Impfstoff für die Welt

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Weltweit Begehrt: Coronaimpfstoff (30.10.2020)

Die chinesische Regierung hat erklärt, jeden erfolgreichen Coronaimpfstoff, den das Land entwickelt, als öffentliches Gut zur Verfügung zu stellen. Angesichts der aktuell ermutigenden Testergebnisse in der Entwicklung will Beijing, dass die Vakzine nach ihrer Zulassung vor allem auch mit afrikanischen Staaten geteilt werden, berichtete die Tageszeitung South China Morning Post am Sonnabend. Bereits im Juni hatte der chinesische Präsident Xi Jinping als Vorsitzender des China-Afrika-Sondergipfels für Solidarität gegen Covid-19 erklärt, dass afrikanische Staaten zu den ersten gehörten, denen ein chinesischer Impfstoff zur Verfügung gestellt werde. Am 21. November betonte er beim G-20-Gipfel erneut, dass Beijing seine Zusage einhalten werde, »anderen Entwicklungsländern Hilfe und Unterstützung zu leisten« und sich dafür einsetzen werde, »Impfstoffe als globales öffentliches Gut für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich und erschwinglich zu machen«.

Damit wird China im Kampf gegen Covid-19 zum Hoffnungsträger armer Staaten. Von denen befürchten nämlich viele, dass sie bei der Verteilung der Impfstoffe erst später zum Zug kommen. Gegenüber der US-Nachrichtenagentur AP erklärte der Chef der Afrikanischen Zentren für Krankheitsbekämpfung und Prävention, John Nkengasong, am Donnerstag, der Kontinent habe über zwei Millionen Infizierte registriert und sei bereits in der Vergangenheit bei der Verteilung von Medikamenten vernachlässigt worden.

Im April wurde unter Federführung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Initiative Covax gegründet, die sich für einen gerechten Zugang zu Covidimpfstoffen einsetzt. Ihr haben sich bislang mehr als 150 Länder angeschlossen, darunter China und die EU-Mitgliedstaaten, nicht aber die USA. Wie das ZDF am 21. November berichtete, hat die BRD 100 Millionen Euro zur Initiative beigesteuert. Vorerst werde es aber keine weiteren finanziellen Zusagen aus Berlin geben. Dabei werden bis Ende 2021 elf Milliarden US-Dollar benötigt, die noch lange nicht finanziert sind.

Insbesondere die USA und die EU denken lediglich an sich selbst. Sie haben sich Milliarden an Impfstoffdosen gesichert, unter anderem von den Herstellern Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson und Curevac. Falls diese Firmen eine Zulassung erhalten, hätten sowohl die EU als auch die USA mehr als ausreichend Vakzine, um ihre Bevölkerung zu immunisieren. Für den größten Teil der Welt bleibt also zumindest am Anfang wenig übrig.

David Shinn, ehemaliger US-Diplomat und Professor an der George-Washington-Universität in der US-Hauptstadt, sagte gegenüber der South China Morning Post, dass für die impfstoffproduzierenden Länder ihre Staatsangehörigen Vorrang haben, wodurch andere Länder zu kurz kommen werden. Lawrence Gostin, Direktor des O’Neill-Instituts für nationales und globales Gesundheitsrecht an der Georgetown-Universität in Washington, glaubt, es könne zwei bis drei Jahre dauern, bis ganz Afrika geimpft sei, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. »Dies ist nicht nur aus ethischer Sicht skrupellos, sondern auch töricht.« Wenn nicht alle Menschen geschützt werden können, wird es auch weiterhin Ausbrüche in reicheren Ländern geben, so der Wissenschaftler. Ähnlich wie Nkengasong befürchtet er, dass der Impfstoff erst spät nach Afrika kommt, so wie es während der H1N1-Grippe der Fall war, als versprochene Impfstoffe an ärmere Länder nie rechtzeitig geliefert wurden.

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