Im Homeoffice oder mit völlig selbstbestimmten Arbeitszeiten fällt Abschalten (Frauen) besonders schwer

Dossier

postmodern times. Grafik der FAU Mannheim“Extrem flexible Arbeitszeiten gehen häufig zulasten der Beschäftigten. Dabei sind die Folgen für Frauen andere als für Männer, zeigt eine neue Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung*. Was ist für Arbeitnehmer am besten: feste Bürozeiten, Gleitzeit oder völlige Selbstbestimmung ohne konkrete Zeitvorgaben? Selbstbestimmung klingt gut, ist aber auch eine Einladung zur Selbstausbeutung, wie eine Analyse von Dr. Yvonne Lott zeigt. Die Böckler-Expertin für Arbeitszeiten hat untersucht, welche Zusammenhänge zwischen Arbeitszeitmodellen, Verhalten und Arbeitsbelastungen von Frauen und Männern bestehen. Die Auswertung basiert auf Angaben von gut 10.000 Personen aus der Haushaltsbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) der Jahre 2011 und 2012. Es zeigt sich: – Wer im Homeoffice tätig ist, kann abends oft nicht abschalten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 45 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Beschäftigten, die nie zu Hause arbeiten. Offenbar verschwimmen die Grenzen zwischen den Lebensbereichen bei dieser Arbeitsweise besonders leicht. (…) Im Lichte dieser Erkenntnisse sei eine von Unternehmen häufig geforderte weitere Deregulierung der Arbeitszeitbestimmungen äußerst kritisch zu sehen, sagt Lott. Neben den negativen Konsequenzen für die Work-Life-Balance verschärfen Modelle wie die völlige Arbeitszeitautonomie auch die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern…” Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 14. August 2017 externer Link, die Mitteilung bezieht sich auf den Policy Brief Nr.003, August 2017 “Selbst organisiertes Arbeiten als Ressource für Beschäftigte nutzen!” von Yvonne Lott externer Link  – die Redaktion kein ein Lied davon singen… Siehe dazu eine neue Studie und mehr:

  • “Mobile-Arbeit-Gesetz”: Heil will Recht auf 24 Tage Homeoffice im Jahr / erste Kommentare New
    “… Das Bundesarbeitsministerium hat einen Entwurf für “Das Mobile-Arbeit-Gesetz” erarbeitet. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios sollen Vollzeitbeschäftigte einen gesetzlichen Anspruch auf jährlich 24 Tage Homeoffice bzw. mobiles Arbeit erhalten. Arbeitgeber müssten zwingende betriebliche Gründe darlegen, um das ablehnen zu können. Oder sie müssen begründen, warum sich die Tätigkeit grundsätzlich nicht dafür eignet. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) meint dazu: “Ein Bäcker kann die Brötchen in der Regel nicht von zuhause aus backen. Aber wir haben sehr viele Berufe, in denen es möglich ist, von zuhause zeitweise zu arbeiten.” Zur Einführung und Ausgestaltung mobiler Arbeit soll es ein Mitbestimmungsrecht für Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte geben. “Passgenaue” weitere betriebliche Regelungen für das Homeoffice wären danach zwischen den Tarifparteien aushandelbar. Heil sagt, es gehe darum, einen Ordnungsrahmen schaffen, “der nicht auf Zwang setzt. Aber der gleichzeitig mithilft, die Entgrenzung von Arbeit ins Privatleben zu verhindern.” (…) Grundsätzlich will Heil eine digitale Arbeitszeiterfassung verpflichtend machen, nachdem verschiedene Studien zum Homeoffice ergeben haben, dass die Heimarbeitnehmer ohne Kontrolle von Vorgesetzten und Kollegen entgegen allgemeinen Vorurteilen nicht weniger, sondern mehr arbeiten. Während der Pandemie arbeiten außerdem zahlreiche Arbeitnehmer im Homeoffice auch während der Abendstunden und an Wochenenden. Chefs, die nicht die Arbeits- und Ruhezeiten Heimarbeitender per “digitaler Stechuhr” kontrollieren, sollen laut Bundesarbeitsministerium mit bis zu 30.000 Euro Bußgeld bestraft werden…” Beitrag von Thomas Kreutzmann vom 04.10.2020 bei tagesschau.de externer Link, siehe erste Kommentare:

    • Homeoffice per Gesetz. Arbeitsminister definiert Regeln für Heimtätigkeit. DGB übt Kritik
      “… Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält die Pläne für unzureichend. 24 Tage seien eindeutig zu wenig. »Das bedeutet gerade einmal einen Anspruch von einem Tag mobiler Arbeit alle zwei Wochen«, teilte DGB-Chef Reiner Hoffmann mit. Dem Bedürfnis vieler Beschäftigter werde das kaum gerecht. »Ein solcher Minimalanspruch ist eine Konzession an die Arbeitgeber, die bei dem Thema immer noch blockieren.« Grundsätzlich gelte: »Mobiles Arbeiten muss für Beschäftigte zu besseren Bedingungen möglich, aber immer freiwillig sein«, betonte Hoffmann. »Es darf nicht passieren, dass Arbeitgeber über Privaträume ihrer Beschäftigten verfügen und Büros im Betrieb einfach wegrationalisieren. Das muss unmissverständlich klar sein.«…” Artikel in der jungen Welt vom 05.10.2020 externer Link
    • Kein Vorstoß, sondern lächerlich.
      “… Wer eine wirkliche Besserung für das alltägliche Leben erwartet hat, wird von dem Gesetzentwurf für ein Recht auf Homeoffice enttäuscht sein. Nach diesem soll es lediglich einen Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr geben. Laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sorge sein Gesetz für eine enorme Erleichterung des Familienlebens. Schließlich könne – vorausgesetzt beide Eltern haben einen Beruf, in dem mobiles Arbeiten möglich ist -, jede Woche abwechselnd ein Elternteil einen Tag von zu Hause arbeiten. Fraglich ist nur, was daran erleichternd sein soll. Ist Kinderbetreuung für Heil etwa nur eine simple Nebentätigkeit, die problemlos zeitgleich mit der Arbeit möglich ist? Oder geht es um das stressfreiere Abholen von der Kita? Die zwei bis vier Tage im Monat sind dafür jedenfalls kaum eine Erleichterung. Allgemein sind 24 Tage Homeoffice im Jahr einfach lachhaft wenig. Heils Beteuerung, dies sei lediglich die Untergrenze, macht es nicht besser. Arbeitgeber, die dem Wunsch ihrer Beschäftigten auf Homeoffice bisher nicht nachgegangen sind, werden auch in Zukunft nur die minimal gesetzlich notwendigen Zugeständnisse machen…” Kommentar von Lisa Ecke am 04.10.2020 beim ND online externer Linkzum geplanten Rechtsanspruch auf 24 Tage Homeoffice
  • Teuflisches Homeoffice: Unternehmen können sich teure Büromieten sparen. Beschäftigte haben geringeren Arbeitsschutz und sind weniger kampffähig  
    “Es gibt hoffnungsvolle und düstere Erzählungen darüber, wie die Welt nach Corona aussehen wird. (…) Wie am 9. August das Handelsblatt berichtete, plant der Münchner Allianz-Konzern seine Arbeitsroutinen komplett umzubauen. Deutschlands führender Versicherer hatte zu Beginn der Pandemie im März binnen kurzer Zeit 90 Prozent seiner Beschäftigten ins Homeoffice geschickt und sämtliche Dienstreisen abgesagt. Was aus der Not geboren war, soll nun zum Standard werden. Man erwarte, dass längerfristig bis zu »40 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten«, zitierte die Zeitung Vorstandsmitglied Christof Mascher. (…) Ein »Recht auf Homeoffice« mag zunächst gut klingen. Was aber, wenn der Chef aus dem Recht eine Pflicht macht und auch den zum mobilen Arbeiten verdonnert, der lieber unter Menschen ist oder bei dem zu Hause der Nachwuchs lärmt? Überhaupt ist zu fragen, wo bei dem »überstürzten« Strukturwandel die Mitgestaltung- und -bestimmung der Beschäftigten und Gewerkschaften bleibt. Regelungen zum Homeoffice in Tarifverträgen zu verankern ist eine wichtige und richtige Forderung. Nur werden in der anhaltenden Krise bereits Fakten geschaffen, die schwerlich wieder rückgängig zu machen sind. Beispielsweise gilt es als selbstverständlich, dass der Heimarbeitsplatz auf eigene Rechnung bezahlt und unterhalten wird. Auch fehlt es an Regularien und Werkzeugen zur Arbeitszeiterfassung, wodurch das Leistungsprinzip mehr noch als heute zum Maß aller Dinge bei Vergütungs- und Aufstiegsmodalitäten wird. Gegenwehr ist schwerer zu organisieren. Streiks lassen sich unter Coronabedingungen nur vereinzelt auf die Straße bringen. Verdi warnt deshalb vor negativen Folgen. Gewerkschaftschef Frank Werneke sagte inmitten der ersten Welle der Coronapandemie laut Augsburger Allgemeinen vom 18. April: »Eine der Hauptlehren aus der Coronazeit ist für mich: Homeoffice muss in normalen Zeiten absolut freiwillig sein. Denn die Arbeit im Homeoffice hat eben auch erhebliche Nachteile: Menschen, die nicht über eine 100-Quadratmeter-Wohnung verfügen, tun sich schwer, Arbeits- und Privatleben zu Hause zu vereinen, gerade wenn sie Kinder haben.« In der Zukunft brauche es Arbeitsschutz durch Tarifverträge. In der aktuellen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst plant die Gewerkschaft deshalb einen bundesweiten Homeofficestreik.”Artikel von Ralf Wurzbacher in der jungen Welt vom 1. September 2020 externer Link
  • Soziologin Allmendinger: “Das Leben ist keine Videokonferenz” – sie befürchtet, im Trend zur Heimarbeit liege immenser gesellschaftlicher Sprengstoff  
    Im Interview vom 24. Juli 2020 fragt beim RND Tobias Peter die Soziologin externer Link: “Frau Allmendinger, leben wir nach Corona in einem anderen Land als vorher? Ja. Die Menschen sind sich bewusster über die Verletzlichkeit des Lebens und verstehen deshalb die Notwendigkeit staatlichen Handels besser. Gleichzeitig haben wir erkannt, welche Bedürfnisse und Werte für uns besonders wichtig sind. Das gilt vor allem für die sozialen Kontakte, die wir vorher oft für selbstverständlich genommen haben. Zwar wissen wir jetzt, dass sich vieles digital organisieren lässt. Doch das Leben ist keine Videokonferenz. (…) Unsere Arbeitswelt wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein. Auch künftig werden mehr Menschen zu Hause arbeiten. Das wirft eine wichtige gesellschaftliche Frage auf: Erleben wir eine Art Spaltung zwischen denen, die wählen können, ob sie zu Hause oder am Arbeitsplatz arbeiten, und denen, die immer an ihren Arbeitsplatz müssen? (…) Privilegiert ist, wer sich aussuchen kann, wo er arbeitet. Die entscheidende Frage ist aber: Bleibt dieses Privileg erhalten? Unternehmen werden darauf dringen, dass Menschen zu Hause arbeiten – schon, um Geld für Büroräume einzusparen. Außerdem könnte es eine gesellschaftliche Debatte geben, ob die Arbeit zu Hause nicht ökologisch sinnvoller ist, um die Schadstoffemissionen des Verkehrs zu reduzieren. Das Privileg der Heimarbeit kann ganz schnell zum Zwang werden, ja zu einer Art Entzug führen. (…) Entscheidend ist: Wir müssen bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Männern und Frauen gleichmäßiger aufteilen. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern wird sich nur dann schließen, wenn wirklich beide gleichermaßen ihren Anteil an der Familienarbeit übernehmen. (…) Ich fürchte, die Kassiererin und der Krankenpfleger bekommen am Ende nur ein bisschen Applaus, aber wieder einmal keine echte finanzielle Aufwertung…”
  • Kapital setzt auf Homeoffice – »Kostenfaktor« Büro: Institut der deutschen Wirtschaft sieht Wandel  
    “Die Coronakrise könnte nach Einschätzung von Ökonomen Katalysator für mobiles Arbeiten werden. »Arbeitnehmer wie Arbeitgeber haben in der Lockdownphase gemerkt, dass es relativ gut funktioniert im Homeoffice«, sagte Michael Voigtländer vom kapitalnahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt am Main. »Viele Firmen werden sich auch überlegen, wie sie angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage Flächen sparen und damit Kosten reduzieren können.« In einer aktuellen Analyse von Voigtländer und »Arbeitsexpertin« Andrea Hammermann schreiben die IW-Ökonomen, Unternehmen dürften »verstärkt überlegen, ob sie Bürobeschäftigung dorthin verlagern, wo sie günstiger ausgeführt werden kann«. (…) Bislang hätten Unternehmen und Institutionen »größtenteils auf eine Optimierung oder Einsparung der Büroflächen verzichtet«, referieren die Autoren. »Sollten sich der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten, und vor allem auch der Stundenumfang stark ausweiten, könnte sich dies ändern«, schreiben die IW- Forscher. »Arbeitgeber« müssten dann jedoch aufgrund gesetzlicher Auflagen »weitreichendere Investitionen in die Arbeitsausstattung durch die Einrichtung von Telearbeitsplätzen« tätigen und sicherstellen, dass der häusliche Arbeitsplatz einer Gefährdungsbeurteilung standhält. Perspektivisch halten die IW-Forscher es für wahrscheinlich, dass weniger Büroflächen nachgefragt werden. »Ich erwarte schon, dass es einen Rückgang der Nachfrage nach Büroflächen geben wird«, sagte Voigtländer. »Der Leerstand in großen Städten dürfte tendenziell wieder zunehmen. Deshalb ist es wichtig, dass jetzt nicht übermäßig neue Büros gebaut werden.« Schätzungen gehen davon aus, dass die Anzahl derjenigen, die im Büro anwesend sind, um 15 Prozent sinken und die Nutzung von Büroflächen dann um zehn Prozent zurückgehen wird.” Meldung in der jungen Welt vom 20. Juli 2020 externer Link
  • Arbeiten während Corona: Homeoffice beeinflusst Produktivität, Stress und Konflikte  
    Seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten viele Beschäftigte im Homeoffice. Welche Konsequenzen das für die Beschäftigten hat, wurde in einer Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Arbeit, Personal und Organisation von Professor Dr. Stefan Süß untersucht. Dazu wurden im Rahmen einer größeren Erhebung zwischen dem 07.04.2020 und dem 09.05.2020 auch 888 Personen befragt, die im öffentlichen Dienst (Bund, Länder und Kommunen) arbeiten. (…) In der Studie gaben die Befragten einen selbst empfundenen Rückgang ihrer Produktivität um durchschnittlich rund 10 % im Vergleich zur sonst üblichen Arbeitssituation an. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser faktisch sogar größer sein könnte, das aber verständlicherweise ungern zugegeben oder nicht exakt eingeschätzt wird. Wovon hängt der Rückgang der Produktivität ab? Sie sinkt stärker bei älteren Beschäftigten und in Situationen, in denen es im Homeoffice Probleme gibt, beispielsweise wenn kein adäquater Homeoffice-Arbeitsplatz oder geringe Erfahrungen mit dem Homeoffice vorhanden sind und daher aus der ungewohnten Situation Überforderung resultieren kann. Auch eine gefühlte soziale Isolation führt zu einem Rückgang der Produktivität, das heißt die fehlende Möglichkeit zum Austausch spielt hier eine Rolle. Auffällig ist, dass die Produktivitätseinschätzung bei Personen steigt, die technologieaffin sind oder bereits vor Corona Erfahrungen mit der Arbeit im Homeoffice sammeln konnten, was darauf hindeutet, dass Gewöhnungseffekte die Situation im Laufe der Zeit verbessern können. (…) Wie einzelne Beschäftigte die Arbeit von zu Hause aus empfinden, hängt maßgeblich von der privaten Situation ab, zum Beispiel vom Alter der Beschäftigten, ihren Betreuungspflichten gegenüber Kindern und ihrer empfundenen sozialen Isolation durch das Homeoffice. Neben der sozialen Isolation prägt die Betreuung von Kindern den empfundenen Konflikt zwischen Arbeit und Privatleben am stärksten. Insgesamt macht das deutlich, dass eine Doppelbelastung, zu Hause zu arbeiten und gleichzeitig Kinder zu betreuen, eine Situation ist, die die Beschäftigten nicht langfristig tragen können. Dieser Befund unterstreicht die Notwendigkeit, Betreuungsangebote auch während der Corona-Pandemie zu schaffen, nicht nur mit Blick auf die Kinder, sondern auch auf die notwendige Entlastung der Eltern. Wenn Beschäftigte und (kleinere) Kinder gleichzeitig zu Hause sind, ist ein produktives und individuell zufriedenstellendes Homeoffice schwer möglich...” Artikel von Prof. Dr. Stefan Süß am 18.06.2020 beim DGB externer Link – der Beitrag ist Titel im BM Ausgabe 06/2020 – dem Magazin für Beamtinnen und Beamte des Deutschen Gewerkschaftsbundes
  • Rückkehr vom Homeoffice ins Büro trotz Corona: Was darf der Chef verlangen?
    In der Corona-Krise arbeiten viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Bürotätigkeiten im Homeoffice. Jetzt steht in vielen Firmen die Entscheidung an: Wann kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder in den Betrieb, zurück ins Büro vor Ort? Viele fragen sich: Was dürfen Chef oder Chefin verlangen? Und welche Corona-Schutzmaßnahmen sind zu beachten?...” FAQ vom 29.05.2020 beim DGB externer Link
  • Dann macht doch Heimarbeit … Ungleiches Arbeiten zu Hause (nicht nur in viralen Zeiten)  
    “Bei all dem Durcheinander, das sich seit Tagen über das Land legt, taucht immer wieder die Botschaft auf, man arbeite jetzt im Homeoffice. (…) Wenn man nur diesen Ausschnitt berücksichtigen würde, dann muss man zu dem Ergebnis kommen, das ganze Land arbeitet nunmehr von zu Hause. Das ganze Land und seine Bewohner? Wohl kaum, wenn man beispielsweise nur an die denkt, die jetzt in den Gesundheitseinrichtungen die Stellung halten (müssen). (…) Vor diesem Hintergrund hier ein kurzer Ausflug in das, was wir über dieses Homeoffice unter Normalbedingungen wissen und warum das auch aus Ungleichheitsaspekten interessant ist. Die Diskussion über Vor- und Nachteile der Heimarbeit hat eine lange Geschichte und sie war immer kontrovers. (…) Nach dem Willen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) soll es unter bestimmten Bedingungen ein Recht auf Homeoffice geben. Ein Recht auf Arbeiten von zu Hause aus soll per Gesetz festgeschrieben werden. (…) Parallel wurden wir mit Befunden über die große Hoffnung Homeoffice konfrontiert, die einen ernüchtern sollten: »Frauen und Männer mit Kindern nutzen flexible Arbeitsmodelle wie Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice unterschiedlich: Während die Väter sehr viel mehr Zeit in den Job stecken, machen Mütter etwas mehr Überstunden, vor allem nehmen sie sich aber deutlich mehr Zeit für die Kinderbetreuung. Damit hilft flexibles Arbeiten zwar bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, es kann zugleich aber auch die klassische Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern festigen oder sogar verstärken … Mehr Freizeit haben weder Mütter noch Väter durch flexible Arbeitszeiten.« So diese Studie aus dem gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung (…) Was aber wissen wir wirklich über die, die (nicht) zu Hause arbeiten können, dürfen – oder auch müssen? Es ist gar nicht so einfach, hier valide Daten zu bekommen. In diesem Kontext lohnt ein Blick auf die USA, wo man der angesprochenen Frage nachgegangen ist im Rahmen des American Time Use Survey (ATUS). Im vergangenen Jahr wurden die Ergebnisse veröffentlicht, u.a. zu den Möglichkeiten, zu Hause arbeiten zu können – sowie deren tatsächliche Umsetzung. Die vorgenommene Differenzierung der Befunde nach sozioökonomischen Kriterien erlaubt einen interessanten Blick auf die sehr ungleiche Verteilung dessen, was als Homeoffice diskutiert wird. (…) Die dargestellten Ergebnisse [je geringer der Bildungsabschluss umso gering die Chance auf Homeoffice] sprechen für sich und für das Fazit, dass wir mit einer erheblichen sozialen Schichtung bei den Möglichkeiten wie auch der tatsächlichen Inanspruchnahme von Arbeit zu Hause konfrontiert sind. Man wird plausibel davon ausgehen können, dass wir bei allen Unterschieden zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschen Arbeitsmarkt ein vergleichbares Muster der unterschiedlichen sozialen Schichtung auch bei uns feststellen würde.” Beitrag von Stefan Sell vom 18. März 2020 auf seiner Homepage externer Link
  • Angriff auf das Arbeitszeitgesetz – diesmal per Homeoffice  
    isw-wirtschaftsinfo Nr. 56: „Homeoffice: Vom Traum zum Alptraum“ Die Forderungen der Unternehmensseite bei Verhandlungen zu einer Betriebsvereinbarung „Mobile Arbeit“ waren deutlich. „Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit sowie die Lage der Pausen“ sollen „die Mitarbeiter in eigener Verantwortung bestimmen. Dabei hat jeder seine Arbeitszeit so einzurichten, dass eine effektive Betreuung der Kunden sowie eine reibungslose Zusammenarbeit mit den Kollegen sichergestellt ist.“ Seitdem vor 100 Jahren der 8-Stundentag hierzulande erstmals in ein Gesetz geschrieben wurde, kämpfen die Unternehmer dagegen. Jetzt soll es per Homeoffice, das Arbeiten zuhause, erreicht werden. (…) Stand in den 90er Jahren noch die Frage der Umsetzbarkeit im Vordergrund und ging es um die Klärung, wie die Daten in die Wohnung des Arbeitenden über- tragen werden können, so lautet dank neuer Technik die Frage heute: Soll das, was möglich ist, auch umgesetzt werden? (…) Die Risiken des Homeoffice werden inzwischen eher selten dargestellt. Diese Publikation setzt den Schwerpunkt auf die Warnung vor Euphorie. Sie soll auch dazu anregen, Alternativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erörtern und darüber zu diskutieren.” Artikel von Marcus Schwarzbach vom Februar 2020  – wir danken!

  • [WSI-Studie] Bessere Vereinbarkeit durch Homeoffice? Nur, wenn Arbeitgeber und Vorgesetzte die richtigen Voraussetzungen schaffen  
    “… Wer die Möglichkeit hat, einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, ist zufriedener als Beschäftigte ohne Homeoffice. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann leichter fallen. Das hängt allerdings stark von den Rahmenbedingungen ab. So kommt es beispielsweise darauf an, wie ausgeprägt die Präsenzkultur im Unternehmen ist und wie die Beschäftigten ihr Verhältnis zum Vorgesetzten einschätzen. Eine wichtige Rolle spielt auch, ob Homeoffice vertraglich geregelt ist oder nicht. Außerdem sollten für alle Beschäftigten die gleichen Regeln gelten, nach denen Leistung bewertet wird. Das geht aus einer Studie von Dr. Yvonne Lott hervor. Die WSI-Forscherin stützt sich auf Befragungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus den Jahren 2014 und 2015 zu den Erfahrungen von Beschäftigten mit Homeoffice. Diese liefern die aktuellsten verfügbaren Daten, um detailliert zu untersuchen, von welchen Faktoren es abhängt, dass Beschäftigte Homeoffice wirklich als Entlastung bei der Vereinbarkeit empfinden. (…) Ob die positiven oder negativen Erfahrungen überwiegen, ist laut Lott in hohem Maße abhängig von den betrieblichen Voraussetzungen und der Unternehmenskultur. (…) Auch die Arbeitszeiten sind wichtig: Homeoffice innerhalb der normalen Arbeitszeit ist der Work-Life-Balance erwartungsgemäß deutlich zuträglicher als in der Freizeit. Und ganze Tage zu Hause zu arbeiten, ist förderlicher als stundenweise. Die Wahrscheinlichkeit für ausschließlich gute Erfahrungen beträgt 53 Prozent mit ganzen Tagen gegenüber 29 Prozent mit einzelnen Stunden im Homeoffice. „Beschäftigte, die nur stundenweise zu Hause arbeiten, nutzen Homeoffice wahrscheinlich eher um Arbeit nachzuholen oder vorzubereiten“, schreibt Lott. Bedenklich sei dabei, dass nur 15 Prozent der Beschäftigten ganze Tage zu Hause arbeiten und lediglich 22 Prozent innerhalb der normalen Arbeitszeit arbeiten. (…) Was selbstverständlich klingt, ist in der Praxis nach wie vor oft ein Problem: Vorgesetzte beurteilten Beschäftigte im Homeoffice häufig nicht nach ihrer tatsächlich erbrachten Leistung. Wer zu Hause arbeitet, werde oft als „Minderleister“ stigmatisiert und müsse negative Bewertungen fürchten – häufig seien davon Frauen betroffen, schreibt Lott. Wichtig sei daher, dass für alle Beschäftigten innerhalb eines Betriebs – egal ob vor Ort oder im Homeoffice – allgemeingültige Kriterien gelten, nach denen die Arbeit beurteilt wird. Betriebsvereinbarungen und ein gesetzliches Recht auf Homeoffice könnten dabei helfen, die Akzeptanz zu steigern – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte eine bessere Work-Life-Balance erleben.”Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 31. Januar 2020 externer Link zum 16-seitigen WSI-Report Nr.54 vom Januar 2020 “Work-Life-Balance im Homeoffice: Was kann der Betrieb tun? von Yvonne Lott externer Link 
  • Ver.di: “Homeoffice hat Schattenseiten – Die Arbeitgeberverbände wollen unter dem Stichwort ‘Experimentierräume’ die Ruhezeiten verkürzen”  
    “… Die Gewerkschaft ver.di warnt vor steigendem Druck auf Arbeitnehmer. “Die Arbeitgeberverbände wollen unter dem Stichwort ‘Experimentierräume’ im Wesentlichen die Ruhezeiten verkürzen”, sagte ver.di-Chef Frank Werneke der Nachrichtenagentur dpa. Er stellte klar: “Heute gilt eine Ruhezeit von elf Stunden.” Wer um 8:00 Uhr im Büro zu arbeiten beginne, könne nicht verpflichtet werden, um 22:00 Uhr zu Hause noch Mails zu schreiben. “Genau das wollen die Arbeitgeber ändern.” Schon heute würden um 22.00 Uhr oft Mails geschrieben, so der Gewerkschaftschef. “Aber die Beschäftigten entscheiden selbst, ob sie es tun.” Die Einhaltung von Ruhezeiten sei ein wesentlicher Punkt des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. “Mit Gesundheit macht man keine Experimente.” (…) Werneke machte auch deutlich, dass es bei Arbeit von zu Hause aus, auf die Freiwilligkeit der Beschäftigten ankomme. Er warnte vor einer Idealisierung der Arbeit von zu Hause aus. “Ich zweifle daran, dass ein Homeoffice-Arbeitsplatz immer so idyllisch ist, wie es manchmal skizziert wird”, sagte er. “Vielfach wird dies gewählt, weil es zu pflegende Angehörige oder Kinder mit Betreuungsbedarf gibt – das ständige Wechseln zwischen Aufträgen des Arbeitgebers und Fürsorge für andere Menschen hat auch seine Schattenseiten.” Eine Homeoffice-Regelung dürfe Unternehmen außerdem nicht einfach dazu dienen, in teuren Städten mit hohen Büropreisen einfach die Mieten einzusparen, betonte der ver.di-Chef…”Meldung vom 2. Januar 2020 bei tagesschau.de externer Link
  • Mehr Freiheit durch Homeoffice?  
    Das Arbeiten von zu Hause aus liegt im Trend. Die daraus erwachsenden Probleme und die Unternehmensinteressen, die dahinter stehen, werden aber kaum thematisiert. Wer derzeit in Betrieben der Dienstleistungsbranche oder in Verwaltungsbereichen der Industrie unterwegs ist, wird häufig mit einem Thema konfrontiert, das mit großen Hoffnungen verbunden ist: »Homeoffice« oder »Telearbeit«, wie es der Gesetzgeber im Betriebsverfassungsgesetz nennt. Es geht um das Arbeiten von zu Hause aus. So erlebte ich es erst kürzlich in einem Betrieb: Ein Kollege äußerte gegenüber dem Betriebsrat den Wunsch nach Homeoffice, da es große Probleme mit dem Vorgesetzten gebe. Das Gremium nahm den Wunsch ohne größere Bedenken auf. Die Frage, ob ein Vorgesetzter per Mail und Videokonferenz Beschäftigte nicht ebenso schikanieren könne, wurde gar nicht erst erörtert. Telearbeit wird zunehmend positiv besetzt. (…) Die Erwartungen sind hoch. Jeder dritte Arbeitnehmer würde gern von zu Hause arbeiten, aber nur jeder zehnte tut es. Das ergab eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Jahr 2016. Es wird darauf verwiesen, dass die Bundesrepublik im europäischen Vergleich zurückliege. (…) Am 4. März äußerte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gegenüber dpa: »Ich werde ein Recht auf Homeoffice auf den Weg bringen, das die Balance von Sicherheit und Flexibilität wahrt.« Die Gewerkschaften fordern ebenfalls eine gesetzliche Regelung und verweisen dabei auf den Wunsch vieler Angestellter, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Seit dem vergangenen Jahr setzt sich der DGB für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ein. Die DGB-Führung ignoriert dabei die Ergebnisse des hauseigenen Thinktanks. (…) Eine Untersuchung der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die verschiedene internationale Studien ausgewertet haben, verdeutlicht die Risiken. Die Ergebnisse: Telearbeiter arbeiten länger. Oft ersetzt die Telearbeit die Arbeit in der Firma nicht, sondern erfolgt zusätzlich….” Artikel von Marcus Schwarzbach in der jungen Welt vom 31.05.2019 externer Link

  • Homeoffice: Irgendwann fehlt sogar die missmutige Chefin  
    “Viele Arbeitnehmer wünschen sich das Homeoffice, die SPD will sogar ein Recht darauf. Unser Autor mahnt zur Vorsicht: Die Heimarbeit kann einen fertigmachen. (…) Ich habe gute acht Monate zu annähernd hundert Prozent im Homeoffice gearbeitet, von September 2017 bis Juni 2018. Diese Zeit war hochgradig produktiv. Obwohl ich eine volle 40-Stunden-Stelle hatte, konnte ich die Erziehungs- und Betreuungsarbeit für unsere zwei Kinder fifty-fifty mit meiner Frau aufteilen. Die Form der Arbeit – Textbetreuung für ein alle zwei Monate erscheinendes Magazin – erlaubte eine gewisse Flexibilität. Ich konnte sowohl im Arbeitsleben auf private Notfälle als auch im Privatleben auf Arbeitsnotfälle schnell und gut reagieren. Dabei habe ich, durchaus branchenüblich, mehr gearbeitet als 40 Stunden pro Woche. Ich hatte aber nie das Gefühl, in Ansprüchen zu ertrinken, weder privaten noch dienstlichen noch in der Kombination aus beidem. (…) Trotzdem hat mich das Homeoffice fertiggemacht – und ich frage mich bis heute: Warum eigentlich? Warum hatte ich dort so viele körperliche Ausfallerscheinungen wie nie zuvor und nie danach in meinem Berufsleben? Den ständigen Druck auf der Brust, das nervöse Zittern, die Magenprobleme, das flaue Gefühl in den Unterarmen. Gerade wollte ich endlich mal zum Arzt gehen, da nahm das alles ein jähes Ende, aus anderen Gründen. Seither habe ich das Homeoffice im Verdacht, bei all seinen Vorteilen auf Dauer eine potenziell brutale Arbeitsform zu sein. Zumindest für all jene, die nicht über das lässige Selbstmanagement versierter Freiberufler verfügen, sondern in der Ferne dem Rhythmus eines Büros unterliegen, den sie zugleich nur wenig beeinflussen können…” Erfahrungsbericht von Johannes Schneider vom 3. Juni 2019 bei der Zeit online externer Link
  • Mehr Freiheit durch Homeoffice?
    Das Arbeiten von zu Hause aus liegt im Trend. Die daraus erwachsenden Probleme und die Unternehmensinteressen, die dahinter stehen, werden aber kaum thematisiert. Wer derzeit in Betrieben der Dienstleistungsbranche oder in Verwaltungsbereichen der Industrie unterwegs ist, wird häufig mit einem Thema konfrontiert, das mit großen Hoffnungen verbunden ist: »Homeoffice« oder »Telearbeit«, wie es der Gesetzgeber im Betriebsverfassungsgesetz nennt. Es geht um das Arbeiten von zu Hause aus. So erlebte ich es erst kürzlich in einem Betrieb: Ein Kollege äußerte gegenüber dem Betriebsrat den Wunsch nach Homeoffice, da es große Probleme mit dem Vorgesetzten gebe. Das Gremium nahm den Wunsch ohne größere Bedenken auf. Die Frage, ob ein Vorgesetzter per Mail und Videokonferenz Beschäftigte nicht ebenso schikanieren könne, wurde gar nicht erst erörtert. Telearbeit wird zunehmend positiv besetzt. (…) Die Erwartungen sind hoch. Jeder dritte Arbeitnehmer würde gern von zu Hause arbeiten, aber nur jeder zehnte tut es. Das ergab eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Jahr 2016. Es wird darauf verwiesen, dass die Bundesrepublik im europäischen Vergleich zurückliege. (…) Am 4. März äußerte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gegenüber dpa: »Ich werde ein Recht auf Homeoffice auf den Weg bringen, das die Balance von Sicherheit und Flexibilität wahrt.« Die Gewerkschaften fordern ebenfalls eine gesetzliche Regelung und verweisen dabei auf den Wunsch vieler Angestellter, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Seit dem vergangenen Jahr setzt sich der DGB für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ein. Die DGB-Führung ignoriert dabei die Ergebnisse des hauseigenen Thinktanks. (…) Eine Untersuchung der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die verschiedene internationale Studien ausgewertet haben, verdeutlicht die Risiken. Die Ergebnisse: Telearbeiter arbeiten länger. Oft ersetzt die Telearbeit die Arbeit in der Firma nicht, sondern erfolgt zusätzlich….” Artikel von Marcus Schwarzbach in der jungen Welt vom 31.05.2019 externer Link

  • Neue WSI-Studie: Homeoffice und flexible Arbeitszeiten: Väter machen Überstunden, Mütter auch – und kümmern sich zusätzlich mehr um die Kinder  
    Frauen und Männer mit Kindern nutzen flexible Arbeitsmodelle wie Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice unterschiedlich: Während die Väter sehr viel mehr Zeit in den Job stecken, machen Mütter etwas mehr Überstunden, vor allem nehmen sie sich aber deutlich mehr Zeit für die Kinderbetreuung. Damit hilft flexibles Arbeiten zwar bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, es kann zugleich aber auch die klassische Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern festigen oder sogar verstärken. Dagegen helfen könnten klarere Regelungen, etwa eine Zeiterfassung im Homeoffice, und stärkere Anreize für Väter, sich ausführlicher um ihre Kinder zu kümmern. Mehr Freizeit haben weder Mütter noch Väter durch flexible Arbeitszeiten. Das zeigt eine Studie von Dr. Yvonne Lott, Gender- und Arbeitszeitforscherin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. (…) Zusätzliche Erholungszeit, also etwa für mehr Schlaf, individuell gestaltete Freizeit oder Sport, haben Beschäftigte mit Kindern im Haushalt durch flexible Arbeitszeiten generell nicht. Lotts Fazit ist eindeutig: „Einen Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter.“ Grundsätzlich führen flexible Modelle also bei beiden Geschlechtern im Schnitt zu längeren Arbeitszeiten im Job, zeigt Lott. Bei Männern sei dieser Effekt deutlicher ausgeprägt als bei Frauen. Wobei Letztere gleichzeitig mehr Zeit für die Kinder aufwenden und so häufig doppelt belastet sind. Der Abstand bei den Zeiten, die Mütter und Väter jeweils mit Erwerbstätigkeit und mit Kinderbetreuung verbringen, wächst mit der Flexibilität der Arbeit. Flexibles Arbeiten, das als wichtige Hilfe bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt, hat damit durchaus eine Schattenseite, warnt die Forscherin: Ohne bessere Leitplanken als es sie heute in vielen Unternehmen gibt, kann es die traditionelle Rollenverteilung befördern…” WSI-Mitteilung vom 05.03.2019 externer Link zum WSI-Report Nr.47 “Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen” von Yvonne Lott vom März 2019 externer Link  (16 Seiten) – siehe dazu weitere Meldungen:

    • Homeoffice darf Frauen nicht stärker belasten. “Männer müssen zu Hause nicht nur mehr mitanpacken, sie müssen Aufgaben auch komplett übernehmen.“
      “Frauen und Männer mit Kindern nutzen flexible Arbeitszeiten sehr unterschiedlich, zeigt eine Studie des WSI der Böckler-Stiftung: Väter stecken mehr Zeit in den Job, Mütter in die Kinderbetreuung. DGB-Vize Elke Hannack fordert deshalb “mehr Bewegung in den Köpfen bei Männern und Frauen. (…) Männer und Frauen müssen die neue Flexibilität auch so nutzen, dass sie die Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung (bzw. Erwerbs- und häusliche Sorgearbeit) untereinander partnerschaftlich aufteilen. Denn immer noch leisten Frauen den Löwenanteil der unbezahlten Sorgearbeit, während sie immer öfter auch einen bezahlten Job haben. Wir wollen, dass sich das ändert. Damit mehr Homeoffice nicht zu mehr Doppelbelastung der Frauen führt, müssen sich auch die Männer einsichtig zeigen. Die Männer müssen zu Hause nicht nur mehr mitanpacken, sie müssen Aufgaben auch komplett übernehmen.” Elke Hannack zur WSI-Studie beim DGB am 5. März 2019 externer Link
    • Geschlechtergerechtigkeit: Mehr Flexibilität bedeutet mehr Arbeit – vor allem für Mütter
      “… Das Kind mit weniger Zeitdruck zur Kita bringen und es am Nachmittag selbst abholen – statt es bis zum Abend von einem Babysitter oder einer Babysitterin betreuen zu lassen. Morgens eine halbe Stunde länger schlafen können, weil die Nacht schlecht war und der Weg zum Schreibtisch nur wenige Sekunden dauert. Gleitzeit, selbstbestimmte Arbeitszeiten und Homeoffice versprechen, Job und Familienleben besser vereinbaren zu können. Besser heißt: mit weniger Stress und mehr Freiräumen zur Erholung. In der Realität trifft diese Annahme jedoch nicht zu, wie eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Mehr noch: Das traditionelle Bild der für die Kinderbetreuung zuständigen Frau wird durch flexibles Arbeiten nur noch verstärkt. Mütter, die von zu Hause aus arbeiten, investieren demnach pro Woche drei Stunden mehr in die Betreuung ihrer Kinder als Mütter, die täglich ins Büro fahren. Mütter, die ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen können, kümmern sich pro Woche eineinhalb Stunden mehr um ihren Nachwuchs als Mütter mit festen Arbeitszeiten. Mehr Zeit also für Musikschule oder Schwimmkurs. Schafft die Flexibilität folglich einen Mehrwert? “Ein Gewinn ist nicht zu beobachten”, sagt Studienautorin Yvonne Lott. Im Gegenteil: “Die Ergebnisse deuten auf eine Doppelbelastung von Müttern hin.” (…) Durch flexible Arbeitsmodelle können Beschäftigte neben der Kinderbetreuung auch mehr Zeit für sich selbst gewinnen – etwa für Sport, Schlafen oder Nichtstun. Die Studienergebnisse zeigen aber, dass die Flexibilität kein Mehr an Freizeit bietet und viel mehr zu Lasten sowohl von Müttern als auch von Vätern geht. Während selbstbestimmte Arbeitszeiten allerdings für beide Geschlechter weniger Erholung bedeuten, sind Homeoffice und Gleitzeit allein für Mütter nachteilig. Sie kommen mit Gleitzeit auf 4,5 Stunden Freizeit in der Woche, bei Männern sind es im Durchschnitt sechs Stunden…” Artikel von Sarah Lena Grahn vom 5. März 2019 bei der Zeit online  externer Link
  • Damit das Recht kein Zwang wird: Vom Homeoffice würden fast nur Angestellte profitieren. Und längst nicht alle wollen gerne Zuhause arbeiten
    “Die Handwerker*innen sollen kommen, das Kind ist krank, oder die lange Anfahrt zum Arbeitsplatz strengt einfach nur an: Es gibt einige gute Gründe für Beschäftigte, warum sie Homeoffice nutzen wollen. Nachdem bereits die Grünen und der DGB sich für ein »Recht auf Homeoffice« ausgesprochen haben, will nun auch die SPD und Arbeitsminister Hubertus Heil das Thema angehen. Noch in diesem Jahr soll laut Heil ein entsprechendes Gesetz im Bundestag beschlossen werden. (…) Auf nd-Anfrage konnte das zuständige Arbeitsministerium noch keine genaueren Angaben machen, bis wann ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden soll. Auch zur Frage, wie geregelt werden soll, dass Zuhause-Arbeitende keine Überstunden machen, wollte sich das Ministerium noch nicht äußern. Absehbar ist, dass der Umfang des Rechts auf Homeoffice – ob Beschäftigte beispielsweise »Vollzeit-Homeoffice« machen können – Verhandlungssache bleiben wird. (…) Derzeit arbeiten laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung etwa zwölf Prozent aller Beschäftigten gelegentlich im Homeoffice. Bei rund 40 Prozent der Beschäftigten wären die technischen Voraussetzungen dafür gegeben. Allerdings: Dies trifft vor allem Angestellte. In einer Auswertung des Bundesarbeitsministeriums von 2015 geht hervor, dass während 60 Prozent der Angestellten Heimarbeit wahrnehmen können, das nur bei zwei Prozent der Arbeiter*innen der Fall ist. Und: Nicht jeder möchte das Angebot nutzen. Zehn Prozent der Beschäftigten wollen laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung auch bei vorhandener Möglichkeit keine Heimarbeit. Die Gewerkschaften sehen das Vorhaben mit gemischten Gefühlen. Sie möchten zwar eine Humanisierung der Arbeit, fürchten aber zugleich, dass sie Zuhause Arbeitende schlechter erreichen können…” Beitrag von Alina Leimbach bei neues Deutschland vom 4. März 2019 externer Link

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