Angst vorm Russen

Manfred IdlerIm Bild | UZ vom 3. Dezember 2021

(Foto: NATO)

Vor langer, langer Zeit ist in den Denklaboren der USA am Virus der Angst vorm Russen geforscht worden. Es wurde freigesetzt und verseuchte die Bevölkerungen eines Großteils dessen, was der Hohe Rat des Imperialismus fortan die „freie Welt“ zu nennen beschlossen hatte. Einer von denen, die an der Entwicklung des Furchterregers beteiligt waren, infizierte sich selbst damit: James V. Forrestal, Kriegsminister der USA. Das Virus verwüstete sein Gehirn dergestalt, dass er mit dem Ruf „Die Russen kommen, die Russen kommen!“ durch Washingtons Straßen irrte. Seine Auftraggeber befanden ihn, der die eigene Lüge glaubte, für wahnsinnig, und ließen ihn in die Psychiatrie einweisen, wo er nach einem Sprung durch das geschlossene Fenster seiner Zelle im 16. Stock final den Boden der Tatsachen erreichte.

Über 72 Jahre ist das her und dennoch ist das Virus immer noch aktiv. Zahllose Äußerungen des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg lassen darauf schließen, dass es ihn trotz regelmäßigen Händewaschens auch erwischt hat. Möglich, dass ihm die zwischenzeitliche Erfindung bruchsicheren Glases das Leben rettet.