Vom Selbstzweck zum Satelliten

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picture-alliance/ dpa | afp

Die politischen Folgen der Unabhängigkeitserklärung wurden schnell klar: Am Tag danach feierten Nationalisten vor dem Sitz der KP Ukraine in Kiew mit antikommunistischen Plakaten, u. a. mit einem mit roter Farbe beschmierten Lenin-Porträt (25.8.1991)

Die Entstehung der unabhängigen Ukraine war eine Sturzgeburt. Sie war das Resultat des erfolglosen Versuchs des »Staatskomitees für den Ausnahmezustand«, im Rahmen des sogenannten Augustputsches die sowjetische Staatlichkeit zu retten. In Russland maßte sich damals der Präsident der Unionsrepublik, Boris Jelzin, die ihm gar nicht zustehende Kompetenz an, die Tätigkeit der unionsweiten KP zu verbieten. Für die Führung der ukrainischen Filiale der KPdSU klingelten damit die Alarmglocken. Musste sie doch damit rechnen, Jelzins nächstes Ziel zu werden. Also entschloss sich die KPU-Führung zu einer Wendung um 180 Grad. Am 24. August 1991, einem Samstag, wurde das ukrainische Parlament zu einer Sondersitzung zusammengerufen, und gemeinsam mit den Nationalisten beschloss auch die KP-Fraktion der Werchowna Rada, die Ukraine aus der Sowjetunion herauszulösen.

Das geschah nicht ohne Bedenken. Aber die Furcht vor einem Durchgreifen Jelzins auf die ukrainischen Parteistrukturen überzeugte auch die Skeptiker in der ukrainischen KP. »Wenn ihr nicht zustimmt, sitzen wir in der Scheiße«, soll Republikparteichef Stanislaw Gurenko kurz vor der entscheidenden Sitzung skeptischen Genossen gedroht haben.¹ Was die ukrainische Partei nicht hinderte, wenige Tage später die Tätigkeit der KPdSU auf ukrainischem Boden ebenfalls zu verbieten.

Ukrainische Interessen

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