Selbstorganisation stärken

Moria, Lesbos
Unsere Partner verteilen das Nötigste an die Geflüchteten. (Foto: Stand by me Lesvos)

Nach einem Aufstand von Geflüchteten gegen die menschenunwürdigen Lebensbedingungen sind große Teile des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos abgebrannt. Die letzten Nächte haben tausende Frauen, Männer und Kinder unter freiem Himmel verbracht, während Europa weiter uneinig über ihre Zukunft diskutiert. Die medico-Partner*innen vor Ort – die lokale griechische Organisation „Stand by me Lesvos“ sowie die Selbstorganisationen von Geflüchteten „Moria Corona Awareness Team“ (MCAT), „Moria White Helmets (MWH)“ und „Moria Academia“ – sind weiter aktiv, informieren und helfen, wo sie können. Damit diese selbstorganisierten Teams von Geflüchteten, die bei den Bränden alles verloren haben, ihre Arbeit fortsetzen können, versorgt „Stand by me Lesvos“ sie derzeit – unterstützt von medico – mit Nahrungsmitteln, Decken und Zelten.

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Zwischen anderen Geflüchteten, die am Straßenrand, unter Autos und sogar auf Friedhöfen sitzen und nicht wissen wohin, haben die selbstorganisierten Teams ihre Igluzelte aufgebaut. Der Zugang zur Hauptstadt Mytilini wird ihnen wie allen anderen Geflüchteten von griechischen Polizist*innen verwehrt; die Straßen sind blockiert und die Menschen werden zum Teil brutal zurückdrängt.

Zuletzt lebten in dem seit Jahren vollkommen überfüllten Lager Moria fast 13.000 Geflüchtete. Unter menschenunwürdigen Bedingungen wurden sie verwahrt und von grundlegenden Rechten ausgeschlossen. Die Verantwortung für die anhaltende Entwürdigung und Entrechtung von ihnen und Tausenden weiteren Menschen an den europäischen Außengrenzen trägt die Europäische Union, tragen die europäischen Regierungen. Sie wussten von den katastrophalen Bedingungen und haben die Migrationsabwehr über den Schutz des Lebens und die Werte gestellt, die Europa sonst für sich reklamiert.

Inmitten dieser Hölle ist einer der wenigen Hoffnungsschimmer die solidarische Selbstorganisation von Menschen, die ihr Schicksal nicht weiter erdulden, sondern selbst in die Hand nehmen. Mit medico-Unterstützung begannen sie im April in Eigeninitiative Corona-Präventionsmaßnahmen in Moria zu betreiben, da es bis dato weder Aufklärung noch Schutzmöglichkeiten im Lager gab. Diese Arbeit ist nun wichtiger denn je. Denn die Gefahr, dass sich Corona jetzt auf der Insel unkontrolliert ausbreitet, ist groß. Niemand weiß, wie viele positive Corona-Fälle es im Lager gab, denn es wurde nur ein kleiner Teil der Menschen getestet, die jetzt über die Insel irren. Aber das ist nicht das einzige Problem. Die Sorge ist groß, dass das Virus zusätzlich von außen eingeschleppt wird.

„Wir bitten alle Helfer*innen, Politiker*innen und Journalist*innen, die jetzt nach Lesbos kommen, sich vorher auf Corona testen zu lassen. Bringt uns nicht noch mehr in Gefahr“, bittet Raed al Obeed von MWH eindringlich.

Von einem Parkplatz aus plant er mit den anderen zusammen die Verteilung von Masken und Corona-Aufklärungsplakaten auf der Insel. Außerdem wollen sie sich wie schon in Moria weiter um die Müllentsorgung kümmern und bei der Verteilung von Hilfslieferungen helfen. „Wir sind hier, wir wissen, was wo gebraucht wird.“ Außerdem berichten sie rund um die Uhr; über die Sozialen Netzwerke teilen sie Bilder und Forderungen der Menschen vor Ort und leisten so einen wichtigen Beitrag kritischer Öffentlichkeitsarbeit – auch dann, wenn keine Journalist*innen da sind.

Ihnen müssen wir zuhören, denn es sind die Menschen, die Moria und die Hölle selber erleben. Sie werden bleiben und dort aktiv sein, wo europäische Regierungen und Krisenstäbe versagen. Moria ist abgebrannt, die 13.000 müssen jetzt die Insel verlassen, dafür braucht es eine sofortige humanitäre Lösung. Aber zugleich muss das Recht auf Ankunft und ein Leben in Menschenwürde verteidigt werden. Denn trotz aller Abschottungs- und Abschreckungsversuche werden weiterhin Menschen versuchen, auf den griechischen Inseln Zuflucht zu finden. Deswegen werden wir unseren Partner*innen vor Ort auch weiter zur Seite stehen.  

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