Gegenmaßnahmen unzureichend Tausende Wissenschaftler warnen vor weltweitem Klimanotstand

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Deutliche Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, sei dringlicher denn je, heißt es in einem Papier von knapp 14.000 Fachleuten. Untermauert wird die Forderung durch den heutigen »Erdüberlastungstag«.

28.07.2021, 14.21 Uhr

Eimerkettenbagger in einem Tagebau in Sachsen: Verbrauch natürlicher Ressourcen wieder ähnlich hoch wie vor der Pandemie
Eimerkettenbagger in einem Tagebau in Sachsen: Verbrauch natürlicher Ressourcen wieder ähnlich hoch wie vor der PandemieFoto: Jan Woitas / dpa

Rund zwei Jahre, nachdem mehr als zehntausend Wissenschaftler aus rund 150 Ländern gemeinsam einen weltweiten »Klima-Notfall« erklärt hatten, haben sie diesen nun erneut betont und sofortige Veränderungen gefordert. Diese Veränderungen seien dringlicher denn je, um das Leben auf der Erde zu schützen, heißt es in einem am Mittwoch im Fachjournal »BioScience« veröffentlichten Artikel.

Fast zeitgleich wiesen Fachleute darauf hin, dass der globale Verbrauch natürlicher Ressourcen Schätzungen zufolge wieder etwa das Niveau von vor dem Beginn der Coronapandemie erreicht hat. Im Jahr 2021 liegt der sogenannte Erdüberlastungstag demnach auf diesem Donnerstag, 29. Juli, berichtet das Global Footprint Network mit Sitz in den USA und der Schweiz. Vor einem Jahr fiel der Stichtag pandemiebedingt erst auf den 22. August, 2019 war er schon am 26. Juli erreicht.

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Am Erdüberlastungstag sind alle erneuerbaren Ressourcen für das laufende Jahr aufgebraucht. Wichtigster Indikator dafür ist der CO2-Ausstoß.

Gestiegene Dringlichkeit

Das Papier zum »Klima-Notfall« hatten ursprünglich rund 11.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichnet, darunter 871 Forscher deutscher Universitäten und Institute. Nun seien noch einmal mehr als 2800 weitere Unterzeichner hinzugekommen, hieß es. Seit der ursprünglichen Erklärung des »Klima-Notfalls« 2019 hätten zahlreiche Ereignisse wie Flutkatastrophen, Waldbrände und Hitzewellen deutlich gemacht, welche Konsequenzen es habe, wenn auf der Erde einfach weitergemacht werde wie bisher, schreiben die Fachleute.

2020 sei beispielsweise das zweitheißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Im April 2021 sei die Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre so hoch gewesen wie noch nie seit Beginn von Messungen. Die Forscher fordern unter anderem ein absehbares Ende der Verwendung von fossilen Brennstoffen sowie einen besseren Schutz der Artenvielfalt.

»Die extremen Klimaereignisse und Muster, die wir in den vergangenen Jahren – und in den vergangenen Wochen – beobachtet haben, unterstreichen die gestiegene Dringlichkeit, mit der wir die Klimakrise angehen müssen«, erklärte Co-Autor Philip Duffy vom Woodwell Climate Research Center im US-Bundesstaat Massachusetts.

Wendepunkte sind nah oder bereits überschritten

»Es gibt wachsende Anzeichen dafür, dass wir uns Wendepunkten von verschiedenen Systemen der Erde nähern oder diese sogar schon überschritten haben«, so Co-Autor William Ripple von der Oregon State University. Als Beispiele nannte er unter anderem das Abschmelzen der Eisdecke der West-Antarktis und Grönlands, aber auch die Situation im Amazonas-Regenwald, der sich vom Kohlenstoffspeicher zur Kohlenstoffquelle entwickelt (mehr dazu lesen Sie hier). »Wir müssen unser Handeln rasch ändern, und Klimavorgaben sollten Teil der Corona-Wiederaufbaupläne sein, wo immer das möglich ist.«

Bereits 2019 hatten die Wissenschaftler gewarnt: Wenn sich das menschliche Verhalten, das zu Treibhausgasausstoß und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren führt, nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei »unsägliches menschliches Leid« nicht mehr zu verhindern. Zwei Jahre davor hatten Wissenschaftler bereits einen ähnlichen Beitrag initiiert.

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