Überall Militär, Polizei, Söldner, «Sicherheit» – aber nirgendwo Gerechtigkeit

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26-31 Minuten


30. Dez. 2020 — 

«Was ich in den letzten zehn Jahren wirklich gelernt habe: Information ist Macht.» (Jennifer Robinson)

Überall Militär, Polizei, Söldner, «Sicherheit» – aber nirgendwo Gerechtigkeit

Anfang Januar entscheidet ein Londoner Gericht, ob Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA ausgeliefert wird, weil er schwere Kriegsverbrechen der US-Armee aufdeckte. Anwältin Jennifer Robinson, die Assange seit 2010 vertritt, schildert die Schikanen, denen sie als Anwältin ausgesetzt war, die Folgen, die Assanges Einkerkerung schon jetzt für Journalisten hat – und wie die Trump-Regierung eine Begnadigung in Betracht zog, wenn Assange dafür politischen Gegnern geschadet hätte.

Ein Interview von Daniel Ryser (Text) und Kate Peters (Bilder), 29.12.2020

Ein Fall, in dem auch sie als Anwältin verleumdet werden sollte: Die Australierin Jennifer Robinson verteidigt Julian Assange seit zehn Jahren.

Während Donald Trump zu Heilig­abend verurteilte Kriegsverbrecher und Mörder begnadigt, die im Irak Zivilisten abschlachteten und ein Massaker verübten, sitzt Julian Assange in London in Isolations­haft. Diejenigen Mörder, die Assange enttarnt hatte, mussten sich niemals vor Gericht verantworten. Andere, die es mussten, wie im Fall der Söldnerfirma Blackwater, sind jetzt frei.

Das Büro der Hohen Kommissarin für Menschenrechte der Uno warnte, die Begnadigungen würden andere dazu ermutigen, ähnliche Grausamkeiten zu begehen. Der Vater eines neunjährigen irakischen Buben, der von US-Söldnern erschossen wurde, sagte, dieser Entscheid habe sein Leben ein zweites Mal zerstört.

Überall Militär, Polizei, Söldner, angebliche Sicherheit, aber nirgendwo Gerechtigkeit. Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt seit über einem Jahr in England in einem Hochsicherheits­gefängnis. Das Einzige, was gegen ihn vorliegt: Die USA verlangen seine Auslieferung, weil er Kriegs­verbrechen, Folter, Massaker durch das US-Militär publik gemacht hat. Menschen­rechts­organisationen wie Amnesty International und die Organisation Reporter ohne Grenzen fordern seit langem seine unverzügliche Freilassung.

Das Gericht in London, das am 4. Januar 2021 sein Urteil verkünden wird, hat bis heute nie öffentlich Stellung genommen, warum man Assange überhaupt in Einzelhaft steckt; warum man ihn überhaupt wegsperrt; warum er an den Gerichts­verhandlungen gefesselt hinter Panzerglas sitzen muss, als wäre es Assange, der schwere Kriegs­verbrechen begangen hat.

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