auch keines werden. Das Internet ist zu wichtig, um daraus kurzfristigen Profit auf Kosten der Nuter*innen zu schlagen oder es einer Handvoll großer Datenkraken und Softwarekonzerne zu überlassen. Darum haben wir einen anderen Weg gewählt und 2015 eine Genossenschaft gegründet. Und damit gleich mehrere Bugs mit einer Klappe gefixt:

Nicht profitgetrieben:

wir bieten unsere Leistungen zu kostendeckenden Preisen.

Die Daten gehören euch: 

wir setzen nicht auf datengetriebene Geschäftsmodelle.

Kein Ausverkauf:

anders als bei digitalen Startups üblich, planen wir keinen Exit um Kasse zu machen.

Miteigentum: 

WECHANGE gehört den Mitgliedern – und damit sich selbst!

Mitbestimmung: 

die Community gestaltet den Kurs der Genossenschaft mit.

Organigram

How is the WECHANGE cooperative organised?

Das Organigramm der WECHANGE eG

Satzung

Welchen Regeln folgt die Genossenschaft?

„Die Genossenschaft soll sich an den Grundwerten und Leitlinien der Gemeinwohl-Ökonomie orientieren.“

(Auszug aus der Satzung der WECHANGE eG)

Unsere Satzung im Detail (Stand 28. November 2018):

§ 1 Name und Sitz
(1) Die Genossenschaft heißt wechange eG.
(2) Sitz der Genossenschaft ist Berlin.
§ 2 Gegenstand
§ 3 Grundprinzipien
§ 4 Mitgliedschaft
§ 5 Geschäftsanteil, Zahlungen, Nachschüsse und Eintrittsgeld
§ 6 Gewinnverteilung, Rücklagen und Verjährung
§ 7 Generalversammlung
§ 8 Online-Generalversammlung
§ 9 Mitarbeiterversammlung
§ 10 Vorstand
§ 11 Aufsichtsrat
§ 12 Kündigung, Ausschluss, Auseinandersetzung
§ 13 Bekanntmachungen

Unsere Partner und Förderer

Kooperationspartner

Förderer

Corona und soziale Folgen: Technik allein kann es nicht sein

Zunächst muss die Erzählung einer digitalen Überwachung als wirksame Maßnahme hinterfragt werden. Software wie »Alipay Health Code« wurde zwar in China massiv benutzt, aber nur als Teil weiterer harter soziopolitischer Maßnahmen. In Südkorea werden Tracking-Apps in Kombination mit einem umfassenden Einsatz von Tests verwendet. Doch was soll digitale Überwachung bringen, wenn die Sammlung von aktuellen Infektionszahlen wie in Deutschland so schleppend verläuft? Nichts, denn ohne relevante Daten funktioniert Big Data nicht.

nd-Kompakt

Unser täglicher Newsletter nd-Kompakt bringt Ordnung in den Nachrichtenwahnsinn. Sie erhalten jeden Tag einen Überblick zu den spannendsten Geschichten aus der Redaktion – und das jeden Abend schon um 19.30 Uhr. Hier das kostenlose Abo holen.

Die Nutzung von digitalen Werkzeugen in der Krise erscheint vielmehr eine Kommunikationsstrategie zu sein. Um Tätigkeit statt Überforderung zu vermitteln, werden digitale Überwachungsmittel entweder wie in China autoritär eingeführt oder, wie in Europa, von Menschen freiwillig angewendet – das lenkt auch vom kaputtgesparten Gesundheitssystem ab. Genau so wie in der Klimafrage ist die Erzählung der Techindustrie und der Regierungen, dass eine umfassende Datenerfassung und Künstliche Intelligenz uns vor der Krise retten werden. Dadurch wird eine politische Frage zu einer technischen Frage gemacht und wichtige Entscheidungen selbst ernannten Experten überlassen. Folgerichtig spiegelt eine Technik, die von einer privilegierten Klasse entwickelt wird, die Ungerechtigkeit dieser Gesellschaft wider. Technokratisch regieren kann nie demokratisch sein, denn Weiterlesen Corona und soziale Folgen: Technik allein kann es nicht sein

Fragiles System

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Die »Coronakrise« ist ein Lehrstück über die beeindruckende Fähigkeit des Kapitalismus, sich anzupassen und aus jeder Situation das Beste für sich rauszuholen

Wer die öffentliche Debatte um Corona verfolgt, stellt fest, dass sich die Sorgen mehr um die Gesundheit der Wirtschaft als um die der Menschen drehen. Einerseits zynisch, andererseits nicht unberechtigt, zeigt sich doch das kapitalistische Wirtschaftssystem bislang gegenüber COVID-19 weitaus anfälliger als der menschliche Organismus. Zumindest nach heutigem Wissensstand scheint den Menschen nicht viel mehr zu blühen als eine üppige Grippewelle. Der Wirtschaft hingegen droht ein tiefer Absturz.

Der globalisierte Kapitalismus offenbart einmal mehr seine Krisenanfälligkeit. Kaum eine Wertschöpfungskette geht an China vorbei. Doch dort tobt das Virus besonders heftig und hat den Außenhandel einbrechen lassen. Schockwellen gehen durch die gesamte, eng vernetzte Weltwirtschaft. Kaum ein Industriekonzern, der auf Vorprodukte aus der Volksrepublik Weiterlesen Fragiles System

Wir decken auf: TikTok und die Meinungsfreiheit

Quelle: newsletter@netzpolitik.org

Rein statistisch gesehen hat fast jeder achte Mensch auf der Welt einen Account bei TikTok. Aber bisher war wenig darüber bekannt, wie das chinesische Unternehmen im Maschinenraum arbeitet. Wir konnten in dieser Woche mehr Einsichten an die Öffentlichkeit bringen. In ihrer Recherche haben Chris Köver und Markus Reuter jetzt gezeigt, dass es TikTok mit der Meinungsfreiheit nicht ganz so genau nimmt. Sie konnten interne Moderationsregeln einsehen und haben festgestellt, dass bestimmte Inhalte systematisch unterdrückt werden. Proteste, LGTBQI-Inhalte und andere tendenziell „problematische“ Posts sind deshalb bislang kaum sichtbar. Die Plattform möchte gute Laune, keine Politik oder kontroverse Diskussionen. Der Artikel ist auch in englischer Fassung verfügbar.

Im zweiten Teil ihrer Recherche, die auch auf Englischverfügbar ist, zeigen Markus und Chris, dass TikTok ebenfalls sehr empfindlich reagierte, wenn Kritik an der Plattform geäußert oder Konkurrenten genannt werden. Solche Inhalte führten dazu, dass die Reichweite eines Videos stark eingeschränkt wird. Der nächste Teil erscheint am kommenden Montag.

Aufgrund dieser Art Inhalte nach intransparenten Kriterien hervorzuheben oder runter zu spielen wirft Markus Beckedahl TikTok vor, so „intransparent wie bisher kein anderer marktdominanter Konkurrent“ vorzugehen und dabei eine neue Dimension der Inhaltskontrolle zu zeigen.

Facebook – die Manipulationsmaschine?

Facebook Challenge - Digitale Grundrechte durchsetzen

Menschen zusammenzubringen auf einer globalen Community-Plattform – das könnte der Zweck von Facebook sein. Ist es aber nicht. Vielmehr will Facebook offensichtlich das Verhalten von Menschen manipulieren, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und diese an Werbekunden zu verkaufen. Daraufhin ist alles optimiert. Mit Methoden, die nicht nur gegen geltendes Recht verstoßen, sondern auch völlig widersprüchlich zu unserem Wertesystem stehen. Es ist Zeit, darüber zu sprechen.

Die Ursprungsidee von Zuckerberg mag gut und sinnvoll gewesen sein. Das daraus entstandene Geschäftsmodell von Facebook führte jedoch schnell zum Aufbau einer Manipulationsmaschine: Durch psychologisch gestütztes Design sollen User abhängig gemacht werden. Überall lauern Trigger, die uns zu Facebook locken und uns zum Verweilen einladen. Wir vergeuden dort mehr Zeit, als wir eigentlich wollen, verdrängen, dass unser Verhalten analysiert und für weitere Manipulationen genutzt wird. Das macht Facebook zum Paradies für Werber. Diese können ganz gezielt persönliche Situationen auszunutzen, um ihre Produkte zu platzieren oder auch, um Wählerstimmen zu sammeln. Insofern bezeichnen wir Facebook als Manipulationsmaschine.

Derzeit wird Facebook wegen illegalen und halb legalen Praktiken kritisiert. Aus den Verlautbarungen von Facebook kann geschlossen werden, dass der Konzern daraus lernt und sein Verhalten anpasst, etwa, indem er mehr auf Datenschutz achtet. Aber selbst wenn der Konzern kein Gesetz mehr übertreten und die üblichen Steuern zahlen sollte: Sein Geschäftsmodell stellt er offensichtlich nicht in Frage. In dem kürzlich veröffentlichten Manifest von Mark Zuckerberg finden sich Versprechungen voll epischer Wucht („Ich denke, wir sollten auf eine Welt hinarbeiten, in der die Menschen privat sprechen und frei leben können, im Wissen, dass ihre Informationen nur von denen gesehen werden, von denen sie gesehen werden sollen, und dass sie nicht für immer verfügbar bleiben.“) Auf die drängendste Frage, wie er die Plattform dann künftig finanzieren möchte, Weiterlesen Facebook – die Manipulationsmaschine?

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

2018 (6. Auflage)

http://www.goldmann-verlag.de

Die in diesem Beitrag aus dem Zusammenhang herausgerissenen Zitate wurden unter selbst gewähte Überschriften gestellt. Die Zitate können (und sollen) das Buch nicht erklären, sondern Lust auf die Lektüre machen.

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Peinliche und hilflose Vorschläge zum Hackerangriff

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: ab September 2018 stellv. Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger | Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Zum Umgang der Bundesregierung mit dem „Hackerangriff“ erklärt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellv. Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und Bundesjustizministerin a. D.:

Die Vorschläge aus dem Bundesinnen- und Bundesjustizministerium als Reaktion auf den Hackerangriff eines Zwanzigjährigen sind nicht souverän und schaffen keine Klarheit. Der spät inszenierte Tatendrang des Bundesinnenministers und der Präsidenten der zuständigen Behörden wirkt hilflos und peinlich. Wieder einmal versagen die deutschen Sicherheitsbehörden. Darüber kann auch die zügige Feststellung des Tatverdächtigen nicht hinwegtäuschen. Warum wurden denn frühere Hinweise nicht so ernst hingenommen, dass eine Serie von Hacks verfolgt werden konnte? 

Wieder einmal regiert das bekannte Politikritual, und Union und SPD rufen als Antwort nach neuen Gesetzen und neuen Abwehrzentren.

Bezogen auf den Hackerangriff gilt: Ein neues „Cyber-Abwehrzentrum plus“ neben bestehenden Zentren, die angeblich gut in diesem Fall gearbeitet hätten, und ein „zweites IT-Sicherheitsgesetz“ schaffen nicht mehr Sicherheit. 

Das Internet ist kein nationales Dorf, das allein durch die Bundesregierung sicherer gemacht werden kann. Deswegen hat die EU einen starken europäischen Datenschutz eingeführt, der zahlreiche Anknüpfungspunkte bietet. So sieht z.B. die Europäische Datenschutzgrundverordnung vor, dass die digitalen Angebote besser die Daten der Bürger schützen. Digitale Anbieter müssen ganz anders von vorneherein den Schutz der Daten von Nutzer technisch gewährleisten. Die Europäische Datenschutzgrundverordnung sieht eine stärkere Einführung von Privacy by Design Prinzipien vor, also einer datenschützenden Ausgestaltung der digitalen Angebote. Zertifizierungen gehören nach den europäischen Regeln dazu.

Die Innenpolitiker von Union und SPD fördern dagegen mit den eingesetzten Staatstrojanern noch Datenlecks, statt wirklich Datensicherheit und Datenschutz ernst zu nehmen. Mehr Datensicherheit und Datenschutz bedeuten, dass die Nutzer umfassende Angebote zum eigenen Schutz ihrer Privatsphäre bekommen. Das BSI ist nicht nur für die staatliche Infrastruktur zuständig, sondern auch für die Beratung und Warnung der Wirtschaft und die Zivilgesellschaft.

Soll der Verbraucherschutz wirklich gestärkt werden, dann doch nicht unter einem Dach der Behörde, die den Staat in Datensicherheit berät, was nicht immer mit den Interessen und den Grundrechten der Bürger übereinstimmt.