Gesundheitssystem ausverkauft

nd.DerTag 19.12.2022
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Es gibt Lieferengpässe bei Arzneien und Krankenhäuser sind am Limit

Viele Menschen, die sie benötigen, müssen auf neue Medikamente warten.

PHOTOCASE/XENYA

Berlin. Bei aktuell über 100 000 in Deutschland zugelassenen Medikamenten listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM) in seiner Datenbank aktuell Lieferengpässe bei 321 Arzneien auf. Der neueste Engpass betrifft ein verschreibungspflichtiges Hautpflaster mit dem Wirkstoff Fentanyl, einem extrem starken Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Laut BFARM wird die Knappheit zwei Monate anhalten.

Problematisch ist die Lage auch bei einigen Antibiotika und verschiedenen Cholesterinsenkern. Fiebersäfte für Kinder seien zwar vorrätig, könnten aber nicht nachbestellt werden. Und auch an Zäpfchen fehle es.

Medikamentenknappheit ist hierzulande nichts Neues. Erst zu Beginn der Corona-Pandemie wurde das Thema wegen reduzierter Exporte des wichtigen Vorproduktelieferanten China zum Politikum. Eine Maßnahme des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) war die Verpflichtung, dass Hersteller und Großhändler Engpässe an das BFARM melden müssen. Jetzt schlagen Fachgesellschaften der Kinderärzte und der Krankenhäuser Alarm und die Debatte über Konsequenzen beginnt von vorn.

So leiden etwa die Berliner Krankenhäuser momentan unter gleich drei Infektionswellen. Vor allem Kinderkliniken sind stark betroffen. Das auf Wettbewerb ausgerichtete Finanzierungssystem für Krankenhäuser gerät in dieser Krise an seine Grenzen. »Die Folgen der Unterfinanzierung bei Betriebsmitteln und Investitionen zeigen sich nun akut«, teilte der Berliner Krankenhausverband mit.

Zu den schon im Umlauf befindlichen Corona- und Influenza-Viren ist in den vergangenen Wochen das Respiratorische Synzytialvirus (RS-Virus) hinzugekommen. Die Lungenkrankheit, die das RS-Virus auslöst, ist vor allem für Kinder und Säuglinge gefährlich. Das Virus ist hochansteckend. Ganze Schulklassen sind bereits daran erkrankt. Auch das medizinische Personal in den Krankenhäusern ist immer häufiger betroffen.

Diese explosive Mischung droht die Kapazitäten der Krankenhäuser nun zu sprengen. Notrufe diesbezüglich kommen auch aus Kliniken in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Damit wird die schon länger anvisierte Krankenhausreform im Bund immer dringlicher. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will diese umsetzen. Linke Politiker werfen ihm aber vor, weiter auf ökonomischen Druck im Krankenhaus zu setzen. nd

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