Wohnen im Portfolio

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Niedrige Zinsen, ein Überfluss an Anlagemitteln und staatliche Unterstützung locken internationale Großinvestoren auf Europas Immobilienmärkte

12.02.2022

Protest gegen steigende Mieten in Berlin

AFP

Häuserpreise gehen durch die Decke!», meldet die Commerzbank diese Woche. Ein Ende des Booms sei nicht in Sicht. Mit Sorge betrachten diese Entwicklung Menschen, die eine Wohnung brauchen wie auch jene, die Miete zahlen. Denn die Mieten folgen mit Verzögerung den Immobilienpreisen. Profiteure des Preisanstiegs hingegen sind jene, die eine Wohnung ihr eigen nennen – und insbesondere jene, die viele davon haben. Dabei handelt es sich zunehmend um institutionelle Finanzinvestoren wie Investmentfonds, Private-Equity-Gesellschaften oder Versicherungen. Sie haben sich massiv in Europas Wohnungsmärkten eingekauft, und ihre Bedeutung wächst unaufhörlich. Denn sie profitieren von Immobilienkrisen – und produzieren sie auch.

Private Equity Fonds

Private Equity (PE) ist der englische Begriff für das deutsche Wort Beteiligungskapital. PE-Gesellschaften sammeln Geld von anderen institutionellen oder privaten Investor*innen ein und investieren es – zunehmend auch in europäische Immobilien. So nahm laut den Ökonom*innen Daniela Gabor und Sebastian Kohl der US-amerikanische PE-Immobilienriese Blackstone Group zwischen 2010 und 2020 knapp 26 Milliarden Euro auf, um sie in Europas Hausmärkte zu investieren. Weitere PE-Größen in diesem Geschäft waren die deutsche Patrizia, die rund 24 Milliarden Euro für europäische Immobilieninvestments einwarb. Lone Star Funds aus den USA besorgte sich 20 Milliarden. Axa Investment Managers und Amundi Platform of Alternative and Real Assets aus Frankreich holten sich 11,5 und 12,7 Milliarden. kau

Im dritten Quartal 2021 – das sind die neuesten Daten – waren die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland satte zwölf Prozent höher als ein Jahr zuvor, so die Commerzbank. «Das ist der stärkste Anstieg in dem mittlerweile zehn Jahre laufenden Boom.» Voraussichtlich hätten sich Wohnimmobilien im Durchschnitt des Corona-Jahrs 2021 um 10,5 Prozent verteuert. «Der aktuelle Boom ist inzwischen der mit Abstand längste seit Beginn der Statistik.» Und er hat ganz Europa erfasst, auch in Großbritannien haben die Hauspreise im Januar ein Rekordhoch erklommen.

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