Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

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Marcel Proust wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Bekanntlich war er auf der Suche nach der verlorenen Zeit und hat dies in sieben Bänden ausführlich dargelegt. So viel Zeit hat die Partei die LINKE wohl eher nicht. Sie ist in einer existenziellen Krise und es wird aller Voraussicht nach ein langer Prozess der Neufindung werden, ein Prozess der Geduld, der Kreativität und vor allem der solidarischen Auseinandersetzung. Es braucht die Bereitschaft für Lernkurven und es muss darauf geachtet werden, dass dabei keine, die noch gebraucht wird, aus der Kurve fliegt. Denn konfliktfrei wird dieser Prozess mit Sicherheit nicht ablaufen. Aber auch harte Konflikte können solidarisch ausgetragen werden. Ich möchte meinen Text als solidarischen Beitrag zu diesem Prozess verstanden wissen, weil ich überzeugt bin, dass es eine linke Kraft neben der SPD braucht. Nur nicht in diesem Zustand. 

Wozu braucht es die LINKE?

Dass nach dem Debakel der Wahl erst einmal die „Schuldigen“ gesucht wurden, ist nichts Neues und schon gar nicht ungewöhnlich. Noch immer war es in der Geschichte in den Arbeiter*innenparteien am wichtigsten, die Abweichler*innen, Verräter*innen oder Revisionist*innen zu enttarnen oder zu entlarven. Geholfen hat das in der Regel wenig. Nicht selten wurde der Zerfall damit sogar beschleunigt.

Deshalb gilt es zunächst ganz nüchtern festzuhalten, dass die Schwäche der LINKEN – und im Kern auch immer noch die der SPD, denn zusammen kommen die Arbeiter*innenparteien auf magere 32 Prozent – keine monokausale Ursache hat. Wer meint, es gäbe den einen Grund oder die Personen, die man abwählen müsse, damit alles wieder gut wird, verkennt die Ursachen und auch die Geschichte der LINKEN. Im Übrigen auch die Lage der europäischen Linken insgesamt. Denn nicht nur in Deutschland kränkeln linksozialistische und/oder sozialdemokratische Parteien. Das gute Abschneiden der SPD bei der zurückliegen Wahl ist ja nicht wirklich das Ergebnis einer „neuen geeinten“ SPD. Das wird sicherlich dann noch Thema werden, wenn die Partei feststellt, dass sie zwar an der Regierung ist, aber nicht an der Macht (Tucholsky).

Fünfzig Jahre neoliberaler Politik, an denen sozialdemokratische und grüne Parteien einen nicht unwesentlichen Anteil hatten und haben, sind weder gesellschaftlich noch bei den Individuen ohne Auswirkung geblieben. Im Gegenteil: Neoliberale Mantras wie Flexibilität, Deregulierung, Privatisierung und vor allem auch Selbstoptimierung sind internalisiert. Es ist ernüchternd, dass die gesellschaftlichen Verwerfungen und die sichtbare Verwüstung der Natur nicht zu anderen Wahlergebnissen geführt haben. Hier müsste meines Erachtens die Analyse ansetzen. Und das ist eben nicht nur eine Frage für die Partei die LINKE. Deshalb könnte eine der dringend zu stellenden Fragen an all diese Akteure, aber eben insbesondere an die Partei links der Mitte-SPD und der bürgerlich- „progressiven“ Grünen ein klassisches WARUM sein. Warum braucht es die LINKE und wozu?

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